Cort M-jet, E-gi­tar­re

Cort M-jet In Kol­la­bo­ra­ti­on mit Man­son Gui­tar Works bringt Cort zwei neue Mo­del­le un­ter dem Na­men Man­son Sta­ge Se­ries an den Start. Der dunk­len M- Jet – die As­so­zia­ti­on mit ei­nem Strahl­trieb­werk mag nicht ganz zu­fäl­lig sein – füh­len wir heu­te ein­mal gründ

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Franz Holt­mann FO­TOS Die­ter Stork

Hugh Man­son ist ein rüh­ri­ger eng­li­scher Cust­om Buil­der der schon seit mehr als drei­ßig Jah­ren im Ge­schäft ist. Sein ef­fek­tivs­tes De­sign nann­te er MA Evo und das spie­gelt sich heu­te noch in ei­nem Groß­teil sei­ner Gi­tar­ren­mo­del­le wie­der, wur­de zur Sil­hou­et­te des Er­folgs. Frü­her fer­tig­te er nur in­di­vi­du­el­le Cust­om- In­stru­men­te in die Hand u. a. von Stars wie John Paul Jo­nes, Da­ve Grohl oder eben Matt Bell­amy, der sein Er­folgs-de­sign mit Mu­se in die Welt trug. Heu­te bie­tet Hugh Man­son über sei­ne Fir­ma Man­son Gui­tar Works In­stru­men­te in gleich fünf ver­schie­de­nen Mo­dell­grup­pen un­ter­schied­lichs­ter Preis­ka­te­go­ri­en an.

kon­struk­ti­on

Die schwar­ze M-jet ist ei­ne Brett­gi­tar­re mit Schraub­hals und er­in­nert nicht nur zu­fäl­lig an je­nes schwar­ze Cust­om-mo­dell mit dem Matt Bell­amy sich re­gel­mä­ßig auf den Büh­nen die­ser Welt zeigt. Al­ler­dings ist mit der MBC-1 un­ter dem Na­men Cort seit ei­ni­ger Zeit auch schon das Matt Bell­amy Si­gna­tu­re-mo­dell am Markt (Test in G&B 08/15). Der Ein­druck ei­ner mu­tier­ten Tele­cas­ter ist je­den­falls bei den iden­ti­schen Kor­pus­for­men der Cort/man­son-pro­duk­te nicht ganz von der Hand zu wei­sen, aber das klas­si­sche Fen­der-mo­dell dien­te le­dig­lich als Ba­sisPat­tern, das mit we­sent­li­chen Up­dates zeit­ge­recht über­ar­bei­tet wur­de. Der Kor­pus der M-jet aus Ame­ri­can Bass­wood (Lin­de) be­kam auf die­ser Grund­la­ge ein eben­falls deut­lich aus­la­den­der ge­stal­te­tes obe­res Horn und ein leicht zu­rück­ge­nom­me­nes un­te­res Cu­ta­way. Ob­wohl in den Di­men­sio­nen nicht be­mer­kens­wert un­ter­schied­lich zur Tele­cas­ter, ist der op­ti­sche Ef­fekt doch prä­gnant. Die Plat­ten­stär­ke von 45 mm liegt auch nur knapp ober­halb der­je­ni­gen ei­ner Te­le, aber ei­ne deut­li­che Dif­fe­renz ist dann doch im Kon­tur­schnitt zu fin­den. Arm­auf­la­ge und „Tum­my Cut“(Plau­zen-park­bucht) sor­gen für kom­for­ta­ble Spiel­be­din­gun­gen. Die M-jet, und das ist neu, ver­fügt über ei­nen 2-Ok­ta­ven-hals aus Ahorn (Ca­na- di­an Hard Map­le) mit 24 sau­ber ent­gra­te­ten, mit­tel­star­ken Bün­den in ei­nem Griff­brett aus Pa­li­san­der, das auf­stei­gend fla­cher wird (Com­pound Ra­di­us 12" auf 15.75"). At­trak­ti­ve „Han­ji“Spe­cial In­lays mar­kie­ren die La­gen mit chi­ne­si­schen Zah­len­sym­bo­len. Die par­al­lel her­aus­ge­führ­te Kopf­plat­te ist mit klei­nen Cort Stag­ge­red Lo­cking Tu­ners aus­ge­rüs­tet. Der nach au­ßen ab­stei­gen­den Zy­lin­der­län­gen we­gen, konn­te man sich die Ver­wen­dung von String­trees zur Sai­ten­nie­der­hal­tung spa­ren. Die Sai­ten lau­fen über ei­nen schma­len Sat­tel aus Kunst­stoff in ei­ner Mens­ur­län­ge von 648 mm hin­über zur klas­sisch ge­hal­te­nen Hard­tail TOM Bridge mit Stop Tail­pie­ce. Hals­kor­rek­tu­ren sind im Üb­ri­gen schnell über ei­ne di­rekt zu­gäng­li­che Rä­del­mut­ter am Griff­bret­ten­de zu be­werk­stel­li­gen. Die elek­tri­sche Aus­stat­tung um­fasst zwei leis­tungs­star­ke High Out­put Man­son Hum­bu­cker Pick­ups mit schwar­zen Kap­pen, die le­dig­lich mit ei­nem Vo­lu­meReg­ler kon­trol­liert wer­den, was durch­aus

ein In­diz für die Schlag­rich­tung die­ser Gi­tar­re dar­stellt. Na­tür­lich steht uns dann auch noch ein Pick­upWahl­schal­ter zur Ver­fü­gung. Der Kor­pus und die Kopf­plat­ten­front der M-jet sind in un­emp­find­li­chem Matt Black la­ckiert, von der schwar­zen Hard­ware stim­mig er­gänzt. Der Hals der in Sum­me klag­los sau­ber ver­ar­bei­te­ten Gi­tar­re zeigt sich sa­ti­niert ver­sie­gelt.

pra­xis

Das von Hugh Man­son ent­wi­ckel­te De­sign macht aus for­ma­ler Sicht na­tür­lich un­über­seh­bar An­lei­hen bei der Fen­der Tele­cas­ter, das aber le­dig­lich, um den grund­le­gen­den his­to­ri­schen Ent­wurf prin­zi­pi­ell zu über­hö­hen, klang­lich neu aus­zu­rich­ten und in mo­der­ne Spiel­pra­xis zu über­füh­ren. Da­zu ge­hört na­tür­lich die er­go­no­mi­sche Op­ti­mie­rung über höchst zweck­mä­ßig ge­setz­te Kon­tu­ren zur Arm­auf- und Bauch­an­la­ge. Da­zu ist dann auch noch der er­wei­ter­te Ton­um­fang des zwei Ok­ta­ven-hal­ses zu nen­nen, die Lo­cking Mecha­ni­ken und nicht zu­letzt die High Out­put Pick­ups. Aber der Rei­he nach: Die M-jet macht aus spiel­tech­ni­scher Per­spek­ti­ve be­trach­tet kei­ner­lei Pro­ble­me. Er­go­no­mi­sche wie hap­ti­sche An­sprü­che wur­den ta­del­los um­ge­setzt, das In­stru­ment liegt gut an, rich­tet sich auch per­fekt aus und der Hals fühlt sich mit sei­nem mo­der­nen C-shaping ein­fach pri­ma an. Das un­er­war­tet ge­sun­de und gleich­mä­ßi­ge Schwing­ver­hal­ten mit kraft­vol­ler To­n­ent­fal­tung und lang aus­hal­ten­dem Sustain, selbst in den ho­hen La­gen, über­rascht dann doch. Oder über­rascht es uns nur im­mer noch, dass Wert­ar­beit aus ver­meint­lich rück­stän­di­gen Re­gio­nen wie

In­do­ne­si­en kommt? Da­bei ist das Phä­no­men zu­neh­men­der hand­werk­li­cher Qua­li­tät in die­sen wirt­schaft­lich auf­stre­ben­den Län­dern nicht wirk­lich neu, wenn denn nur er­fah­re­ne Fir­men wie Cort die Pro­duk­ti­on auf­bau­en, un­ter­wei­sen und kon­trol­lie­ren. Hö­ren wir nun aber mal, wie die Man­son High Out­put Pick­ups mit die­sen gu­ten akus­ti­schen Grundlagen der M-jet um­ge­hen. Er­war­tet saf­tig kom­men voll­tö­nen­de, gut durch­zeich­ne­te Ak­kor­de über den Hal­sPick­up zu Ge­hör. Prä­senz und An­spra­che sind gut, na­tür­lich sind letz­te fei­ne Hö­hen bei so ei­nem Pick­up nicht zu ha­ben, sind auch kein The­ma. Da­für klingt es eben satt und fett. Erst recht, wenn wir in den Mo­dus Gain wech­seln. Der ein­zel­ne ge­hal­te­ne Ton ar­ti­ku­liert dicht und farbreich, steht da­zu wie ei­ne Eins. Schnell ge­spiel­te Li­ni­en pro­fi­tie­ren vom leicht schmat­zig her­aus­ge­stell­ten An­schlag und auch Po­wer­chor­ds kom­men mit prä­gnan­tem An­riss und dunk­lem Schub. An­ge­sichts der Preis­la­ge kein schlech­ter Ein­stand! Der Steg-pick­up über­rascht an­ge­sichts sei­nes ho­hen Wi­der­stands mit

recht of­fe­nen Hö­hen. Kein Strah­len­glanz jetzt, aber gut ge­run­det und ir­gend­wie ge­schmei­dig. Klar ge­spiel­te Ak­kor­de zei­gen da­zu rich­tig or­dent­li­che Kon­tur, ja ver­fü­gen über ei­ne trans­pa­ren­te Auf­lö­sung in klar de­fi­nier­te Stim­men und eig­nen sich da­mit kei­nes­wegs nur für ex­tra­har­te Sounds. Der Me­tall­ar­bei­ter kommt aber im Zerr­mo­dus dann na­tür­lich doch noch auf sei­ne Kos­ten, denn das mar­kan­te Attack-ver­hal­ten und die saf­ti­ge Ton­wand­lung der M-jet ge­ben ihm ein star­kes und schar­fes Schwert in die Hand. Sehr schön of­fen und ir­gend­wie perl­frisch tö­nen die Ak­kor­de dann auch noch bei zu­sam­men­ge­schal­te­ten Hum­bu­ckern. Ein drit­ter Sound mit Cha­rak­ter, bes­tens ein­setz­bar in al­len Be­triebs­ar­ten, was will man mehr? Der Sum­men­reg­ler wur­de für bes­te Er­reich­bar­keit in Ste­gnä­he po­si­tio­niert. Er läuft leicht ge­nug für Blend­ma­nö­ver mit dem klei­nen Fin­ger der rech­ten Hand, aber auch nicht so wi­der­stands­los, dass er sich bei je­dem Wind­hauch gleich ver­stel­len wür­de. Über ihn sind mit Ab­re­ge­lung der Laut­stär­ke im Cle­an-mo­dus des Amps dann tat­säch­lich auch sau­ber auf­ge­lös­te trans­pa­ren­te Sounds zu er­zie­len, denn High-out­put-pick­ups pro­vo­zie­ren den Amp na­tür­lich auch schnell zu leich­tem An­zer­ren. Im Gain-mo­dus sorgt er so­gar für über­ra­schend dif­fe­ren­zier­te Zerr­gra­de, die sich oh­ne gro­ße Dy­na­mik­ver­lus­te fein do­sie­ren las­sen.

al­ter­na­ti­ven

Aus­ge­hend von den klas­si­schen Brett­gi­tar­ren der 50er-jah­re, die sich be­kannt­lich ja im­mer noch un­ge­bro­che­ner Be­liebt­heit er­freu­en, sind ei­ne gan­ze Rei­he von deut­lich mehr auf kraft­voll mo­der­ne Sounds aus­ge­rich­te­te Re-de­signs am Markt. Um nur ei­ni­ge zu nen­nen: Ins Pro­fil passt auf je­den Fall die preis­güns­ti­ge ESP LTD TE-200 mit ge­schraub­tem 2-Ok­ta­ven-hals aus Ahorn und zwei Hum­bu­ckern oder noch bes­ser die ESP LTD TE401 mit durch­ge­hen­dem Hals, eben­falls 24 Bün­den und EMG Pick­ups. Kommt al­ler­dings aus Ko­rea und schlägt mit gut € 900 zu Bu­che. In die­ser Preis­la­ge ist auch die Char­vel San Di­mas Style 2 an­ge­sie­delt. Sie kommt mit et­was kon­ven­tio­nel­ler aus­ge­leg­ten Sey­mour- Dun­canPick­ups und Schraub­hals mit le­dig­lich 22 Bün­den, da­für aber mit Floyd-ro­se-sty­leVi­bra­to­sys­tem. Die Schec­ter Hell­rai­ser Hy­brid PT TBB ist zwar noch et­was teu­rer, er­füllt aber mit 24-Bund-hals und EMGPick­ups die Er­war­tun­gen an ein zeit­ge­mä­ßes Te-style De­sign. Im güns­ti­gen Preis­seg­ment un­ter € 500 wä­re dann noch die Ch­ap­man ML3 zu nen­nen, die mit 2Ok­ta­ven-hals und kraft­vol­len Ton­ab­neh­mern an­tritt.

re­sü­mee

Das Mo­dell M-jet aus der Ko­ope­ra­ti­on von Man­son Gui­tar Works mit Cort bie­tet uns ei­nen mo­der­nen Mix aus bes­tens aus­ta­rier­ter Hand­ha­bung und kraft­vol­ler Elek­trik zu ei­nem güns­ti­gen Preis. Die Gi­tar­re mit dem coo­len schwar­zen Look und 2-Ok­ta­ven-hals wen­det sich nicht an den Tra­di­tio­na­lis­ten, son­dern an Mu­si­ker im Hier und Jetzt, wel­che Sound nicht nur als his­to­ri­sches Zi­tat be­grei­fen, son­dern selbst ak­tu­ell de­fi­nie­ren wol­len. Na­tür­lich liegt uns mit der M-jet ein In­dus­trie­pro­dukt und kein fein an­ge­pass­tes Lut­hier-in­stru­ment vor. Da­von ein­mal ab­ge­se­hen ist die ein­ge­flos­se­ne Er­fah­rung des De­si­gners aber deut­lich zu spü­ren, schlägt sich in wirk­lich gu­ten Spiel­ei­gen­schaf­ten und in, für die Preis­la­ge, er­staun­lich kom­pe­ten­ten Sounds nie­der. Schön, wenn auf das We­sent­li­che ab­ge­speck­te Kon­zep­te zu so gu­ten Er­geb­nis­sen füh­ren. Kla­re Emp­feh­lung zum Selbst­ver­such! n

Pa­li­san­der­griff­brett mit chi­ne­si­schen Zif­fern

High Out­put Man­son Pick­ups

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