Eil­an­trag we­gen des Göp­pin­ger Müll­ofens

Bür­ger­initia­ti­ve wen­det sich an den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten: „Die Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge wird ge­neh­mi­gungs­wid­rig be­trie­ben.“

Geislinger Zeitung - - Vorderseite - rh/sab Von Dirk Hül­ser

Kreis Göp­pin­gen. Die Bür­ger­initia­ti­ve Müll­kon­zept Göp­pin­gen wen­det sich an den Stutt­gar­ter Re­gie­rungs­prä­si­den­ten Wolf­gang Rei­mer. Ihr Ver­dacht: Die Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge wird ge­neh­mi­gungs­wid­rig be­trie­ben.

Mit ei­nem Eil­an­trag hat sich die Bür­ger­initia­ti­ve (BI) Müll­kon­zept Göp­pin­gen an den Stutt­gar­ter Re­gie­rungs­prä­si­den­ten Wolf­gang Rei­mer ge­wandt. Mit ei­ner So­fort-An­ord­nung soll der ge­neh­mi­gungs­kon­for­me Be­trieb des Müll­ofens wie­der her­ge­stellt wer­den, ge­mäß der Ge­neh­mi­gung von 1995. Der Arzt Micha­el Jau­mann und der In­ge­nieur Jörn-Ger­hard Rasch glau­ben näm­lich: „Die Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge wird ge­neh­mi­gungs­wid­rig be­trie­ben.“Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um (RP) als Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de ha­be „mög­li­cher­wei­se fahr­läs­sig ver­kannt, dass ei­ne we­sent­li­che Ve­rän­de­rung vor­ge­nom­men wur­de, die ei­ner Prü­fung und Ge­neh­mi­gung be­durft hät­te“.

Da­mit wer­den den Men­schen Spit­zen­wer­te an Emis­sio­nen zu­ge­mu­tet.“Micha­el Jau­mann und Jörn Rasch Bür­ger­initia­ti­ve Müll­kon­zept Göp­pin­gen

Dar­um geht es: Jau­mann und Rasch ha­ben her­aus­ge­fun­den, dass die Be­trei­ber des Göp­pin­ger Müll­heiz­kraft­werks (MHKW) im No­vem­ber 2007 ei­ne Er­hö­hung der Dau­er­last von 18 Ton­nen pro St­un­de auf 19,8 Ton­nen an­ge­zeigt ha­ben. Die­se Än­de­rung – „mit täg­lich 43,2 Ton­nen mehr an ver­brann­tem Müll“– sei dem Be­trei­ber auch vom RP ge­stat­tet wor­den. Das ent­spre­che ei­ner „ver­deck­ten Durch­satz­men­gen­er­hö­hung“auf 177 341 Ton­nen pro Jahr. Die Stutt­gar­ter Be­hör­de weist in ei­nem Schrei­ben von En­de Sep­tem­ber dar­auf hin, dass 2014 ei­ne nach­träg­li­che An­ord­nung er­las­sen wor­den sei. Dem­nach dür­fen in der Ver­bren­nungs­an­la­ge „je Ka­len­der­jahr höchs­tens 157 680 Ton­nen Ab­fäl­le ver­brannt wer­den“. Das ent­spricht der Men­ge, die auch 1995 in der im­mis­si­ons­schutz­recht­li­chen Ge­neh­mi­gung fest­ge­legt wur­de. „Wie­viel Ton­nen in ei­ner St­un­de ver­brannt wer­den dür­fen, scheint jetzt nicht mehr fest­ge­legt“, meint die BI. Und das ha­be Fol­gen: „Da­mit wer­den den Men­schen in der Um­ge­bung so­wie der Na­tur Spit­zen­wer­te an Emis­sio­nen zu­ge­mu­tet, die mit Mit­tel­wer­ten nicht er­fasst und nicht ge­mes­sen wer­den kön­nen. Das ist ärzt­li­cher­seits mas­siv zu kri­ti­sie­ren.“Das RP neh­me sei­ne Ver­ant­wor­tung für die Bür­ger nicht wahr, der „ge­sund­heit­li­che und vor­beu­gen­de Schutz der Men­schen wird un­ter den Tep­pich ge­kehrt“.

Die BI kri­ti­siert auch, was be­reits dem Göp­pin­ger OB Gui­do Till sau­er auf­ge­sto­ßen war: In der Ab­fall­bi­lanz des Lan­des ist die 2016 in Göp­pin­gen ver­brann­te Müll­men­ge mit 163 700 Ton­nen an­ge­ge­ben. Das sind 5000 Ton­nen mehr, als ei­gent­lich ge­neh­migt. Das RP ver­weist – wie zu­vor auch schon der Be­trei­ber EEW und Land­rat Ed­gar Wolff – dar­auf, dass im Müll­bun­ker ein Rot­te- und Feuch­tig­keits­ver­lust statt­fin­de. Sprich: 5000 Ton­nen wür­den ver­duns­ten, so blie­be letzt­lich die ge­neh­mig­te Men­ge zur Ver­bren­nung üb­rig. Für Jau­mann und Rasch ist das ei­ne Schutz­be­haup­tung: „Die an­ge­lie­fer­ten (und ver­brann­ten) Müll­men­gen wer­den deutsch­land­weit über die Ein­gangs­waa­ge der MVA er­fasst“, sa­gen sie. Nir­gends sonst wür­den Ver­lus­te durch Ver­duns­tung her­aus­ge­rech­net – es gel­te ein­zig und al­lein, was die Waa­ge an­zei­ge.

Fo­to: Gi­a­c­in­to Car­luc­ci

Wird im Müll­heiz­kraft­werk mehr Müll ver­brannt, als ei­gent­lich ge­neh­migt? Das glaubt die Bür­ger­initia­ti­ve Müll­kon­zept Göp­pin­gen.

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