Ver­gleichs­test! Bass-round­wounds

Er­nie Ball, De­an Mar­kley, D‘ad­da­rio, Dun­lop, GHS, Ro­to­sound, SIT und War­wick

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Dirk Groll y FO­TOS Die­ter Stork

Wer für sei­nen Sound auf die Ei­gen­schaf­ten des Basses und der Bas­s­an­la­ge ach­tet, tut das na­tür­lich zu­recht. Ei­ne wich­ti­ge Va­ria­ble im Spiel sind aber auch die Sai­ten – und da hat der Markt ei­ne un­über­sicht­li­che Viel­falt zu bie­ten.

Al­le lie­fer­ba­ren Mar­ken und Aus­füh­run­gen zu tes­ten, ist we­gen der schie­ren Men­ge un­mög­lich. Wel­ches Kri­te­ri­um soll man nun an ei­nen Ver­gleichts­test an­le­gen? Man könn­te ähn­li­che Sai­ten, z. B. nur Stain­less Steel oder nur NPS ver­glei­chen, um den fei­nen Un­ter­schie­den zwi­schen den Mar­ken auf die Spur zu kom­men. Das ha­ben wir in der Ver­gan­gen­heit auch so ge­tan. Hier soll es mal an­ders sein und es geht quer­beet durch ver­schie­de­ne Sai­ten­ty­pen, um auch grund­sätz­li­che Un­ter­schie­de auf­zu­zei­gen. Round­wound ist die ein­zi­ge Vor­aus­set­zung, und jetzt wol­len wir doch mal hö­ren, ob ex­tra­di­cke Sai­ten­ker­ne, Ni­ckel­be­schich­tun­gen oder spe­zi­el­le Tief­kühl-pro­zes­se das bes­te aus der Sai­te her­aus­ho­len.

kan­di­da­ten

Ro­to­sound schickt den Klas­si­ker Swing Bass in den Ver­gleich, Stain­less Steel als Ver­gleichs­nor­mal für den bril­lan­ten Bass­ton. War­wick geht mit leicht güns­ti­ger be­preis­ten Black-la­bel-round­wounds in Kon­kur­renz. Die Fra­ge ist, ob die Lo-ri­der von DR als Bright Stain­less Steel da noch et­was Bril­lanz drauf­set­zen. Die Blue Steels von De­an Mar­kley sol­len durch ei­ne Kurz­be­hand­lung mit tief­ge­kühl­tem, flüs­si­gem Stick­stoff ei­nen fet­te­ren, in­ten­si­ve­ren Ton lie­fern. Auf an­de­re Wei­se dem di­cke­ren Bass ver­schrei­ben sich die Ni­ckel- Va­ri­an­ten in die­sem Ver­gleichs­test, wo­bei die D‘ Ad­da­rio XL ein Stan- dard in die­ser Li­ga sind. Mit ex­tra­di­ckem Sai­ten­kern und Ni­ckel­be­schich­tung sol­len die Hea­vy Co­re Strings von Dun­lop vor al­lem tie­fe­re Stim­mun­gen si­cher be­wäl­ti­gen, die an­de­ren Nps-sät­ze wie Hy­brid Slin­ky von Er­nie Ball so­wie die Bass Boo­mers von GHS die gol­de­ne Mit­te tref­fen, wäh­rend SIT für die eben­falls auf NPSBa­sis her­ge­stell­ten Po­wer Wound mit be­son­de­rer Sorg­falt beim Wi­ckeln und bes­ten Usa-me­tal­len wirbt. Neun Kan­di­da­ten für durch­aus ver­schie­de­ne Klan­g­er­geb­nis­se, drei­mal Stain­less Steel, sechs­mal Ni­ckel Pla­ted Steel.

spiel­ge­fühl

Klang ist nicht al­les, für den Spie­ler zählt zu­nächst auch, wie sich die Sai­te an­fühlt. Al­le Kan­di­da­ten sind als Four­string .045" bis .105" aus­ge­wählt, um ver­gleich­bar zu sein, al­so ei­ne Stan­dard- Stär­ke, mit der sich er­di­ger Rock eben­so hin­le­gen lässt wie kna­cki­ge Funk-licks. Ge­gen die Er­war­tung füh­len sich die Sai­ten mit dem di­cke­ren Kern, al­so die Hea­vy Co­re von Dun­lop, kei­nes­wegs stei­fer als die üb­ri­gen an, son­dern zu­nächst an­ge­nehm ge­schmei­dig; nur stär­ke­ren Ben­dings setzt der di­cke Kern­draht mehr Wi­der­stand ent­ge­gen. Nimmt man die alt­be­währ­ten Ro­to­sound als Re­fe­renz, so füh­len sich die Blue Steel

von De­an Mar­kley et­was här­ter un­ter den Fin­gern an, dicht ge­folgt vom sehr kon­kre­ten Spiel­ge­fühl auf den (beim Auf­wi­ckeln stör­ri­sche­ren) SIT und den GHS, bei de­nen prak­tisch kein Elas­ti­zi­täts­un­ter­schied zu den Swing Bass fest­zu­stel­len ist. Die D‘ad­da­rio füh­len sich wie­der­um ei­nen Hauch fle­xi­bler als Ro­tos an, das zweit­weichs­te Spiel­ge­fühl ver­mit­teln die DR und wo es auf an­ge­neh­men Kom­fort beim Flut­schen übers Griff­brett an­kommt, punk­ten die Black La­bel Strings von War­wick. Es sind frei­lich kei­ne Wel­ten, die zwi­schen den teils nur sehr fei­nen Nuan­cen im Spiel­ge­fühl bei un­se­ren Test-kan­di­da­ten lie­gen, aber je nach Spiel­stil kön­nen ja auch win­zi­ge Un­ter­schie­de schon Aus­wir­kun­gen ha­ben.

aus­füh­rung

Man­cher Her­stel­ler leis­tet sich ei­ne Sei­den-um­spin­nung des Sai­tenen­des. Das sieht nicht nur schön aus, son­dern sta­bi­li­siert auch die aus­lau­fen­den Rund­drah­tUm­wick­lun­gen auf dem Sai­ten­kern. Für den Be­nut­zer hat das den Vor­teil, dass man die um­spon­ne­nen En­den sorg­los kür­zen darf, oh­ne Ge­fahr, dass sich die Um­wick­lung lo­ckert und die Sai­te un­brauch­bar wird. Um dem bei nicht um­spon­ne­nen En­den vor­zu­beu­gen, soll­te die Sai­te kurz vor der Stel­le, wo man sie ab­kneift, um­ge­knickt wer­den. Um­spon­ne­ne En­den ha­ben Ro­to­sound, De­an Mar­kley und GHS, al­le an­de­ren Test­teil­neh­mer las­sen die En­den blank. Zwar ha­ben wir al­le Sets für Longs­ca­le ge­or­dert, aber die Bass-kon­struk­tio­nen sind trotz glei­cher Spiel­men­sur ver­schie­den. Bei­spiels­wei­se wer­den die Sai­ten mit­un­ter von hin­ten durch den Kor­pus ein­ge­fä­delt, man­che Mo­del­le ha­ben län­ge­re Stre­cken zwi­schen Sai­ten­hal­ter und Steg, an­de­re ei­ne be­son­ders lang­ge­streck­te Kopf­plat­te. Da­mit der Le­ser ein­schät­zen kann, ob die je­wei­li­ge Sai­te auf sei­nen Bass passt, wur­de das nutz­ba­re Stück zwi­schen Bal­lend und aus­lau­fen­der äu­ße­rer Um­wick­lung bzw. An­fang der Sei­den­um­spin­nung ge­mes­sen. Am längs­ten sind mit 96 cm die Sai­ten von DR und De­an Mar­kley kon­fek­tio­niert, SIT kommt da mit 95,5 cm na­he her­an. Bei Dun­lop ist die Stre­cke zwi­schen Bal­lend und aus­lau­fen­der Au­ßen­wick­lung 94,5 cm lang, bei War­wick und Ro­to­sound ex­akt 94 cm. D‘ad­da­rio und Er­nie Ball sind noch­mals ei­nen hal­ben Zen­ti­me­ter kür­zer, GHS lie­fert mit 93 cm die kür­zes­ten. Bei den aus­ge­wähl­ten Stan­dard-sät­zen ist die Zu­sam­men­set­zung prak­tisch über­all gleich: .045"/. 065"/. 085"/. 105". Nur bei Ro­to­sound und De­an Mar­kley weicht die A-sai­te ge­ring­fü­gig da­von ab, und ist mit .080" et­was dün­ner.

klang­un­ter­schie­de

Die Swing Bass von Ro­to­sound ha­ben si­cher­lich die längs­te Tra­di­ti­on bei den Round­wounds, ihr bril­lant-drah­ti­ger Klang ist wie­der die Re­fe­renz, an der sich die an­de­ren mes­sen müs­sen. Bei al­ler stäh­ler­nen Bril­lanz lie­fern die Ro­tos den­noch ei­nen vol­len, dich­ten Bass­ton. Sehr na­he dran lie­gen die War­wick-sai­ten, die nur in den Mit­ten ei­ne mi­ni­mal hel­le­re Nuan­ce ab­lie­fern. Die käl­te­be­han­del­ten Blue Steel von De­an Mar­kley klin­gen hin­ge­gen wirk­lich an­ders und prä­sen­tie­ren den hells­ten Klick und die of­fens­ten Mit­ten in der Stain­less- SteelG­rup­pe. Auch die Bright Stain­less Steel von DR ge­hen in die­se Rich­tung (und wer­den so­mit ih­rem Na­men ge­recht), ha­ben aber auf Ba­sis des of­fe­nen Pia­noString-cha­rak­ters et­was dich­te­re Mit­ten als die Blue Steel, den­noch ein of­fe­ne­res Tim­bre als Ro­tos und War­wick. Rie­si­ge Un­ter­schie­de zu Stain­less Steel soll­te man von den Nps-ver­tre­tern ei­gent­lich nicht er­war­ten, schließ­lich ist das Grund­ma­te­ri­al das glei­che, nur eben mit ei­ner dün­nen Schicht Ni­ckel ver­se­hen. Den­noch sind die Un­ter­schie­de grö­ßer als er­war­tet aus­ge­fal­len. Auch wenn die SIT im Gr­und­ver­hal­ten den Ro­tos recht ähn­lich wir­ken, stellt man beim ge­naue­ren Hin­hö­ren fest, dass die Tief­mit­ten ei­nen Hauch auf­ge­räum­ter und zu­rück­hal­ten­der prä­sen­tiert wer­den, wäh­rend in den Prä­sen­zen et­was mehr Na­se auf­tritt. Die NPS- Sai­ten von Er­nie Ball über­ra­schen mit der bes­ten Kom­bi­na­ti­on von Tief­mit­ten-druck und drah­ti­ger Trans­pa­renz, ihr Ton hat so­mit mehr Fleisch als der der Ro­tos und trotz­dem ei­nen schön hel­len, fein­me­tal­li­schen Klick. Beim An­tes­ten der eben­falls be­lieb­ten GHS Boo­mers fällt der hel­le Klick eben­falls auf, sie kom­men so­gar ins­ge­samt noch et­was drah­ti­ger als die Ro­to­sound rü­ber. Das ei­gent­li­che Cha­rak­termerk­mal liegt bei GHS al­ler­dings eher in der Na­sig­keit der obe­ren Mit­ten, die durch­aus mar­kant her­aus­hör­bar ist und sich wo­mög­lich bei wei­che­ren Spiel­sti­len do­mi­nan­ter be­merk­bar macht als der hel­le Draht. Tief­mit­ten­stark wie die Hy­brid Slin­ky von Er­nie Ball prä­sen­tie­ren sich die Ni­ckel-

sai­ten von D‘ad­da­rio, je­doch oben­her­um run­der und mil­der. Die Gr­und­no­te wird von ih­nen am deut­lichs­ten her­aus­ge­stellt, wo­hin­ge­gen der Bril­lanz­klick am zu­rück­hal­tends­ten un­ter al­len Test­teil­neh­mern aus­fällt. Mit die­ser run­den Fun­da­ment­stär­ke re­prä­sen­tie­ren die D‘AD­da­rio wohl ge­nau das, was man sich un­ter ei­ner ty­pi­schen Ni­ckel­sai­te vor­stellt, auch wenn es sich ge­nau­ge­nom­men um Ni­ckel Pla­ted Steel han­delt. Ein Nps-ver­tre­ter fehlt noch in der Klang­be­schrei­bung, und das hat den Grund, dass die Hea­vy-co­re-sai­ten von Dun­lop ein Spe­zi­al­fall sind. Man hört im di­rek­ten Ver­gleich so­fort, dass sie lei­ser als al­le an­de­ren sind, al­so durch den di­cke­ren Kern­draht of­fen­bar we­ni­ger fer­ro­ma­gne­ti­sches Ma­te­ri­al in der Um­wick­lung steckt. Das ist auch lo­gisch, denn der Kern ist ein ge­ra­der Draht und die Um­wick­lung ge­wen­delt und so­mit viel län­ger, in­so­fern ist die Ge­samt­mas­se bei glei­chem Sai­ten­um­fang ge­rin­ger, wenn die Um­wick­lung dün­ner aus­fällt. Das hat nicht nur Aus­wir­kun­gen auf den Pe­gel, son­dern auch auf den Klang, wo die Dun­lop we­ni­ger Mit­ten und so­mit we­ni­ger Fleisch brin­gen. Das ist frei­lich kein Nach­teil, wenn man sie tat­säch­lich wie emp­foh­len für tie­fe­re Stim­mun­gen ver­wen­det, wo ihr auf­ge­räum­ter Draht- Sound im­mer klar bleibt, wenn an­de­re Sai­ten schon an­fan­gen zu schlab­bern und zu mul­men.

re­sü­mee

Die Swing Bass von Ro­to­sound sind frag­los der Klas­si­ker in Stain­less Steel und lie­fern bril­lan­te Drah­tig­keit auf Ba­sis ei­nes dich­ten, fes­ten Ton­kör­pers. Wer es bei ähn­li­chen Klan­g­er­geb­nis­sen noch et­was ge­schmei­di­ger un­ter den Fin­gern mag, ist bei den Black La­bel von War­wick an der rich­ti­gen Adres­se, wäh­rend die Lo-ri­der von DR und be­son­ders die Blue Steel von De­an Mar­kley noch­mals be­son­ders die hel­len, fei­nen Bril­lan­zen und luf­ti­ge Drah­tig­keit be­to­nen. In der Nps-grup­pe lie­gen die Po­wer Wound von SIT am nächs­ten bei den tra­di­tio­nel­len Stain­less Steels, et­was auf­ge­räum­ter in den Mit­ten und da­für mit fein­na­sa­ler Prä­senz aus­ge­stat­tet. Die cha­rak­ter­vol­le Na­se ist noch et­was deut­li­cher bei den Boo­mers von GHS wahr­zu­neh­men, ob­wohl die­se Nps-round­wounds zu­gleich noch ei­nen Tick bril­lan­ter als die Ro­tos agie­ren. Die Hy­brid Slin­ky von Er­nie Ball brin­gen schließ­lich das Bes­te von Stain­less Steel und Ni­ckel- an­teil zu­sam­men und über­zeu­gen mit ih­rer aus­ge­gli­che­nen Ba­lan­ce von flei­schi­gen Tief­mit­ten und hel­lem, kla­rem Bril­lanz­klick. Ein Spe­zi­al­fall sind die eben­falls auf NPSBa­sis her­ge­stell­ten Hea­vy Co­re von Dun­lop, die et­was we­ni­ger Pe­gel aus den Ma­gne­tPick­ups ho­len und im Nor­mal­be­trieb viel kla­ren Draht, aber we­ni­ger Ton­kör­per pro­du­zie­ren. Nimmt man sie al­ler­dings für Drop Tu­nings, wird dar­aus ein Vor­teil, denn auch saf­tig her­un­ter­ge­stimmt, hält das den Ton klar und dif­fe­ren­ziert. Als klas­si­scher Ver­tre­ter der Ni­ckel- Frak­ti­on lie­fern die XLRound­wounds von D‘ad­da­rio ex­akt das, was man von die­ser Sai­ten­ty­pe er­war­tet, näm­lich ein kraft­vol­les Gr­und­no­tenF­un­da­ment mit stim­mig ab­ge­run­de­ten Hö­hen­an­tei­len.

Far­big mar­kier­te Bal­lends er­leich­tern bei D‘ad­da­rio und De­an Mar­kley die Iden­ti­fi­ka­ti­on der Sai­ten­stär­ken.

Bei Ro­to­sound, GHS und De­an Mar­kley gibt es um­spon­ne­ne Sai­tenen­den.

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