Pre­mie­re mit Hap­py End

„Al­les was Sie wol­len“: Mir­jam Som­mer und Ni­ko­laus Kühn in ei­ner zau­ber­haf­ten Ko­mö­die

Göttinger Tageblatt - - KULTUR - Von Pe­ter Krü­ger-lenz

Göt­tin­gen. Sehr viel Bei­fall ha­ben die Schau­spie­ler Mir­jam Som­mer und Ni­ko­laus Kühn und das Pro­duk­ti­ons­team um den Re­gis­seur Ge­org Mün­zel für die Pro­duk­ti­on „Al­les was Sie wol­len“be­kom­men. Pre­mie­re war am Don­ners­tag auf der Kel­ler­büh­ne des Deut­schen Thea­ters (DT).

Lu­cie hat ei­ne Schreib­blo­cka­de. Der ziem­lich er­folg­rei­chen Dra­ma­ti­ke­rin ist der Stoff aus­ge­gan­gen. Bis­lang hat sie über ihr Le­ben ge­schrie­ben, über Be­schimp­fun­gen, Tod und an­de­re Grau­sam­kei­ten. Doch das ist jetzt al­les er­zählt. Sie sei zu glück­lich, um neue Ide­en für Thea­ter­stü­cke zu ha­ben, er­zählt sie Tho­mas. Der wohnt un­ter ihr. Sie ler­nen sich ken­nen, weil Lu­cie ih­re Ba­de­wan­ne über­lau­fen lässt und es in der Woh­nung von Tho­mas von der De­cke plät­schert.

Die Fran­zo­sen Mat­t­hieu Del­apor­te und Alex­and­re de la Pa­tel­liè­re ha­ben das Stück „Al­les was Sie wol­len“ge­schrie­ben, ei­ne leich­te ro­man­ti­sche Ko­mö­die, die er­staun­li­cher­wei­se trotz­dem be­rührt. Bei­de schrei­ben seit fast 20 Jah­ren zu­sam­men Dreh­bü­cher und pro­du­zie­ren Fil­me. Mit ih­rem ers­ten Stück fürs Thea­ter lan­de­ten sie ei­nen be­mer­kens­wer­ten Über­ra­schungs­er­folg: „Der Vor­na­me“. Von der Qua­li­tät die­ser Ar­beit konn­ten sich auch Göt­tin­ger Thea­ter­gän­ger über­zeu­gen. Max Cla­es­sen ins­ze­nier­te das Stück 2012 am Jun­gen Thea­ter. „Al­les was Sie wol­len“wur­de 2016 in Pa­ris auf­ge­führt und trat von dort aus sei­nen Sie­ges­zug an.

Re­gis­seur Mün­zel hat der Ins­ze­nie­rung ein eher ge­mäch­li­ches Tem­po ge­ge­ben. Er hat den Schau­spie­lern viel Raum ge­ge­ben, ih­re Fi­gu­ren zu ent­wi­ckeln, und er hat sehr fein­sin­nig und prä­zi­se in­sze­niert. Mir­jam Som­mer und Ni­ko­laus Kühn nut­zen das für ei­ne fa­cet­ten­rei­che und über­zeu­gen­de Darstel­lung. Som­mer ist als Lu­cie zu Be­ginn sehr schön kratz­bürs­tig und wi­der­bors­tig. Nur weil sie die Wan­ne hat über­lau­fen las­sen, muss sie nicht die­sen Mann in ih­re Woh­nung las­sen –und schon gar nicht in ihr Le­ben. Doch ge­nau da will Tho­mas hin, al­ler­dings erst mal nur als je­mand, der sei­ne Nach­barn ken­nen­ler­nen möch­te. Den Al­ten aus dem Erd­ge­schoss mit dem Hund bei­spiels­wei­se. Oder den be­rühm­ten Schau­spie­ler, Lu­cies Mann, wie sich bald he­dar­auf raus­stellt. Kühn spielt die­sen sehr mensch­li­chen Steu­er­be­ra­ter mit gro­ßer Sou­ve­rä­ni­tät und Über­zeu­gungs­kraft. Zwei Schau­spie­ler agie­ren hier auf Au­gen­hö­he.

70 Mi­nu­ten ha­ben Lu­cie und Tho­mas Zeit, ei­ni­ge grund­le­gen­de Fra­gen zu klä­ren. Da geht es um das Küm­mern um Mit­men­schen, um Hilfs­be­reit­schaft und Of­fen­heit, aber auch um das Recht auf Pri­vat­sphä­re und Emp­find­lich­kei­ten. Be- zie­hun­gen wer­den Stress­tests un­ter­zo­gen und der Um­gang mit dem Le­bens­part­ner hin­ter­fragt. Hei­ligt der Zweck al­le Mit­tel?

In ei­nem ein­zi­gen Zim­mer spielt sich die An­nä­he­rung von Lu­cie und Tho­mas ab, in dem Wohn- und Ar­beits­zim­mer von Lu­cie. Der jun­ge Büh­nen­bild­ner Jo­han­nes Frei, der seit der Spiel­zeit 2014/15 häu­fig für das Deut­sche Thea­ter ge­ar­bei­tet hat, stellt ei­nen Tisch ins Zen­trum, und dar­um her­um sta­pel­wei­se Pa­pier, al­les Ma­te­ri­al für das Schrei­ben von Lu­cie, das ge­ra­de sehr un­rund läuft.

Ko­mö­di­an­ti­sches wird das Stück vor al­lem durch zau­ber­haf­te Wort­ge­fech­te, die sich die Prot­ago­nis­ten lie­fern, Sprach­ko­mik auf ho­hem Ni­veau. Kühn und Som­mer zei­gen sich als ver­sier­te Ko­mö­di­an­ten mit vie­len Mög­lich­kei­ten, die das je­des Tem­po ge­hen kön­nen. Vor al­lem Kühn hier und da viel Gas. Doch auch den stil­len Mo­men­te, in de­nen sich die bei­den nä­her kom­men, ge­ben sie viel Emo­ti­on und Tie­fe.

Sehr viel Bei­fall gab es vom Pre­mie­ren­pu­bli­kum für die Schau­spie­ler, das auch die kon­zen­trier­te Ar­beit des Re­gie­teams wür­dig­te. Ein sehr run­der und ver­gnüg­li­cher Abend.

Die nächs­ten Vor­stel­lun­gen: 18.,

22. und 28. Ok­to­ber so­wie am 6., 15. und 28. No­vem­ber um 20 Uhr auf der Kel­ler­büh­ne des Deut­schen Thea­ters Göt­tin­gen, Thea­ter­platz

11. Kar­ten kön­nen un­ter Te­le­fon 0551/4969300 re­ser­viert oder auch in den Ta­ge­blatt-ge­schäfts­stel­len, We­en­der Stra­ße 44 in Göt­tin­gen und Markt­stra­ße 9 in Du­der­stadt, ge­kauft wer­den.

FO­TO: R

Sie kom­men sich nä­her: Lu­cie (M. Som­mer) und Tho­mas (N. Kühn).

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