Ca­pa­ri­son Bro­cken FX-WM, E-gi­tar­re

Ca­pa­ri­son Bro­cken FX-WM Es gab mal ei­ne Zeit, da war Ca­pa­ri­son die Mar­ke der St­un­de. Zu­min­dest in der Me­tal­co­reund De­ath- Me­tal- Sze­ne war die flos­sen­ar­ti­ge Kopf­plat­te zu Be­ginn des neu­en Jahr­tau­sends nicht mehr weg­zu­den­ken. Doch seit dem ist ei­ni­ges pas

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Chris­ti­an Braunschmidt

Soil­work, Kills­witch En­ga­ge, Arch Ene­my oder auch The Haun­ted wa­ren da­mals im En­dor­ser- Ros­ter des Edel­her­stel­lers. Nach­dem die Mar­ke 2011 ver­kauft wur­de, be­gann es, et­was stil­ler um den Über­flie­ger aus Ja­pan zu wer­den. Nach ei­nem Mar­ken-re­launch und ei­ner de­zen­ten Über­ar­bei­tung der Pro­dukt­li­nie, sind Ca­pa­ri­son nun seit ei­ni­gen Jah­ren wie­der am Start. Da­bei ha­ben wir es nach wie vor mit ab­so­lu­ter Top-qua­li­tät, Ma­de in Ja­pan zu­tun – wo­bei es mit der C2Se­rie mitt­ler­wei­le auch Gi­tar­ren für den et­was schma­ler be­mes­se­nen Geld­beu­tel gibt. Zum Test liegt uns nun das Mo­dell Bro­cken aus der re­gu­lä­ren Pro­dukt­rei­he vor, wel­ches mit ver­län­ger­ter Men­sur und sa­ge und schrei­be 27 Bün­den schon mal für Stau­nen sorgt.

rich­tig lan­ger hals

Ja, da ha­be ich nicht schlecht ge­staunt, als mich un­se­re Re­dak­ti­on frag­te, ob ich ei­ne Ca­pa­ri­son tes­ten möch­te. Schließ­lich ist es schon ei­ni­ge Jah­re her, dass ich ei­ne sol­che Gi­tar­re spie­len durf­te und kurz da­vor war, mich mas­siv zu ver­schul­den, um mir ein sol­ches Traum­in­stru­ment leis­ten zu kön­nen. Das stren­ge Ge­sicht Pe­ter Zwe­gerts – je­ner Ta­ge be­kannt aus Funk und Fern­se­hen – war dann aber doch zu furcht­ein­flö­ßend und so ver­ließ ich das Mu­sik­ge­schäft mit lee­ren Hän­den. Um so grö­ßer mei­ne Freu­de, wie­der ei­ne Ca­pa­ri­son in den Hän­den hal­ten zu dür­fen – schon beim Aus­pa­cken des Tes­t­in­stru­men­tes war ich auf­ge­regt wie ein klei­ner Bub an Hei­lig­abend. Der wirk­lich so­li­de Kof­fer und das hüb­sche Echt­heits­zer­ti­fi­kat stei­ger­ten mei­ne Er­war­tun­gen, die aber um ein viel­fa­ches über­trof­fen wer­den soll­ten – was soll ich groß drum­rum re­den? Die­se Gi­tar­re ist ein Er­leb­nis auf vie­ler­lei Ebe­nen. Da wä­re zu­nächst ein­mal der wun­der­hüb­sche Kor­pus, wel­cher aus zwei auf­ein­an­der ge­leim­ten Tei­len aus Ma­ha­go­ni (Rück­sei­te) und Walnuss (Vor­der­sei­te) be­steht. Da­bei ist die Ma­se- rung des Hol­zes deut­lich spür­bar, da der Kor­pus nur von ei­ner hauch­dün­nen Lack­schicht über­zo­gen ist. Der trans­pa­rent-schwarz­brau­ne Farb­ton gibt dem In­stru­ment ei­nen de­zent-ed­len Look, der sei­ne Schön­heit erst auf den zwei­ten Blick preis­gibt. Di­rekt in das Holz ein­ge­las­sen sind zwei Ca­pa­ri­son-hum­bu­cker, wel­che ex­klu­siv von Go­toh ge­fer­tigt wer­den. Für ei­ne et­was mar­kan­te Op­tik und ein in­ter­es­san­tes Klang­bild sorgt auf je­den Fall der – ganz im Geis­te der 80erSu­per-strat – schräg ein­ge­bau­te Hal­sTon­ab­neh­mer, wel­cher auf den ho­hen Sai­ten et­was in Rich­tung Brü­cke ge­neigt ist. Eben­falls vom ja­pa­ni­schen Hard­wareRie­sen kommt die schlich­te aber sehr gut aus­se­hen­de Fi­xed-bridge, wel­che ei­nen be­son­ders wei­ten Spiel­raum für die ein­zel­nen Sai­ten­rei­ter auf­weist. Ge­ra­de im Hin­blick auf die Ba­ri­to­ne-men­sur und die di­cken Sai­ten ist die­se Maß­nah­me zur Ein­stel­lung der In­to­na­ti­on sehr sinn­voll – all­zu­oft ma­chen ei­nem die fet­ten Dräh­te das Le­ben in die­ser Hin­sicht schwer.

Auch im Ma­schi­nen­raum der Bro­cken fin­det sich lie­be­volls­te De­tail-ar­beit. Das E-fach ist kom­plett mit ei­ner dün­nen Schicht Gra­phit-lack zur Ab­schir­mung ver­se­hen und der De­ckel auf der Rück­sei­te ist aus Alu­mi­ni­um ge­ar­bei­tet. Ne­ben dem un­glaub­lich hoch­wer­ti­gen Schal­ler Me­ga Switch wur­de ein schön rund lau­fen­des Vo­lu­me-po­ti von CTS ver­baut und auch sonst wur­de an hoch­wer­ti­gen Bau­tei­len im In­nen­le­ben nicht ge­spart. Tief in den Kor­pus ein­ge­las­sen und mit vier Schrau­ben be­fes­tigt fin­den wir ei­nen über­ra­schend mas­si­ven Ahorn­Hals mit ste­hen­den Jah­res­rin­gen – kei­ne Angst, mit ei­nem Prü­gel wie bei ei­ner 50er-jah­re-te­le ha­ben wir es hier frei­lich nicht zu tun. Zu­guns­ten der Bie­ge­steif­heit wur­de der Hals mit zwei Ti­t­anStä­ben ver­stärkt, was bei ei­ner solch lan­gen Men­sur si­cher sinn­voll sein dürf­te. Das schwar­ze Griff­brett – wel­ches kei­ner­lei In­lays hat – trägt 27 sau­ber ein­ge­las­se­ne Jum­bo-bün­de de­ren En­den mit ei­nem wei­ßen Bin­ding ver­sie­gelt sind. Was mir aus­ge­spro­chen gut ge­fällt, ist, dass trotz des lan­gen Hal­ses und der vie­len Bün­de das ge­sam­te In­stru­ment op­tisch voll­kom­men wohl­pro­por­tio­niert wirkt – ge­ra­de bei Ba­ri­to­ne-gi­tar­ren kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die mit ei­nem schwar­zen Struk­tur­lack be­schich­te­te 2:4 Kopf­plat­te mit der mar­kan­ten Form trägt sechs Lo­cking-mecha­ni­ken, wel­che eben­falls von Go­toh kom­men und wun­der­bar sah­nig lau­fen. Al­les in al­lem kann man mit Fug und Recht fest­stel­len, dass die Ca­pa­ri­son Bro­cken ein Pa­ra­de­bei­spiel für ja­pa­ni­sche Wert­ar­beit ist – sowas ha­be ich bis da­to sel­ten ge­se­hen!

fet­ter klang­bro­cken

Ich stau­ne nicht schlecht, als das Stimm­ge­rät auf der tiefs­ten Sai­te ein A an­zeigt: die Gi­tar­re wur­de im Drop-a Tu­ning aus­ge­lie­fert – das will schon ein biss­chen was hei­ßen. Noch mehr stau­ne ich, als sich, be­reits tro­cken ge­spielt, ein so mas­si­ver und wuch­ti­ger Ton ent­fal­tet, dass es mich zu­nächst et­was sprach­los macht. Al­so hek­tisch mei­ne Ba­ri-

Die ab Werk in­stal­lier­ten Ro­to­sound Sai­ten las­sen sich ganz be­quem bis zum tie­fen A her­un­ter­stim­men.

to­ne-tele­cas­ter aus dem Ca­se ge­holt und als Re­fe­renz-gi­tar­re hin­zu­ge­zo­gen. Hät­te ich wohl bes­ser ge­las­sen – ge­gen un­se­re Test-gi­tar­re sieht mei­ne Me­xi­co-te­le we­nig Land. Aber al­les der Rei­he nach. Das Klang­bild der Ca­pa­ri­son Bro­cken ist schon akus­tisch ge­spielt in­so­fern be­ein­dru­ckend, als dass wirk­lich kein Fre­quenz­be­reich un­ter­be­lich­tet zu sein scheint. Ich ha­be ir­gend­wie das Ge­fühl, dass von al­lem viel da ist und es trotz­dem – be­son­ders auf den tie­fen Sai­ten – kei­nen un­schö­nen Klang-matsch gibt. Da­bei war es so­gar mög­lich, die Gi­tar­re auf Drop-g zu stim­men – et­was, das ich bis jetzt nur mit sehr we­ni­gen Ba­ri­to­ne-gi­tar­ren pro­blem­los be­werk­stel­li­gen konn­te. Das Sustain wür­de ich als kern­ge­sund be­zeich­nen: der Ton schwingt schön kraft­voll und gleich­mä­ßig aus, oh­ne im Ober­ton­be­reich an Strahl­kraft zu ver­lie­ren. Im Vor­feld war ich of­fen ge­stan­den et­was skep­tisch ob der 27 Bün­de und der lan­gen Men­sur; oft hat man ja bei solch lan­gen Häl­sen das Ge­fühl, die Gi­tar­re et­was nach links ver­scho­ben zu be­spie­len. Ca­pa­ri­son ha­ben die­ses Pro­blem in­so­fern cle­ver ge­löst, als dass der Hals sehr weit in den Kor­pus ragt, wo­durch die Be­spiel­bar­keit er­staun­lich na­he an die ei­ner Gi­tar­re mit Stan­dard-men­sur an­ge­gli­chen wird. Das lang­ge­zo­ge­ne obe­re Kor­pus­horn und der leicht asym­me­trisch ver­scho­be­ne Kor­pus be­güns­ti­gen die gu­te Hand­ha­bung der Gi­tar­re zu­sätz­lich. So spielt sich die Bro­cken er­staun­lich nor­mal und der lan­ge

Hals min­dert den Spiel­kom­fort in keins­ter Wei­se. Nun aber zum Mo­ment der Wahr­heit – schließ­lich muss sich un­ser Tes­t­in­stru­ment auch am Ver­stär­ker be­haup­ten. Nun lä­ge ja die Ver­mu­tung na­he, dass wir es hier mit ei­ner rich­ti­gen Me­tal-keu­le und Su­per-high-out­put-pick­ups zu tun ha­ben – die Bro­cken ist tat­säch­lich von gänz­lich an­de­rem Ge­prä­ge. Auf dem Hals-ton­ab­neh­mer ge­spielt, klingt das In­stru­ment schön warm und an­ge­nehm, oh­ne aber die nö­ti­ge Bril­lanz in den Hö­hen ver­mis­sen zu las­sen. Rich­tig ins Stau­nen kom­me ich in der ers­ten Zwi­schen­po­si­ti­on des Fün­fwe­ge-schal­ters, bei der die bei­den äu­ße­ren Spu­len der Pick­ups par­al­lel ak­ti­viert sind. Nor­ma­ler­wei­se fin­de ich die Zwi­schen­po­si­tio­nen bei Gi­tar­ren mit zwei Hum­bu­ckern recht un­spek­ta­ku­lär. Bei der Ca­pa­ri­son Bro­cken ver­hält sich das gänz­lich an­ders. Gla­sig und voll tönt die ers­te Zwi­schen­stel­lung und für ei­nen Mo­ment ver­ges­se ich, dass es sich hier um zwei ge­spli­te­te Hum­bu­cker han­delt. Wo an­de­re Ton­ab­neh­mer sonst ei­gen­ar­tig hart und steif klin­gen – oft be­glei­tet von ei­ner un­an­ge­neh­men Mit­ten­beu­le – klin­gen die haus­ei­ge­nen Ph-ton­ab­neh­mer wun­der­bar au­then­tisch nach Sing­le­coils. Noch bes­ser ge­fällt mir die vor­letz­te Pos­ti­on in der die bei­den in­ne­ren Spu­len par­al­lel lau­fen und die Aus­lö­schung der Mit­ten noch et­was mar­kan­ter und der Klang da­durch noch ein we­nig kna­cki­ger wird. Strat-style-sounds sprin­gen ei­nen hier förm­lich an und ich bin ab­so­lut be­geis­tert, wie die von Go­toh pro­du­zier­ten Pick­ups die­se Auf­ga­be meis­tern. Auf dem Steg-ton­ab­neh­mer ge­spielt fliegt dann so rich­tig die Kuh – hier ha­ben wir es mit ei­nem durch­aus kräf­ti­gen Kerl zu tun, der mich vom Spiel­ge­fühl ein we­nig an den groß­ar­ti­gen Vin+ von Häus­sel er­in­nert – al­ler­dings mit ei­nem et­was an­de­ren Klang­cha­rak­ter. Die Mit­ten sind ein we­nig zu­rück­ge­nom­men, so­dass Platz für ein rich­tig schö­nes, de­fi­nier­tes Attack frei wird. Nicht falsch ver­ste­hen: der am Steg ver­bau­te PH-R ist bei Wei­tem kein ge­s­co­op­ter Me­tal-pick­up – ich wür­de hier eher von ei­nem hei­ßen PAF mit et­was mo­der­ne­rem Klang und ei­ner or­dent­li­chen Por­ti­on Dy­na­mik spre­chen. Ich war je­den­falls mäch­tig be­ein­druckt, wie ge­wal­tig fett, aber gleich­zei­tig kon­trol­liert die Ca­pa­ri­son Bro­cken im Test klang. Selbst bei wirk­lich hef­ti­gen High-gainSounds war dem In­stru­ment ei­ne ge­wis­se Klar­heit kaum aus­zu­trei­ben und der ei­ge­ne Klang­cha­rak­ter der Gi­tar­re blieb auch beim Ein­satz un­ter­schied­li­cher Over­dri­ve-pe­da­le er­hal­ten. Was will man mehr?

al­ter­na­ti­ven

Na­tür­lich steht die Ca­pa­ri­son Bro­cken nicht ganz kon­kur­renz­los da. Da wä­ren zu­nächst die di­ver­sen Ba­ri­to­ne-mo­del­le des ame­ri­ka­ni­schen Her­stel­lers Kie­sel (ehe­mals Car­vin), wel­che hier in Deutsch­land aber nicht so ein­fach zu be­kom­men sind. Geht es ei­nem je­doch um die 27 Bün­de und um die wirk­lich sa­gen­haft gu­ten Ca­pa­ri­sonTon­ab­neh­mer, sind die Al­ter­na­ti­ven doch ex­trem über­schau­bar – so recht will mir da­zu nichts Ge­schei­tes ein­fal­len.

re­sü­mee

Die Fra­ge ist doch, ob ich nun Haus und Hof ver­pfän­den und mei­nen al­ten Schutz­pa­tron Pe­ter Zwe­gert schon mal in Kennt­nis vom Kauf der Ca­pa­ri­son Bro­cken set­zen muss. Nun, ganz so schlimm ist es dann doch nicht, aber ich ge­ste­he ger­ne, dass ich beim Ge­dan­ken, dass mich die­ses In­stru­ment bald wie­der ver­las­sen wird, ein we­nig feuch­te Au­gen be­kom­me. Der nicht ge­rin­ge Preis ist zwar zu­nächst et­was ab­schre­ckend; be­denkt man je­doch, dass ei­nem hier ei­ne schier un­glaub­li­che Qua­li­tät in Ver­ar­bei­tung und Klang ge­bo­ten wird, fin­de ich das durch­aus ak­zep­ta­bel. Für al­le Ex­tend-ran­ge-gi­tar­ris­ten gibt es hier­mit ei­nen kla­ren Test­be­fehl! By the way – schö­nen Dank an Chris­ti­an Wächt­ler vom Mu­sik­haus Tho­mann, der uns die Gi­tar­re für den Test ge­lie­hen hat.

FO­TOS Die­ter Stork

Der an­ge­schräg­te Hal­sHum­bu­cker – die Su­per­S­trat lässt grü­ßen.

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