Dan Au­er­bach: Frei­zeit De­lu­xe

Da die Black Keys ei­ne Aus­zeit neh­men, nutz­te der Gram­my- de­ko­rier­te Gi­tar­rist, Sän­ger und Pro­du­zent Dan Au­er­bach die Zeit und lud ein paar Freun­de in sein Ea­sy Eye Stu­dio nach Nash­ville ein.

Gitarre & Bass - - Inhalt - STO­RY: NIKI KA­MI­LA FO­TOS: WAR­NER

Zu­letzt hat­te Au­er­bach mit The Arc ein Ne­ben­pro­jekt an den Start ge­bracht und be­kannt­lich auch Al­ben von La­na Del Ray, Dr. John und den Pre­ten­ders pro­du­ziert. Ver­gan­ge­nen Som­mer, als Au­er­bach und sein Black-keys-kum­pel Patrick Car­ney ih­re Aus­zeit auf un­ge­wis­se Zeit ver­län­ger­ten, ent­schloss sich der 37-Jäh­ri­ge zu sei­nem zwei­ten So­lo­werk: ‚Wait­ing On A Song‘. Sein Vor­gän­ger ‚Keep It Hid‘ stammt im­mer­hin aus dem Jahr 2009. Der Mann ist halt be­schäf­tigt. Wa­ren die Songs der Black Keys frü­her vor­nehm­lich Riff-ba­sier­te Blues-rock-tu­nes mit Ga­ra­gen­stell­platz, zeig­te ihr letz­ter Long­play­er ‚Turn Blue‘ schon deut­li­cher Au­er­bachs Fai­b­le für die Mu­sik der 60er- und 70er-jah­re, für Wes­tco­ast-at­mo­sphä­ren und Re­troSounds, die nun auf ‚Wait­ing On A Song‘ durch­strah­len und dem Al­bum or­dent­lich Flo­wer-po­wer-flair ver­pas­sen. Kein Wun­der, dass Au­er­bach gleich noch Ro­cka­bil­ly-gi­tar­ren­le­gen­de Dua­ne Ed­dy und Di­re-straits-boss Mark Knopf­ler zum Tanz bat.

Dan, die meis­ten Songs hast du mit Song­wri­ter-le­gen­de John Pri­ne ge­schrie­ben. Wie dür­fen wir uns das vor­stel­len? Wir ha­ben ganz lo­cker bei mir zu Hau­se ge­ar­bei­tet, ich ha­be da ein klei­nes Mu­sik­zim­mer. Wir ha­ben uns akus­ti­sche Gi­tar­ren ge­schnappt und los ging’s. Wenn ei­ner ei­ne Idee hat­te, warf er sie in den Ring. Wir ha­ben im­mer so lan­ge ge­schrie­ben, bis wir ei­nen Song fer­tig hat­ten – aus dem Nichts. Dein Lieb­lings­in­stru­ment die­ser Ses­si­ons? Mei­ne Gib­son Ever­ly Bro­thers von An­fang der Sech­zi­ger, sie ist mo­men­tan mei­ne Lieb­lings­gi­tar­re. Die spielt sich fast von selbst. Ei­ne ge­nia­le Gi­tar­re für Strumming. Mei­ne zwei­te Gi­tar­re war ei­ne 1964er Gib­son Coun­try & Wes­tern. Dein Ea­sy Eye Sound Stu­dio soll ja rand­voll mit al­tem Equip­ment sein. Was zum Bei­spiel? Ei­ne Men­ge tol­ler Sa­chen hab ich da! (lacht) Gi­tar­ren, Amps, ein Drum-set – al­les steht be­reit, man kann so­fort los­le­gen. Es sieht ziem­lich cool aus mitt­ler­wei­le, wir sind voll ein­ge­rich­tet, kön­nen je­der­zeit un­mit­tel­bar auf­neh­men. Das Herz­stück ist ein al­tes Spec­tra-so­nic-misch­pult wie man sie frü­her in den Ar­dent Stu­di­os oder bei Stax Re­cor­ds be­nutzt hat. Da­zu ein­fach gu­te Röh­ren­mi­kro­fo­ne – und mehr brauchst du nicht. Ich ha­be Jah­re da­mit zu­ge­bracht, bis ich die­se Equip­ment-samm­lung zu­sam­men hat­te. Jetzt bin ich satt. Das Stu­dio hat sich zu mei­ner klei­nen Traum­welt ent­wi­ckelt. (lacht) Und wie hat sich die Mu­sik­stadt Nash­ville ent­wi­ckelt? Wie ist dort die At­mo­sphä­re? Nun, mein per­sön­li­ches Nash­ville ist sehr klein. Ich ge­he nicht in die gan­zen neu­en, an­ge­sag­ten Bars und Clubs. Es kom­men im­mer noch vie­le Mu­si­ker nach Nash­ville. Al­lein in den acht Jah­ren, in de­nen ich dort le­be hat sich die Stadt enorm ge­wan­delt. Man­che Stra­ßen, durch die ich fah­re, er­ken­ne ich kaum wie­der. Ich weiß nicht ge­nau, wor­an das liegt. Aber wie ge­sagt, ich hab nichts mit die­ser Sze­ne Nash­villes zu tun. Ich le­be et­was au­ßer­halb am Stadt­rand und hab da mei­ne Ru­he. Kol­le­gen wie Jus­tin Tow­nes Ear­le fin­den Nash­ville heu­te fürch­ter­lich kom­mer­zi­ell, flach und nichts­sa­gend. Egal, ob du die kom­mer­zi­el­le Coun­try-mu­sic-sze­ne magst, musst du zu­ge­ben, dass es ei­ni­gen Mu­si­kern er­mög­licht Geld zu ver­die­nen und in der Stadt zu le­ben. Die kom­mer­zi­el­le Coun­try-sze­ne fi­nan­ziert die Mu­sik­in­dus­trie der Stadt. Die­se Mu­sik er­mög­licht dir ei­nen gu­ten Ton­tech­ni­ker für dei­ne Ses­si­on zu en­ga­gie­ren,

denn der ist nur hier, weil er da­von le­ben kann, in­dem er Scheiß­mu­sik auf­nimmt. (lacht) Es wird im­mer schlech­te Mu­sik ge­ben, so­viel ist klar. Aber das küm­mert mich und auch mei­ne Mu­sik nicht. Ich bin kein Teil die­ser Sze­ne. Aber in­di­rekt pro­fi­tie­re ich trotz­dem von Nash­ville – je­den Tag. Du liebst be­kannt­lich al­te In­stru­men­te. Be­suchst du ab und zu den le­gen­dä­ren Vin­ta­ge-shop von Ge­or­ge Gruhn? Ich war ge­ra­de vor drei Wo­chen bei Ge­or­ge. Sein La­den liegt quer über die Stra­ße von mei­ner Woh­nung. Er ver­an­stal­te­te neu­lich ei­ne Gui­tar Show, aber ich hab nichts ge­kauft. Ge­or­ge war da wohl et­was ent­täuscht ... (lacht) Gruhn Gui­tars ist ei­ne furcht­ba­re Ver­su­chung. Ich ver­su­che, nicht all­zu oft sei­nen La­den zu be­tre­ten. (grinst) Was für Gi­tar­ren und Amps ka­men auf dei­nem Al­bum zum Ein­satz? We­nig dies­mal. Ei­gent­lich nur mei­ne Gib­son Tri­ni Lopez aus den Sech­zi­gern und mei­ne Tele­cas­ter, die ich seit Jah­ren bei den Black Keys spie­le. Ach, und ei­ne Car­vin aus den frü­hen Sech­zi­gern die groß­ar­tig be­spiel­bar ist und tol­le Sounds hat. Die lie­fen dann ent­we­der über ei­nen ein Fen­der Vib­ro­lux oder ei­nen Black­face De­lu­xe Re­verb. Du hast die Songs mit Stu­dio-grö­ßen wie Jer­ry Dou­glas, Pat Mclaugh­lin, Bob­by Wood und Ge­ne Chris­man auf­ge­nom­men. Ge­nau. Und wir ha­ben al­les li­ve ein­ge­spielt: Drums, Bass, Gi­tar­ren, Ham­mond, Wur­lit­zer Pia­no und Ge­sang – al­les pas­sier­te in ei­nem Raum. Wir hat­ten ei­ne Men­ge al­ten Kram, was ich lie­be, wir ha­ben aber am En­de auch ei­ni­ges di­gi­tal am Com­pu­ter be­ar­bei­tet. Das Ea­sy Eye Sound bie­tet halt al­le Mög­lich­kei­ten. Die Songs nah­men sich fast von selbst auf. Wir ha­ben drei, vier Songs pro Tag ein­ge­spielt, bis wir sie dort hin­ge­bracht hat­ten, wo ich es woll­te. Manch­mal muss­ten wir ei­ne Num­mer noch mal ein­spie­len, wenn ich mir die Ta­kes am nächs­ten Mor­gen an­ge­hört ha­be, und mir doch klar wur­de, dass wir ihn nicht im Kas­ten hat­ten. Al­so ha­ben wir uns den Song zwei, drei Ta­ge spä­ter wie­der vor­ge­knöpft. ‚Wa­ting For A Song‘ z. B. – un­se­re ers­te Ver­si­on war toll, be­saß aber nicht die­ses spe­zi­el­le Et­was, nach dem ich such­te. Wo­nach ent­schei­dest du das? In­tui­ti­on? Sound? Ge­fühl? Al­les, ir­gend­wie. Ich den­ke über das Tem­po nach, die In­stru­men­tie­rung, ob es Parts gibt, die schnel­ler oder lang­sa­mer wer­den, ob ir­gend­et­was den Song dar­an hin­dert groß­ar­tig zu wer­den! Al­les, was halt mei­ne Zwangs­neu­ro­se auf der Su­che nach Per­fek­ti­on füt­tert! (lacht) Du hast auch zwei be­mer­kens­wer­te Gäs­te da­bei. Fan­gen wir mit Mark Knopf­ler an. Wie kam das zu­stan­de? Mark ist ein Meis­ter der Me­lo­di­en und der coo­len Riffs. Man er­kennt sei­nen Sound so­fort. Als ich ‚Shi­ne On Me‘ mix­te, hör­te ich qua­si Mark Knopf­ler spie­len. Ich hör­te sei­ne Gi­tar­re! Al­so mach­te ich ei­nen Rough-mix, gab ihn mei­nem Ma­na­ger und bat ihn: „Schick das bit­te zu Mark Knopf­ler. Ich hab ihn zwar nie ge­trof­fen und auch nie ken­nen­ge­lernt, aber schick ihm das trotz­dem und frag ihn, ob er et­was da­zu spie­len möch­te!“Zwei Ta­ge spä­ter schick­te mir Mark mei­nen Song mit sei­nem Ta­ke zu­rück! Un­fass­bar! Mark hat kein So­lo ge­spielt, son­dern ei­nen Rhyth­mus-part. Was hast du ge­dacht? Ich dach­te: per­fekt! Das war ge­nau das, was ich er­war­te­te hat­te. Es war sei­ne freie Ent­schei­dung, was er spie­len woll­te und er hat ge­nau das ge­fun­den, was der Song brauch­te. Ge­nau das ma­chen Ge­nies, wenn sie auf Plat­ten an­de­rer Mu­si­ker spie­len. Du musst nichts mit ih­nen ab­spre­chen. Sie spie­len ge­nau das, was der Song braucht. Das ist eben Hand­werk. Sie wis­sen ge­nau, wo sie in ih­re Werk­zeug­kis­te rein­grei­fen müs­sen. (lacht) Und wie war die Ar­beit mit Dua­ne Ed­dy? Nun, Dua­ne ist to­tal nett und liebt es, in Stu­di­os ab­zu­hän­gen, Gi­tar­ren auf­zu­neh­men und mit Sounds zu spie­len. Er ist der Meis­ter des Twang-sounds! Dua­ne brach­te ei­ne Aus­wahl al­ter Gretsch-gi­tar­ren mit, un­ter an­de­rem ei­ne Ba­ri­to­ne und ein Che­tAt­kins-mo­dell. Und er brach­te na­tür­lich sei­ne JBL-BOX mit dem ei­nem 15“-Spea­ker mit. Die hat mäch­tig Wumms! Dar­auf be­ruht sein Sound, da­mals schon, mit Lee Haz­le­wood. Es pass­te ein­fach, dass Dua­ne auf die­sem Al­bum da­bei ist. Du bist auch als Pro­du­zent er­folg­reich, für Ray La­mon­ta­gne, Dr. John, Va­le­rie Ju­ne, The Pre­ten­ders und La­na Del Rey. Wor­auf legst du Wert? Als Pro­du­zent ver­än­dert sich mei­ne Welt je­den Tag, . Manch­mal bin ich Kum­pel und Kol­la­bo­ra­teur, manch­mal Cheer­lea­der und manch­mal muss ich streng sein. Es hängt im­mer vom Song ab. Vor al­lem muss ich an den Künst­ler glau­ben und spü­ren, dass ich ihm hel­fen kann, da­mit er et­was Groß­ar­ti­ges schafft. Das ist das Ziel. Wor­an er­kennst du das? An den De­mos. Wenn die schon toll sind, kann man et­was draus ma­chen. Dann hast du et­was, wo­mit du ar­bei­ten kannst. Du ver­an­stal­test auch Haus­mu­sik-parties, ha­be ich ge­le­sen. Ich wuchs da­mit auf, dass mei­ne Fa­mi­lie Blue­grass-mu­sic spiel­te, das wa­ren die ers­ten Songs, die ich ler­nen und spie­len woll­te. Mei­ne bei­den On­kels sind her­vor­ra­gen­de Blue­grass-gi­tar­ris­ten und sin­gen auch her­vor­ra­gend. Sie ha­ben mir als Kind bei­ge­bracht Gi­tar­re zu spie­len, ha­ben mir ge­zeigt, wer die gro­ßen Kön­ner sind und wem man zu­hö­ren muss. Das war auch ein Grund, war­um ich nach Nash­ville ge­zo­gen bin. Das ist ei­ne der we­ni­gen Städ­te wo Blue­grass-mu­sic ge­pflegt und ge­liebt wird. Und ich ha­be durch mei­ne Fa­mi­lie auch ein paar tol­le Mu­si­ker ken­nen­ge­lernt wie die Tra­ve­lin’ Mc­cou­rys oder Ken­ny Vaug­han. Da­durch hat es sich er­ge­ben, dass ich Blue­grass-parties schmei­ße. Wir sit­zen im Kreis, quat­schen, trin­ken, spie­len und sin­gen ge­mein­sam die al­ten Lie­der. Die Kin­der ren­nen im Haus her­um, wir es­sen zu­sam­men und ha­ben Spaß. Und wir spie­len die gan­ze Nacht lang Mu­sik. Letz­te Fra­ge zu den Black Keys: Was sind eu­re Plä­ne? Wir ha­ben kei­nen Plan. Wir neh­men das Le­ben leicht und wer­den se­hen was kommt. Wir ha­ben ei­ne vier­jäh­ri­ge Tour hin­ter uns, das reicht erst mal. Jetzt neh­men wir ei­ne klei­ne Aus­zeit. Da­für ha­be ich die­ses Jahr ei­ni­ges zu tun. Vie­len Dank fürs Ge­spräch!

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