Ant­je Thoms en­ga­giert sich für För­de­rung

#ret­te­dein­thea­ter: Die Haus­re­gis­seu­rin am Deut­schen Thea­ter Göt­tin­gen star­tet ei­ne Pe­ti­ti­on

Göttinger Tageblatt - - GÖTTINGEN - Von Pe­ter Krü­ger-lenz

Göt­tin­gen. Neun Mil­lio­nen Eu­ro hat­ten die Thea­ter und Orches­ter in Nie­der­sach­sen als zu­sätz­li­chen För­der­be­darf bei der Lan­des­re­gie­rung an­ge­mel­det. Ge­ei­nigt hat­te man sich dann auf sechs Mil­lio­nen Eu­ro, die in den Haus­halts­ent­wurf auf­ge­nom­men wur­den. Mit Be­ginn der Som­mer­pau­se sei das je­doch wie­der ge­stri­chen wor­den, be­rich­tet Thoms. Nach dem Wil­len des Fi­nanz­mi­nis­ters sol­le es kei­ne Stei­ge­rung ge­ben. Bei der Ver­ab­schie­dung wech­seln­der und der Be­grü­ßung neu­er Schau­spie­ler ha­be DT-IN­ten­dant Erich Sid­ler da­von be­rich­tet. Dar­auf­hin ha­be sie ei­ne Mit­ar­bei­ter­initia­ti­ve ge­star­tet: #ret­te­dein­thea­ter. Denn: „Wir müs­sen un­se­re ei­ge­ne Lob­by­ar­beit ma­chen.“Für sie sei das na­he­zu ein Voll­zeit­job ge­wor­den, sagt Thoms.

Ih­re Kon­tak­te sei sie durch­ge­gan­gen und ha­be mit Re­gis­seu­ren, Büh­nen- und Ko­s­tüm­bild­nern wie auch mit Schau­spie­lern ge­spro­chen, mit de­nen sie zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat. An­sprech­part­ner in den Thea­tern woll­te sie so auf­tun, das sei auch ge­lun­gen. Viel Un­ter­stüt­zung sei auch von der Dra­ma­tur­gi­schen Ge­sell­schaft ge­kom­men. De­ren Vor­sit­zen­der Ha­rald Wolff ist Chef­dra­ma­turg in Gie­ßen, lebt aber auch in Göt­tin­gen. Mit den Dt-schau­spie­le­rin­nen Gaia Vo­gel, Ju­dith Strö­ßen­reu­ter und Chris­ti­na Jung hat sie ei­ne Ar­beits­grup­pe ge­grün­det, die ei­ni­ges ge­plant hat.

5000 Stim­men nie­der­säch­si­scher Bür­ger

Kern der Ak­ti­on ist die Pe­ti­ti­on, die Thoms auf den Weg ge­bracht hat. Auf der In­ter­net­sei­te Open Pe­ti­ti­on hat sie #ret­te­dein­thea­ter ver­an­kert. 5000 Stim­men nie­der­säch­si­scher Bür­ger sind not­wen­dig, 7914 hat­ten bis ges­tern Abend da­für ge­stimmt. Am 24. Ok­to­ber soll die Pe­ti­ti­on dem Land­tag in Han­no­ver über­ge­ben wer­den. Dann wer­den vie­le Mit­ar­bei­ter der Thea­ter in Göt­tin­gen, Cel­le, Os­na­brück, Hil­des­heim, Wil­helms­ha­ven, aus dem Dreis­par­ten­haus in Lü­ne­burg und vom Göt­tin­ger Sym­pho­nie-orches­ter da­bei sein, um ih­rem An­lie­gen Nach­druck zu ver­lei­hen. Die Mu­si­ker wol­len In­stru­men­te mit­brin­gen und auf dem Platz der Göt­tin­ger Sie­ben ne­ben dem Land­tag mu­si­zie­ren – „deut­lich ver­nehm­bar“, sagt Thoms.

Mit da­bei ist dann auch Jo­hann Se­bas­ti­an Som­mer, Cel­list des Göt­tin­ger Sym­pho­nie-orches­ters (GSO), das eben­falls von der Strei­chung der hö­he­ren För­de­rung be­trof­fen ist. Er sitzt als des­sen Ver­tre­ter in der so­ge­nann­ten Orches­ter­kon­fe­renz Nie­der­sach­sen, dem Zu­sam­men­schluss der nie­der­säch­si­schen Orches­ter. Im Zu­sam­men- hang mit der Strei­chung sei das Gre­mi­um zum ers­ten Mal öf­fent­lich ak­tiv ge­wor­den, sagt Som­mer. Er be­rich­tet von Gso-stel­len, die we­gen der Geld­knapp­heit nicht wie­der­be­setzt wer­den konn­ten.

Bis zu vier Pos­ten nicht be­setzt

Gso-ge­schäfts­füh­rer Klaus Hoff­mann be­stä­tigt das. Von den 51 fes­ten Mu­si­ker­stel­len sei­en in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im Schnitt bis zu vier Pos­ten nicht be­setzt ge­we­sen. Das Pro­blem laut Hoff­mann: „Wir ha­ben so gut wie al­le Ein­spar­po­ten­zia­le aus­ge­schöpft.“Jetzt blei­be die von der Lan­des­re­gie­rung ver­spro­che­ne Bes­ser­stel­lung der kom­mu- na­len Thea­ter und Orches­ter aus. Hoff­mann: „Wir fah­ren das künst­le­ri­sche Per­so­nal dau­er­haft auf 110 Pro­zent.“Das schrän­ke auf Dau­er die Qua­li­tät ein. Na­he­zu 200000 Eu­ro ha­be das Orches­ter in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein­ge­spart. Jetzt fehl­ten et­wa 350 000 Eu­ro.

Das DT hat ei­nen Be­darf von et­wa ei­ner Mil­li­on Eu­ro an­ge­mel­det, er­klärt In­ten­dant Erich Sid­ler. Das Pro­blem in dem Haus am Wall sei vor al­lem die Thea­ter­päd­ago­gik und hier die Ko­ope­ra­ti­on mit den Schu­len. Die Nach­fra­ge sei stän­dig ge­stie­gen: „Frü­her oder spä­ter kön­nen wir das nicht mehr be­die­nen.“Be­trof­fen sei­en auch die di­ver­sen Spiel­clubs, ei­ne Art Volks­büh­ne, in de­nen al­le Men­schen aus der Re­gi­on mit­wir­ken könn­ten. Schwie­rig sei zu­dem die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on vie­ler Schau­spie­ler, vor al­lem in den ers­ten Jah­ren. „Es kann nicht an­ge­hen, das der Schau­spie­ler, der ei­nen gan­zen Abend auf der Büh­ne be­strei­tet, 500 Eu­ro im Mo­nat we­ni­ger ver­dient als der Tech­ni­ker auf der Sei­ten­büh­ne“, sagt Sid­ler – ein Pro­blem, dass sie ge­mein­sam mit Po­li­tik und Ver­wal­tung klä­ren müss­ten.

Gso-ge­schäfts­füh­rer Hoff­mann ist üb­ri­gens op­ti­mis­tisch, dass die hö­he­ren För­de­run­gen doch noch in den Nach­trags­haus­halt auf­ge­nom­men wer­den. Ge­for­dert sind hier die Land­tags­po­li­ti­ker. Hoff­mann: „Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass bei all den Zu­sa­gen – auch vom Mi­nis­ter­prä­si­den­ten – sie ih­re Ver­spre­chen nicht ein­hal­ten.“

FO­TO. HINZMANN

Ant­je Thoms, Initia­to­rin der Ak­ti­on „Ret­te dein Thea­ter“.

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