Gel­ber Blät­ter­man­tel

Vor dem Kom­pos­tie­ren hat das Laub erst ein­mal sei­nen gro­ßen Auf­tritt

Garden Style - - GARTEN REPORTAGE -

Manch­mal reift et­was zur Per­fek­ti­on, oh­ne dass zu­vor ein kon­kre­ter Plan aus­ge­tüf­telt und dann akri­bisch ab­ge­ar­bei­tet wur­de. Wer Ir­ma und Hein­rich Frey­tag fragt, wie sie ih­ren Garten auf dem 4200 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stück ge­plant ha­ben, der weiß schnell: hier hat kein Ar­chi­tekt Hand an­ge­legt. Auch hit­zi­ge Dis­kus­sio­nen dar­über, wie das gro­ße Gan­ze am En­de aus­se­hen soll, gab es bei den bei­den nicht wirk­lich. „Der Garten ist im Lau­fe der letz­ten 45 Jah­re mit uns und an un­se­ren Ide­en ge­wach­sen“, ver­rät Ir­ma Frey­tag, die sich ger­ne auf Gar­ten­schau­en in­spi­rie­ren lässt. Für Neu­es ist sie im­mer of­fen, denn der Rei­fe­pro­zess ih­rer ei­ge­nen Grün­flä­che ist auch nach so lan­ger Zeit noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen.

Das Paar mit der ge­mein­sa­men Lei­den­schaft für das Gärt­nern teilt die Früch­te sei­ner Ar­beit ger­ne mit an­de­ren. Wo frü­her Stäl­le für Kü­he und Schwei­ne wa­ren und ei­ne Streu­obst­wie­se viel Platz ein­nahm, ste­hen heu­te meh­re­re Wohn­ge­bäu­de aus, für den Nor­den ty­pi­schen, Klin­ker­stei­nen. So ha­ben die Frey­tags ih­ren Sohn so­wie ih­re Toch­ter, den Schwie­ger­sohn und die drei En­kel im­mer um sich. Ur­lau­ber kom­plet­tie­ren das von meh­re­ren Ge­ne­ra­tio­nen be­leb­te Pri­vat­pa­ra­dies, denn auch ein klei­nes Fe­ri­en­haus be­rei­chert das Grund­stück. „Die meis­ten Gäs­te schät­zen vor al­lem die Ru­he, die der Garten aus­strahlt“, er­zählt die Gast­ge­be­rin. „Es gibt bei uns auch kei­ne Bau­markt-De­ko“, fügt sie mit Nach­druck hin­zu. Und der schnör­kel­lo­se, wild­ro­man­ti­sche Garten hat zu je­der Jah­res­zeit sei­nen ganz be­son­de­ren Reiz.

Am liebs­ten sitzt das Paar auf der Ter­ras­se vor dem Haus. „Von hier aus hat man ei­nen schönen Blick in den Garten.“Zu be­stau­nen gibt es mehr als reich­lich. Die An­la­ge be­sticht vor al­lem durch Viel­fäl­tig­keit. Obst­bäu­me und Ku­gel­ahorn ma­chen eben­so ei­ne gu­te Fi­gur wie die vie­len Spier­sträu­cher und Blu­men, dar­un­ter Fett­hen­nen und As­tern.

Über die Fra­ge, was ge­nau an­ge­pflanzt wird, müs­sen sich die bei­den nie lan­ge Ge­dan­ken ma­chen: „Da nimmt uns der Sand­bo­den vie­le Ent­schei­dun­gen ab.“Ins­be­son­de­re mag Ir­ma Frey­tag Pflan­zen, die Tie­re eben­so bei sich will­kom­men hei­ßen, wie sie ih­re Ur­laubs­gäs­te. Wild­bie­nen, Blind­schlei­chen, Ei­dech­sen, Krö­ten, Spitz­mäu­se, Vö­gel und Schmet­ter­lin­ge be­völ­kern im­mer wie­der das Are­al.

Im Herbst kommt dann der Igel und macht es sich im Laub ge­müt­lich. Die Fa­mi­lie kann die Be­geis­te­rung des Tie­res für ih­ren Garten zu die­ser Jah­res­zeit durch­aus nach­voll­zie­hen. „Im Spät­som­mer und auch jetzt im Herbst ge­fal­len uns die Farben hier drau­ßen am bes­ten.“Wo viel Laub, da viel Ar­beit, könn­te man mei­nen, doch das bringt kei­nen aus der Ru­he. Beim Zu­sam­men­har­ken und Kom­pos­tie­ren der ab­fal­len­den Blät­ter ge­rät hier nie­mand in Stress. Ne­ben dem in Feu­er­werks­far­ben er­strah­len­dem Laub wur­den be­wusst Blu­men ge­pflanzt, die lan­ge blü­hen. So um­schmei­cheln Wild­ro­sen und As­tern mit ih­rer Schön­heit auch dann noch den Be­trach­ter, wenn sich der Som­mer längst in den Win­ter­schlaf ver­ab­schie­det hat.

Es ist be­ein­dru­ckend wie ab­wechs­lungs­reich das Grund­stück ge­stal­tet wur­de. Be­son­ders stolz ist das Paar auf die vie­len selbst­ge­such­ten Feld­stei­ne, wel­che die Bee­te und Wege auf un­ter­schied­lichs­te Art um­zäu­nen. Auch die wil­den Ro­sen sind von den klei­nen Bau­ten be­geis­tert und er­klä­ren sie zu ih­rem Wohn­sitz. Mehr Ar­beit als die Mäu­er­chen macht der Ge­mü­se­gar­ten mit ei­ner Flä­che von 800 Qua­drat­me­tern. Grün­de zum Är­mel hoch­krem­peln gibt es hier vie­le. „Drei Vier­tel der Zeit, die wir drau­ßen sind, ver­brin­gen wir tat­säch­lich mit Ar­beit“, so Ir­ma Frey­tag. Da ist es na­tür­lich hilf­reich und schön, dass der Sohn re­gel­mä­ßig die Ra­sen­flä­chen des Grund­stücks mäht. Am En­de pro­fi­tie­ren al­le von der Na­tur­lie­be des Paa­res. Al­les was kreucht und fleucht, die her­um to­ben­den En­kel­kin­der, Fa­mi­lie, Freun­de, Gäs­te und Be­su­cher wis­sen so­fort zu schät­zen, in was für ei­nem Pa­ra­dies sie sich hier auf­hal­ten. Und manch­mal kön­nen die bei­den Frey­tags all das Ge­wu­sel von ih­rer Ter­ras­se aus be­ob­ach­ten, wäh­rend Gar­ten­hand­schu­he und Gum­mi­stie­fel im Schrank pau­sie­ren.

Krea­tiv Gärt­nern St­ei­ne for­mie­ren sich zu We­gen und Mau­ern, ein Baum­stamm wird zur Bank und da­zwi­schen grünt und blüht es.

Auch das schim­mern­de Moos er­obert sich ganz heim­lich, still und lei­se die­ses Still­le­ben aus St­ein und wil­der Na­tur.

Wild­wuchs

Form­voll­endet Ge­schwun­ge­ne Pfa­de, run­de Buchs­bü­sche ( Bu­xus sem­per­vi­rens) und geo­me­trisch ge­stutz­te He­cken wa­gen hier ein hüb­sches Tänz­chen.

Grü­ne Schne­cke Wie ein Bai­ser-Häub­chen aus dich­tem Blatt­werk.

Pau­se Nir­gend­wo schmeckt der Ap­fel bes­ser als drau­ßen in der Na­tur.

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