Iba­nez AM200, E-gi­tar­re

Iba­nez AM200 In der Art­star- Pres­ti­ge- Rei­he ist die­ser ed­le schwarz­gol­de­ne Le­cker­bis­sen von Jazz­box ge­lis­tet. Die no­ble Se­rie aus ja­pa­ni­scher Pro­duk­ti­on ver­spricht „ Hol­low­bo­dies Of The Hig­hest Or­der“, das legt die Lat­te na­tür­lich hoch. Gleich wis­sen wir

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Franz Holt­mann

klei­ner bo­dy – groß­zü­gi­ge aus­stat­tung

Die AM200 ge­hört in die Ka­te­go­rie Se­miHol­low­bo­dy mit klei­nem Kor­pus. Das gibt dem Mo­dell et­was aus­ge­spro­chen Hand­li­ches, oh­ne dass ir­gend­wel­che Kom­pro­mis­se in spiel­tech­ni­scher Hin­sicht hin­zu­neh­men wä­ren. Der Kor­pus aus la­mi­nier­tem Ma­ha­go­ni wur­de mit sanf­ten Wöl­bun­gen in Form ge­presst, die Zar­gen- rän­der und f-lö­cher sind mit mul­ti­plen Bin­dings ef­fekt­voll ein­ge­fasst. Ein mas­si­ver Holz­block füllt durch­gän­gig die Kor­pus­mit­te, ist zu­dem per­fekt an die Wöl­bun­gen von De­cke und Bo­den an­ge­passt. Der in Hö­he des 19. Bun­des in den Kor­pus ein­ge­leim­te Hals aus Ma­ha­go­ni mit Art­star-am-hals­pro­fil trägt ein ein­ge­bun­de­nes Griff­brett mit 305-mm-ra­di­us aus Eben­holz mit 22 höchst sau­ber ver­run­de­ten und glanz­po­lier­ten Bün­den (Pres­ti­ge Fret Edge Tre­at­ment). Groß­zü­gig ge­stal­te­te Block-ein­la­gen aus Perl­mutt mar­kie­ren die La­gen. Die über ei­nen leich­ten Kra­gen her­aus­ge­führ­te, eben­falls ein­ge­bun­de­ne Kopf­plat­te von 14,8 mm Stär­ke ist mit prä­zi­se ar­bei­ten­den Mecha­ni­ken von Go­toh aus­ge­stat­tet. Zu­griff auf den Hals­stab gibt es eben­falls vom Kopf her. Die Sai­ten schwin­gen mit 628 mm Mens­ur­län­ge zwi­schen dem sau­ber ein­ge­rich­te­ten Kno­chen­sat­tel und der Go­toh 510BN Bridge (mo­der­ni­sier­ter TOM-TYP mit dop­pel­ter Jus­ta­ge­mög­lich­keit pro Sai­ten­rei­ter). Ge­kon­tert wer­den sie vom leicht­ge­wich­ti­gen Go­toh GE101A Tail­pie­ce aus Alu­mi­ni­um. Elek­tri­sches Po­ten­ti­al ver­schaf­fen der AM200 die in schwar­ze Rähm­chen mon­tier­ten Su­per-58-pick­ups, be­währ­te Hum­bu­cker mit Al­ni­co-ma­gne­ten, die auch in den Si­gna­tu­re-mo­del­len von Ge­or­ge Ben­son, Pat Me­the­ny und John Sco­field zu fin­den sind. Ne­ben dem üb­li­chen Drei­we­ge-togg­le mit klas­si­scher Pick­up-ver­schal­tung ste­hen für die Ton­ver­wal­tung in­di­vi­du­el­le Vo­lu­me-und To­ne-reg­ler zur Ver­fü­gung. Ein drei­la­gi­ges Pick­guard kom­plet­tiert die Aus­stat­tung. Die de­tail­ge­nau ver­ar­bei­te­te Gi­tar­re mit ih­rer von üp­pi­gen Bin­dings mar­kant be­ton­ten Sil­hou­et­te ist rund­um mit satt­schwar­zem Hoch­glanz­lack ver­sie­gelt, auf dem die gol­de­ne Hard­ware bes­tens zur Gel­tung kommt – ein rund­um stim­mi­ges De­sign!

tol­le spiel­ei­gen­schaf­ten – star­ke klang­po­tenz

Die AM200 ist mit ei­nem Satz .013er-sai­ten be­spannt und bei nied­rig ein­ge­stell­ter Sai­ten­la­ge voll­kom­men leicht und frei zu spie­len. Da­zu trägt ne­ben dem kom­for­ta­blen klei­nen Bo­dy na­tür­lich auch der recht schlan­ke, un­ge­mein hand­lich ge­stal­te­te Hals bei. Ein we­sent­li­cher Punkt in Sa­chen Spiel­frei­heit ist dann na­tür­lich in den recht of­fen ge­schnit­te­nen Cu­ta­ways zu fin­den. Die stel­len den ho­hen Griff­brett­be­reich bes­tens frei und ge­wäh­ren der lin­ken Hand da­mit per­fek­ten Zu­griff auf die­se oft­mals et­was schwer zu er­rei­chen­den letz­ten La­gen. Den ent­schei­den­den Kick gibt uns die klei­ne Gi­tar­re dann aber durch ih­re of­fen auf­leuch­ten­de Ton­ge­stalt. Ein akus­ti­sches Klang­ver­mö­gen, das auf den ers­ten An­schlag hin schon mit fri­scher Vi­ta­li­tät, viel Draht im Ton und har­fen­ähn­li­cher Ak­kord­auf­lö­sung an­tritt. Sehr schön er­gän­zen sich da­bei die Fre­quen­zen in ih­rem wohl ge­wich­te­ten Auf­bau – an­ge­fan­gen bei den klar kon­tu­rier­ten kom­pak­ten Bäs­sen, er­gänzt von den grif­fi­gen war­men Mit­ten und per­fek­tio­niert durch ein strah­lend freies Hö­hen­top. Das al­les er­scheint mit schö­ner Run­dung und aus-

ge­gli­che­nen Klang­far­ben – ei­ne ab­ge­klärt sou­ve­rä­ne Ton­sub­stanz, die dem Ma­ha­go­ni ge­schul­det ist. Ge­hen wir in den Amp, so er­wei­sen sich die Su­per-58-pick­ups als dem akus­ti­schen Kon­zept voll­kom­men an­ge­mes­se­ne Ton­wand­ler. Der Al­ni­co-hum­bu­cker am Hals stellt Ak­kor­de mit eher wei­chem Tim­bre und lo­bens­wert har­mo­ni­schem Aus­gleich her­aus. Die Stim­men pro­fi­tie­ren von der Prä­zi­si­on der Darstel­lung, er­schei­nen klar de­fi­niert, ver­schrän­ken sich aber ele­gant und ko­ope­ra­tiv mit ih­ren Nach­barn zu höchst grif­fi­gen Voi­cings. Das hat ei­ne Tie­fe und Ge­schmei­dig­keit, die sich na­tür­lich für Jazz-af­fi­ne Spiel­wei­sen un­ein­ge­schränkt emp­fiehlt und kann doch so viel mehr. Im Zerr­ka­nal des Amps er­weist sich denn auch die wohl­ge­setz­te Klang­staf­fe­lung mit gut ein­ge­grenz­ten Bäs­sen und war­men Mit­ten als bes­tens ge­eig­net für vo­kal ori­en­tier­tes So­lo­spiel. Schnell ge­spiel­te Li­ni­en er­hal­ten durch den her­aus­ge­stell­ten An­schlag mit net­tem Schnal­zen ei­ne fa­mo­se plas­ti­sche Kon­tur. Wech­seln wir auf den Steg-pick­up, so ent­schlei­ert sich der Him­mel voll­kom­men und mit of­fe­ner Prä­senz sprin­gen Ak­kor­de und Li­ni­en vom Griff­brett. Das hat sei­ne Qua­li­tä­ten bei klar ein­ge­stell­tem Ver­stär­ker, bie­tet uns mit mes­ser­schar­fem Attack Zu­griff auf al­les, was den Be­griff „fun­ky“ver­dient, lässt aber al­ter­na­tiv auch strah­lend of­fen glei­ten­de Ak­kor­de in die Welt. Mit löb­li­chem TonPo­ten­ti­al war­tet der Su­per 58 am Steg dann im Over­dri­ve auf. Auf den mar­kan­ten An­riss hin öff­net sich der Ton mit enor­mer Fes­tig­keit und vi­ta­lem Sustain. Reizt man den ge­hal­te­nen Ton aus, so stei­gen farb­sat­te Ober­tö­ne gen Him­mel und je­de spiel­tech­ni­sche Fi­nes­se wird plas­tisch und prä­zi­se nach­ge­zeich­net. Bei ab­ge­dämpf­ten Sai­ten las­sen sich per­kus­siv schnal­zen­de Mus­ter wun­der­bar plas­tisch dar­stel­len – stark! Mit dem To­neReg­ler sind im Üb­ri­gen ef­fek­tiv farb­li­che Ab­stu­fun­gen zu er­zie­len. Die Po­tis sind nicht nur für ih­re Grif­fig­keit zu lo­ben, sie bie­ten auch den ge­nau rich­ti­gen Wi­der­stand für den zu­grei­fen­den Fin­ger. Bei zu­sam­men­ge­schal­te­ten Pick­ups greift der Hum­bu­cker am Steg deut­lich stär­ker als der Hals-pick­up auf den Kom­bi­k­lang zu, ver­sorgt das et­was aus­ge­dünn­te, aber breit auf­ge­zo­ge­ne Ak­kord­am­bi­en­te mit viel of­fe­nem Perl­glanz und das ist tat­säch­lich ein sehr nütz­li­cher drit­ter Sound, der in al­len Be­triebs­ar­ten sei­nen be­son­de­ren Reiz zu ent­fal­ten ver­mag. Per­sön­lich wür­de ich mir den Vo­lu­meReg­ler für den Steg-pick­up vorn oben ne­ben dem Togg­le Switch wün­schen, um da­mit bes­ser ar­bei­ten zu kön­nen. Na­tür­lich ist das nicht sehr jaz­zy ge­dacht, aber so se­he ich die­ses In­stru­ment bei al­ler Jazz-kom­pe­tenz auch nicht. Da geht ja doch deut­lich mehr!

al­ter­na­ti­ven

Se­mi-acoustics mit ver­klei­ner­tem Kor­pus gibt es nicht so sehr vie­le am Markt. Na­tür­lich ist ganz vorn die Gib­son ES-339 zu nen­nen, von der es dann auch noch ein preis­güns­ti­ges Epi­pho­ne-pen­dant gibt. Kom­pe­ten­tes In­stru­ment mit al­ler­dings et­was en­ger ge­schnit­te­nen Cu­ta­ways, was je nach Hal­tung oder Spiel­tech­nik den Ak­ti­ons­ra­di­us im obe­ren Griff­brett­be­reich et­was ein­engt. Die Gretsch Stream­li­ner G2655 tritt eben­falls mit Sustain­block, aber of­fe­ner ge­stal­te­ten Cu­ta­ways an. Das In­stru­ment wird wohl eher mit Rock’n’roll und Ro­cka­bil­ly as­so­zi­iert, kann aber auch här­ter. Auf die­ser Li­nie liegt auch die Star­play­er TV Ful­ler­ton von Du­e­sen­berg. Leicht an Ge­wicht, aus­ge­stat­tet mit Hum­bu­cker/p90-mix, Tre­mo­la Tail­pie­ce und mit of­fe­nem Zu­gang zu den ho­hen Bün­den punk­tet auch die­ses Mo­dell mit klas­si­schem Rock-ap­peal.

re­sü­mee

Da hat Iba­nez nicht zu­viel ver­spro­chen: die AM200 ge­hört tat­säch­lich in die Li­ga der Jazz-gi­tar­ren un­ein­ge­schränkt ho­her Qua­li­tät. Das per­fekt ge­bau­te In­stru­ment ist leicht, hand­lich, spielt sich her­vor­ra­gend und ver­fügt über ei­nen in­te­gren Ton von ge­die­gen klas­si­scher Qua­li­tät. Der al­ler­dings will sich gar nicht un­be­dingt auf das Gen­re Jazz fest­le­gen las­sen und eig­net sich durch­aus auch für al­les was rockt und rollt. Die Ma­ha­go­ni­kon­struk­ti­on sorgt für ein run­des Tonpo­ten­ti­al, das sei­ne Kom­pe­tenz aus per­kus­siv de­fi­nier­tem An­schlags­ver­hal­ten, ge­sun- der Ton­län­ge und plas­ti­schem Aus­drucks­ver­mö­gen be­zieht. Dass sie dann auch noch mit die­sem coo­len Look an­tritt, macht die Sa­che mit der Ei­n­ord­nung eher leich­ter. Wer ei­ne Gi­tar­re mit per­kus­si­vem An­schlags­ver­hal­ten und fle­xi­bel aus­leg­ba­rem Ton sucht, der soll­te die AM200 un­be­dingt ei­nem per­sön­li­chen Test un­ter­zie­hen.

FO­TOS Die­ter Stork

Star­ke Su­per-58-hum­bu­cker

Bun­die­rung mit Fret Edge Tre­at­ment

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