EXPERTENTIPPS

Ganz ruht die Gar­ten­ar­beit auch in der kal­ten Jah­res­zeit nicht. Der aus­ge­hen­de Win­ter gilt als klas­si­scher Zeit­punkt für den Schnitt von Obst­bäu­men.

Garden Style - - INHALT - FOTOS: Baye­ri­sche Schlös­ser­ver­wal­tung, Fo­to­lia

Micha­el Deg­le ist Pro­fi, wenn es um Baum­pfle­ge geht. Er ver­rät, wor­auf beim Baum­schnitt zu ach­ten ist.

Micha­el Deg­le von der Baye­ri­schen Schlös­ser­ver­wal­tung be­schäf­tigt sich mit al­ten Obst­sor­ten und de­ren Pfle­ge. „Es hängt von der prak­ti­zier­ten Me­tho­de ab, ob der Schnitt von Er­folg ge­krönt ist – oder mehr Frust als Lust ver­ur­sacht“, weiß der Fach­mann, von dem die nütz­li­chen Tipps zum Obst­baum­schnitt stam­men. In den meis­ten his­to­ri­schen Gär­ten der Baye­ri­schen Schlös­ser­ver­wal­tung fin­det man noch heu­te die Obst­gär­ten, die schon vor Jahr­hun­der­ten die Fürs­ten­hö­fe mit schmack­haf­tem Obst be­lie­fer­ten. Im Hof­gar­ten Würz­burg, in den Hof­gär­ten Bay­reuths, auf der Plas­sen­burg, im Ba­rock­gar­ten See­hof, im Ro­ko­ko­gar­ten Veits­höch­heim, im Land­schafts­park Ro­senau, auf der In­sel Her­ren­chiem­see, im Hof­gar­ten Schleiß­heim, auf Schloss Dach­au oder in Nymphenburg sind groß­zü­gi­ge Ob­st­an­la­gen mit sehr al­ten Sor­ten zu be­wun­dern. Der Win­ter­schnitt er­zeugt den stärks­ten

Wachs­tums­reiz und sorgt für ei­nen kräf­ti­gen Neu­aus­trieb im Früh­jahr. Wenn der Obst­baum im Garten aber oh­ne­hin (zu) kräf­tig wächst, ist ein Schnitt ab En­de Ju­ni gut ge­eig­net, den Baum in sei­nem Wachs­tum ein­zu­brem­sen. Auch Spa­lier­for­men wer­den be­vor­zugt im Som­mer be­han­delt. Vor al­lem stark wach­sen­de Obst­bäu­me kön­nen durch ei­nen ein­zi­gen un­sach­ge­mä­ßen Schnitt über Jah­re den Er­trag ver­wei­gern und man ern­tet vor­wie­gend Holz (in Form von Jung­trie­ben, im Volks­mund „Was­ser­schos­ser“) statt der er­sehn­ten Früch­te. Der Obst­baum­schnitt dient da­zu, ein kräf

ti­ges Kro­nen­ge­rüst auf­zu­bau­en, da­mit der Baum ei­nen gro­ßen Er­trag schad­los und oh­ne Aus­bre­chen von Äs­ten be­wäl­ti­gen kann. Ein gut ge­schnit­te­ner Baum sorgt für op­ti­ma­le Licht­ver­hält­nis­se in der Kro­ne, so dass die Früch­te per­fekt aus­rei­fen kön­nen. Gleich­zei­tig kann ei­ne lo­cker auf­ge­bau­te Kro­ne nach Re­gen schnell ab­trock­nen, wo-

durch Pilz­krank­hei­ten an Laub und Früch­ten deut­lich ver­min­dert wer­den. Das schöns­te und schmack­haf­tes­te Obst ge­deiht bei vie­len Kern- und St­ein­obst­sor­ten am zwei- bis drei­jäh­ri­gen Frucht­holz. Je äl­ter das Frucht­holz,

um­so klei­ner wer­den die Früch­te, meist rei­fen sie auch schlech­ter aus. Da­her gilt es, das Frucht­holz re­gel­mä­ßig durch Schnitt zu er­neu­ern, sprich her­aus­zu­schnei­den. Doch wor­an er­kennt man al­tes Frucht­holz? Ty­pi­scher­wei­se wächst al­tes Frucht­holz zu­neh­mend „kral­len­för­mig“und bil­det so­ge­nann­tes „Quirl­holz“. Durch den schwa­chen Zu­wachs sie­deln sich oft Flech­ten an der Zwei­go­ber­flä­che an. Auch Äs­te, die stark nach un­ten hän­gen zäh­len meist zum al­ten Frucht­holz. Vie­le Obst­bäu­me in Haus­gär­ten wer­den zu stark

ge­schnit­ten. Wenn auf dem Baum hun­der­te von Jung­trie­ben ent­ste­hen, dann war der Ein­griff zu stark! In so ei­nem Fall ent­fernt man die steils­ten Trie­be und be­lässt die fla­cher wach­sen­den im Baum. Aus ih­nen kann wie­der neu­es Frucht­holz ent­ste­hen. Ein re­gel­mä­ßi­ger, mo­de­ra­ter Schnitt ist für die Ge­sund­heit und den Er­trag des Bau­mes weit vor­teil­haf­ter als sel­te­ne, star­ke Ein­grif­fe. Ge­ne­rell sollten kei­ne star­ken Äs­te ent­fernt wer­den, da Obst­bäu­me ih­re Wun­den nur schlecht ab­schot­ten kön­nen. Da hilft dann auch kei­ne Wund­ver­schluss­pas­te. Das Des­in­fi­zie­ren der Schneid­werk­zeu­ge bannt die Ge­fahr, Pilz­krank­hei­ten und Bak­te­ri­en zu über­tra­gen. Die oft emp­foh­le­ne Ver­wen­dung von Al­ko­hol er­scheint al­ler­dings we­nig prak­ti­ka­bel, da er min­des­tens 20 Mi­nu­ten ein­wir­ken muss. Wir­kungs­vol­ler ist ein kur­zes Ab­flam­men der Schnei­de mit Feu­er­zeug oder Bun­sen­bren­ner.

Stark wach­sen­de Obst­bäu­me schnei­det man schwach, schwach wach­sen­de Obst­bäu­me stark. Es macht kei­nen Sinn, ei­nen zu groß ge­wor­de­nen Obst­baum durch Schnitt klein zu hal­ten. Er wird all­jähr­lich sehr stark aus­trei­ben, die Er­trä­ge wer­den im­mer ge­rin­ger und blei­ben schließ­lich ganz aus.

Pum­perl­ge­sund Nur wer sei­ne Bäu­me pflegt, wird über Jah­re Freu­de an ih­nen und am Er­trag ha­ben.

1 1 Schleiß­heim Im Hof­gar­ten Schleiß­heim ste­hen mehr als 600 Obst­bäu­me, de­ren Früch­te vor Ort ver­mark­tet und auch zu ed­len Obst­brän­den ver­ar­bei­tet wer­den. SCHNITTMETHODE tt“, Oesch­berg­schni Der „ um wur­de in der Schweiz und 1930 ent­wi­ckelt na­tür­un­ter­stützt das Wuchs­ver­hal­ten li­che der Obst­bäu­me.

4 4 Fach­ge­rech­ter Schnitt Re­gel­mä­ßi­ges Schnei­den ist un­er­läss­lich, das gilt auch für lang­sam wach­sen­de Sor­ten. Denn un­ter­bleibt der Schnitt, wird der Obst­baum bald ver­grei­sen.

2 2 Weg mit den Ha­ken Man schnei­det Äs­te und Trie­be an den An­satz­stel­len bzw. an ih­rer Ver­zwei­gung ab und lässt kei­ne Stum­mel ste­hen. An die­sen „Klei­der­ha­ken“ent­ste­hen beim nächs­ten Aus­trieb vie­le neue Trie­be, die meist nicht er­wünscht sind.

3 3 Micha­el Deg­le Die güns­tigs­te Zeit für den Baum­schnitt ist der spä­te Win­ter bis zum ers­ten Aus­trieb. Dann klet­tert auch Micha­el Deg­le mit der Ast­sche­re auf die Lei­ter.

1 Al­te Sor­te Frucht­holz am 100 Jah­re al­ten Rhei­ni­schen Bohnap­fel­baum. 2

1 2 Kes­sel­kro­nen Ne­ben klas­si­schen Obst­wie­sen mit land­schafts­prä­gen­den Bäu­men fin­det man im Hof­gar­ten Veits­höch­heim his­to­ri­sche Er­zie­hungs­for­men wie Kes­sel­kro­nen.

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