Erst Sa­nie­rung – dann Bör­sen­gang

Con­ti­nen­tal will sei­ne schwä­cheln­de An­triebs­spar­te Po­wer­train wie­der auf Vor­der­mann brin­gen

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Jens Heitmann

Han­no­ver. Trotz zu­letzt ent­täu­schen­der Zah­len hält Con­ti­nen­tal dar­an fest, die An­triebs­spar­te Po­wer­train an die Bör­se zu brin­gen. Ziel sei es, die Di­vi­si­on bis An­fang 2019 recht­lich und or­ga­ni­sa­to­risch zu ver­selbst­stän­di­gen, sag­te Vor­stands­chef El­mar De­gen­hart der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“. Par­al­lel da­zu wer­de man mit den Vor­be­rei­tun­gen für den Bör­sen­gang be­gin­nen, der ab Mit­te nächs­ten Jah­res über die Büh­ne ge­hen kön­ne. In ei­nem ers­ten Schritt will sich Con­ti von 25 Pro­zent der Po­wer­train-an­tei­le tren­nen.

Bei der Neu­ord­nung des Kon­zerns fun­giert die Spar­te als ei­ne Art Speer­spit­ze: Ne­ben den deut­lich grö­ße­ren Be­rei­chen Au­to­mo­ti­ve und Rub­ber soll Po­wer­train un­ter dem Dach ei­ner Hol­ding ab 2020 als selbst­stän­di­ger Be­reich ge­führt wer­den – soll­te der avi­sier­te Bör­sen­gang er­folg­reich ver­lau­fen, könn­te der Kon­zern auch dar­an­ge­hen, An­tei­le am Rei­fen­ge­schäft und der Kunst­stoffspar­te Con­titech an In­ves­to­ren ab­zu­ge­ben.

Doch die­se Plä­ne ste­hen auf wa­cke­li­gem Grund, weil sich Po­wer­train schlech­ter ent­wi­ckelt als er­war­tet. Nach Haz-in­for­ma­tio­nen schwä­cheln drei der ins­ge­samt fünf Ge­schäfts­be­rei­che: Wäh­rend die Ab­tei­lun­gen Sen­so­ren und Trans­mis­si­on wei­ter­hin sehr pro­fi­ta­bel sei­en, se­he es bei den Ab­gas­sys­te­men, dem Mo­tor­ma­nage­ment so­wie bei den Bord­netz- und Bat­te­rie­sys­te­men (HEV) deut­lich schlech­ter aus, ver­lau­tet aus Kon­zern­krei­sen. In die­sen drei Bu­si­ness­u­nits sol­len nun ex­ter­ne Be­ra­ter da­bei hel­fen, „un­se­re Kos­ten- struk­tur, die Preis­po­li­tik oder die Markt­stel­lung zu op­ti­mie­ren“, sag­te De­gen­hart. Ein­zel­ne Ma­na­ger wur­den be­reits aus­ge­tauscht. Auch die Schlie­ßung von Stand­or­ten sei in der ak­tu­el­len La­ge nicht grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, sag­te De­gen­hart. Of­fen­bar ge­wor­den sind die Pro­ble­me bei Po­wer­train, als Con­ti­nen­tal sei­ne Ge­winn­erwar­tung für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr En­de Au­gust zum zwei­ten Mal nach un­ten kor­ri­gie­ren muss­te. An­schlie­ßend war der Vor­stand mit den Füh­rungs­kräf­ten der kri­seln­den Busi­ness-units hart ins Ge­richt ge­gan­gen.

„Sie ge­stal­ten ih­re Zu­kunft nicht, son­dern über­las­sen den Wett­be­wer­bern die Gestal­tung ih­rer Märk­te“, hieß es in ei­nem Schrei­ben an 400 Ma­na­ger. Zwar kön­ne die Spar­te ih­re ope­ra­ti­ve Mar­ge von 6,5 Pro­zent vom ver­gan­ge­nen Jahr 2018 nicht hal­ten. „Wir wer­den das aber nut­zen, um An­lauf zu neh­men und ver­stärkt auf das ge­plan­te Ren­di­teni­veau von 8 Pro­zent hin­zu­ar­bei­ten.“

FO­TO: J. STRA­TEN­SCHUL­TE/DPA

Con­ti-chef El­mar De­gen­hart hält am Bör­sen­gang der An­triebs­spar­te fest.

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