Chan­cen für Schwarz-Blau

Geislinger Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Adel­heid Wölfl

„Wir ha­ben be­wie­sen,

dass uns Wel­ten tren­nen.“Mit die­ser Ana­ly­se nach ih­rem letz­ten ge­mein­sa­men TV-Du­ell er­teil­te der SPÖChef Chris­ti­an Kern dem FPÖChef Heinz Chris­ti­an Stra­che ei­ne ziem­lich deut­li­che Ab­sa­ge an ei­ne mög­li­che Zu­sam­men­ar­beit. Viel wahr­schein­li­cher als ei­ne Ko­ali­ti­on zwi­schen den So­zi­al­de­mo­kra­ten und der rechts­po­pu­lis­ti­schen FPÖ ist in Ös­ter­reich ei­ne Neu­auf­la­ge von Schwarz-Blau. Be­reits 2000 bis 2006 re­gier­te die kon­ser­va­ti­ve ÖVP mit den Frei­heit­li­chen.

In­halt­lich ste­hen sie ein­an­der oh­ne­hin viel nä­her, weil bei­de Par­tei­en rechts der Mit­te an­ge­sie­delt sind. Fragt man die Ös­ter­rei­cher nach ih­rer Lieb­lings­ko­ali­ti­on so schnei­det eben­falls Schwarz-Blau am bes­ten ab. Laut ei­ner Un­ter­su­chung von uni­que re­se­arch fa­vo­ri­sie­ren 24 Pro­zent der Be­frag­ten die­se Va­ri­an­te.

Der Po­li­to­lo­ge Pe­ter Filz­mai­er er­klärt, dass es in Ös­ter­reich seit 1979 oh­ne­hin im­mer ei­ne Mehr­heit rechts der Mit­te ge­ge­ben ha­be. Die Tat­sa­che, dass die Ko­ali­ti­on zwi­schen den So­zi­al­de­mo­kra­ten und den Kon­ser­va­ti­ven trotz­dem so lan­ge ge­hal­ten hat, ha­be un­ter an­de­rem dar­an ge­le­gen, dass die ÖVP lan­ge nicht mit der FPÖ ko­alie­ren woll­te. Ent­schei­dend war auch vie­le Jah­re, dass man kei­ne Ko­ali­ti­on mit ei­ner Par­tei ma­chen konn­te, die der­art EU-feind­lich war – schließ­lich woll­te man ja selbst der EU bei­tre­ten – was Ös­ter­reich erst 1995 tat.

In­be­son­de­re in der Hal­tung hin­sicht­lich der Wirt­schafts­po­li­tik – we­ni­ger Staat, mehr Markt­frei­heit – sei­en Schwarz und Blau sich aber schon im­mer ähn­li­cher ge­we­sen. Die FPÖ will heu­te auch nicht mehr aus der EU aus­tre­ten, weil sie in­zwi­schen zur Kennt­nis ge­nom­men hat, dass es für der­ar­ti­ge Ak­tio­nen nach bri­ti­schem Vor­bild in Ös­ter­reich kei­ne Mehr­heit ge­ben wür­de. Durch den all­ge­mei­nen Rechts­ruck in Ös­ter­reich und die An­nä­he­rung der Po­si­tio­nen der ÖVP an die der FPÖ ist nun mit noch we­ni­ger Kon­flikt­stoff zwi­schen den bei­den zu rech­nen.

Schwarz-Blau ist auch des­halb vor­aus­zu­se­hen, weil ei­ne Neu­auf­la­ge der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen der ÖVP und SPÖ als äu­ßerst un­wahr­schein­lich gilt. Die bei­den Par­tei­en hät­ten sich schließ­lich „im tiefs­ten Un­frie­den“ge­trennt, meint Filz­mai­er. Ei­ne Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on – in Ös­ter­reich wird die Kon­stel­la­ti­on Dirndl-Ko­ali­ti­on ge­nannt – zwi­schen ÖVP, Grü­nen und den li­be­ra­len Ne­os dürf­te rech­ne­risch nicht klap­pen: Die drei Klein­par­tei­en (Ne­os, die Grü­nen, Lis­te Pilz) müs­sen bei­de um ih­ren Ein­zug in den Na­tio­nal­rat ban­gen.

Ei­ne so­ge­nann­te Dirndl-Ko­ali­ti­on hat den Pro­gno­sen zu­fol­ge schlech­te Aus­sich­ten.

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