Sach- & Krach­ge­schich­ten: Def­to­nes ‚Whi­te Po­ny‘

Wir schrei­ben das Jahr 2000, ge­nau­er ge­sagt be­fin­den wir uns im Som­mer des neu­en Mill­en­ni­ums. Bands wie Limp Biz­kit und Korn sind da­bei, die Me­tal- Welt kom­plett auf links zu krem­peln – New Me­tal ist der Be­griff der St­un­de. Mit­ten in die­ser be­son­de­ren Zei

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT: CHRIS­TI­AN BRAUNSCHMIDT FO­TOS: WAR­NER

Die Ho­sen trägt man ,bag­gy‘, Wor­kerShirts von Di­ckies sind wie­der an­ge­sagt und der Müt­zen­her­stel­ler New Era ver­kauft sei­ne ro­ten Ba­se­caps mit dem kul­ti­gen Nyc-auf­druck wie ge­schnit­ten Brot. Sie­ben­sai­ter-gi­tar­ren sind dank Korn auf dem Vor­marsch und Limp Biz­kits Gi­tar­ren­Teu­fel Wes Bor­land hat mit sei­ner su­per tief ge­stimm­ten PRS und ei­ner Wand aus Me­sa-Rec­tifier- Ver­stär­kern ei­ne ganz neue De­fi­ni­ti­on von „Wall-of-sound“ge­schaf­fen. Von die­ser Wel­le des Cross­over und New Me­tal ge­tra­gen, wach­sen die Def­to­nes aus dem son­ni­gen Ka­li­for­ni­en schnell zu ei­ner wah­ren Sze­ne­grö­ße her­an, ob­wohl sie mu­si­ka­lisch ei­gent­lich nicht so recht in die neue Schub­la­de pas­sen wol­len. Ihr ers­tes Al­bum ,Ad­re­na­lin‘ (1995) konn­te be­reits ei­nen be­acht­li­chen Er­folg ver­zeich­nen, wäh­rend ihr Zweit- werk ,Around The Fur‘ (1997) kom­plett durch die De­cke schoss und die Jungs schlag­ar­tig in die Rock- und Al­ter­na­ti­ve­Charts der spä­ten 90er ka­ta­pul­tier­te. Im Jahr 2000 er­scheint mit ,Whi­te Po­ny‘ dann schließ­lich das für die Band ent­schei­den­de Al­bum.

whi­te po­ny

Nach ei­ner kur­zen Pau­se, um sich von der Tour zum ,Around The Fur‘-al­bum zu er­ho­len, en­ter­te die Band er­neut das Stu­dio, um zu­sam­men mit Pro­du­zent Ter­ry Date an , Whi­te Po­ny‘ – üb­ri­gens ein Slan­gBe­griff für Ko­ka­in – zu ar­bei­ten. Erst­ma­lig ar­bei­te­te nun auch Frank Del­ga­do – zu­stän­dig für Syn­the­si­zer, Sam­ples und Turn­ta­bles – als fes­tes Mit­glied an den Songs mit und ver­lieh den Kom­po­si­tio­nen mit sei­nen at­mo­sphä­ri­schen Sound­land­schaf­ten ei­ne völ­lig neue Tie­fe. Die Auf­nah­men dau­er­ten nicht we­ni­ger als vier Mo­na­te, was die bis da­to längs­te Stu­dio­pha­se der Band mar­kier­te. Das Er­geb­nis soll­te die har­te Ar­beit be­loh­nen: Nicht nur wur­de ,Whi­te Po­ny‘ schnell zum er­folg­reichs­ten Al­bum der Band, auch die mu­si­ka­li­sche Di­ver­si­tät die­ser Plat­te ist mei­ner Mei­nung nach nur schwer zu schla­gen. Ge­ne­rell lös­ten sich die Def­to­nes ra­di­kal von den klas­si­schen Song­struk­tu­ren der Vor­gän­gerAl­ben, um sich merk­lich dy­na­mi­sche­ren Ar­ran­ge­ments zu öff­nen und ih­ren ge­sam­ten Sound ex­pe­ri­men­tel­ler zu ge­stal­ten. Be­reits der Ope­ner ,Fei­ti­ce­i­ra‘ zeigt, dass die Rei­se sich deut­lich vom Cross­over­Me­tal ent­fernt. Ei­gent­lich ei­ne eher ei­gen­tüm­li­che Wahl, um ein neu­es Al­bum zu er­öff­nen – man spürt förm­lich, wie der

Song sich per­ma­nent wei­gert, auf den Punkt zu kom­men. Auch das zwei­te Stück ,Di­gi­tal Bath‘ sorgt für nicht we­ni­ger Stau­nen. Schlag­zeu­ger Abe Cun­ningham lie­fert hier ei­nen Jahr­hun­der­tBeat und be­weist, dass es auch un­ter den jun­gen Al­ter­na­ti­ve­Rock und –Me­tal-drum­mern der Nul­ler-jah­re im­mer noch rich­ti­ge Groo­ve-mons­ter gibt. Die hyp­no­ti­sche At­mo­sphä­re wird zu­dem durch Del­ga­dos Klang­tep­pich, die Gi­tar­ren­ar­beit von Ste­phen Car­pen­ter und Sän­ger Chi­no Mo­re­no ver­voll­stän­digt; der Song schleicht sich be­hut­sam an, nur um im Re­frain in ei­ner wah­ren Wall-of-sound zu ex­plo­die­ren. Bis heu­te ist die­se Num­mer zu­recht ein ab­so­lu­ter Mei­len­stein im Back-ka­ta­log der Band. Das dar­auf fol­gen­de ,Eli­te‘ kommt dann als ziem­li­ches Kon­trast­pro­gramm da­her und dürf­te am ehes­ten als ei­ne An­nä­he­rung an den da­mals herr­schen­den Ne­wMe­tal-trend zu ver­ste­hen sein – ir­gend­wie emp­fand ich die­se Num­mer im­mer als et­was un­be­hol­fen. Zum Glück ma­chen Stü­cke wie ,Rx Queen‘ und das groß­ar­ti­ge , Street Crap‘ die­sen leich­ten Hän­ger

schnell wie­der ver­ges­sen. Schon an die­sem Punkt wird deut­lich, um was für ei­ne mu­si­ka­li­sche Ach­ter­bahn­fahrt es sich bei ,Whi­te Po­ny‘ han­delt. Da­her über­rascht ei­nen das ziem­lich dream-pop­pi­ge ,Te­enager‘ mit sei­nem ef­fekt­be­la­de­nen Lo-fiCharme nicht mehr wirk­lich – was der Qua­li­tät des Songs na­tür­lich kei­nen Ab­bruch tut. Mit dem ziem­lich wuch­ti­gen ,Kni­fe Par­ty‘ folgt der nächs­te Bre­cher, und mit dem dis­so­nant ver­stö­ren­den ,Ko­rea‘ legt die Band so­gar noch ei­nen drauf. Der dich­te Mix aus Riffs, ei­nem wahn­sin­ni­gen Groo­ve und Mo­re­nos teils ge­schrie­nen, teils las­ziv ge­hauch­ten Vo­cals zieht den Hö­rer in sei­nen Bann. Als spä­ter Hö­he­punkt sorgt ,Pass­an­ger‘ für die nächs­te gro­ße Über­ra­schung. Nicht nur zei­gen Car­pen­ter und Cun­ningham, dass sie in Punk­to Zu­sam­men­spiel kaum zu schla­gen sind; die Band be­weist aber­mals, dass ih­nen in Sa­chen At­mo­sphä­re so schnell kei­ner die But­ter vom Brot nimmt. Im Re­frain des Songs darf dann kein ge­rin­ge­rer als Tool-sän­ger May­nard Ja­mes Ke­en­an ans Mi­kro­fon, um mit sei­ner un­ver­wech­sel­ba­ren Stim­me den Song zu ver­edeln. Mit ,Chan­ge (In The Hou­se Of Flies)‘ und ,Pink Mag­git‘ wird der Sack dann end­gül­tig zu­ge­bun­den und was bleibt, ist ei­nes der span­nends­ten und in­no­va­tivs­ten Al­ben des neu­en Jahr­tau­sends. Auch klang­lich stellt ,Whi­te Po­ny‘ ei­nen wich­ti­gen Punkt in der Kar­rie­re der Band dar. Zwar ver­wen­de­te Ste­phen Car­pen­ter hier zum letz­ten Mal ei­ne sechs­sai­ti­ge Gi­tar­re, stimm­te die­se je­doch im­mer­hin schon auf Drop-c her­un­ter um ei­nen fet­te­ren und fül­li­ge­ren Sound zu er­zeu­gen. Auch der wuch­ti­ge Drum-sound und Ter­ry Da­tes dich­ter Mix schaf­fen ei­ne be­ein­dru­cken­de Sound-wand, die für die da­ma­li­ge Zeit ein ziem­li­ches No­vum dar­stell­te.

USwar­um bei der mag sich wun­dern, den Manch ei­ner School‘ Song ,Back To Al­bums der Auf­la­ge des Der Grund An­fang macht. der Plat­ten­d­a­für ist bei für die fir­ma zu su­chen, we­nig das Al­bum zu hat­te. Rap-an­tei­le auf GeAl­so wur­de schnell be­heiß des La­bels um den Re­frain sag­ter Song ge­strickt von ,Pink Mag­git’ Chi­no et­was und von Sän­ger ei­ner Sprech­halb­her­zig mit ver­se­hen. ge­sangs-stro­phe

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