Iba­nez GB40THII, E-gi­tar­re

Iba­nez GB40THII Be­reits vor 40 Jah­ren wur­de von Iba­nez das ers­te Ge­or­ge- Ben­sonSi­gna­tu­re- Mo­dell vor­ge­stellt. An­lass ge­nug, sich bei Ge­or­ge für die lang­fris­ti­ge Treue mit ei­ner wür­di­gen Ju­bi­lä­ums­aus­ga­be zu be­dan­ken. Die nach dem gu­ten al­ten Vor­bild ge­fert

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Franz Holt­mann FO­TOS Die­ter Stork

Da­bei re­den wir hier nur von der län­ger­fris­tig zu­gäng­li­chen Ver­si­on II und die kommt aus Chi­na. Das Ju­bi­lä­ums­mo­dell gibt es näm­lich auch ex­klu­siv und teu­er aus Ja­pan­fer­ti­gung, nur ist die­se in der Pres­ti­ge-rei­he ge­lis­te­te Aus­füh­rung auf ge­ra­de mal 40 Stück welt­weit li­mi­tiert. Er­kenn­bar sind die High-end-in­stru­men­te im Üb­ri­gen an dem his­to­risch kor­rek­ten zwei­tei­li­gen Tail­pie­ce. Wem die Ver­zie­run­gen der Neu­auf­la­ge ir­gend­wie be­kannt vor­kom­men: es gab schon ein­mal ei­ne Lu­xus­ver­si­on des Ben­son-mo­dells mit Na­men GB100, cha­rak­te­ri­siert durch ge­nau die­se In­lays.

kon­struk­ti­on

Mit ih­rer 14 1/2"-Kor­pus­grö­ße ist die Ge­or­ge Ben­son im­mer noch ein für Jazz­gi­tar­ren un­ge­wohnt hand­li­ches Ar­beits­ge­rät. Die GB40THII-VER­SI­ON prä­sen­tiert sich mit ge­wölb­tem und in Bock­matched-art mit­tig ge­füg­tem Bo­den und Zar­gen aus at­trak­tiv ge­rie­gel­tem Ahorn. Auch die von zwei par­al­lel ge­setz­ten Bal­ken un­ter­bau­te De­cke aus mas­si­ver Fich­te ist von gu­ter fein­jäh­ri­ger Qua­li­tät. Mehr­fachBin­dings an De­cke und Bo­den, wie auch be­setz­te f-Lö­cher im klas­si­schen Stil un­ter­strei­chen den ho­hen An­spruch des In­stru­ments. Der drei­tei­lig ge­füg­te Hals aus Ahorn ist in Hö­he des 15. Bun­des in den Kor­pus ein­ge­leimt. Et­wa ab un­ter­halb des 19. Bun­des ist er un­ter­schnit­ten, steht al­so in die­sem Be­reich frei über der De­cke. Wie bei den an­de­ren Ben­son-mo­del­len auch, ver­stärkt ei­ne Vo­lu­te den Über­gang zur ab­ge­win­kel­ten Kopf­plat­te un­ter­halb des Sat­tels aus Kno­chen und Mes­sing (Half-bo­ne/half-brass Nut). Im ge­bun­de­nen Griff­brett aus Eben­holz fin­den wir ne­ben GB40THII Spe­cial In­lays 22 Me­di­um Bün­de, die mit dem fir­men­ei­ge­nen Art­star Fret Edge Tre­at­ment be­han- delt wur­den, was grat­freie Bun­den­den ga­ran­tiert. Der Kopf ist mit ei­ner Ein­la­ge ver­ziert, die der des be­reits er­wähn­ten TopMo­dells GB100 ent­spricht, an­sons­ten se­hen wir ge­kap­sel­te Mecha­ni­ken mit hel­len Pe­ar­lo­id-grif­fen. Die Sai­ten wer­den am Kor­pus über ei­nen eben­falls ver­zier­ten klas­si­schen Eben­holz­steg ge­führt. Der hat im hin­te­ren Be­reich wohl et­was Luft, passt sich al­so nicht ganz per­fekt der De­cken­wöl­bung an, was aber in der To­n­ent­fal­tung kaum zu spü­ren ist. Ge­hal­ten wer­den die Sai­ten vom frei über der De­cke schwe­ben­den VT14 Tail­pie­ce mit „40th An­ni­vers­a­ry Spe­cial­ly De­si­gned Wood Co­ver“. Funk­tio­nal ta­del­los, aber für mei­nen Ge­schmack ist das op­tisch et­was dick auf­ge­tra­gen. Zwei klei­ne GB Spe­cial Pick­ups, pas­si­ve Floa­ting-ty­pen mit Al­ni­co-ma­gne­ten, sor­gen für elek­tri­sche Kom­pe­tenz. Der Hals-pick­up ist oh­ne De­cken­kon­takt seit­lich an den Hals ge­schraubt; der Ste­gPick­ups wur­de an das per Stütz­schrau­be sta­bi­li­sier­te Pick­guard mon­tiert. An­ge­wählt wer­den die Ton­ab­neh­mer über den vorn oben auf den Zar­gen­kopf ge­setz­ten Drei­we­ge-togg­le im Gum­mi­ring, ver­wal­tet von in­di­vi­du­el­len Vo­lu­me- und To­neReg­lern mit grif­fi­gen Knöp­fen. Das mit gol­de­ner Hard­ware aus­ge­stat­te­te In­stru­ment er­weist sich als hoch-

wer­tig ver­ar­bei­tet und wur­de in An­tique Am­ber ent­spre­chend wür­dig hoch­glän­zend la­ckiert. Ge­lie­fert wird die GB40THII in ei­nem hoch­wer­ti­gen Kof­fer.

pra­xis

Wer das leich­te Ge­or­ge-ben­son-mo­dell schon ein­mal auf dem Knie hat­te, der weiß um den hand­li­chen Pra­xis­wert der klei­nen Jazz­gi­tar­re. Ein Spiel­kom­fort, den auch Gen­re-un­ty­pi­sche Spie­ler wie Prin­ce oder Van Mor­ri­son zu schät­zen wuss­ten. Der rech­te Arm liegt auf der schma­len Zar­ge von 6,8 cm Tie­fe lo­cker auf, die Hand po­si­tio­niert sich zwi­schen den bei­den Ton­ab­neh­mern, die Aus­rich­tung ist per­fekt. Trotz des recht ho­hen Zugs der ge­schlif­fe­nen Sai­ten, spielt sich die Gi­tar­re dank der op­ti­mal ein­ge­rich­te­ten Sai­ten­la­ge und toll ge­mach­ten Bun­die­rung wie But­ter. Ihr Klang ist kom­pakt und of­fen zu­gleich. Höchst prä­sent, re­flex­freu­dig und doch warm ge­run­det, da­bei leicht drah­tig, luf­tig und mit ei­nem schö­nen Touch von Holz – al­le Ach­tung! Am Amp lässt sich die­ses akus­tisch so le­ben­di­ge und vi­ta­le Klang­bild dann auch elek­trisch stark um­set­zen: Na­tür­lich über­nimmt der Floa­ting-pick­up am Hals die zen­tra­le Po­si­ti­on der Ton-

Star­ke Floa­ting Pick­ups

wand­lung und er macht sei­ne Sa­che gut. Der le­ben­di­ge, leicht mat­te Ton wird mit Sub­stanz und an­ge­nehm wei­cher Far­be über­tra­gen. Die Kon­struk­ti­on er­laubt ei­ne dy­na­mi­sche An­spra­che mit per­kus­siv-mar­kan­ter An­schlags­be­to­nung. Klin­gen­des Er­geb­nis ist ein cha­rak­ter­vol­ler Ton, der die Fin­ger­ak­ti­on kon­kret nach­bil­det und den ge­stal­te­ri­schen Fi­nes­sen folgt. Ge­schmei­dig las­sen sich Li­ni­en bin­den, oh­ne die Klar­heit der ein­zel­nen No­ten zu ver­wi­schen. Al­les bleibt mit im­puls­star­kem Re­s­pons prä­gnant und aus­drucks­stark. Ge­hal­te­ne Tö­ne ent­wi­ckeln sich mit gu­ter Far­be, zei­gen ei­nen gleich­mä­ßi­gen Ton­ver­lauf. Das Sustain ist nicht be­son­ders lang, aber das ist bei die­ser Art von Gi­tar­re ja auch nicht un­be­dingt er­wünscht, die da­für mit klang­li­cher Be­weg­lich­keit und pi­kan­ter Per­kus­si­on kon­tert. Schal­ten wir den zwei­ten Pick­up zu, so lich­tet das Klang­bild deut­lich auf, wird et­was gla­si­ger. Da sich auch die Bäs­se nun et­was schlan­ker dar­stel­len und die Tö­ne stär­ke­re Se­pa­ra­ti­on auf­wei­sen, rol­len Ak­kor­de mit viel perl­fri­scher Trans­pa­renz aus den Spea­k­ern. Da­mit ha­ben wir ei­ne schö­ne Al­ter­na­ti­ve zum ge­schmei­di­gen Ton des al­lein ge­schal­te­ten Hals-pick­ups an der Hand. Steg- Pick­up so­lo ist viel­leicht kei­ne Op­ti­on für den rein Jazz-ori­en­tier­ten Spie­ler, aber da der Ein­satz­punkt der klei­nen Gi­tar­re durch­aus nicht sti­lis­tisch eng zu se­hen ist, wird der mit sei­ner kna­ckig hel­len Po­tenz auch sei­ne Freun­de fin­den. Er kommt na­tür­lich po­si­ti­ons­be­dingt mit ei­nem eher schlan­ken Ton­ver­hal­ten in Stel­lung, ver­mit­telt viel­leicht auch nicht den ul­ti­ma­ti­ven Hö­hen­glanz, er­weist sich aber als wohl­ge­run­det und bie­tet da­mit ein al­ter­na­ti­ves Klang­am­bi­en­te, das sich in ten­den­zi­ell Funk-ar­ti­gen -Spiel­wei­sen bes­tens macht. Da nun am En­de un­se­rer Er­kun­dun­gen die Ar­beit mit den Reg­lern auch noch fein­stu­fi­gen Zu­griff auf die Ton­far­be oh­ne gro­ße Dy­na­mik­ver­lus­te ge­währt, da­mit al­so die ge­wünsch­te klang­farb­li­che An­pas­sung an das ent­spre­chen­de Gen­re er­leich­tert, geht auch in die­ser Hin­sicht der Dau­men nach oben!

al­ter­na­ti­ven

Al­ter­na­ti­ven zur GB40THII zu su­chen macht we­nig Sinn. Das In­stru­ment mit dem klei­nen Kor­pus ist ori­gi­nell und im­mer noch die Aus­nah­me in der Welt der Arch­top-gi­tar­ren, wel­che in der Re­gel groß­for­ma­tig aus­fal­len. Klar, es gibt im Be­reich hand­ge­bau­ter Jazz­gi­tar­ren so et­was wie die leich­te klei­ne Arch­top von Ken Par­ker zu fin­den, der zu recht fragt: War­um sol­len Gi­tar­ren heu­te über­haupt noch so vo­lu­mi­nös aus­fal­len, ist das noch zeit­ge­mäß? Und „wer braucht ei­gent­lich Kopf­plat­ten, auf de­nen ein Hub­schrau­ber lan­den kann“. Solch ex­pli­zit kunst­voll ge­bau­ten Lut­hierIn­stru­men­te spie­len dann aber auch in

ei­ner ganz an­de­ren Li­ga, preis­lich ge­se­hen. Zum ver­lang­ten Kurs und mit dem vor­ge­leg­ten, durch­aus be­acht­li­chen Ver­ar­bei­tungs­sta­tus ist die neu auf­ge­leg­te Ge­or­ge Ben­son Si­gna­tu­re auf je­den Fall ein Knal­ler, der kaum Kon­kur­renz zu fürch­ten hat.

re­sü­mee

Mit der GB40THII ver­tieft Iba­nez nicht nur sei­ne er­folg­rei­che Tra­di­ti­on im Bau ori­gi­nä­rer Jazz­gi­tar­ren-de­signs, die Ja­pa­ner wei­sen auch nach, was sie gut un­ter­wie­se­nen chi­ne­si­schen Fach­ar­bei­tern in­zwi­schen ab­zu­ge­win­nen ver­mö­gen. Die hand­li­che und leich­te klei­ne Arch­top bie­tet ne­ben ei­nem er­freu­lich gu­ten Ver­ar­bei­tungs­ni­veau vor al­lem aber bes­te Spiel­ei­gen­schaf­ten und be­acht­li­che klang­li­che Kom­pe­tenz. Der Hals steht in sei­ner hand­freund­li­chen Aus­for­mung und mit lo­bens­wert gut ge­mach­ter Bun- die­rung der gro­ßen Schwes­ter aus ja­pa­ni­scher Pro­duk­ti­on kaum mehr nach und die Ton­ab­neh­mer brin­gen die acht­ba­re akus­ti­sche Po­tenz der Gi­tar­re auch elek­trisch bes­tens zur Gel­tung. Si­cher­lich bleibt da ei­ne Dif­fe­renz zu In­stru­men­ten aus ja­pa­ni­scher Pro­duk­ti­on, aber die Kluft wird im­mer klei­ner. Jetzt muss man al­so nur noch so spie­len wie Ge­or­ge Ben­son, der mit die­sem Ju­ni­or-mo­dell wirk­lich zu­frie­den sein kann. Ei­ne Aus­re­de mit Ver­weis auf das nicht zu­rei­chen­de In­stru­ment kann man ein­fach nicht mehr gel­ten las­sen. Klas­se Gi­tar­re! n

Das neue schwar­ze Tail­pie­ce cha­rak­te­ri­siert das güns­ti­ge Mo­dell.

Gu­te Bun­die­rung und üp­pi­ge In­lays

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.