Gags am lau­fen­den Band pro­du­ziert

Micha­el Wei­den­ba­cher be­rich­tet über neue Er­geb­nis­se der Bur­gen­for­schung im Obe­ren Fil­s­tal.

Geislinger Zeitung - - Vorderseite - Tho­mas Dix

Hof­stett-Emer­buch.Der

Co­me­di­an Se­bas­ti­an Leh­mann un­ter­hält sein Pu­bli­kum mit Le­bens­ge­schich­ten aus dem Pro­gramm „Ich war jung und hat­te das Geld“.

Geis­lin­gen.

Die 20 Bur­gen und Burg­stel­len im Obe­ren Fil­s­tal bie­ten ein rei­ches Feld für um­fas­sen­de For­schun­gen. Wann wur­den die Bur­gen ge­grün­det? Wie lan­ge wur­den sie ge­nutzt? Wel­che Funk­ti­on hat­ten sie? Gibt es Ge­mein­sam­kei­ten der La­ge? Und wie se­hen die In­ter­ak­tio­nen zwi­schen den Bur­gen und ih­rer Um­ge­bung aus? Dies sind ei­ni­ge der Leit­fra­gen, de­nen sich Micha­el Wei­den­ba­cher in sei­ner Dok­tor­ar­beit stellt, über die er am Mon­tag auf Ein­la­dung des Kunst- und Ge­schichts­ver­eins in der Ga­le­rie im Al­ten Bau in Geis­lin­gen be­rich­te­te.

Wei­den­ba­cher ist seit Lan­gem mit der Bur­gen­land­schaft der Re­gi­on ver­traut, war er doch schon seit 2007 an den Aus­gra­bun­gen auf der Hil­ten­burg bei Bad Dit­zen­bach be­tei­ligt. „Die­se Mit­ar­beit hat ihn Feu­er fan­gen las­sen für die Archäo­lo­gie“, mein­te Stadt­ar­chi­var Hart­mut Gru­ber in sei­ner Ein­lei­tung. Der Re­fe­rent stu­dier­te Archäo­lo­gie in Bam­berg und pro­mo­viert zur Zeit an der Uni­ver­si­tät Tü­bin­gen.

In­ter­dis­zi­pli­nä­rer An­satz

Wei­den­ba­cher gab ei­nen aus­führ­li­chen Ein­blick in sei­nen in­ter­dis­zi­pli­nä­ren For­schungs­an­satz. Denn um In­for­ma­ti­ons­lü­cken zu schlie­ßen, ist es not­wen­dig, auch Er­kennt­nis­se von an­de­ren Fach­ge­bie­ten ein­zu­be­zie­hen. So las­sen sich grö­ße­re Zu­sam­men­hän­ge er­schlie­ßen, wenn ne­ben ar­chäo­lo­gi­schen Qu­el­len auch Ur­kun­den, al­te Kar­ten, geo­phy­si­ka­li­sche Ge­ge­ben­hei­ten, Land­schafts­ver­än­de­run­gen oder auch al­te Fl­ur­na­men hin­zu­ge­zo­gen wer­den.

Be­zieht man zum Bei­spiel die al­ten We­ge und Stra­ßen in die Un­ter­su­chung ein, zeigt es sich, dass sich vie­le Bur­gen an be­zie­hungs­wei­se ober­halb der ver­schie­de­nen Al­bauf­stie­ge be­fan­den. Ne­ben den ty­pi­schen Hö­hen­bur­gen auf ei­nem Berg­sporn wie Hel­fen­stein und Hil­ten­burg gab es auch Burg­stel­len in Nie­de­run­gen mit Wall und Gra­ben.

Hil­ten­burg als Aus­nah­me

Schwie­rig und in vie­len Fäl­len nur ru­di­men­tär mög­lich ist die Fest­stel­lung von Grün­dung und Nut­zungs­dau­er ei­ner Burg. Ein­zi­ge An­halts­punk­te bie­ten oft le­dig­lich Ke­ra­mik­fun­de. Ei­ne Aus­nah­me bil­det die Hil­ten­burg, für die sich lü­cken­los ei­ne durch­ge­hen­de Nut­zung von der Me­ro­win­ger­zeit bis zur Zer­stö­rung im Jahr 1516 be­le­gen lässt. Ver­mehrt kam es zu Grün­dun­gen im 11. Jahr­hun­dert, wo­bei es äl­te­re Bur­gen, sie­he Hil­ten­burg, oder auch jün­ge­re ge­ge­ben hat. „Wir ha­ben aber im­mer nur Mo­ment­auf­nah­men“, be­ton­te Wei­den­ba­cher, „denn je­der neue Fund kann die Da­tie­rung ver­än­dern“.

Neue Er­kennt­nis­se er­ge­ben sich durch die tech­ni­sche Me­tho­de des Li­dar-La­ser­scans. Da­bei wird von ei­nem Flug­zeug oder He­li­ko­pter aus die Erd­ober­flä­che mit­tels La­ser­strahl ab­ge­tas­tet. Durch die Er­mitt­lung der Dis­tanz zwi­schen dem er­fass­ten Punkt und dem Sen­sor ent­ste­hen zen­ti­me­ter­ge­naue di­gi­ta­le Hö­hen­mo­del­le. So konn­te fest­ge­stellt wer­den, dass sich auf dem be­wal­de­ten Hö­hen­pla­teau nörd­lich des Hel­fen­stein ei­ne Wall-Gra­ben-An­la­ge be­fun­den ha­ben muss. Und zwei run­de Er­he­bun­gen an den Aus­läu­fern des Pla­teaus, auf dem sich die Burg Leim­berg be­fand, las­sen auf mög­li­che Vor­be­fes­ti­gun­gen schlie­ßen.

Aus­sicht wird di­gi­tal si­mu­liert

Span­nend – so ein oft ge­brauch­tes Wort im Vor­trag – sind auch di­gi­ta­le Sicht­bar­keits­ana­ly­sen. Da­bei wird die Sicht von ei­nem vir­tu­el­len Turm auf der je­wei­li­gen Burg si­mu­liert. Denkt man sich zum Bei­spiel zwei 20 Me­ter ho­he Tür­me auf den bei­den Berg­frie­den der Hil­ten­burg, schaut man so­wohl ins Fil­s­tal wie auch auf die Alb­hoch­flä­che. So muss es auch Sicht­kon­takt zwi­schen der Hil­ten­burg und der Burg auf dem Dür­ren­berg ge­ge­ben ha­ben.

In­ter­es­san­te Per­spek­ti­ven er­ge­ben sich, wenn die In­ter­ak­tio­nen zwi­schen Burg und ih­rer Um­ge­bung be­trach­tet wer­den. Ei­ne gro­ße Be­deu­tung ha­ben die Müh­len, denn die Or­te auf der Alb­hoch­flä­che wa­ren durch den Müh­len­bann an ei­ne be­stimm­te Müh­le ge­bun­den. Zur Hil­ten­burg ge­hör­te ei­ne Müh­le in Bad Dit­zen­bach, und der Herr von Leim­berg er­hielt 1336 das Recht, ei­ne Müh­le un­ter­halb sei­ner Burg zu er­rich­ten.

Ein wei­te­rer Zu­sam­men­hang er­gibt sich, wenn man die Wal­d­und Jagd­rech­te be­trach­tet, die oft an ei­ne Burg ge­knüpft wa­ren. So be­steht ei­ne weit­ge­hen­de De­ckungs­gleich­heit zwi­schen dem Herr­schafts­ge­biet der Hel­fen­stei­ner im 14. Jahr­hun­dert und den Gren­zen des Wald­banns. Und 1365 er­hiel­ten sie von Karl IV. das Recht, in­ner­halb ih­res Wald­banns Ei­sen­erz ab­zu­bau­en und zu ver­hüt­ten.

„Dar­an knüp­fen sich vie­le Fra­gen, auf die wir noch kei­ne Ant­wor­ten ha­ben“, kon­sta­tier­te Wei­den­ba­cher und gab ab­schlie­ßend ei­nen Aus­blick auf ein wei­ter­füh­ren­des For­schungs­pro­jekt an der Uni­ver­si­tät Tü­bin­gen in Ko­ope­ra­ti­on mit wei­te­ren Uni­ver­si­tä­ten. Fach­über­grei­fend wer­den in dem breit an­ge­leg­ten Pro­jekt, an dem Wei­den­ba­cher und rund 30 wei­te­re Wis­sen­schaft­ler mit­ar­bei­ten, „Burg und nie­de­rad­li­ge Herr­schafts­bil­dung im Um­feld hoch­ad­li­ger Herr­schafts­zen­tren“so­wie „Res­sour­cen der Kul­tur­land­schaft als Fak­to­ren mit­tel­al­ter­li­chen Bur­gen­baus“un­ter­sucht.

Bei der Er­for­schung der viel­fäl­ti­gen und rei­chen Bur­gen­land­schaft un­se­rer Re­gi­on tut sich ei­ni­ges und es sind, das mach­te der Vor­trag auch deut­lich, noch in­ter­es­san­te neue Er­kennt­nis­se zu er­war­ten.

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