Aus­blick lohnt al­le Mü­hen

Geislinger Zeitung - - Vereinsforum - Von Wer­ner Köl­le

Wan­de­rung 36 Se­nio­ren-Na­tur-Sport­ler des Deut­schen Al­pen­ver­eins (DAV) rei­sen in vier Klein­bus­sen zu ei­ner Do­lo­mi­ten-Wan­der­wo­che nach To­b­lach im Pus­ter­tal.

Ger­hard Dan­gel­mai­er, Vi­ze-Vor­sit­zen­der der Sek­ti­on Geis­lin­gen im DAV, hat­te die Tou­ren für die Wo­che per­fekt aus­ge­ar­bei­tet und or­ga­ni­siert, wo­bei für je­den Tag al­ter­na­tiv ei­ne eher sport­lich be­ton­te und ei­ne eher ge­nuss­ori­en­tier­te Berg­tour an­ge­bo­ten wur­de.

Sonn­tags wa­ren die Leis­tungs­ori­en­tier­ten mit dem To­b­la­cher Haus­berg Sarl­ko­gel (2378m) als Ein­geh­tour mit 1260 Hö­hen­me­tern gleich ge­for­dert, was mit ei­ner traum­haf­ten Aus­sicht in al­le Him­mels­rich­tun­gen be­lohnt wur­de. Die Ge­nie­ßer zo­gen ei­ne Wan­de­rung auf der Nord­sei­te des Pus­ter­ta­les vor. Bei Son­nen­schein stie­gen sie durch Tan­nen- und Lär­chen­wäl­der, vor­bei an al­ten Bau­ern­hö­fen mit wun­der­schö­nen klei­nen Ba­rock­ka­pel­len zum Rats­berg auf. Sie hat­ten Mu­ße zum In­ne­hal­ten und auch für ein Gläs­chen Wein auf ei­ner Son­nen­ter­ras­se. Die Freu­de über die pracht­vol­le Na­tur, Aus­bli­cke auf den To­b­la­cher See, die Ber­ge um das Höh­len­stein­tal er­fass­te al­le.

Aus­gangs­punkt für die Tou­ren des nächs­ten Tages war die Plätz­wie­se, ein Hoch­alm­ge­biet zwi­schen Pragser Tal und Höh­len­stein­tal. Ein Teil der Grup­pe nahm sich den vom Nord­föhn um­braus­ten 2839 m ho­hen Dür­ren­stein vor, die an­de­ren be­gnüg­ten sich mit dem nied­ri­ge­ren Stru­del­kopf. Von bei­den Gip­feln schweif­te der Blick von den Zil­ler­ta­ler Al­pen bis zu den süd­li­chen Do­lo­mi­ten.

Am Di­ens­tag star­te­ten bei­de Grup­pen vom zum Welt­na­tur­er­be ge­hö­ren­den Pragser Wild­see und stie­gen hoch zur Alm Ka­sern. Dort gings für die ei­nen wei­ter zum Schwarz­berg, die an­de­ren stie­gen zu­vor zu­nächst steil, dann über weit­läu­fi­ge Wie­sen hin­auf zum Hoch­al­pen­kopf und sa­hen bei völ­li­ger Klar­heit al­les, vom Ort­ler im Wes­ten bis zum Groß­glock­ner im Os­ten. Über die Grün­wald­alm er­reich­ten bei­de Grup­pen wie­der den See.

Ziel des fol­gen­den Ru­he­ta­ges war der Helm (2438m) ober­halb von Sex­ten. Die Al­pi­nis­ten be­dien­ten sich der Seil­bahn, um auf den rund 2000m hoch ge­le­ge­nen Aus­gangs­punkt ei­ner im­mer­hin noch vier­stün­di­gen Grat­wan­de­rung zu ge­lan­gen. Bei op­ti­ma­len Sicht­ver­hält­nis­sen war im Nor­den der Al­pen­haupt­kamm von den Ötz­ta­ler über die Stu­bai­er Al­pen bis zu den Ho­hen Tau­ern zu ver­fol­gen. Im Sü­den hat­te man die fünf bi­zar­ren Do­lo­mi­ten-Ber­ge mit Neu­ner, Zeh­ner, El­fer, Zwöl­fer und Ein­ser der Sex­te­ner Son­nen­uhr un­mit­tel­bar vor sich.

Hö­he­punkt der Wo­che war am Don­ners­tag die Um­run­dung der welt­be­rühm­ten Drei Zin­nen, wo­bei die Hard­core-Al­pi­nis­ten da­bei auf dem Klet­ter­steig den Pa­ternk­ofel (2744 m) über­schrit­ten. Kaum je­mand konn­te sich der Fas­zi­na­ti­on der drei har­mo­nisch ne­ben­ein­an­der auf­ge­bau­ten Gip­fel mit ih­ren ge­wal­ti­gen Nord­wän­den ent­zie­hen. Bei al­ler Be­geis­te­rung für die­se Na­tur­er­leb­nis­se wur­de man auch mit den Pro­ble­men des Mas­sen­tou­ris­mus kon­fron­tiert. Ob­wohl es Nach­sai­son und ein Werk­tag war, be­weg­ten sich lan­ge Schlan­gen Na­tur­be­geis­ter­ter aus al­ler Welt um die Zin­nen. Aber wer will es den an­de­ren ver­weh­ren, wenn man selbst mit Freu­de da­bei ist.

Grund zum Nach­den­ken bot auch am letz­ten Tag der Auf­stieg auf den Mon­te Pia­no und den Mon­te Pia­na. Heu­te sind dies zwei wun­der­ba­re Aus­sichts­ter­ras­sen, von de­nen der Blick un­ge­hin­dert auf die Drei Zin­nen, das Mas­siv des Mon­te Cris­tal­lo und den tief im Tal glit­zern­den Mi­su­ri­nasee fal­len kann. Im Do­lo­mi­ten­krieg 1915 bis 1918 tob­ten um die­se Ber­ge er­bit­ter­te Kämp­fe, in de­nen 14 000 ita­lie­ni­sche und ös­ter­rei­chi­sche Sol­da­ten den Tod fan­den. Die Gip­fel­kup­pen der bei­den Ber­ge sind auch heu­te noch voll­stän­dig von Schüt­zen­grä­ben, Un­ter­stän­den und Wäl­len durch­zo­gen und zer­furcht. In­fo-Ta­feln ver­su­chen die furcht­ba­ren Ge­scheh­nis­se von da­mals zu er­klä­ren. Vie­le tra­ten mit ei­nem Ge­fühl der Dank­bar­keit für über 70 Jah­re Frie­den in ei­nem ver­ein­ten Eu­ro­pa den Weg in das Tal an.

Fo­to: Ge­org Baum­gart­ner

Blick auf die Drei Zin­nen aus ei­nem Stol­len­loch, der Klet­ter­steig ver­läuft teil­wei­se in im Berg an­ge­leg­ten Stol­len.

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