Kar­stadt und Kauf­hof dür­fen zu­sam­men­ge­hen

Bun­des­kar­tell­amt gibt grü­nes Licht für die Fu­si­on – Be­schäf­tig­te und Kom­mu­nen sind be­sorgt um den Er­halt der Stand­or­te

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Erich Rei­mann

Bonn. Deutsch­land be­kommt ei­nen neu­en Wa­ren­haus­rie­sen: Das Bun­des­kar­tell­amt hat grü­nes Licht für die Fu­si­on von Kar­stadt und Kauf­hof ge­ge­ben. Kar­tell­amts­prä­si­dent Andre­as Mundt sag­te am Frei­tag in Bonn: „We­der aus der Per­spek­ti­ve der Ver­brau­cher noch aus Sicht der Her­stel­ler und Lie­fe­ran­ten gab es durch­schla­gen­de wett­be­werb­li­che Be­den­ken.“Kar­stadt und Kauf­hof hät­ten nicht nur zahl­rei­che Kon­kur­ren­ten im sta­tio­nä­ren Ge­schäft. Auch der On­line­han­del sor­ge für ei­nen zu­sätz­li­chen Wett­be­werbs­druck.

Der neue Ein­zel­han­dels­rie­se wird eu­ro­pa­weit 243 Stand­or­te ha­ben und rund 32 000 Mit­ar­bei­ter be­schäf­ti­gen. Un­ter dem Dach der neu­en Hol­ding wer­den nicht nur die deut­schen Kauf­hof- und Kar­stadt­fi­lia­len ver­eint, son­dern auch die Kar­stadt-sport­häu­ser, die eu­ro­päi­schen Fi­lia­len der Out­let­ket­te Saks Off 5th, die Ga­le­ria-in­no-kauf­häu­ser in Bel­gi­en, die erst kürz­lich ge­grün­de­ten Hud­son’s-bay-wa­ren- häu­ser in den Nie­der­lan­den so­wie ei­ne Rei­he von In­ter­net­an­bie­tern.

Bei den Be­schäf­tig­ten wur­de die Ent­schei­dung we­gen des dro­hen­den Stel­len­ab­baus nicht oh­ne Sor­ge auf­ge­nom­men. Der Kar­stadt-ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Jür­gen Ettl for­der­te Ei­gen­tü­mer und Ma­nage­ment auf, nun al­les Mög­li­che für den Er­halt der Ar­beits­plät­ze al­ler Be­schäf­tig­ten zu tun. Ge­ra­de in Städ­ten, wo es Kauf­häu­ser bei­der Mar­ken in en­ger Nach­bar­schaft ge­be, sei­en nun klu­ge Lö­sun­gen ge­fragt.

Auch Kom­mu­nen be­ob­ach­ten die Ent­wick­lung mit ge­misch­ten Ge­füh­len. Die Städ­te sei­en dar­an in­ter­es­siert, „dass nach der Fu­si­on mög­lichst al­le Kauf­haus­stand­or­te be­ste­hen blei­ben“, be­ton­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Städ­te­ta­ges, Hel­mut De­dy. Die gro­ßen Wa­ren­häu­ser sei­en wich­tig für die At­trak­ti­vi­tät der In­nen­städ­te.

Was die Fu­si­on für Be­schäf­tig­te und Kom­mu­nen brin­gen wird, dar­über be­steht im Mo­ment noch gro­ße Un­ge­wiss­heit. We­der gibt es Zah­len zum er­war­te­ten Stel­len­ab­bau noch Stand­or­te wird das neue Un­ter­neh­men eu­ro­pa­weit ha­ben – und rund 32 000 Mit­ar­bei­ter An­ga­ben über mög­li­che Schlie­ßun­gen. Kar­stadt-ei­gen­tü­mer Re­né Ben­ko be­müh­te sich zu­letzt je­doch, Ängs­te vor dras­ti­schen Ein­schnit­ten zu dämp­fen: „Na­tür­lich müs­sen wir sa­nie­ren, aber wir wer­den wie bis­her um je­de Fi­lia­le kämp­fen und ver­su­chen, sie in die schwar­zen Zah­len zu brin­gen“, be­ton­te er.

Der Zu­sam­men­schluss ist aus der Not ge­bo­ren. Kauf­hof und Kar­stadt macht seit Jah­ren der Sie­ges­zug von Bil­li­gan­bie­tern wie Pri­mark und On­line­händ­lern wie Ama­zon oder Za­lan­do zu schaf­fen, aber auch die Kon­kur­renz der gro­ßen Ein­kaufs­zen­tren. Von dem Zu­sam­men­schluss er­hof­fen sich die bei­den Ket­ten ei­ne Ver­bes­se­rung ih­rer Wett­be­werbs­po­si­ti­on. Die Bün­de­lung von Ein­kaufs­macht dürf­te es Kauf­hof und Kar­stadt er­mög­li­chen, bes­se­re Kon­di­tio­nen von den Lie­fe­ran­ten zu be­kom­men. Au­ßer­dem könn­ten in der Ver­wal­tung, Da­ten­ver­ar­bei­tung und Lo­gis­tik be­trächt­li­che Sum­men ge­spart wer­den. Ge­lei­tet wer­den soll der neue Wa­ren­haus­rie­se vom bis­he­ri­gen Kar­stadt-chef Ste­phan Fan­derl.

FO­TO: MEISS­NER/AP

In vie­len deut­schen In­nen­städ­ten gibt es Kar­stadt- und Kauf­hof-wa­ren­häu­ser in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zu­ein­an­der.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.