Qual­len sind die neu­en Aus­tern

For­scher war­nen, dass Nes­sel­tie­re zur Pla­ge wer­den. Ein Bio­lo­ge for­dert, dass wir sie es­sen soll­ten, um der In­va­si­on Herr zu wer­den. In Neu­see­land zau­bert ein Koch dar­aus fei­ne Ge­rich­te.

Geislinger Zeitung - - Blick In Die Welt - Von Bar­ba­ra Bark­hau­sen

Ein­mal Qual­le, bit­te! Glibbe­rig und ir­gend­wie farb­los: Qual­len zu es­sen, emp­fin­den vie­le Men­schen als ek­lig. Wäh­rend die Nes­sel­tie­re in vie­len asia­ti­schen Län­dern als De­li­ka­tes­se gel­ten und als Sa­lat, Su­shi oder ähn­lich wie Nu­deln ser­viert wer­den, scheut die west­li­che Kü­che noch im­mer vor ih­nen zu­rück.

Da­bei sind die Tie­re, die we­der Ge­hirn, noch Blut oder ein Herz ha­ben, so­gar recht ge­sund. Sie sind ka­lo­ri­en­arm und fett­frei, be­ste­hen zu 95 Pro­zent aus Was­ser und ent­hal­ten Pro­te­in und Spu­ren­ele­men­te wie Na­tri­um, Cal­ci­um oder Ma­g­ne­si­um. Al­ler­dings sind vie­le Qual­len auch ex­trem gif­tig. Nicht al­le Qual­len­ar­ten sind des­we­gen ess­bar. Bei de­nen, die es sind, wer­den im Nor­mal­fall die Glo­cken ver­wen­det, ge­sal­zen und ge­trock­net und dann ähn­lich wie Nu­deln in lan­ge Strei­fen ge­schnit­ten und beim Ver­ar­bei­ten wie­der in Was­ser ge­kocht.

Be­son­ders be­liebt als Ome­lette

„Qual­len sind toll, knusp­rig und köst­lich“, sag­te Ja­cob Brown, ein neu­see­län­di­scher Koch, der die Tie­re in sei­nem Re­stau­rant „The Lar­der” in Neu­see­lands Haupt­stadt Wel­ling­ton auf der Spei­se­kar­te hat, jetzt dem lo­ka­len Me­di­um „Stuff“. Brown ser­viert Qual­le meist mit an­de­ren Mee­res­früch­ten, mit Fisch, mit Hühn­chen und Schwei­ne­fleisch. Be­son­ders be­liebt ist sein Qual­len-Ome­lette. Brown will die De­bat­te an­sto­ßen, Qual­len zu ei­nem Stan­dard­nah­rungs­mit­tel zu ma­chen, nach­dem ihm auf­ge­fal­len ist, wie vie­le Qual­len im Meer vor Neu­see­land trei­ben. „Qual­len sind hier ein ech­tes Pro­blem”, sagt er. „Als ich an­fing mit ih­nen zu ko­chen, ha­be ich ge­merkt, dass sie ein rich­tig gu­tes Pro­dukt sind.“

Doch wäh­rend er die neu­see­län­di­schen Qual­len für den Ei­gen­ge­brauch ko­chen darf, im Re­stau­rant Li­sa-Ann Gershwin teilt Browns Be­ob­ach­tung, dass die Qual­len im­mer mehr zu­neh­men. Sie warnt seit Jah­ren vor ei­ner „In­va­si­on der Qual­len“. „Wir sind in der ver­rück­ten, un­er­war­te­ten und un­ver­ständ­li­chen Po­si­ti­on, wo wir im Wett­be­werb mit den Qual­len ste­hen und sie da­bei sind, zu ge­win­nen“, sagt sie. Denn Qual­len pro­fi­tie­ren von all dem, was dem Rest un­se­rer Na­tur scha­det.

Auf­grund der Über­fi­schung der Mee­re gibt es we­ni­ger Raub­fi­sche, die die Tie­re re­du­zie­ren könn­ten. Plas­tik­tü­ten im Was­ser tö­ten wei­te­re Fress­fein­de wie Schild­krö­ten. Zu­dem blü­hen Qual­len in wär­me­rem, nähr­stoff­rei­chem Was­ser

auf. Denn das ver­län­gert ih­re Brut­sai­son, wäh­rend­vie­le Fi­sche durch den ge­rin­ge­ren Sau­er­stoff­an­teil im Was­ser lei­den. „Wär­me­res Was­ser ist ein De­sas­ter für al­les, was at­met und ein Traum für al­les, das nicht groß at­met wie die Qual­len”, sagt

Gershwin.

Qual­len­pla­gen sind je­doch bei wei­tem nicht auf Neu­see­land und Aus­tra­li­en be­schränkt. Auch im Mit­tel­meer gibt es in­zwi­schen vier­mal so vie­le Qual­len wie noch vor 13 Jah­ren. Der ita­lie­ni­sche Mee­res­bio­lo­ge Sil­vio Gre­co plä­diert des­we­gen eben­falls da­für, die Tie­re als Nah­rungs­mit­tel an­zu­se­hen. „Jetzt muss der Mensch zum Jä­ger der Qual­len wer­den.“Gre­co ex­pe­ri­men­tiert wie der Neu­see­län­der Brown da­mit, Qual­len schmack­haft zu­zu­be­rei­ten. „Ich lie­be Mee­res­früch­te“, sag­te der Ita­lie­ner. „Und Qual­len er­in­nern mich an Aus­tern.“

Sie sind toll, knusp­rig und köst­lich. Ja­cob Brown

Koch in Neu­see­land

Fo­tos: Ed­gieus/Shut­ter­stock

Nicht je­de Qual­le ist für den Ver­zehr ge­eig­net: Man­che Ar­ten sind gif­tig. Viel­fäl­tig sind je­doch die Zu­be­rei­tungs­mög­lich­kei­ten.

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