Hagstrom Fan­to­men, E-gi­tar­re

Ghost sind ein wah­res Phä­no­men der Rock- und Me­tal- Sze­ne. Kaum ei­ne an­de­re Band hat es in den letz­ten Jah­ren ge­schafft, sich in so kur­zer Zeit, ein sol­ches Image auf­zu­bau­en. Da wur­de es drin­gend Zeit, dass die , Na­me­l­ess Ghouls‘ hin­ter dem Sän­ger Pa­pa Em

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Chris­ti­an Braunschmidt FO­TOS Die­ter Stork

Die Fan­to­men (schwe­disch für Phan­tom) kommt nun al­so vom eben­falls aus Schwe­den stam­men­den Tra­di­ti­ons­her­stel­ler Hagstrom und ori­en­tiert sich op­tisch an den von Ghost jah­re­lang ge­spiel­ten Gib­son-rd-mo­del­len aus den spä­ten 70er-jah­ren. Doch zu­rück zu un­se­ren Hagstrom-bret­tern: die Fan­to­men kommt in drei Ver­sio­nen, die sich aber aus­schließ­lich in der Far­be un­ter­schei­den.

gi­gan­tisch gross

Als Fan gro­ßer Gi­tar­ren lässt mich schon der gi­gan­ti­sche Kar­ton, den mein stets gut ge­laun­ter UPS-MANN mir hier die Trep­pe hin­auf­wuch­tet, ei­ni­ges er­hof­fen. Beim Aus­pa­cken dann die schö­ne Ge­wiss­heit: Hagstrom macht mit der Fan­to­men kei­ne Ge­fan­ge­nen – die­ses Teil ist ein­fach ei­ne Rie­sen­gi­tar­re. In ih­rer Sil­hou­et­te ganz klar an Gib­sons RD Mo­del ori­en­tiert, zeigt sich die Fan­to­men so­gar noch ei­ne Idee grö­ßer und tat­säch­lich ein we­nig asym­me­tri­scher. Der nur 3,5 cm star­ke Kor­pus ist kom­plett aus Ma­ha­go­ni ge­fer­tigt und of­fen­sicht­lich nicht ge­cham­bert – es sei an die­ser Stel­le be­reits ge­sagt, dass die Fan­to­men mit ih­ren knapp 4 kg kein Leicht­ge­wicht ist. Der ein­ge­leim­te Hals ist eben­falls voll­stän­dig aus Ma­ha­go­ni und mit dem von Hagstrom pa­ten­tier­ten H-ex­pan­der-truss­rod aus Alu­mi­ni­um aus­ge­stat­tet. Hier­bei han­delt es sich um ei­nen ziem­lich mas­siv ge­fer­tig­ten Hals­stab, wel­cher über die ge­sam­te Län­ge gleich­mä­ßig ar­bei­ten und dem Hals da­durch zu mehr Steif­heit ver­hel­fen soll. Schaut man sich die Fo­tos ei­nes sol­chen Truss­rods auf der Hagstrom-web­site ein­mal an, liegt die Ver­mu­tung, dass ei­ne solch mas­si­ve Kon­struk­ti­on die­ses Ver­spre­chen hält, je­den­falls recht na­he. Wenn wir ge­ra­de schon über die Be­son­der­hei­ten ei­ner Hags­tromGi­tar­re spre­chen: Was beim Griff­brett auf den ers­ten Blick wie Eben­holz aus­sieht, er­weist sich als das eben­falls von den Schwe­den pa­ten­tier­te Re­si­na­tor-woo­dMa­te­ri­al. Hier­bei han­delt es sich um ein

auf Holz- und Epo­xydharz ba­sie­ren­des, hoch­ver­dich­te­tes Ma­te­ri­al, wel­ches nicht nur be­son­ders steif ist, son­dern auch ei­nen be­son­ders gleich­mä­ßi­gen Ton oh­ne De­ad-spots för­dern soll. Hagstrom nutz­te die­ses Ma­te­ri­al im Üb­ri­gen schon im­mer, und hat sich nicht erst in Zei­ten von Cites auf die Su­che nach al­ter­na­ti­vem Griff­brett­ma­te­ri­al ge­macht. Sau­ber in das Griff­brett ein­ge­las­sen, fin­den wir ne­ben den Pe­arl-block-in­lays 22 Me­di­um-jum­bo-bün­de und auf dem Über­gang zur Kopf­plat­te ei­nen schwar­zen Tusq-sat­tel aus dem Hau­se Graph­tech. Das Hals­pro­fil wür­de ich mal als ein ge­sun­des D be­schrei­ben – nicht zu dick aber eben auch nicht zu dünn. Die ab­ge­win­kel­te Kopf­plat­te trägt sechs ver­sie­gel­te Mecha­ni­ken mit hüb­schen Art-de­co-ver­zie­run­gen an den Flü­geln. Die ge­sam­te Gi­tar­re, in­klu­si­ve der Kopf­plat­te, wird von ei­nem wei­ßen Mul­ti­ply-bin­ding ein­ge­fasst, was dem In­stru­ment ei­nen ed­len Touch ver­leiht. Eben­falls ist al­len drei Gi­tar­ren ge­mein, dass sie voll­stän­dig de­ckend la­ckiert (mit Aus­nah­me der Sun­burst-va­ri­an­te) und mit Klar­lack ver­se­hen sind. Ein we­nig ins Stau­nen kom­me ich dann doch bei den Ton­ab­neh­mern: Hier durf­te der schwe­di­sche Pick­up-gu­ru Jo­han Lund­gren sein Werk ver­rich­ten und ge­mein­sam mit den Gi­tar­ris­ten von Ghost zwei pas­sen­de Al­ni­co-hum­bu­cker für die Fan­to­men ent­wi­ckeln. Pro­du­ziert wer­den die­se eben­falls in Chi­na; an­ge­sichts des Prei­ses fin­de ich das aber ab­so­lut in Ord­nung. Bei der Schal­tung han­delt es sich grund­sätz­lich um das klas­si­sche Les-paul-lay­out – al­so je­weils ein Laut­stär­ke und ein To­ne-

Po­ti pro Ton­ab­neh­mer, wo­bei Letz­te­re mit ih­rer Push/ Pull- Funk­ti­on die Pick­ups je­weils split­ten kön­nen. Der Togg­le-switch sitzt in ge­wohn­ter Les-paul-style-po­si­ti­on und weißt den glei­chen, Art-dé­co-ähn­li­chen Look auf, wie die Mecha­ni­ken und die Po­ti­kap­pen. Al­les in al­lem muss man sa­gen, dass Hagstrom hier ei­ne wirk­lich tol­le Ver­ar­bei­tung und ei­ni­ge cle­ve­re De­tail-lö­sun­gen in ei­ner Preis­klas­se bie­tet, in der all das nun wirk­lich kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit ist.

ge­spens­tisch gut

Hach, ich freue mich, dass es ne­ben der Viel­zahl an wirk­lich klei­nen und hand­li­chen In­stru­men­ten auch mal ei­ne Gi­tar­re für so rich­tig gro­ße Men­schen gibt. Die Fan­to­men ist de­fi­ni­tiv nichts für klei­ne Gi­tar­ris­ten und sieht selbst bei den kos­tü­mier­ten Na­me­l­ess Ghouls von Ghost im­mer noch wuch­tig und groß aus. So­wohl im Sit­zen, als auch am Gurt macht

un­ser Tes­t­in­stru­ment ei­ne be­acht­lich gu­te Fi­gur; schön aus­ge­wo­gen, nicht zu kopf­las­tig und vor al­lem nicht zu weit nach links ver­scho­ben – in punc­to Be­spiel­bar­keit weiß die Fan­to­men zu be­geis­tern. Tro­cken ge­spielt fällt mir so­fort auf, wie bril­lant und sprit­zig die Gi­tar­re klingt; die Ober­tö­ne tre­ten deut­lich in den Vor­der­grund, oh­ne dass die Gi­tar­re klang­lich an Fun­da­ment ein­bü­ßen muss. Ge­mes­sen an ih­rem wuch­ti­gen Er­schei­nungs­bild, hat­te ich ei­nen et­was dunk­le­ren und mit­ti­ge­ren Ton er­war­tet – der dün­ne Kor­pus und die Hals/griff­brett-kon­struk­ti­on schei­nen sich hier aber deut­lich be­merk­bar zu ma­chen. Be­son­ders ge­spannt bin ich na­tür­lich auf die ver­bau­ten Ton­ab­neh­mer – schließ­lich kriegt man ein De­sign von Lund­gren nicht al­le Ta­ge in die Fin­ger. Ich per­sön­lich ken­ne nur den le­gen­dä­ren und für Meshug­gah ent­wi­ckel­ten M7 Hum­bu­cker, wel­cher mir we­gen sei­nem wirk­lich ei­ge­nen Cha­rak­ter im­mer gut ge­fal­len hat. Mal schau­en, wie es sich mit den Lund­gren-de­sign-pick­ups in un­se­rer Test­gi­tar­re ver­hält. An mei­nem Test- Com­bo stel­le ich mir ei­nen Cle­anSound ein, wel­cher recht aus­ge­wo­gen, mit leich­ter Be­to­nung in den Mit­ten da­her­kommt. Auf dem Hals-ton­ab­neh­mer ge­spielt, stau­ne ich zu­nächst, wie bril­lant und aus­ge­wo­gen der Ton der Fan­to­men ist – häu­fig emp­fin­de ich ge­ra­de et­was kräf­ti­ge­re Hum­bu­cker in die­ser Po­si­ti­on als zu dumpf. Nicht so bei un­se­rer Hagstrom, die mit ei­ner or- dent­li­chen Por­ti­on Bril­lanz und Strahl­kraft über­zeu­gen kann. Auch ge­split­tet macht der am Hals ver­bau­te No.2 Ton­ab­neh­mer ei­ne gu­te Fi­gur – klar, der Pe­gel fällt im Split deut­lich ab, aber der Ton bleibt den­noch nutz­bar. Der Steg-ton­ab­neh­mer geht da schon deut­lich kräf­ti­ger und ro­bus­ter zu Wer­ke; die Mit­ten wer­den merk­lich be­tont und das Hö­hen­spek­trum tritt mi­ni­mal zu­rück, ge­ra­de so, dass der Klang nicht zu schrill wird. Den­noch ha­ben wir ei­nen ag­gres­siv nach vor­ne pre­schen­den Ton, der mei­nem Ver­stär­ker auch in der Vor­stu­fe durch­aus zeigt, was Röh­renC­lip­ping be­deu­tet. Für den Over­dri­ve-test ha­be ich mir ei­nen fet­ten, mit­ten­be­ton­ten Hard-ro­ckSound ein­ge­stellt – im­mer­hin sind die Jungs von Ghost kei­ne Lei­se­tre­ter. Hier of­fen­bart sich dann auch die wah­re Stär­ke der Fan­to­men: der Ton kommt wirk­lich sehr schön saf­tig und kräf­tig da­her, oh­ne je­doch in ei­nem be­stimm­ten Fre­quenz­be­reich zu mat­schen oder in­dif­fe­rent zu klin­gen. Wo der No.2 Ton­ab­neh­mer am Hals zu sin­gen­den Le­ad-pas­sa­gen ver­führt, zwingt ei­nem der am Steg ver- bau­te No.5 Pick­up mit sei­nem mit­ti­gen Cha­rak­ter die za­cki­gen Rock- und Me­talRiffs nur so in die Fin­ger. Auch tie­fer ge­stimmt macht die Gi­tar­re ei­ne rich­tig gu­te Fi­gur. Hier ma­chen sich H-ex­pan­der und Re­si­na­tor-wood-griff­brett be­merk­bar, bzw. eben nicht, denn die Gi­tar­re nimmt Um- und Tie­fer­stim­men klag­los hin, oh­ne dass es nach Kor­rek­tur der Ein­stel­lung ver­langt. Die Split-sounds der Hum­bu­cker ge­fal­len vor al­lem im clea­nen Be­trieb. Ins­ge­samt bin ich von der tol­len klang­li­chen Viel­sei­tig­keit und Auf­lö­sung der Lund­gren-de­sign-ton­ab­neh­mer rund­um be­geis­tert. Der bril­lan­te Grund­cha­rak­ter der Fan­to­men wird schön er­hal­ten und um ei­ni­ge schö­ne klang­li­che Nuan­cen er­wei­tert – hier gibt es ab­so­lut nichts zu me

ckern.

al­ter­na­ti­ven

Der aus­schlag­ge­ben­de Fak­tor bei Hags­troms Fan­to­men dürf­te de­fi­ni­tiv der au­ßer­ge­wöhn­li­che Look und die Form sein. Al­ter­na­tiv da­zu wür­de mir zu­nächst die Hy­pe­ri­on – das Si­gna­tu­re-mo­dell von You Tu­ber Ryan „Fluff“Bru­ce – aus dem Hau­se Ba­le­guer Gui­tars ein­fal­len, die aber lei­der in Eu­ro­pa nicht so ein­fach zu be­kom­men ist. Auch über ei­ne Gib­son RD könn­te man nach­den­ken, wo­bei es hier schon deut­li­che Un­ter­schie­de in der Kon­struk­ti­on gibt. Zu gu­ter Letzt könn­te man die RD Ar­tist von East­wood in Be­tracht zie­hen.

re­sü­mee

Ich bin schluss­end­lich ziem­lich be­geis­tert von Hags­troms Fan­to­men Gi­tar­ren. Hier ha­ben wir ein sa­gen­haft gu­tes De­sign, gu­te Ver­ar­bei­tung, ei­nen tol­len Sound, ein In­stru­ment von an­stän­di­ger Grö­ße, in­no­va­ti­ve Fea­tu­res und wirk­lich gu­te Ton­ab­neh­mer von ei­nem der bes­ten Pick­up-de­si­gner der Welt zu ei­nem Preis, der ei­nen stau­nen lässt. Da kann man es so­gar ver­schmer­zen, dass es den pas­sen­den Kof­fer da­zu nur op­tio­nal (€ 149, Gig­bag € 89) gibt. Für Fans asym­me­tri­scher Kor­pus­for­men gibt es bei der Fan­to­men An­test­pflicht!

Schwar­ze Schön­heit: Die Fan­to­men im All-black-look

Auch in Sun­burst und Weiß durch­aus at­trak­tiv

Die gut klin­gen­den Lund­gren-de­si­gnTon­ab­neh­mer

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