Un­ver­kenn­bar

Die bun­ten St­ein­fas­sa­den sind ein Mar­ken­zei­chen

Garden Style - - GARTEN REISE -

Dder welt­be­rühm­te ös­ter­rei­chi­sche Künst­ler Frie­dens­reich Hun­dert­was­ser pfleg­te zu sa­gen: „Wenn es reg­net, bin ich glück­lich.“Denn Re­gen bringt die Farben zum Leuch­ten und ge­nau an je­nen Ta­gen mal­te er. Be­trach­tet man das von ihm ent­wor­fe­ne „Ro­gner Bad Blu­mau – das größ­te be­wohn­te Ge­samt­kunst­werk der Welt“, so liegt die Ver­mu­tung na­he, dass der ers­te Ent­wurf an ei­nem Re­gen­tag ent­stan­den sein muss. Das vor ge­nau 20 Jah­ren er­öff­ne­te Ho­tel, des­sen Wohn­be­rei­che die Ther­mal- und Ba­de­land­schaft um­schlie­ßen, er­in­nert so­fort an Hun­dert­was­sers Bil­der: bun­te Ge­bäu­de mit un­ter­schied­li­chen Fens­tern, Säu­len, Ar­ka­den, Tür­me, Dä­cher mit Bäu­men und Blu­men­wie­sen ver­schmel­zen mit der von sanf­ten Hü­geln ge­präg­ten Um­ge­bung der Ost­stei­er­mark. Ein be­son­de­rer Schatz ver­birgt sich in 3000 Me­tern Tie­fe und ihm ver­dankt die Ther­men­an­la­ge ih­re Ent­ste­hung: ei­ne Qu­el­le mit ko­chend hei­ßem Was­ser, das zu den mi­ne­ral­stoff­hal­tigs­ten in Eu­ro­pa zählt. Der er­folg­rei­che ös­ter­rei­chi­sche Bau­un­ter­neh­mer Ro­bert Ro­gner se­ni­or er­kann­te als Ers­ter das Po­ten­ti­al der Ge­gend und er­warb dort 40 Hekt­ar Grund. Die zu­fäl­li­ge Be­geg­nung

mit Hun­dert­was­ser ver­an­lass­te den Bau­herrn zur spon­ta­nen Fra­ge, ob sich der Künst­ler vor­stel­len kön­ne, ei­ne Ther­me zu pla­nen. Und die­ser sag­te eben­so spon­tan zu. Hun­dert­was­ser be­trach­te­te den Men­schen als Gast der Na­tur, des­sen Pflicht es sei, mit ihr Frie­den zu schlie­ßen. Die Af­fi­ni­tät zur Ar­chi­tek­tur fin­det sich be­reits in sei­ner Ma­le­rei aus den 1950er und 1960er Jah­ren wie­der. Er nahm schon da­mals The­men wie Dach­be­grü­nung und „ver­ti­cal gar­de­ning“vor­weg und die grü­nen Da­ch­oa­sen wur­den zu sei­nem Mar­ken­zei­chen. Er ver­stand sie in der Ar­chi­tek­tur auch als zu­sätz­li­che Wohn- und Auf­ent­halts­or­te: Sie sollten so­wohl für die Na­tur Raum schaf­fen als auch für den Men­schen, der sie als Gär­ten, Parks und Wäl­der nüt­zen konn­te. Die Dä­cher des Ro­gner Bad Blu­mau ent­spre­chen Hun­dert­was­sers Ma­ni­fest der „Baum­pflicht“: „Das Waag­rech­te soll der Na­tur ge­hö­ren und das Senk­rech­te dem Men­schen“– da­her sei der Na­tur auf Dä­chern je­ner Raum zu­rück­zu­ge­ben, den man ihr un­ter­halb wi­der­recht­lich weg­ge­nom­men hat. Auf den Dä­chern des Ro­gner Bad Blu­mau fin­den sich pfle­ge­leich­te und flach­wur­zeln­de Bäu­me wie Bu­chen, Lin­den und Tan­nen so­wie Sträu­cher, die mit we­nig Was­ser aus­kom­men wie Wei­ge­li­en, For­sy­thi­en, Flie­der und Spie­ren. Auf we­ni­ger mas­si­ven Dach­kon­struk­tio­nen wach­sen De­cker­pflan­zen, Flech­ten und Moo­se. Die Dach­be­grü­nung bringt ne­ben der öko­lo­gi­schen Auf­wer­tung auch ei­nen po­si­ti­ven Kli­ma­ef­fekt: Im Win­ter wirkt sie

wär­me­däm­mend, im Som­mer ist für Küh­lung ge­sorgt. Ne­ben der po­si­ti­ven Wir­kung auf das Raum­kli­ma wird auch Le­bens­raum für Bie­nen und an­de­re In­sek­ten ge­schaf­fen. Wert­vol­le Baum- und Strauch­ar­ten fin­den sich in der ge­sam­ten An­la­ge: Lär­chen, Kie­fern, Stern­ma­gno­li­en, Tul­pen-, Trom­pe­ten- Blaug­lo­cken­und Maul­beer­bäu­me, Pap­peln, Bir­ken, Eschen, Er­len, Ross­kas­ta­ni­en, Ei­chen, Blu­men­har­trie­gel, Sch­le­hen, di­ver­se Ahorn­sor­ten, Hor­ten­si­en, Som­mer­flie­der und Blau­re­gen. Al­les wird nach bio­lo­gi­schen Kri­te­ri­en ge­pflegt, be­son­ders die Gär­ten und Fel­der. Dort wer­den täg­lich Kräu­ter und Blu­men ge­ern­tet, dar­un­ter Ka­pu­zi­ner­kres­se, Veil­chen, Sal­bei-, Thy­mi­an- und Schnitt­lauch­blü­ten, Lö­wen­zahn, Gän­se­blüm­chen, La­ven­del... Sie ver­zie­ren Spei­sen und die­nen als Zu­ta­ten für Smoot­hies. Da­ma­sze­ner Ro­sen und Rin­gel­blu­men wer­den zu hoch­wer­ti­gen Mas­sa­ge­ölen ver­ar­bei­tet. Und wer je­mals bei Son­nen­auf­gang ei­nen Mor­gen­spa­zier­gang auf ei­nem der be­geh­ba­ren Dä­cher un­ter­nom­men hat, kann nach­voll­zie­hen, was ein Frie­dens­rei­ches Er­leb­nis ist.

1 Herbst­li­che De­ko mit Ha­ge­but­ten und Äp­feln auf rus­ti­ka­len Pa­let­ten. 2 Jo­han­nis­bee­ren er­in­nern an Per­len­schmuck. 3 Die Ker­zen in der Holz­la­ter­ne spen­det war­mes Licht. 4 Lan­ge Gän­ge sol­len zur Be­we­gung ani­mie­ren. Die gol­de­nen Bäu­me sind ein...

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De­ko-Idee Ein al­ter Kü­chen­herd be­her­bergt un­ter­schied­li­che Würz­kräu­ter.

Mar­kan­te Fas­sa­de mit Zie­geln al­ter Bau­ern­häu­ser aus Bad Blu­mau.

Wo­hin man blickt... er­freu­en bun­te Fas­sa­den, üp­pi­ge Ve­ge­ta­ti­on und Was­ser das Au­ge des Be­trach­ters.

Be­geg­nung Ein ma­gi­scher An­blick zu frü­her Mor­gen­stun­de: Ein Heiß­luft­bal­lon trifft sich mit der Gold­kup­pel des Stamm­hau­ses.

Ori­gi­nell In­stal­la­ti­on als Weg­wei­ser zum Re­stau­rant.

Lecker! Die­se Scho­ko­la­den-Kos­mee duf­tet herr­lich.

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