Ma­nage­ment im Kri­sen­mo­dus

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Jens Heitmann

Dass Con­ti­nen­tal heu­te weit mehr ist als ei­ne „Caout­chouc- und Gut­ta­per­cha Com­pa­gnie“und sich seit der Grün­dung im Ok­to­ber 1871 mehr­mals grund­le­gend ge­wan­delt hat, wird nicht nur dank­ba­ren Ak­tio­nä­ren auf­ge­fal­len sein. Selbst für pro­fes­sio­nel­le Be­ob­ach­ter hat sich das Wachs­tum zu­letzt je­doch in ei­nem Ma­ße be­schleu­nigt, das es im­mer schwe­rer macht, die Ge­schäf­te im De­tail zu über­bli­cken. Da­bei ist es aber nur ein ge­rin­ger Trost, dass es dem Vor­stand of­fen­bar ähn­lich geht – an­ders sind zwei Ge­winn­war­nun­gen in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen kaum zu er­klä­ren.

Mehr als 100 Zu­käu­fe seit der Jahr­tau­send­wen­de ma­chen deut­lich, wie kom­plex und un­über­sicht­lich der Kon­zern in­zwi­schen ge­wor­den ist. Con­ti­nen­tal be­schäf­tigt mehr als 240 000 Mit­ar­bei­ter, un­ter­teilt sei­ne Ge­schäf­te in 27 Be­rei­che und steu­ert auf ei­nen Um­satz von 50 Mil­li­ar­den Eu­ro zu. Im Vor­stand hat man schon frü­her ge­ahnt, dass sich die­ses kom­ple­xe Ge­bil­de nicht län­ger zen­tral aus Han­no­ver füh­ren lässt – doch die Kon­se­quen­zen wur­den spät ge­zo­gen. Nun muss der Um­bau des Un­ter­neh­mens par­al­lel zu dem wohl größ­ten Wan­del der ge­sam­ten Bran­che statt­fin­den.

Nach au­ßen trägt die Kon­zern­füh­rung im­mer noch die selbst­be­wuss­te Ge­las­sen­heit zur Schau wie zu den Zei­ten, als der Ak­ti­en­kurs ei­nen Re­kord­wert nach dem an­de­ren er­reich­te. In­tern je­doch agiert das Ma­nage­ment im Kri­sen­mo­dus: Wenn Con­ti die Pro­blem­spar­te Po­wer­train nicht schnell wie­der auf Kurs bringt, ge­rät nicht nur de­ren ge­plan­ter Bör­sen­gang im nächs­ten Jahr in Ge­fahr – dann stün­de auch das Ver­trau­en der An­le­ger in die Ver­läss­lich­keit des Vor­stands in­fra­ge.

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