Veit­stanz zur Göt­ter­däm­me­rung

Cor­vus Corax tra­gen die Welt der Göt­ter, Spiel­leu­te und Ta­ver­nen des Mit­tel­al­ters in die Mu­sa

Göttinger Tageblatt - - KULTUR - Von Jörg Linn­hoff

Göt­tin­gen. Die 1989 ge­grün­de­te ost­deut­sche Band Cor­vus Corax, auch be­kannt un­ter dem Na­men Kö­ni­ge der Spiel­leu­te, hat ih­re mit­tel­al­ter­li­che Mu­sik in­zwi­schen rund um den Erd­ball ge­tra­gen. Mit tra­di­tio­nel­len In­stru­men­ten und ent­spre­chen­den Ko­s­tü­men lud sie das Pu­bli­kum in der Mu­sa zum aus­ge­las­se­nen Veit­stanz.

„Cor­vus corax“lau­tet der wis­sen­schaft­li­che Na­me für den Kol­kra­ben. Die Band hat die­se Be­zeich­nung ge­wählt, weil sie bei ih­rer Flucht aus der DDR 1989 über Un­garn ei­nen Kol­kra­ben zu­rück­las­sen muss­te. Ge­grün­det wur­de die Band von Cas­tus Ra­ben­sang und Wim Dob­brisch, der ge­lern­ter In­stru­men­ten­bau­er ist und ei­nen Teil der im Kon­zert ver­wen­de­ten In­stru­men­te ge­baut hat.

Ihr Cross­over aus his­to­ri­scher Mu­sik und mo­der­nen Fan­ta­sy-ele­men­ten ist welt­weit ge­fragt. Die Band wird auch re­gel­mä­ßig zu Mit­tel­al­ter­märk­ten ge­bucht. 1994 sind sie beim Kar­ne­val in Ve­ne­dig und 2017 auf dem Wa­cken Open Air auf­ge­tre­ten. Zur ers­ten Staf­fel der Dreh­ar­bei­ten zur Tv-se­rie „Ga­me Of Thro­nes“wur­den sie ein­ge­la­den, muss­ten je­doch we­gen ei­ner ge­buch­ten Deutsch­land­tour ab­sa­gen, nicht ah­nend, dass die Se­rie ein­mal so er­folg­reich wer­den wür­de.

Schon der Büh­nen­auf­bau in der Mu­sa im­po­niert. Flan­kiert von gro­ßen Ban­nern und zwei rie­si­gen hän­gen­den Rah­men­trom­meln ste­hen dort ne­ben Du­del­sä­cken zahl­rei­che an­de­re mit­tel­al­ter­li­che In­stru­men­te wie Dreh­lei­er, Schal­mei, Bom­bar­de, Cis­ter, Trum­scheit, Zink oder ei­ne Bass-ci­to­le.

Zu Vo­gel­ge­zwit­scher und be­droh­lich an­mu­ten­den Klän­gen be­tre­ten sie­ben ker­ni­ge Ty­pen in mit­tel­al­ter­li­chen Ge­wän­dern die in far­big mys­ti­sches Licht ge­tauch­te Büh­ne. „Skál“heißt ihr neus­tes Werk, das mit „Ygg­d­ra­sill“mal gleich ri­chih­rem tig los­mar­schiert. Ein­dring­li­che Du­del­sack-klän­ge, be­glei­tet von mäch­ti­gen Trom­meln und Cas­tus rau­em ker­ni­gen Ge­sang, zie­hen die Cas­tus Ra­ben­sang, Sän­ger bei Cor­vus Corax Be­su­cher um­ge­hend in die ma­gisch be­rau­schen­de Welt der Spiel­leu­te und Ta­ver­nen des Mit­tel­al­ters. Mit un­ver­wech­sel­ba­ren Du­del­sack-sound zu trei­ben­den Rhyth­men auf rie­si­gen Trom­meln las­sen Cor­vus Corax die nor­di­schen Tra­di­tio­nen der Göt­ter und Wi­kin­ger auf­le­ben und tau­chen tief in de­ren alt­her­ge­brach­te My­then und Sa­gen.

Be­vor Cas­tus mit kräf­ti­ger Stim­me ein Stück aus der früh­mit­tel­al­ter­li­chen Lie­der­samm­lung „Car­mi­na Bura­na“an­stimmt, wer­den zwei Frei­wil­li­ge ge­sucht, die be­reit sind, sich dem ger­ma­ni­schen Göt­ter­va­ter Odin zu op­fern. In dem be­droh­lich mys­ti­schen „Hu­gin ok Mu­nin“geht es um Od­ins Ra­ben, die ihm auf ih­ren Bo­ten­flü­gen über das Welt­ge­sche­hen be­rich­ten.

Tanz und Trunk

„Pfeifsack (Du­del­sack) spielt man, wenn die Leu­te sich lang­wei­len. Dann kom­men die Spiel­leu­te, und ab die Post“, ruft Cas­tus aus. „Her Wirt“for­dert mit Glo­cken­klang zum Sau­fen auf und nimmt, an­ge­trie­ben von den über al­lem thro­nen­den Schlag­wer­kern Nor­ri und Hatz, ein höl­li­sches Tem­po auf. Die Hän­de der Be­su­cher wie­gen sich im Takt und die Stim­mung in der Ta­ver­ne kocht. „Sauf noch ein“oder „Hol Bier her­bei“sind Hym­nen und wei­te­re Auf­for­de­run­gen zu Tanz und Trunk zu­gleich. Da­zu schen­ken sie aus ei­nem gro­ßen Holz­kü­bel Bier aus, das über ei­nen Trich­ter und dar­an hän­gen­dem Schlauch di­rekt in die Schlun­de der durs­ti­gen Be­su­cher ge­führt wird.

Pfeifsack spielt man, wenn die Leu­te sich lang­wei­len. Dann kom­men die Spiel­leu­te und ab die Post!

Sound­track zum En­de der Welt

Mit dra­ma­ti­schen Cho­rä­len kün­digt „Ra­gnar­ök“das En­de der Welt und tra­di­tio­nell auch das En­de ih­rer mit­rei­ßen­den Show an. Aber sie ha­ben ihr Kon­zept ge­än­dert und ja­gen mit „Skál“noch den Ti­tel­song ih­res ak­tu­el­len Al­bums hin­ter­her, der, wie ein ein­zi­ger Schlacht­ruf klin­gend, mäch­tig los­rum­pelt und in ein or­gi­as­ti­sches Fest aus­ar­tet. Dem wird mit dem The­ma zu „Ga­me Of Throwns“noch die pas­sen­de Kro­ne auf­ge­setzt.

FO­TO: LINN­HOFF

Ker­ni­ge Ty­pen: Wim, Nor­ri der Dre­scher und Cas­tus Ra­ben­sang in der Göt­tin­ger Mu­sa.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.