Kai Strauss: A per­so­nal Blues-sto­ry

Der Gi­tar­rist und Sän­ger aus Len­ge­rich zählt zu den auch in­ter­na­tio­nal be­kann­ten deut­schen Blues- Mu­si­kern. 15 Jah­re tour­te er an der Sei­te des te­xa­ni­schen Harp- Play­ers Me­mo Gon­za­lez, schließ­lich mach­te Kai Strauss sich selb­stän­dig und legt nun sein drit

Gitarre & Bass - - Inhalt - STO­RY: ARND MÜL­LER FO­TOS: MAN­FRED POLLERT, STRAUSS, MÜL­LER

Ein­ge­spielt wur­de das Al­bum mit The Electric Blues All- Stars: Ke­vin Du­ver­ney (b), Alex Lex (dr), Mo Fuhrhop (kb) und Tho­mas Feld­mann (harp). Die Band­brei­te reicht von Blä­ser-be­feu­er­tem Funk-blues und trei­ben­den Shuf­fles über Soul-bal­la­den bis hin zu schnel­lem Boo­gie Woo­gie mit Rock-&-roll-ten­denz. Gi­tar­re, Bass und Drums hal­ten die Songs zu­sam­men, stil­ty­pisch fär­ben Harp, Ham­mond-or­gel oder Pia­no die Mu­sik blau ein. Und Gast­mu­si­ker wie Big Dad­dy Wil­son mit sei­ner so­no­ren Stim­me, Sax Gor­don an sel­bi­gem und Gi­tar­ren­kol­le­ge To­ny Ve­ga sor­gen für Glanz­punk­te. Gu­te Vi­bes al­so für den mo­der­nen Blues von ,Get­ting Per­so­nal‘. Der ro­te Fa­den ist die an­ge­rau­te Stim­me und das mar­kan­te Gi­tar­ren­spiel des Band­lea­ders. Ei­ni­ge kna­cki­ge Licks klin­gen so, als hät­te Strauss sie aus dem Ahorn­hals sei­ner al­ten Squier-jvSun­burst-stra­to­cas­ter gera­de­zu her­aus­ge­presst. Da­bei be­wegt sich der prä­sen­te Amp-sound zwi­schen cle­an und al­len­falls an­ge­zerrt. Die In­to­na­ti­on fällt mal sub­til flat oder sharp aus, zu­dem wer­den die Licks ge­würzt mit run­den Fin­ger­vi­bra­ti und schar­fen Ben­dings.

Kai, was hat dich von der mu­si­ka­li­schen Sei­te zu die­sem Al­bum in­spi­riert? Leu­te, die mich ken­nen, ha­ben mich zu­recht im­mer in der Te­xas-blues-ecke ver­or­tet, so in Rich­tung Jim­mie Vaug­han oder auch T-bo­ne Wal­ker. In den letz­ten zwei,

drei Jah­ren ha­be ich auch 70er- und 80er-jah­re-chi­ca­go-blues ge­hört, von Al­bert King über Ro­bert Cray bis zu den rup­pi­ge­ren Ver­tre­tern wie Ma­gic Slim oder Jim­mie John­son. Ich ver­su­che das nicht zu ko­pie­ren, aber ich ha­be kei­ne Hem­mun­gen, so et­was in mei­ne Lie­der ein­flie­ßen zu las­sen, auch wenn Jim­mie Vaug­han so et­was viel­leicht nicht ma­chen wür­de. Man muss ein­fach das ma­chen, wor­an man Spaß hat. Stan­den die Ar­ran­ge­ments fest oder ha­ben sich die Stü­cke im Stu­dio noch ein­mal ver­än­dert? Nur ,Get­ting Per­so­nal‘, das ist ein In­stru­men­tal und war ei­gent­lich zum Auf­wär­men ge­dacht. Das Gi­tar­ren­the­ma hat­te ich ir­gend­wie schon und wir ha­ben ein paar Ta­kes ge­spielt. An­sons­ten stan­den die Ar­ran­ge­ments schon fest. Meis­tens ha­be ich sie sel­ber vor­be­rei­tet oder zu­sam­men mit der Band fest­ge­legt. Nimmst du dei­ne Songs vor­ab zu Hau­se auf? Das Ein­zi­ge was ich ha­be ist so ein ZoomVier­spur-re­cor­der, den ich be­nut­ze um Ide­en fest­zu­hal­ten. Ein Freund hat mir mal ver­sucht das mit der Vor­pro­duk­ti­on nä­her­zu­brin­gen, aber da bin ich noch nie warm mit ge­wor­den. Und da ich die Band auch ma­na­ge, geht mei­ne Zeit für vie­le an­de­re Din­ge drauf. Das geht vom Kon­zert-boo­king, das ich zu 3/4 sel­ber ma­che, bis zu ganz ba­na­len Din­gen, wie Bus- oder Bahn­fahr­kar­ten kau­fen, Buch­hal­tung und al­les was Fo­tos, In­fo­tex­te und Web­site be­trifft. Und da gibt’s je­den Tag ir­gend­was zu tun. Na ja, und dann ha­be ich auch noch Fa­mi­lie, und das muss man al­les un­ter ei­nen Hut krie­gen. Aber es klappt ganz gut. Wie war die Auf­nah­me­si­tua­ti­on im Stu­dio? Wur­de li­ve ein­ge­spielt? Die bei­den In­stru­men­tals sind kom­plett li­ve, da ist auch nichts mehr dran ge­bas­telt wor­den, au­ßer das sie ab­ge­mischt wur­den. Bei den Ge­s­angs­ti­teln war es so, dass wir sie zu­nächst li­ve ein­ge­spielt ha­ben, den Ge­sang ha­be ich dann spä­ter in Ru­he als Over­dub ge­macht. Bei den Ti­teln, die zwei Gi­tar­ren­spu­ren ha­ben, ha­be ich meis­tens das Gi­tar­ren­so­lo dann nach­her ein­ge­spielt. Da kann man dann meh­re­re Ta­kes spie­len und sich den schöns­ten aus­su­chen. Da bin ich ehr­lich, wir le­ben 2017, war­um soll­te man das nicht ma­chen. Wich­tig ist bei den Li­ve- Tracks, dass der Groo­ve stimmt und das Tem­po. Spielt ihr mit Click ein? Ich glau­be wir ha­ben nur die zwei Songs mit den et­was mo­der­ne­ren Groo­ves mit Click ein­ge­spielt. Le­dig­lich un­ser Drum­mer hat­te ei­nen Click im Ohr, und Alex macht das echt su­per. Ich hat­te erst­mal Vor­ur­tei­le, dass sich das beim Spie­len ko­misch an­fühlt, aber das tat es nicht. Mar­tin Mein­schä­fer hat nach dei­nem letz­ten Al­bum ,I Go By Feel‘ er­neut pro­du­ziert. Wie war die Zu­sam­men­ar­beit mit ihm? Mensch­lich sehr gut und sehr pro­fes­sio­nell. Er ist wahr­schein­lich kein Blues-mann im spe­zi­el­len Sin­ne. Ich mag Mar­tins zeit­ge­mä­ßen Sound-an­satz, und den möch­te ich ver­bin­den mit un­se­rem klas­si­schen Blues und Soul. Da lie­gen mei­ne Vor­bil­der eher bei zeit­ge­mä­ßen Blues- und RootsPro­duk­tio­nen von Ro­bert Cray, Eric Clap­ton oder Doyle Bram­hall II. Auch wenn das mu­si­ka­lisch schon ein biss­chen wei­ter weg ist von dem was ich ma­che. Na ja, man kann das Rad nicht neu er­fin­den. Ich bin jetzt kein Jack Whi­te, der da ir­gend­wie künst­le­ri­scher und wil­der an den Blues ran­geht. Wann ging es bei dir los mit der Gi­tar­re? Es gab ei­ne Grup­pe von vier, fünf Schul­freun­den, al­le aus der­sel­ben Ecke. Und wir ha­ben al­le Block­flö­te ge­spielt in der mu­si­ka­li­schen Früh­er­zie­hung. Das hat mir Spaß ge­macht. Der Leh­rer hat auch Gi­tar­re un­ter­rich­tet, und dann ha­ben wir uns al­le über­legt, das wir jetzt Gi­tar­re spie­len möch­ten. Ich ha­be auf der Kon­zert­gi­tar­re Kin­der­lie­der und Stü­cke von Cat Ste­vens und den Beat­les ge­lernt. Mit vier­zehn ha­be ich von mei­nem Kon­fir­ma­ti­ons­geld ei­ne E-gi­tar­re und ei­nen Ver­stär­ker ge­kauft. Das war ei­ne Fen­der-stra­to­cas­ter-ko­pie von Fair­mont. Ich hat­te in der Lo­kal­zei­tung ir­gend­wo ei­ne An­zei­ge ge­le­sen „Stra­to­cas­ter 120 DM“oder so. Das war ei­ne Sun­burst-strat mit Map­le- neck. Und ich hat­te ei­nen Ya­ma­ha-tran­sis­tor­ver­stär­ker. Und wie bist du zum Blues ge­kom­men? Als ich äl­ter wur­de ha­be ich mich lang­sam durch die Plat­ten­samm­lung mei­nes Va­ters ge­hört, das wa­ren größ­ten­teils 70erJah­re-al­ben. Aber er be­saß auch ,New Or­leans Heat‘ von Al­bert King, ei­ne der ers­ten Blues-plat­ten die ich ge­hört ha­be. Die Mu­sik hat so­fort ir­gend et­was in mir an­ge­spro­chen. Und gleich­zei­tig ging Stevie Ray Vaug­han durch die Me­di­en, und er hat mich so­fort ge­packt. Es gab den Rock­pa­last-TV- Auf­tritt auf der Lo­re­ley, und sei­ne Al­ben ha­be ich mir al­le ge­kauft. Ich ha­be ihn 1988 mal li­ve in Bonn ge­se­hen. Hast du da­mals auch be­wusst ver­sucht sei­ne Licks nach­zu­spie­len? Ich ha­be sel­ten So­li Ton für Ton nach­ge­spielt. Statt­des­sen ha­be ich im­mer nur ver­sucht zu die­sen Plat­ten frei mit­zu­spie­len. Als ich erst mal Blut ge­leckt hat­te, ha­be ich nach­mit­ta­ge­wei­se mei­ne Plat­ten auf­ge­legt und stun­den­lang da­zu rum­ge­du­delt. Dass mei­ne El­tern das aus­ge­hal­ten ha­ben! Das muss sich am An­fang sehr grob an­ge­hört ha­ben, aber ich glau­be, das war für das freie Spie­len Gold wert. Und dann kam si­cher bald auch dei­ne ers­te Band. Ge­nau, da war ich sieb­zehn, das war so ei­ne Blues-rock-band. Dann ha­be ich mit 18, 19 mei­ne ers­te ei­ge­ne Band ge­grün­det, aus der dann The Blue­scas­ters her­vor­ge­gan­gen sind, die spä­ter Me­mo Gon­za­lez be­glei­tet ha­ben. Mit ihm hast du 15 Jah­re lang ge­spielt. Ja, 1990 ist er das ers­te Mal aus Dal­las rü­ber­ge­kom­men. Wir ha­ben uns von An­fang an ver­stan­den. Es war lus­tig mit ihm, es war mu­si­ka­lisch klas­se. Wir hat­ten auch

auf ein­mal mehr Gigs als vor­her. Das muss man ehr­lich sa­gen, mit ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Front­mann ist ei­ne Blues-band für die Ver­an­stal­ter ein­fach in­ter­es­san­ter. 1995 ha­ben wir das ers­te Li­ve-al­bum auf­ge­nom­men. Das kam gut an und wir ha­ben un­se­ren Wir­kungs­kreis ver­grö­ßert, ha­ben viel in Hol­land, Bel­gi­en und Skan­di­na­vi­en ge­spielt. Ich bin En­de 2010 dann aus­ge­stie­gen, die Band gibt‘s aber im­mer noch. Du hast es vor­hin schon an­ge­spro­chen: Ir­gend­wie taucht in Kri­ti­ken oder Ar­ti­keln über dich im­mer ei­ne Ver­bin­dung zu Jim­mie Vaug­han auf. Wann hast du sei­ne Mu­sik ken­nen­ge­lernt? Ja, das stimmt. Ich ha­be mit 16 mei­ne ers­te Fa­bu­lous-thun­der­birds-plat­te ge­kauft, ei­ne Best-of-com­pi­la­ti­on aus den ers­ten vier Al­ben. Ich wuss­te, Jim­mie Vaug­han ist der äl­te­re Bru­der von Stevie Ray. Dann ha­be ich das Al­bum zu Hau­se auf­ge­legt und konn­te da­mit nichts an­fan­gen. Ich hat­te er­war­tet, dass da jetzt ei­ner Gi­tar­re spielt mehr oder we­ni­ger wie Stevie Ray Vaug­han. Es hat ei­ne Zeit ge­braucht, bis sich mir der Stil von Jim­mie Vaug­han er­schlos­sen hat. Da hat sich dann das Blatt ge­wen­det. Ich bin im­mer noch ein Fan von SRV, aber seit vie­len Jah­ren mehr noch ein Fan von Jim­mie. Und dann fing ich an zu fra­gen: Wo ha­ben die Vaug­hans ei­gent­lich ih­re Ide­en her? Das hat si­cher da­mit zu tun, dass ich An­fang 20 neu­gie­rig war, auch mit den Blues-ses­si­ons in Os­na­brück, wo ich Leu­te ken­nen­ge­lernt ha­be. Und dann bin ich zu­rück­ge­gan­gen. Das war für mich ei­ne re­gel­rech­te Er­kennt­nis, dass mei­ne Ido­le auch von den al­ten Meis­tern ge­lernt ha­ben. Und was ge­fällt dir an Jim­mies Stil? Ich kann nur sa­gen, die­se Spar­sam­keit, und die­se we­ni­gen Tö­ne an die rich­ti­gen Stel­len zu set­zen, das ist ge­nau­so schwer wie schnell zu spie­len. Und das kann ei­ne un­glaub­li­che Stim­mung und Span­nung kre­ieren, wenn man so kurz pau­siert und dann wie­der an­setzt. Es gibt ja auch Leu­te, die re­den nicht viel, sa­gen dann ein oder zwei Sät­ze und al­le am Tisch sa­gen „Bo­aaah!!!“und müs­sen erst mal drü­ber nach­den­ken. Und das fas­zi­niert mich an Jim­mie Vaug­han. Da gibt‘s ja noch An­son Fun­der­burgh, der so ähn­lich spielt, auch ein Meis­ter der Phra­sie­rung. Oder es gibt noch De­rek O’bri­en, der in der Haus-band des be­rühm­ten An­to­ne’s Club in Aus­tin spielt. Und das hat ja auch Tra­di­ti­on in der te­xa­ni­schen Blues-sze­ne, die­ses Wert­le­gen auf Ti­ming und Phra­sie­rung. Wel­che Mu­sik in­ter­es­siert dich jen­seits von Blues? Los Lo­bos, Rol­ling Sto­nes, Bru­ce Springs­teen und auch Jazz. Im Mo­ment bin ich gro­ßer Fan von Sa­xo­pho­nist St­an­ley Tur­ren­ti­ne. Das ist Jazz mit star­ken BluesWur­zeln. Oder ich hö­re Mu­sik von Gi­tar­rist Grant Gre­en, der Jazz und fun­ky Sa­chen ver­bun­den hat. Ich hö­re auch manch­mal Hea­vy-me­tal. Und was? Ich war ja ein Te­enager der 80er-jah­re, und mu­si­ka­lisch war da­mals z.b. Van Ha­len an­ge­sagt. Aber das ein­zi­ge was da­von bis heu­te hän­gen­ge­blie­ben ist, ist Sän­ger Ron­nie Ja­mes Dio von Rain­bow und spä­ter Black Sab­bath. So al­le drei, vier Mo­na­te leg ich sowas mal auf. n

Kai Strauss

Ke­vin Du­ver­nay

Blues-brett: Boss Tu­ner TU-3, Lo­vepe­dal Amp 50, Ok­ko Twin So­nic, Boss Tre­mo­lo TR-2, Iba­nez Ana­log De­lay AD99, Boss ’63 Fen­der Re­verb Pe­dal FRV-1 Li­ve-ge­ar: 1982er Sun­burst Squier JV Stra­to­cas­ter ma­de in Ja­pan, mit Ahorn-hals, da­hin­ter zwei Fen­der Bass­man-com­bos.

Bass-se­t­up: 77er/78er Fen­der Jazz Bass, Am­peg SVT-7 Pro,1x15“-am­pegCa­bi­net, 4x10-noNa­me-box

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