DER GU­TE REST

Gitarre & Bass - - Leser Post -

• THE PIGGYBACK RIDERS: MID­NI­GHT AT THE TENTH OF ALWAYS. Der schwe­di­sche Sin­ger/song­wri­ter Su­lo Karls­son taucht mit sei­ner Band plus Sän­ge­rin Id­de Schultz und Uk-gi­tar­rist Chris Sped­ding tief in die wei­te Ame­ri­ca­na-welt zwi­schen viel Coun­try, Folk und Blues. Zwei­stim­mi­ge Vo­cals und Steel­gui­tar, die sich über Drums und Bass aus­brei­ten, ge­ben oft die Stim­mung vor. Da­zwi­schen legt Sped­ding im an­ge­crunch­ten Sound spar­sam sei­ne Ak­kor­de, tro­cke­ne Licks oder spielt ei­ne tra­gen­de Me­lo­die. In den de­zen­ten Ro­ckern des Al­bums klingt er dann mit Dou­ble­stop-licks und kräf­ti­ge­ren Strumming nach den frü­hen Sto­nes. Zwi­schen all dem me­lan­cho­li­schen Re­tro-flair schim­mert dann mit ,Hard­ly Sa­tis­fied‘ ei­ne lo­cke­re Pop-num­mer durch. Aber bit­te nicht miss­ver­ste­hen, das Al­bum strahlt letzt­lich viel In­die-pa­thos aus. Und es ist wirk­lich ein Er­leb­nis. am • MR BIG: DEFYING GRAVITY. Mit Eric Mar­tin (voc), Paul Gil­bert (g), Bil­ly Shee­han (b) und Pat Tor­pey (dr) tritt die vor­nehm­lich in den frü­hen 90ern er­folg­rei­che Band in ori­gi­na­ler Be­set­zung an. Al­ler­dings muss­te auf­grund ei­ner Par­kin­son-dia­gno­se bei Tor­pey bei der Mehr­heit der Songs Er­satz­mann Matt Starr trom­meln. Mr. Big lie­fern ei­ne fet­te La­dung Us-hard­rock ab, in dem auch mal 70er-jah­re-pa­thos mit­schwingt. Der Sound von Paul Gil­bert klingt ver­gleichs­wei­se rau, und es ist be­ein­dru­ckend, mit was für ei­nem sat­ten Ton in den Fin­gern er ab­jagt. Und dies auch ger­ne uni­so­no mit Tief­ton-vir­tuo­se Bil­ly S. Die Riffs klin­gen frisch und ei­ni­ge Parts ver­strö­men auch Prog­rock-at­mo. Da­ne­ben geht‘s in ei­ni­gen blue­sig ro­cken­den Songs auch er­di­ger ab. Und es ge­lingt auch ein bal­la­des­ker Pop-song im Stil des Me­ga­hits ,To Be With You‘. Wie­der ein­mal hält das Quar­tett die Waa­ge zwi­schen Song­wri­ting und Shred­ding, im Ok­to­ber kann man sich in Deutsch­land und den Nie­der­lan­den an­schau­en, wie Gil­bert/shee­han auf ih­ren Griff­bret­tern der Schwer­kraft trot­zen. am • CHEAP TRICK: WE’RE ALL RIGHT! De­nen geht‘s wohl zu gut! Die Band-iko­ne um Gi­tar­ren-nerd Rick Niel­sen haut dem ge­neig­ten Hö­rer sat­ten Hard­rock ‘ n‘ Roll um die Oh­ren. Die klas­si­schen Riffs zwi­schen AC/DC, Ae­ros­mith und Ra­mo­nes ma­chen ei­ne Men­ge Lau­ne. Und wenn‘s zum So­lo kommt, geht‘s ger­ne Chuck-ber­ry-mä­ßig ab. Da­ne­ben trans­por­tie­ren hym­ni­sche Songs den me­lo­di­schen Bom­bast von 70er Glam­rock bis 80er Hair­me­tal. Macht aber nix, denn Po­ser­tum und Main­stream-af­fi­ni­tät wer­den mit schrä­gem Hu­mor, viel Ener­gie und ei­ner Men­ge schrä­ger Zwi­schen­tö­ne auf­ge­fan­gen. Stark! am • U2: THE JOS­HUA TREE – SU­PER DE­LU­XE CD BOXSET. Zum 30Jäh­ri­gen kommt der Mei­len­stein der iri­schen Band in re­mas­ter­ter Form. Die­ses 4CD-SET ent­hält wei­ter­hin ,Li­ve At Ma­di­son Squa­re Gar­den‘, ,Re­mi­xes‘ so­wie ,B-si­des & Out­ta­kes‘. Im di­cken Papp­schu­ber im Lp-for­mat steckt wei­ter­hin ei­ne Hül­le mit Re­po­gra­fi­en der Fo­tos von An­ton Cor­bi­jn. In­ter­es­san­ter dürf­te ein 84- sei­ti­ges, ge­bun­de­nes Buch mit bis­her un­ver­öf­fent­lich­ten Fo­tos von Gi­tar­rist The Edge sein, die 1986 wäh­rend der „Mo­ja­ve De­sert“-fo­to­ses­si­on ent­stan­den sind. Und die­se kon­trast­rei­chen Schwarz-weiß-bil­der sa­gen viel über die Stim­mung, in der sich die Mu­si­ker da­mals be­fan­den und die Ent­ste­hung ih­res Er­folgs­al­bums aus. Span­nen­de Wie­der­auf­la­ge für Fans, die auch als 2CD De­lu­xe Edi­ti­on und als 7LP Su­per De­lu­xe-box-set kommt. am • FOREIGNER: 40. Weit we­ni­ger pom­pös fei­ern die Main­stream­ro­cker ihr 40-Jäh­ri­ges. Im schlich­ten schwarz ge­hal­te­nen Di­gi­pak ste­cken zwei CDS mit – wel­che Über­ra­schung – 40 Hits. Zu den be­kann­tes­ten zäh­len si­cher ,Cold As Ice‘, ,Ur­gent‘ und ,Ju­ke Box He­ro‘, des­sen Gi­tar­ren-so­lo im­mer noch gut kommt. Und na­tür­lich hat­ten sie vie­le Bal­la­den am Start, wie den mit Key­boards weich­ge­spül­ten Über-hit ,I Want To Know What Love Is‘. Im Book­let in­for­miert ein lan­ges In­ter­view mit Gi­tar­rist Mick Jo­nes über die Ge­schich­te. am • LEE AA­RON: FIRE AND GASOLINE. Die ka­na­di­sche Sän­ge­rin und Gi­tar­ris­tin, die ei­gent­lich Ka­ren Lynn Gre­e­ning heißt, de­bü­tier­te 1984 mit ,Me­tal Queen‘ und gab sich auch als sol­che. Ge­gen En­de des Jahr­zehnts hat­te sich ihr Stil hin zu ge­mä­ßig­te­rem Main­stream-rock bis ge­wan­delt, da­ne­ben schlug sie auch ex­pe­ri­men­tel­le­re Pfa­de ein und spiel­te Jazz. Nach elf­jäh­ri­ger Al­bum­pau­se prä­sen­tiert sie jetzt Rock mit 80er- Feel, der sehr fo­kus­siert wirkt. Pum­pen­de Bäs­se, strai­gh­te Drums plus sat­te Gi­tar­ren-riffs und auch mal Ham­mond-or­gel er­schaf­fen ei­nen eher re­du­zier­ten Band-sound, in dem Aa­ron mit ih­rer kraft­vol­len Stim­me die Rich­tung vor­gibt und auch vie­le sub­ti­le Ak­zen­te setzt. Gu­tes Al­bum, das ei­ne Men­ge Spaß macht. am • Die Progrock­le­gen­de YES hat Ste­ven Wil­son ihr le­gen­dä­res Al­bum TALES FROM TOPOGRAPHIC OCEANS re­mi­xen las­sen, in Ste­reo und 5.1 Sur­round, er­gänzt wird das Pro­dukt durch Singles, In­stru­men­tal-ver­sio­nen und mehr. Drei CDS und ei­ne Blu-ray mit 36 Sur­round-tracks, ver­packt in Di­gi­paks die in ei­nem Papp­schu­ber ste­cken, plus Book­let – schön ge­macht! Für Fans ei­ne neue Per­spek­ti­ve auf das le­gen­dä­re Kon­zept-al­bum. ju • Reg­gae-kö­nig BOB MARLEYS neun­tes Al­bum EXO­DUS er­schien vor 40 Jah­ren, und Sohn Zig­gy hat jetzt ei­ni­ge Tracks über­ar­bei­tet, die man ne­ben der ori­gi­na­len Mu­sik auf ei­ner DOCD er­ste­hen kann. Ein 3CD-SET im Dvd-for­mat, mit Book­let, lie­fert auch noch et­li­che Li­ve-ver­sio­nen des Al­bums, vom Lon­do­ner Rain­bow-con­cert 1977, das Fans ken­nen wer­den. Kein Muss. ju • BRÖSELMASCHINE: INDIAN CAMEL. Die Duis­bur­ger Krau­t­rock-in­sti­tu­ti­on um Pe­ter Bursch, dem „Gi­tar­ren­leh­rer der Na­ti­on“, wan­delt zwi­schen Prog­rock, Jam-rock und streift auch mal Pop. Le­ben­di­ge Drums und Bäs­se, Key­boards und E-gi­tar­ren er­schaf­fen ei­nen dich­ten Band-sound. Über den legt sich die kla­re und star­ke Stim­me von Liz Blue. Zu­dem fär­ben vie­le Acoustic-gi­tar­ren und Lap-steel-ein­la­gen. Hö­he­punkt ist das über 12mi­nü­ti­ge hyp­no­ti­sche Ti­tel­stück, in­dem ei­ne Si­tar für viel At­mo­sphä­re sorgt. We­sent­lich kna­cki­ger hin­ge­gen kommt die Ver­si­on des T-Rex- Klas­si­kers , Child­ren Of The Re­vo­lu­ti­on‘ rü­ber. Als Gast­mu­si­ker sind Hel­ge Schnei­der am Sa­xo­phon, Per­cus­sio­nist Nip­py Noya und Gi­psy-gi­tar­rist Lu­lo Rein­hardt zu hö­ren. Die Songs wur­den li­ve ein­ge­spielt, wo­durch viel Dy­na­mik und Ener­gie frei­ge­setzt wur­de. Ir­gend­wie ist die­ses „alt­mo­di­sche“Al­bum auch ein State­ment, im Pro­be­raum die Din­ge mal wie­der lau­fen zu las­sen und we­ni­ger ver­kopft an das The­ma Rock-mu­sik ran­zu­ge­hen. am n

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