Schma­ler Grat

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT & BÖRSE - – 1,20 % FO­TO: JAN­SEN/DPA

Auf den ers­ten Blick läuft al­les nach Plan. Die Fed hat die Us-leit­zin­sen in ih­rer Sit­zung am Don­ners­tag un­ver­än­dert ge­las­sen, hält aber die Er­war­tung die­ses Schritts für De­zem­ber am Le­ben. Das ent­spricht den Vor­her­sa­gen, be­deu­tet aus Sicht der Märk­te aber nicht un­be­dingt Er­freu­li­ches. Denn ab­ge­se­hen da­von, dass stei­gen­de Zin­sen in der Re­gel Geld aus Ak­ti­en in Fest­ver­zins­li­che um­lei­ten, be­wegt sich die Fed beim Zins­an­stieg auf ei­nem schma­len Grat: Mag die vier­te Er­hö­hung die­ses Jah­res für die USA rich­tig sein, wird der Trend vor al­lem für die Schwel­len­län­der zur Ge­fahr. Und zu de­nen ist in die­sem Fall auch Chi­na zu zäh­len, des­sen Wirt­schaft oh­ne­hin schon spür­bar un­ter dem Han­dels­streit mit den USA lei­det. Nun ist das Ver­trau­en west­li­cher Ma­na­ger in die Tat­kraft chi­ne­si­scher Po­li­ti­ker gren­zen­los. Aber was, wenn die Wachs­tums­ma­schi­ne schlapp macht, weil stei­gen­de Zin­sen den schul­den­fi­nan­zier­ten Auf­schwung stop­pen? Es sind sol­che Ge­dan­ken, die den Us-bör­sen am Frei­tag ei­nen schwa­chen Start be­scher­ten. Die Tech­no­lo­gie­wer­te an der Nas­daq la­gen abends knapp 2 Pro­zent im Mi­nus. Den Dax be­wahr­te ein schwä­che­rer Eu­ro vor die­sem Schick­sal, er schloss fast un­ver­än­dert.

Blei­ben wir in Chi­na. Der Nie­der­sach­se weiß, dass sein größ­ter Ar­beit­ge­ber dort so vie­le Au­tos ver­kauft wie in kei­nem an­de­ren Land. Im Ok­to­ber sind es al­ler­dings we­ni­ger ge­wor­den. Der Vw-ab­satz schrumpf­te in Chi­na im Jah­res­ver­gleich um fast 10 Pro­zent – of­fen­bar ei­ne Ne­ben­wir­kung des Han­dels­streits mit den USA. Das ist alar­mie­ren­der als die 12 Pro­zent in Deutsch­land – ver­ur­sacht durch die Um­stel­lung bei den Ab­gas­tests und des­halb end­lich. Die Vw-ak­tie ver­lor 3,5 Pro­zent. Zu­rück­ge­win­nen kann sie die, wenn die chi­ne­si­sche Re­gie­rung die Steu­er­er­leich­te­run­gen für Au­to­käu­fer be­schlie­ßen soll­te,

über die spe­ku­liert wird.

Es muss­te ein schlech­ter Tag wer­den. Nach Bör­sen­schluss hat­te Thys­senk­rupp am Don­ners­tag Ste­fan Win­ter ei­nen schwind­süch­ti­gen Ge­winn für das Ge­schäfts­jahr 2017/18 an­ge­kün­digt und das un­ter an­de­rem mit Rück­stel­lun­gen für ei­ne be­fürch­te­te Kar­tell­stra­fe be­grün­det. Vom nach­börs­li­chen Schock er­hol­te sich die Ak­tie auch am Frei­tag nicht, der Kurs rutsch­te um 9 Pro­zent. Kon­kur­rent Salz­git­ter, eben­falls im Vi­sier des Kar­tell­amts, büß­te fast 5 Pro­zent ein, bei Stahl­händ­ler Klöck­ner wa­ren es fast 6 Pro­zent.

Luft­han­sa schwebt ins Wo­chen­en­de. Or­dent­li­che Passagierzahlen im Ok­to­ber und ein wei­ter sin­ken­der Öl­preis – ein Fass Brent zeit­wei­se un­ter 70 Dol­lar – lie­ßen den Kurs um 4 Pro­zent stei­gen. Nach ei­nem ziem­lich lau­si­gen Ok­to­ber hat er sich jetzt we­nigs­tens wie­der über 20 Eu­ro ge­kämpft. Die Schwal­be bleibt am Bo­den. Es ist nicht die Zeit für Hö­hen­flü­ge am Fi­nanz­markt, und so schiebt das Münch­ner Start-up Go­ve­cs sei­nen für Diens­tag ge­plan­ten Bör­sen­gang man­gels Nach­fra­ge erst ein­mal auf. Am Po­ten­zi­al zwei­felt Un­ter­neh­mens­chef Tho­mas Gr­ü­bel trotz­dem nicht. Go­ve­cs ver­kauft Elek­trorol­ler, dar­un­ter ei­ner im De­sign des Ddr-mo­peds Schwal­be. Ab­neh­mer sind vor al­lem Sharing-fir­men, die in gro­ßen Städ­ten Mie­trol­ler an­bie­ten. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den 3000 Stück ver­kauft, in die­sem Jahr sol­len es 4000 und im nächs­ten 9000 wer­den.

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