Pawn Shop: Mu­si­ma Eter­na de Lu­xe 25

MU­SI­MA ETER­NA DE LU­XE 25

Gitarre & Bass - - Inhalt - CHRIS­TO­PHER KELL­NER

Nach ei­nem et­was län­ge­ren Aus­flug in die Län­der Ost­eu­ro­pas, kom­men wir auf un­se­rer Pawn­shop-rei­se nun in hei­mat­li­che Ge­fil­de. Ge­nau­er ge­sagt ins Epi­zen­trum des tra­di­tio­nel­len deut­schen Gi­tar­ren­baus, wo im 17. Jahr­hun­dert al­les be­gann – nach Mar­kneu­kir­chen. Die Ge­schich­te des In­stru­men­ten­baus im Vogt­land zu re­ka­pi­tu­lie­ren wür­de den Rah­men die­ser Ko­lum­ne deut­lich spren­gen, und selbst ein grob vor­ge­tra­ge­ner Über­blick über die E-GI­tar­ren der DDR oder auch nur von Mu­si­ma wä­re ei­ne abend­fül­len­de Be­schäf­ti­gung. Des­halb pi­cke ich mir für die­sen Bei­trag ein sel­ten be­leuch­te­tes, aber sehr coo­les Ex­em­plar her­aus – die Eter­na de Lu­xe 25. Die Mu­si­ma VEB („Mu­sik­in­stru­men­ten­bau Mar­kneu­kir­chen Volks­ei­ge­ner Be­trieb“), so viel sei er­zählt, wur­de 1953 auf Ba­sis ei­ni­ger ent­eig­ne­ter Ma­nu­fak­tu­ren ge­grün­det und soll­te die in­dus­tri­el­le Mas­sen­fer­ti­gung von In­stru­men­ten in der DDR über­neh­men. Ent­spre­chend wur­de die Pro­duk­ti­on „ kon­so­li­diert“und in den 1970er- Jah­ren star­ben dann auch die we­ni­gen ver­blie­be­nen klei­nen Her­stel­ler, die sich in den zwei Jahr­zehn­ten zu­vor noch ge­hal­ten hat­ten, lang­sam aus. Ge­nau in die­ser Zeit ent­stand die Eter­na. Glaubt man den In­ter­net-le­gen­den, han­delt es sich bei der „25“Bau­rei­he um ei­ne 1974 ein­ge­führ­te Se­rie zur Fei­er des 25-jäh­ri­gen Be­ste­hens der DDR. Ne­ben der Eter­na (das Flagg­schiff) gab es die recht klei­ne Les-paul-va­ri­an­te „25K“, die „de Lu­xe 25“(ei­ne ab­ge­speck­te Ver­si­on der Eter­na) so­wie ei­nen Bass, der eben­falls die glei­che Off­set-kor­pus­form hat­te („25B“). Mit zu­sam­men­ge­knif­fe­nen Au­gen be­trach­tet er­in­nert die Eter­na an ei­ne Jazz­mas­ter, doch ei­nem ge­naue­ren Blick hält das nicht Stand. Die Men­sur liegt mit 640 mm zwar im glei­chen Be­reich, der Hals wird je­doch nur von zwei Ge­win­de­schrau­ben ge­hal­ten, die man schon sehr fest an­zie­hen muss, da­mit es nicht be­un­ru­hi­gend in der Hal­s­ta­sche knackt. Wie bei fast al­len Ddr-gi­tar­ren schmei­chelt die Bund­ver­ar­bei­tung nicht un­be­dingt der Hand. Beim Kauf wür­de ich vor­her che­cken, ob der Hals ver­zo­gen ist – lei­der nei­gen die Ex­em­pla­re der 25-Se­rie da­zu. Auf dem Sperr­holz­kor­pus mit Ahorn­fur­nier als De­cke prangt ein statt­li­ches Schlag­brett mit ei­ner Elek­tro­nik, die in ih­rer Kom­ple­xi­tät zu­nächst wie das ost­deut­sche Ra­ke­ten­pro­gramm an­mu­tet – wer bei den drei Sing­le­coils ei­ne sim­ple Strat-schal­tung er­war­tet, wird schnell ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Zu­nächst mal zu den drei Schie­be­schal­tern am un­te­ren Kor­pus­horn: Der vor­ders­te schal­tet die ge­sam­te Gi­tar­re ein und aus. Der hin­te­re schal­tet den mitt­le­ren Ton­ab­neh­mer hin­zu (der Togg­le Switch am obe­ren Kor­pus­horn wählt im Les Paul-style Hals- und Steg­ton­ab­neh­mer an). Der mitt­le­re Schal­ter hat es in sich: Im Mo­dus „B“er­hält man ei­nen aus­ge­dünn­ten Out-of-pha­se-sound, der ein Ban­jo si­mu­lie­ren soll. Nur für die­sen Mo­dus ist ei­nes der bei­den Vo­lu­me-po­tis re­ser­viert, das an­de­re dient als Mas­ter. Die drei Ton-po­tis sind je­weils ei­nem der Pick­ups zu­ge­ord­net. Dar­aus er­gibt sich ei­ne un­ge­ahn­te Viel­zahl an mehr oder we­ni­ger brauch­ba­ren Sounds. Die Pick­ups klin­gen sehr gut! An die Qua­li­tät der äl­te­ren Si­me­tos rei­chen die­se Strat-de­ri­va­te zwar nicht her­an, aber für ei­nen schö­nen Vin­ta­geTwang reicht es al­le­mal. Un­ter dem Ein­fluss be­wusst­seins­er­wei­tern­der – manch­mal auch eher ein­schrän­ken­der – Sub­stan­zen wür­de ich mich mit der Eter­na al­ler­dings nicht ad hoc auf die Büh­ne trau­en, so­fern ich mehr als nur ei­nen fest­ein­ge­stell­ten Sound bräuch­te. Die nach mei­ner Er­fah­rung ge­rin­ge Nach­fra­ge nach den Ex­em­pla­ren der 25-Se­rie tut die­sen In­stru­men­ten Un­recht – ge­ra­de im Ver­gleich zu so man­cher ja­pa­ni­schen Zeit­ge­nos­sin. Denn qua­li­ta­tiv wa­ren und sind die ost­deut­schen Schön­hei­ten ei­ner „Her­tie­cas­ter“je­der­zeit vor­zu­zie­hen und ste­hen auch so man­chem west­deut­schen „70er-brett“nicht nach. Ei­ne Eter­na de Lu­xe 25 muss man schon län­ger su­chen – die meis­ten gin­gen zu Ddr-zei­ten ins (so­wje­ti­sche) Aus­land, und auch mein Ex­em­plar ha­be ich mal wie­der aus der Ukrai­ne ein­flie­gen las­sen. Die an­de­ren Mo­del­le sind auch bei uns häu­fi­ger zu fin­den, die Prei­se schwan­ken zwi­schen un­ter € 100 und um die € 300. Und war­um muss ich beim Schrei­ben die­ser Zei­len dau­ernd an den Ddr-kult­film ,Hei­ßer Som­mer‘ den-

Flagg­schiff: Mu­si­ma Eter­na De Lu­xe

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