Gre­er Amps Spe­cial Re­quest, Lightspeed, South­land, Fx-pe­da­le

Mitt­ler­wei­le ha­be ich ak­zep­tiert, dass mir trotz re­gel­mä­ßi­ger Markt­be­ob­ach­tung im­mer wie­der Bou­tique- Her­stel­ler ver­bor­gen blei­ben. Es gibt ein­fach so vie­le! Aber wie konn­te mir Gre­er- Amps bis­her ent­ge­hen? Im­mer­hin be­haup­tet der Bou­tique- Her­stel­ler, die

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Marc- Oli­ver Rich­ter y FO­TOS Die­ter Stork

Mit 19 Pe­da­len und sechs Ver­stär­ker­mo­del­len bie­tet die klei­ne Vier-per­so­nen­Fir­ma um Nick Gre­er ei­ne er­staun­lich gro­ße Pro­dukt­pa­let­te an. Pro­du­ziert wird in At­hens, Geor­gia, ei­ner klei­nen Uni­ver­si­täts­stadt mit gut 100.000 Ein­woh­nern. Mu­sik spielt dort ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Die Süd­staa­ten­stadt wur­de vom Rol­lin­gS­to­ne-ma­ga­zi­ne als „#1 Col­le­ge Mu­sic Sce­ne in Ame­ri­ca“be­zeich­net und die New York Ti­mes hat At­hens „Li­ve Mu­sic Cen­tral“ge­nannt. Ein gu­ter Stand­ort für ei­ne Ef­fekt­ge­rä­te­fir­ma, die sich auf die Fah­nen ge­schrie­ben hat, die bes­ten Pro­duk­te zu ei­nem güns­ti­gen Preis an­zu­bie­ten. Ob das dann wirk­lich das Bes­te ist, was man be­kom­men kann, wie auf der In­ter­net­sei­te ge­schrie­ben wird, sei mal da­hin­ge­stellt. An die­se an­schei­nend ur­ame­ri­ka­ni­sche Mi­schung aus Mar­ke­ting, Über­trei­bung und Stolz auf das Ge­schaf­fe­ne hat man sich als nüch­ter­ner Mit­tel­eu­ro­pä­er ja schon ge­wöhnt. Üb­ri­gens durch­aus auch mit der Er­kennt­nis, dass die Pro­duk­te häu­fig wirk­lich sehr gut sind! Schau­en wir mal, wie es sich bei den drei Ex­em­pla­ren aus Geor­gia ver­hält. Zum Test stel­len sich der Boos­ter Spe­cial Re­quest, und die bei­den Over­dri­vePe­da­le Lightspeed und South­land.

rus­ti­ka­les äu­ße­res

Bes­te Pro­duk­te zum güns­ti­gen Preis – da muss na­tür­lich ir­gend­wo ge­spart wer­den. Gre­er Amps hat sich da­für ent­schie­den, an Äu­ßer­lich­kei­ten zu spa­ren. Die bei­den Ver­zer­rer Lightspeed und South­land kom­men da­her auch in ei­nem recht rus­ti­kal wir­ken­den ro­hen Alu­druck­guss-ge­häu­se da­her. An der Ober­sei­te be­fin­det sich ei­ne Kunst­stoff­plat­te aus der die Be­schrif­tung her­aus­ge­fräst wur­de. Nur dem Boos­ter Spe­cial Re­quest, wur­de ein la­ckier­tes und be­druck­tes Ge­häu­se spen­diert. Ein Blick ins In­ne­re zeigt, dass die Gre­er Amps wirk­lich in Hand­ar­beit pro­du­ziert wer­den. Die Po­tis hal­ten nicht nur die Kunst­stoff­plat­te, son­dern tra­gen auch ei­ne Pla­ti­ne mit kon­ven­tio­nel­len Bau­tei­len. Die Wi­der­stän­de und Kon­den­sa­to­ren sind zum gro­ßen Teil un­kennt­lich ge­macht und mit ei­ner di­cken Schicht Heiß­kle­ber ver­sie­gelt. Nur die ICS sind ge­so­ckelt und nicht ver­klebt. Das so­ge­nann­te „go­o­pen“der Bau­tei­le ist zwar nicht un­be­dingt re­pa­ra­tur­freund­lich, schützt aber den Her­stel­ler ganz gut vor un­er­wünsch­ten Nach­bau­ten. Buch­sen und Schal­ter sind frei ver­drah­tet. Das ist sau­ber ge­macht und auch die Qua­li­tät der Bau­tei­le geht in Ord­nung. Die Ge­häu­se der bei­den Ver­zer­rer sind et­was hö­her und grö­ßer als der Ham­mond-bStan­dard, in dem der Boos­ter Platz fin­det. Tech­nisch not­wen­dig wä­re das nicht. Die Schal­tung wür­de auch pro­blem­los in ein klei­ne­res Ge­häu­se pas­sen. So ganz be­geis­tert bin ich von den Ge­häu­sen nicht. Sie fas­sen sich et­was un­an­ge­nehm an und es ist ziem­lich fum­me­lig, die Schrau­ben des Ge­häu­se­de­ckels wie­der an­zu­schrau­ben, weil das Ge­win­de sehr nah an der Ober­flä­che ist. Wer kei­nen ma­gne­ti­schen Schrau­ben­zie­her ver­wen­det, kann schon leicht die Ner­ven ver­lie­ren, wenn die Schrau­ben zum wie­der­hol­ten Mal run­ter­fal­len. Ei­nen Bat­te­rie­wech­sel im Büh­nen­stress soll­te man al­so tun­lichst ver­mei­den! Hin­sicht­lich der Be­dien­ele­men­te gibt es kei­ne Auf­fäl­lig-

kei­ten. Die bei­den Ver­zer­rer be­gnü­gen sich mit den üb­li­chen drei Reg­lern für Laut­stär­ke, Ver­zer­rungs­grad und Ton. Die Ton­kon­trol­le ist al­ler­dings nicht nur ei­ne sim­ple Hö­hen­blen­de son­dern be­tont in der ers­ten Hälf­te des Re­gel­we­ges die Bäs­se und in der zwei­ten Hälf­te die obe­ren Mit­ten. Der Boos­ter kommt mit ei­nem ein­zi­gen Reg­ler für Laut­stär­ke klar.

laut­ma­cher

Der Spe­cial Re­quest ist ein Mosfet-boos­ter, der laut Gre­er auf dem Vor­stu­fen de­sign der le­gen­dä­ren Ver­stär­ker von Alex­an­der Dum­ble ba­siert. Ei­ni­ge Dum­ble-amps ha­ben ne­ben dem nor­ma­len In­put noch ei­nen Ein­gang, bei dem ein Fet-vor­ver­stär­ker vor der ei­gent­li­chen Vor­stu­fe sitzt. Die­se Fet-schal­tung fin­det sich im Spe­cial Re­quest. Da­her soll bei Ein­satz des Spe­cial Re­quests auch ne­ben der Laut­stär­keer­hö­hung ei­ne ganz Men­ge mehr pas­sie­ren. Gre­er be­zeich­net das als „feel“– ei­ne leich­te Kom­pres­si­on und ei­ne Be­to­nung des Mit­ten­spek­trums, die dem Ton mehr Klar­heit so­wohl beim Spiel ein­zel­ner No­ten als auch beim Spiel von Ak­kor­den ge­ben soll. In hö­he­ren Ein­stel­lun­gen soll er so­wohl die Vor­stu­fe gu­ter Ver­stär­ker als auch Ver­zer­rer-pe­da­le in die Sät­ti­gung brin­gen und ih­nen zu ei­nem fo­kus­sier­ten und dy­na­mi­schen Hi-Gain- Sound ver­hel­fen. So­viel zu dem, was uns Gre­er auf sei­ner Web­site mit­gibt. Ein biss­chen Wind ma­chen ge­hört ja da­zu, wenn man sich von der Mas­se der Kon­kur­renz ab­he­ben will. Was bleibt aber nach ei­nem aus­führ­li­chen Test als Fakt üb­rig? Nun, vor al­lem, dass der Gre­er-boos­ter ein wirk­lich gu­ter Boos­ter ist, der das Ori­gi­nal­si­gnal re­la­tiv we­nig be­ein­flusst. Ei­ne leich­te Be­to­nung der Mit­ten, die den Klang trans­pa­ren­ter macht, ist ein­deu­tig fest­stell­bar. Die zu­neh­men­de Trans­pa­renz und Wär­me ist mit Sing­le­coils noch we­sent­lich deut­li­cher wahr­zu­neh­men als mit Hum­bu­ckern. Die Klang­ver­än­de­rung bleibt da­bei de­zent und ist kei­nes­falls stö­rend. So­mit stimmt auch die Be­haup­tung, dass der Spe­cial Re­quest den Klang we­der grel­ler noch har­scher macht. Der Gre­er-boos­ter hält sich im Hö­hen­be­reich an­ge­nehm zu­rück. Be­son­ders in­ter­es­sant an dem Spe­cial Re- quest ist zu­dem, dass er ei­nen in­ter­nen Span­nungs­ver­dopp­ler hat, der die 9 Volt auf 18 Volt hoch­trans­for­miert. Da­durch ist die Schal­tung sta­bil ge­nug, um nicht nur vor dem Ver­stär­ker son­dern auch im Ein­schleif­weg ei­nes Ver­stär­kers als So­lo-boost zu die­nen. Zu­ge­ge­ben, trotz der mar­ki­gen An­kün­di­gung, die mich erst ein­mal skep­tisch ge­macht hat, muss man dem Spe­cial Re­quest ei­ne tol­le Leis­tung at­tes­tie­ren. Wenn man sich erst mal an die Klan­g­op­ti­mie­rung des Boos­ters ge­wöhnt hat, will man ihn ei­gent­lich gar nicht mehr aus­schal­ten.

schwie­ger­mut­ters lieb­ling

Der Lightspeed ist Geer Amps Spe­zia­list für Low-gain-over­dri­ve-sounds. Sein Klang­spek­trum be­ginnt bei ei­nem leich­ten Boost. Wenn der Dri­ve-po­ti et­wa ein Drit­tel auf­ge­dreht wird, rei­chert er den Sound mit den ers­ten fei­nen Ver­zer­run­gen an. Ich scheue mich fast hier den Be­griff „Schmutz“zu

ver­wen­den, den man sonst ger­ne be­nutzt, um zu be­schrei­ben, dass ein kris­tall­kla­rer Sound ers­te leich­te Ver­zer­run­gen be­kommt. Denn die Ver­zer­rung des Lightspeed ist so fein und sau­ber, dass man das wohl kaum so be­zeich­nen kann. Sa­gen wir ein­fach, der Lightspeed macht den Klang le­ben­di­ger. Bei hö­he­ren GainSet­tings wird der Sound sat­ter und run­der, bleibt aber im­mer trans­pa­rent und of­fen. Wer ei­nen Over­dri­ve für ei­nen vol­len und fet­ten Zerr-sound sucht, muss sich an­der­wei­tig ori­en­tie­ren. Das kann und will der Lightspeed nicht. Selbst bei den Hum­bu­ckern ei­ner Les Paul bleibt der Lightspeed an­ge­nehm zu­rück­hal­tend und wird nie rot­zig frech. Der Ton­reg­ler agiert de­zent und un­auf­fäl­lig. Auch ihm sind Ex­tre­me fremd. Die An­pas­sung an un­ter­schied­li­che Se­tups be­kommt man da­mit pri­ma in den Griff und Fehl­be­die­nun­gen sind aus­ge­schlos­sen. Ei­nen schlech­ten Sound kann man dem Lightspeed nicht ent­lo­cken. Was für ein freund­li­cher Bur­sche!

sou­thern sound

Der South­land teilt sich die Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten mit sei­nem blau­en Bru­der – lie­fert aber deut­lich mehr Gain. Die Ähn­lich­keit im Klang­cha­rak­ter der bei­den ließ mich nicht in Ru­he, so­dass ich mir noch ein­mal das In­nen­le­ben ge­nau­er an­schau­te. Und tat­säch­lich, der Lightspeed und der South­land nut­zen die glei­che Pla­ti­ne. Dem South­land wur­den al­ler­dings ein TL072 IC statt des OPA2134 so­wie zu­sätz­li­che zwei Di­oden spen­diert. Än­de­run­gen, die wohl maß­geb­lich für das hö­he­re Zerr­po­ten­ti­al ver­ant­wort­lich sind. Auch der South­land kann als Boos­ter ge­nutzt wer­den, wenn der Dri­vepo­ti zu­ge­dreht bleibt. Aber sehr schnell bie­tet er beim Öff­nen des Reg­lers fei­ne Crunch­Sounds, die sich kon­ti­nu­ier­lich bis in den Be­reich voll­mun­dig-run­der Ver­zer­run­gen im Mid-gain-be­reich stei­gern las­sen. Das Gain-po­ten­ti­al reicht durch­aus schon für ein ro­cki­ges So­lo. Aber auch hier gilt: fett und rot­zig geht nicht. Der South­land bleibt auch bei vol­ler Ver­zer­rung fein und schlank. Sehr über­zeu­gend ist sei­ne Dy­na­mik. Mit der ent­spre­chen­den Kon­trol­le des An­schlags kann man schon ei­ne er­staun­li­che Band­brei­te von Ver­zer­run­gen ab­ru­fen. Nimmt man noch das Vo­lu­me-po­ti der Gi­tar­re da­zu – auf das das Pe­dal gut re­agiert – deckt man pro­blem­los vom fast clea­nen Rhyth­mus über chrun­chi­gen Over­dri­ve bis zum ver­zerr­ten So­lo al­les mit dem South­land ab. Da das Pe­dal auch in Ex­trem­stel­lun­gen des Ton­reg­lers kei­ne Fre­quen­zen über­mä­ßig be­tont, sei es al­len emp­foh­len, die der „Mit­ten­nöck" der Tu­be-screa­mer-fa­mi­lie stört. Es ist durch­aus für ver­gleich­ba­re Auf­ga­ben­be­reich ein­setz­bar, aber eben to­nal sehr viel de­zen­ter, of­fe­ner und trans­pa­ren­ter.

al­ter­na­ti­ven

Der Spe­cial Re­quest hat na­tür­lich schon je­de Men­ge Kon­kur­renz. In der Mas­se der FET- Boos­ter fal­len mir z. B. spon­tan der Elek­tro Boos­ter von Ori­on oder der Vahl­bruch Boos­ter ein – zwei deut­sche Pro­duk­te, die mich ähn­lich be­geis­tert ha­ben. Der Lightspeed muss sich eben­falls ei­ner gan­zen Men­ge von Low-Gain- Over­dri­ve- Pe­da­len stel­len. Ein di­rek­ter Ver­gleich mit dem Mar­shall Blues­brea­ker MKI er­gab aber, dass der Ame­ri­ka­ner noch fei­ner und trans­pa­ren­ter auf­löst als der Bri­te. Auch für den South­land fin­de ich kei­nen di­rek­ten Kon­kur­ren­ten. Der ele­gan­te Sound des Süd­staat­lers ist weit ent­fernt von der mit­ten­be­ton­ten Tu­be­screa­mer- Ge­mein­de oder den rau­en rot­zi­gen Ver­tre­tern, die ei­nen Mar­shall JMP/ JCM- Sound zum Vor­bild ha­ben. Bei der Su­che nach Al­ter­na­ti­ven zeigt sich deut­lich, dass das Ver- kle­ben der Bau­tei­le wohl schon sei­ne Be­rech­ti­gung hat. Denn der Klang der Gre­er-Amps- Pe­da­le ist durch­aus ei­gen­stän­dig.

re­sü­mee

Auch wenn die drei Pro­ban­den si­cher nicht dem über­zo­ge­nen An­spruch ge­nü­gen, die bes­ten Pe­da­le zu sein, die man be­kom­men kön­ne, ge­hö­ren sie zwei­fels­oh­ne zu den Gu­ten. Der Spe­cial Re­quest ver­rich­tet sei­nen Boos­ter-di­enst oh­ne Fehl und Ta­del. In ge­rin­gen Gain-set­tings ist er ein uni­ver­sel­ler Klang­ver­bes­se­rer, der ins­be­son­de­re Singlecoil-sounds mit Wär­me und Trans­pa­renz an­rei­chern kann. Er hat aber auch ge­nug Re­ser­ven, um ei­ner schlap­pen Vor­stu­fe auf die Bei­ne zu hel­fen. Der Lightspeed wird mit sei­nem of­fe­nen und trans­pa­ren­ten Sound si­cher Freun­de fin­den, die mit ihm Blues, Coun­try oder Sou­thern Rock spie­len wol­len. Der South­land kann sei­nen Kol­le­gen naht­los ab­lö­sen, wenn mehr Ver­zer­rung ge­fragt ist. Den fei­nen Cha­rak­ter sei­nes Bru­ders hat auch er in die Wie­ge ge­legt be­kom­men. So rus­ti­kal das Aus­se­hen der bei­den Ver­zer­rer ist, so aus­ge­zeich­net ist der Sound. Gre­er Amps ist üb­ri­gens so über­zeugt von der Qua­li­tät sei­ner Pe­da­le, dass ei­ne le­bens­lan­ge Ga­ran­tie für den Erst­be­sit­zer ge­währt wird. Preis­lich ge­hen die drei Pe­da­le da­her ge­ra­de noch in Ord­nung. n

Der Boos­ter ist ein ech­ter Gold­jun­ge.

Low-gain-over­dri­ve mit Blue(s)-at­ti­tü­de

Or­dent­li­che Ver­ar­bei­tung mit je­der Men­ge Heiß­kle­ber

„Sweet Ho­me Geor­gia" - der South­land passt pri­ma für Sou­thern Rock.

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