Pro­dukt und Mar­ke müs­sen pas­sen

It-stra­te­gie­tag an der PFH: Neue Ge­schäfts­mo­del­le und In­flu­en­cer-mar­ke­ting

Göttinger Tageblatt - - REGIONALE WIRTSCHAFT - Von Chris­tia­ne Böhm

Göt­tin­gen. In ho­hem Tem­po ver­än­dern di­gi­ta­le Diens­te vie­le Be­rei­che des Le­bens. Wie Un­ter­neh­men Di­gi­ta­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten an­wen­den, dar­um ging es am Frei­tag beim Göt­tin­ger It-stra­te­gie­tag an der PFH Pri­va­te Hoch­schu­le Göt­tin­gen.

In­no­va­ti­ve Mög­lich­kei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung sei­en nicht nur ra­tio­nel­le Ab­läu­fe in Ver­trieb und Lo­gis­tik, son­dern neue Ge­schäfts­mo­del­le, per­so­na­li­sier­te Kun­den­an­spra­che, So­ci­al-me­dia-mar­ke­ting, die Ver­knüp­fung di­gi­ta­ler und klas­si­scher Ver­triebs­we­ge, sag­te der Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker Prof. Hu­bert Schü­le zum Auf­takt der Ver­an­stal­tung. Sechs Re­fe­ren­ten spra­chen un­ter an­de­rem über prak­ti­sche An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten neu­er Tech­no­lo­gi­en im On­line­han­del, dar­über, wie künst­li­che In­tel­li­genz und Al­go­rith­men Wa­ren­kre­di­te ab­si­chern kön­nen, oder über da­ten­ge­trie­be­ne Ef­fi­zi­enz im Kun­den­dia­log.

In­flu­en­cer-mar­ke­ting war das The­ma von Se­bas­ti­an Rös­ke von der Göt­tin­ger Fir­ma Look­fa­med, ei­ne Un­ter­neh­mens­grün­dung, die aus der PFH her­vor­ge­gan­gen ist. Das In­flu­en­cer-mar­ke­ting be­fin­de sich in ra­san­tem Auf­schwung, so Rös­ke. Sei­ne Fir­ma hat ein Netz­werk von rund 200 Ins­ta­gram-blog­gern, die dann mit Pro­duk­ten be­stimm­ter Fir­men in Kon­takt ge­bracht wer­den. Sie wäh­len ih­re Blog­ger mit­hil­fe um­fang­rei­cher Da­ten aus, da­mit Kun­de und Blog­ger auch wirk­lich zu­sam­men­pas­sen. Die Kun­den hät­ten un­ter­schied­li­che Zie­le, wie et­wa Sicht­kon­tak­te oder Ver­kauf.

In letz­ter Zeit wer­de das In­flu­en­cer-mar­ke­ting in­fla­tio­när ge­nutzt, so Rös­ke. Oft hät­ten die ent­spre­chen­den Blog­ger zwar vie­le Fol­lo­wer, „aber da pas­siert gar nichts“. Die Pro­duk­te, die der Blog­ger nen­ne und zei­ge, wür­den gar nicht ge­kauft. Wich­tig sei die Glaub­wür­dig­keit der Blog­ger. Wer zu viel be­wer­be, ge­ra­te bei sei­ner Com­mu­ni­ty in den Ver­dacht, nur noch aufs Geld zu ach­ten. Pro­dukt, Mar­ke und Le­bens­si­tua­ti­on des Blog­gers müss­ten zu­sam­men­pas­sen. 75 Pro­zent der so­ge­nann­ten In­flu­en­cer sei oh­ne Reich­wei­te und Ein­fluss, sag­te Rös­ke. 20 Pro­zent wür­den von vie­len ge­se­hen, hät­ten aber nicht so viel Ein­fluss auf Kauf­ent­schei­dun­gen. Nur fünf Pro­zent, die so­ge­nann­ten Per­for­mance In­flu­en­cer, hät­ten den ge­wünsch­ten Ein­fluss. „Wenn die et­was emp­feh­len, kau­fen die Nut­zer es auch.“Sol­che Blog­ger ver­sucht Look­fa­med mit aus­ge­klü­ge­ten Al­go­rith­men zu fin­den.

Über den mo­men­tan et­was merk­wür­dig an­mu­ten­den Weg vom On- li­ne-ge­schäft ins Off­line sprach Ste­fan Mat­te von Mis­ter Spex. Das Un­ter­neh­men hat sich sehr er­folg­reich als On­line-bril­len­händ­ler eta­bliert. Jetzt wer­den die ers­ten Stores er­öff­net.

Be­son­ders Son­nen­bril­len lie­ßen sich on­line gut ver­kau­fen, so Mat­te. Für so­ge­nann­te Kor­rek­tur­bril­len aber brau­che man ei­nen sta­tio­nä­ren Part­ner. „Der Seh­test lässt sich noch nicht on­line ma­chen“, sag­te Mat­te, und auch die An­pas­sung er­for­de­re ei­nen Op­ti­ker. 500 Part­ner­be­trie­be hat Mis­ter Spex in Deutsch­land. „Das hat so gut funk­tio­niert, dass wir den Schritt zu ei­ge­nen Stores ge­wagt ha­ben“, so Mat­te.

Wenn die et­was emp­feh­len, kau­fen die Nut­zer es auch.

Se­bas­ti­an Rös­ke von der Göt­tin­ger Fir­ma Look­fa­med über Per­for­mance In­flu­en­cer

In Work­shops wur­de dann dis­ku­tiert, was aus dem On­line­han­del in den sta­tio­nä­ren mit­ge­nom­men wer­den kann. Je­de Bril­le et­wa wird im La­den so aus­ge­rich­tet, dass sie den Kun­den an­schaut, so wie auch auf der Web­site. Au­ßer­dem wur­den die Fil­ter, die am häu­figs­ten beim On­line­han­del ge­klickt wer­den, auf die Sor­tie­rung in den Re­ga­len über­tra­gen: Nach Grö­ßen, Form und Rand sind die Bril­len nun sor­tiert. Bei den Son­nen­bril­len steht die Mar­ke oben, dann das Ma­te­ri­al.

Das klei­ne Fens­ter mit wei­te­ren In­for­ma­tio­nen, das auf der Web­site auf­geht, wird in den Stores tat­säch­lich mit ei­ner ganz tra­di­tio­nel­len Kar­te er­setzt. Die­se Kar­te sei ex­trem er­folg­reich. Für die Zu­kunft „wol­len wir un­se­ren Kun­den das Sprin­gen zwi­schen den Ka­nä­len noch mehr er­leich­tern“, sag­te Mat­te.

FO­TO: PH

Aus­ge­feil­te Al­go­rith­men wer­den zum Er­folgs­fak­tor: Hu­bert Schü­le, Pro­fes­sor für Wirt­schafts­in­for­ma­tik.

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