Die Trend­wen­de ist ge­schafft

Sta­tis­tik Die Schü­ler­zah­len in Geis­lin­gen zie­hen wie­der an – und wer­den auch mit­tel­fris­tig stei­gen. Wes­halb die Stadt ein Be­kennt­nis zu ih­ren Schu­len gibt. Von Jo­chen Weis

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Geis­lin­gen. Die Schü­ler­zah­len in Geis­lin­gen zie­hen wie­der an und wer­den auch mit­tel­fris­tig stei­gen. Die Viel­falt der Schu­len soll er­hal­ten blei­ben.

Knapp 28 Mil­lio­nen Eu­ro hat die Stadt Geis­lin­gen in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren in ih­re Schu­len in­ves­tiert, wei­te­re zwei Mil­lio­nen Eu­ro kom­men im lau­fen­den Jahr da­zu. „Man kann al­so ge­trost sa­gen, dass uns un­se­re Schu­len lieb und teu­er sind“, sagt Ober­bür­ger­meis­ter Frank Deh­mer – und das aus gu­tem Grund: In der jüngs­ten Sitzung des Ver­wal­tungs­aus­schus­ses ha­ben Stadt­rä­te und Ver­wal­tung ein kla­res Be­kennt­nis ab­ge­ge­ben, „die Viel­falt der schu­li­schen An­ge­bo­te in Geis­lin­gen wei­ter zu er­hal­ten“, wie es in der Sit­zungs­vor­la­ge hieß.

Maß­geb­lich für die­sen Be­schluss ist die Ent­wick­lung der Ge­s­amt-Schü­ler­zah­len in der Fünf­tä­ler­stadt. Nach jah­re­lan­gem Rück­gang – 2008 hat­te die Zahl im Ver­gleichs­zeit­raum 1999 bis 2017 erst­mals die 5000er-Mar­ke un­ter­schrit­ten – war 2015 die Tal­soh­le mit 4097 Schü­lern er­reicht. Seit­her geht die Kur­ve wie­der nach oben, wenn­gleich noch zö­ger­lich: Im Vor­jahr zähl­te der zu­stän­di­ge Fach­be­reich Bil­dung, Kul­tur, Ju­gend und Eh­ren­amt 4102 Schü­ler. Al­ler­dings zieht die Zahl der Grund­schü­ler seit ei­ni­gen Jah­ren wie­der an. 2014 be­such­ten laut dem von Sach­ge­biets­lei­te­rin Jo­ni­ca Sper­ling ver­fass­ten Be­richt ins­ge­samt 815 Kin­der ei­ne der sechs Grund­schu­len im Geis­lin­ger Stadt­ge­biet, ak­tu­ell sind es 982. Die Ge­samt­zahl ent­spricht in et­wa dem Stand des Schul­jah­res 2009/2010.

Ein schon jetzt mess­ba­rer Ef­fekt die­ser Ent­wick­lung: Nach­dem in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an der Ey­ba­cher Grund­schu­le die Erst- und Zweit­kläss­ler we­gen zu ge­rin­ger Schü­ler­zah­len in ei­ner Klas­se zu­sam­men ge­legt wur­den, gibt es dort nun wie­der ei­ne se­pa­ra­te ers­te Klas­se.

Zu­dem wirkt sich der im Vor­jahr ge­fass­te Be­schluss des Ge­mein­de­rats aus, das Ein­zugs­ge­biet der von Platz­not ge­plag­ten Ge­mein­schafts­schu­le am Te­gel­berg zu ver­klei­nern, wo­durch die dor­ti­ge Grund­schu­le nur noch zwei­zü­gig, sprich: mit we­ni­ger Schü­lern be­legt wird. „Al­le an­de­ren Grund­schu­len ha­ben da­her an Schü­lern ge­won­nen“, kon­sta­tiert Sper­ling.

Un­term Strich spie­gelt der An­stieg der Schü­ler­zah­len im Grund­schul­be­reich ei­nen Trend wi­der, der die Stadt im Vor­jahr schon bei den Kin­der­gar­ten­plät­zen zum Han­deln ge­zwun­gen hat: Zum ei­nen steigt die Zahl der Zu­zü­ge, zum an­de­ren die Zahl der Ge­bur­ten. Wes­halb auch die Ver­wal­tung da­von aus­geht, dass sich die Schü­ler­zah­len kurz­fris­tig auf dem be­ste­hen­den Ni­veau ein­pen­deln und mit­tel­fris­tig wie­der stei­gen. Da­bei ist auch die Ent­wick­lung der Um­land­ge­mein­den be­rück­sich­tigt, aus de­nen Kin­der die wei­ter­füh­ren­den Schu­len in Geis­lin­gen be­su­chen, der Ge­samt­an­teil be­trägt der­zeit 35 Pro­zent.

Kon­trär ist in­des der Ent­wick­lungs­ver­lauf an den bei­den Geis­lin­ger Re­al­schu­len: Wäh­rend die Schub­art-Re­al­schu­le erst­mals seit 2008 wie­der die 100er-Mar­ke bei den Fünft­kläss­lern ge­knackt hat – zu­letzt stieg die Zahl von 80 auf 100 – muss­te die bis­lang stets stär­ker nach­ge­frag­te Da­ni­el-St­raub-Re­al­schu­le im Vor­jah­res­ver­gleich ei­nen Rück­gang von 87 auf 56 hin­neh­men. Maß­geb­lich da­für ist, dass in­zwi­schen vie­le Schü­ler aus Böh­men­kirch die Re­al­schu­le in St­ein­heim be­su­chen. Die ge­lan­gen dank ei­ner ei­gens ein­ge­rich­te­ten Bus­li­nie dort­hin.

An bei­den Re­al­schu­len ist der An­teil aus­wär­ti­ger Schü­ler ähn­lich hoch. Von den 547 Schü­lern der Da­ni­el-St­raub-Re­al­schu­le kom­men 243 aus den Umland-Kom­mu­nen (44,4 Pro­zent) – da­von al­lein 82 aus Böh­men­kirch –, bei der Schub­art-Re­al­schu­le sind es 211 von 504 (41,8 Pro­zent). Al­ler­dings be­schränkt sich die­ser An­teil fast aus­schließ­lich auf die drei Ge­mein­den Ku­chen, Bad Über­kin­gen und Gin­gen.

Auch wenn sich der Trend an der St­raub-Re­al­schu­le laut Sper­ling fort­set­zen wird: Grund zur Sor­ge be­steht nach ih­ren Wor­ten den­noch nicht. Durch den Rück­gang er­gibt sich „nun end­lich ei­ne Ent­span­nung der räum­li­chen Si­tua­ti­on und die Schu­le hat kaum noch Wan­der­klas­sen“, kon­sta­tiert die Sach­ge­biets­lei­te­rin.

Bei den Gym­na­si­en zeigt sich in­des seit fünf Jah­ren „ei­ne deut­li­che Sta­bi­li­tät oh­ne all­zu gro­ße Schwan­kungs­brei­te“. Die Zahl der Fünft­kläss­ler am Hel­fen­steinGym­na­si­um lag zu­letzt bei 103 und be­wegt sich seit Jah­ren weit­ge­hend in ei­nem Kor­ri­dor von 100 bis 120. Das Mi­chel­berg-Gym­na­si­um zähl­te zu Schul­jah­res­be­ginn 78 Neue, dort la­gen die Wer­te in den Vor­jah­ren im Be­reich 70 bis 90. Ak­tu­ell be­su­chen 758 Schü­ler das HeGy und 589 das MiGy da­von kom­men 426 re­spek­ti­ve 410 aus den Um­land­ge­mein­den.

Auf­fäl­lig bei den Geis­lin­ger Gym­na­si­en ist die Über­gangs­quo­te von den Grund­schu­len: Die lag in der Fünf­tä­ler­stadt im Vor­jahr bei 30 Pro­zent (und auch da­vor stän­dig in die­sem Be­reich). Al­ler­dings liegt Geis­lin­gen da­mit deut­lich un­term Lan­des­durch­schnitt (44 Pro­zent). Was nach An­sicht von Stadt­rat Tho­mas Reiff je­doch der Be­völ­ke­rungs­struk­tur der Stadt ge­schul­det ist. Dort be­trägt der Mi­gran­ten­an­teil knapp 33 Pro­zent, im Land sind es knapp 17 Pro­zent. Der An­teil an Gym­na­si­as­ten aus die­sen Fa­mi­li­en ist – sta­tis­tisch er­fasst – nach wie vor noch deut­lich ge­rin­ger als bei Fa­mi­li­en mit deut­schen Wur­zeln.

Die­se Ver­wer­fung wird in Geis­lin­gen bei den an­de­ren Schul­ar­ten of­fen­bar: Die Re­al­schu­len (43 Pro­zent) und Werk­re­al­schu­len (14,5 Pro­zent) lie­gen bei den Über­gangs­quo­ten deut­lich über dem Lan­des­durch­schnitt (34 und 6 Pro­zent). Die Te­gel­berg­schu­le ent­spricht mit 13 Pro­zent in­des ex­akt dem Lan­des­mit­tel.

Stich­wort Te­gel­berg­schu­le: Dort gilt die Zwei- statt Drei­zü­gig­keit auch für den wei­ter­füh­ren­den Be­reich. Pro­fi­teur ist die Uh­land­schu­le: Für das lau­fen­de Schul­jahr hat­te es 26 An­mel­dun­gen und da­mit – nach dem Aus im Vor­jahr – wie­der ei­ne fünf­te Klas­se ge­ge­ben. Sper­ling geht da­von aus, dass dies auch in den kom­men­den Jah­ren der Fall sein wird und da­mit der Be­stand der Werk­re­al­schu­le ge­si­chert ist.

We­ni­ger Fün­fer bei der Da­ni­elS­t­raub-Re­al­schu­le: Ge­mein­de Böh­men­kirch bricht weg.

Fo­to: dpa

Die Schü­ler­zah­len an den Geis­lin­ger Grund­schu­len sind wie­der or­dent­lich ge­stie­gen – und tun es noch wei­ter­hin. Das sorgt für ei­ne sta­bi­le Ent­wick­lung auch bei den wei­ter­füh­ren­den Schu­len.

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