Vi­nyl

MU­SIK PRO­DUK­TI­ON SCHWARZ­WALD

Gitarre & Bass - - Inhalt -

• TEDESCHI TRUCKS BAND: LI­VE FROM THE FOX OAKLAND. Die­se Band ist ei­ne Par­ty! Li­ve auf­ge­nom­men am 9. Sep­tem­ber 2016, kann man das 12-köp­fi­ge Un­ter­neh­men von Sän­ge­rin/ Gi­tar­ris­tin Su­san Tedeschi und Gi­tar­rist und Sli­de-zau­be­rer De­rek Trucks jetzt ein wei­te­res Mal ex­trem le­ben­dig aus der Kon­ser­ve ge­nie­ßen. Wäh­rend die vor ei­ni­gen Wo­chen er­schie­ne­ne 2Cd/dvd-ver­si­on auch ei­nen vi­su­el­len Ein­druck der groß­ar­ti­gen Li­ve-prä­senz die­ser For­ma­ti­on bot, kommt die jetzt er­schie­ne­ne ana­lo­ge Va­ri­an­te auf drei LPS im sehr schön ge­stal­te­ten Drei­fach-klapp-co­ver – in­klu­si­ve Download-gut­schein. Per­fekt! Zur Mu­sik: Tt-bu­si­ness as usu­al – im bes­ten Sin­ne. Ei­ni­ge schö­ne Co­ver-ver­sio­nen, u.a. von Leo­nard Co­hens ,Bird On The Wi­re‘, Bob­by Blands ,I Pi­ty the Fool‘, De­rek And The Do­mi­nos’ ,Keep On Gro­wing‘ (mit ei­nem im­po­san­ten De­re­kSo­lo-spot) lo­ckern das Re­per­toire auf, eben­so der Auf­tritt von Sar­od-vir­tuo­se Alam Khan. De­rek Trucks ist ein ge­bil­de­ter Mu­si­ker, und hat sich schon auf sei­nen frü­hen So­lo-al­ben mit in­di­scher Mu­sik, John Col­tra­ne, den Wur­zeln des Blues und al­lem da­zwi­schen be­fasst. Um es zu­sam­men­zu­füh­ren – denn sol­che Be­geg­nun­gen und Cross­over-ef­fek­te sind sein Ding, auch wenn die Tedeschi Trucks Band pri­mär zwi­schen Blues und Rock, Songs und So­li schwebt. Ei­ne gro­ße Be­rei­che­rung für die Mu­sik­sze­ne. lt • RO­BERT CRAY & HI RHYTHM. Dass Ro­bert Cray seit Jahr­zehn­ten ein Ga­rant für gut ge­mach­ten, sou­li­gen Blues ist, mit sehr ge­konn­ten Gi­tar­ren­bei­trä­gen, ist be­kannt. Hi Rhythm war in den 70er-jah­ren die Stu­dio-band von Wil­lie Mit­chells La­bel Hi Re­cor­ds; zu ihr ge­hör­ten die Brü­der Charles (org), Le­roy (b) und Ma­bon Hod­ges (g), plus die Drum­mer Ho­ward Gri­mes und Al Jack­son. Ro­bert Cray hat sich jetzt mit den Über­le­ben­den in Mit­chells Roy­al Re­cor­ding Stu­dio in Memphis ge­trof­fen und ein neu­es Al­bum auf­ge­nom­men. Ein neu­es Al­bum mit al­ter Mu­sik, groo­vend, rau, ir­gend­wie ro­ckend oder bes­ser: rol­lend. Je­den­falls ei­ne sehr run­de Sa­che, denn Ro­bert Cray passt per­fekt in die­se Um­ge­bung. Der war­me Sound die­ser Plat­te eben­so, und so ist die­ses viel­leicht jam­migs­te al­ler Ro­bert-cray-al­ben ei­ne ge­lun­ge­ne An­ge­le­gen­heit. Macht Spaß. lt • SIKTH: THE FU­TURE IN WHOSE EYES? 180-Gramm-lp, Download-gut­schein, und ein Sound, der nichts für sen­si­ble Oh­ren ist. Ob das nun the fu­ture of Mo­dern Me­tal ist, weiß ich nicht – pro­gres­siv, ma­the­ma­tisch, hym­nisch, hard­core mo­nu­men­ta­lis­tisch und ex­trem in­tel­li­gent ge­macht ist die Mu­sik von Sikth auf je­den Fall. Das drit­te Al­bum in der 17jäh­ri­gen Band-his­to­rie – da ha­ben die En­g­län­der sich an­schei­nend für man­che Tas­se Tee Zeit ge­las­sen. Zu­letzt wa­ren Sikth üb­ri­gens mit Pe­ri­phe­ry und Tri­vi­um auf Tour – das passt schon, vom Här­te­grad. Dream Thea­ter sind Ku­schel­rock. lt • ANA_THEMA: THE OPTIMIST. Ana­the­ma geht auch oh­ne Un­ter­strich, ha­be ich eben ge­le­sen. Aus ih­rer frü­he­ren DoomMe­tal-ge­mein­de, in der 1990 al­les an­fing, wur­den sie ganz si­cher schon vor lan­ger Zeit ex­kom­mu­ni­ziert. Heu­te sind die Li­ver­poo­ler ei­ne harm­lo­se Pro­gres­si­ve-folk-pop-band für ehe­ma­li­ge Tep­pich­ta­schen­trä­ger, die ih­nen so­gar ab­neh­men, „Am­bi­ent“und/oder „Al­ter­na­ti­ve“zu sein. Die­se in­halt­lich er­schre­ckend harm­lo­se Dop­pel-lp kommt im Fol­dout-co­ver und mit Download-gut­schein. lt n Das le­gen­dä­re deut­sche La­bel MPS RE­COR­DS ver­öf­fent­licht ei­nen wei­te­ren Satz phy­si­scher Re-is­su­es sei­ner groß­ar­ti­gen Pro­duk­tio­nen aus den 1960er- und 70er-jah­ren. Auf 180g Vi­nyl (und auch auf CD) er­schei­nen fol­gen­de Klas­si­ker neu:

+++ BA­DEN POWELL: TRISTEZA ON GUI­TAR wur­de 1966 auf­ge­nom­men, in ei­ner Zeit, als La­tin & Jazz die Fin­ger nicht von­ein­an­der las­sen konn­ten. Die­ser Al­bum-klas­si­ker hat im­mer noch ei­nen gro­ßen Vor­teil ge­gen­über vie­len selbst­ver­lieb­ten Sam­baSül­ze-schei­ben: Gi­tar­rist Ba­den Powell und sei­ne in ver­schie­de­nen Kom­bi­na­tio­nen ein­ge­setz­te Be­glei­ter Ser­gio (b), Mil­ton Bana­na (dr), Co­pinha (flu­te), Amau­ri Co­el­ho & Al­f­re­do Bes­sa (perc) ha­ben ei­ne gan­ze Pa­let­te an Sounds und Ar­ran­ge­ment-far­ben im Ge­päck, spie­len manch­mal er­fri­schend an­ge­raut und se­hen in Bach und Bos­sa kei­ne un­ver­ein­ba­ren Ge­gen­sät­ze. Pro­du­ziert hat die­ses Al­bum der le­gen­dä­re Ra­dio-jour­na­list und Buch-au­tor Joa­chim-ernst Be­rendt, und der Mann hat uns ein hal­bes Jahr­hun­dert lang den Jazz und an­de­re Mu­sik der Welt na­he­ge­bracht wie kein an­de­rer. Für mich (als pa­tho­lo­gi­schen La­tin-all­er­gi­ker) ist Ba­den Po­wells ,Tristeza On Gui­tar‘ ein sehr er­freu­li­ches Er­leb­nis. +++ JOE HENDERSON:

MIRROR MIRROR. Lei­der ist die­ser gro­ße Te­nor­sa­xo­pho­nist schon 2001 ver­stor­ben, ein Mu­si­ker, der die li­nea­re, hym­ni­sche Hy­per­ak­ti­vi­tät John Col­tra­nes mit et­was Ben-webs­ter-wär­me auf dem Bo­den hielt und so ei­nen ganz ei­ge­nen Hard­bop-an­satz schuf. Mit Chick Co­rea (p), Bil­ly Higg­ins (dr) und dem wun­der­ba­ren Ron Car­ter am Kon­tra­bass ist in die­ser Auf­nah­me von 1980 ei­ne groß­ar­tig be­setz­te Band am Start, mit der man u.a. in ,What’s New‘ ein ech­tes High­light er­le­ben kann. Zeit­los swin­gen­der, bop­pen­der Jazz.

+++ Auf ALPHONZE MOUZON: IN SEARCH OF A DREAM ist ech­ter Jazz-rock zu hö­ren, aus den bes­ten Jah­ren des Gen­res. Denn 1977, als die­ses Al­bum ent­stand, be­strahl­ten noch Mi­les Da­vis’ ,Bit­ches Br­ew‘, To­ny Wil­li­ams’ Band Li­fe­time mit John Mclaugh­lin, Jack Bru­ce und Lar­ry Young, Wea­ther Re­port und Bil­ly Cob­ham die elek­tri­sche Jazz-sze­ne. Meis­terDrum­mer Alp­hon­se Mouzon ist auf die­sem Al­bum mit dem bel­gi­schen Gi­tar­ris­ten Phi­lip Ca­the­ri­ne, dem deut­schen Pia­nis­ten Joa­chim Kühn, dem tsche­chi­schen Bas­sis­ten Mi­ros­lav Vi­tous und den bei­den Ame­ri­ka­nern Stu Gold­berg (kb) und Bob Ma­lik (ts) zu hö­ren. Die Her­ren ro­cken! +++ Und noch ein Gip­fel­tref­fen, das al­ler­dings schon 1968/69 und auf ganz an­de­re Art statt­fand: Denn der le­gen­dä­re Frank­fur­ter Po­sau­nist Al­bert Man­gels­dorff hat­te di­ver­se hoch­ka­rä­ti­ge Kol­le­gen zum Du­ett ein­ge­la­den. Und was Far­be, Ab­wechs­lung, Über­ra­schungs­po­ten­zi­al, In­ter­ak­ti­on und Jazz-er­wei­te­rung an­geht, ge­hört

AL­BERT MAN­GELS­DORFF AND HIS FRI­ENDS für mich schon lan­ge zum bes­ten, was die deut­sche Jazz-sze­ne her­vor­ge­bracht hat. Dass es die Plat­te nach der Cd-wie­der­ver­öf­fent­li­chung jetzt end­lich auch wie­der auf dem ori­gi­nä­ren Me­di­um Vi­nyl gibt, ist noch schö­ner. Die Auf­nah­men von Man­gels­dorff mit den Kol­le­gen Don Cher­ry (tp), El­vin Jo­nes (dr), Karl Ber­ger (vi­bes), At­ti­la Zol­ler (g), Lee Ko­nitz (sax) und Wolf­gang Dau­ner (p) ent­stan­den über ei­nen Zei­t­raum von 18 Mo­na­ten. Wer sich für die Mu­sik die­ses ei­gen­wil­li­gen Po­sau­nis­ten in­ter­es­siert, der üb­ri­gens als Gi­tar­rist star­te­te, fin­det hier das Mit­tel­stück, zwi­schen sei­nen So­lo-auf­nah­men (u.a. ,Trom­birds‘ 1972, ,Trom­bone­li­ness‘ 1976) und dem le­gen­dä­ren Trio mit E-bas­sist Ja­co Pas­to­ri­us und Drum­mer Alp­hon­se Mouzon (,Tri­lo­gue, Li­ve At The Ber­lin Jazz Days‘ 1976). Ent­de­cken! lt n

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