Ja­kob­s­kraut brei­tet sich aus

Der Ve­te­ri­när­me­di­zi­ner Dr. Jörg St­ein­brink warnt vor der für Pfer­de gif­ti­gen Pflan­ze

Göttinger Tageblatt - - AUS DER REGION - Von Tho­mas Küg­ler

Os­te­ro­de. Man­che nen­nen es Ja­kobs-kreuz­kraut, an­de­re ein­fach Ja­kob­s­kraut. Egal wie man Sen­ecio ja­co­baea ins Deut­sche über­setzt, eins zeich­net die­sen Korb­blüt­ler aus: Er ist gif­tig für Mensch und Tier. Sei­ne Al­ka­lo­ide schä­di­gen die Le­ber. Be­son­ders Pfer­de und Schwei­ne sind ge­fähr­det.

Die Ge­fahr wird im­mer grö­ßer. Dies meint zu­min­dest Dr. Jörg St­ein­brink. Der Tier­arzt aus Lindau be­ob­ach­tet seit ei­ni­gen Wo­chen ei­ne im­mer grö­ße­re Ver­brei­tung die­ser Pflan­ze im Süd­harz. Be­son­ders an den Stra­ßen zwi­schen Herz­berg und Os­te­ro­de hat er ein ver­stärk­tes Vor­kom­men ent­deckt. Nun for­dert er die Stra­ßen­meis­te­rei Herz­berg auf, sich die­ses Pro­blems an­zu­neh­men. Schon vor zehn Jah­ren schlu­gen in Nord­rhein-west­fa­len die Alarm­glo­cken das ers­te Mal an. Dort gab es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon meh­re­re groß­flä­chi­ge Ak­tio­nen ge­gen den gel­ben Korb­blüt­ler.

Auf Wie­sen be­steht kei­ne Ge­fahr

Der Dür­re-som­mer 2018 war ide­al für die ge­nüg­sa­me Pflan­ze. Ih­re An­sprü­che an den Bo­den sind nicht hoch. Meis­tens hin­dert schon ei­ne ge­schlos­se­ne Gras­de­cke das Wachs­tum des Ja­kob­s­krauts.

Doch in der Tro­cken­heit sind vie­le an­de­re Pflan­zen ver­dorrt und die Kahl­stel­len wur­den nun vom Ja­kob­s­kraut in Be­schlag ge­nom­men. Frisch ist die Pflan­ze hoch­gif­tig für Rin­der und Pfer­de. „Schon 40 Gramm Ja­kob­s­kraut pro Ki­lo­gramm Kör­per­ge­wicht kann bei Pfer­den im schlimms­ten Fal­le zum To­de füh­ren“, be­rich­tet Jörg St­ein­brink. Auf der Wie­se sei­en die Pflan­zen auch kein Pro­blem. Denn die Vier­bei­ner mei­den das bit­te­re Ge­wächs. Doch die Al­ka­lo­ide blei­ben auch als Heu und als Si­la­ge er­hal­ten und im Stall kön­nen die Pfer­de die Pflan­zen nicht aus­sor­tie­ren. Zu­dem rei­chern sich die Gif­te über Jah­re hin­weg in der Le­ber an und kön­nen so zu ei­ner schlei­chen­den Schä­di­gung des

Or­gans füh­ren.

„Die Pflan­zen, die an den Stra­ßen­rän­dern ste­hen, ge­lan­gen si­cher nicht ins Heu“, schränkt Dr. St­ein­brink ein. Aber von hier aus wür­den sie sich wei­ter ver­brei­ten. Da das Ja­kob­s­kraut erst im zwei­ten Jahr blüht, bleibt es bis da­hin meist un­ent­deckt. Ein­ma­li­ges Mä­hen bringt kei­nen Er­folg bei der Be­kämp­fung. Manch­mal hilft nur Aus­ste­chen.

Beim Land­kreis Göt­tin­gen kann man die Be­ob­ach­tun­gen des Ve­te­ri­närs nicht tei­len. Die Un­te­re Na­tur­schutz­be­hör­de ha­be noch kein ver­stärk­tes Auf­tre­ten des Ja­kob­sK­reuz­krauts fest­stel­len kön­nen.

Es gibt noch ein wei­te­res Pro­blem: Das Ja­kob­s­kraut ist ein­hei­misch. An­ders als der Rie­sen-bä­ren­klau ist die Pflan­ze schon im­mer fes­ter Be­stand­teil des hei­mi­schen Öko­Sys­tems. Andrea Rie­del-els­ner, Pres­se­spre­che­rin der Kreis­ver­wal­tung, macht deut­lich: „Es gibt kei­ne Ver­pflich­tung der Kom­mu­nen, der Land­krei­se oder der Lan­des­be­hör­den, das Ja­kob­s­kraut zu be­kämp­fen.“

FO­TO: DPA

Durch die Dür­re im Som­mer hat sich die für Pfer­de ge­fähr­li­che Pflan­ze stark aus­ge­brei­tet.

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