Orts­schild mit Aha-ef­fekt

Göt­tin­ger Fo­to-händ­ler will von Vor­tei­len sta­tio­nä­rer Lä­den über­zeu­gen

Göttinger Tageblatt - - GÖTTINGEN - Von Mar­kus Rie­se

Göt­tin­gen. Mit ei­ner Art Pos­ter an der La­den­tür, das wie ein Göt­tin­ger Orts­schild aus­sieht, will In­nen­stadt­Händ­ler Bernd Bo­land auf die Tü­cken des On­line-han­dels und die Vor­tei­le sta­tio­nä­rer Ge­schäf­te auf­merk­sam ma­chen. Un­ter dem Wort „Göt­tin­gen“ist zu­sätz­lich zu le­sen: „Kau­fe in Dei­ner Stadt, da­mit sie ei­ne Zu­kunft hat.“

Bo­land be­treibt das Fach­ge­schäft „Fo­to­team Bo­land“an der Lan­geGeis­mar-stra­ße. Seit fast 30 Jah­ren ist er da­mit in Göt­tin­gen am Markt. Ein Phä­no­men ha­be er zu­letzt im­mer häu­fi­ger be­ob­ach­tet: „On­line be­stell­te Druck­for­ma­te sind nicht im­mer kom­pa­ti­bel mit Rah­men­grö­ßen, wenn spä­ter vor Ort im Fach­ge­schäft ge­rahmt wer­den soll“, sagt Bo­land. Dies be­tref­fe et­wa preis­wer­te Lei­nen­pos­ter­dru­cke: „Sie wer­den häu­fig on­line be­stellt, ge­druckt und als Rol­le un­ge­rahmt ver­sen­det“, weiß der Fach­händ­ler. Wenn Kun­den da­mit zu ihm in den La­den kom­men, kön­ne er oft nicht hel­fen – weil das For­mat für ei­ne Rah­mung nicht pas­se. Sol­che Fäl­le wür­den sich häu­fen. Trotz oft un­durch­sich­ti­ger Preis­ge­stal­tung und ver­steck­ter Zu­satz­kos­ten wür­den aber im­mer mehr Men­schen on­line be­stel­len, was letzt­lich auch die Exis­tenz der ört­li­chen An­bie­ter be­dro­he.

Rück­kehr zum Fach­han­del

Um auf all die­se Pro­ble­me auf­merk­sam zu ma­chen, sei Bo­land die Idee mit dem Orts­schild ge­kom­men. Es soll nicht nur die ei­ge­nen Kun­den, son­dern auch Pas­san­ten zum Nach­den­ken be­we­gen. Spe­zi­ell die­je­ni­gen, die mit On­line-händ­lern ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen ge­macht hät­ten, kä­men in­zwi­schen auch wie­der ver­stärkt zu ihm in den La­den: „Der per­sön­li­che Kon­takt und die per­sön­li­che Be­ra­tung ste­hen wie­der hoch im Kurs und kön­nen vom On­line-han­del noch lan­ge nicht er­setzt wer­den“, so der Fach­händ­ler.

Gleich ne­ben­an be­treibt Eu­gen Schwarz­rock das Tee­haus Kl­unt­je. Als er vor ei­ni­gen Wo­chen das Schild bei sei­nem Nach­barn sah, war er so­fort be­geis­tert: „Ich ha­be Herrn Bo­land ge­be­ten, mir auch ei­nes zu dru­cken“, be­rich­tet Schwarz­rock. Das­sel­be Mo­tiv hängt seit­her auch in sei­ner La­den­tür. „Manch­mal kom­men Men­schen ins Ge­schäft, um uns ein­fach zu die­ser Ak­ti­on zu gra­tu­lie­ren“, freut er sich über die Re­so­nanz. Auch im Tee­han­del sei in­zwi­schen ein deut­li­cher On­line-trend er­kenn­bar – ob­wohl es im In­ter­net ja nicht mög­lich sei, vor dem Kauf zum Bei­spiel an ei­nem Tee zu rie­chen.

Bo­land wür­de sei­ne Idee nun gern zu ei­ner Kam­pa­gne aus­wei­ten: „Wenn sich ein Spon­sor fin­det, der die Schil­der in grö­ße­rer Stück­zahl dru­cken kann, könn­ten sich mehr Händ­ler be­tei­li­gen und das Mo­tiv in ver­schie­de­nen For­ma­ten auch gern ver­kau­fen. Mit dem Er­lös könn­te zum Bei­spiel das El­tern­haus für das krebs­kran­ke Kind oder die Pal­lia­tiv­sta­ti­on un­ter­stützt wer­den.“

Su­san­ne Hel­ler, Vor­sit­zen­de des Ver­eins Pro Ci­ty, be­grüßt die Initia­ti­ve: „Es ist im­mer lo­bens­wert, wenn sich Händ­ler da­für en­ga­gie­ren, die At­trak­ti­vi­tät des In­nen­stadt­be­such und des sta­tio­nä­ren Han­dels her­aus­zu­stel­len“, fin­det die In­ha­be­rin ei­nes Bet­ten­ge­schäfts.

FO­TO: CH

Ros­wi­ta und Bernd Bo­land

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