Spec­tor Tim­bre Na­tu­ral, Acous­tik-bass

Akus­ti­sche Ton­er­zeu­gung ist für Spec­tor ziem­li­ches Neu­land, um­so ge­spann­ter darf man auf die Er­geb­nis­se sein. Was da­bei so­fort auf­fällt, ist der ge­er­de­te Preis für die­sen schmu­cken Akus­tik­bass.

Gitarre & Bass - - Inhalt - Spec­tor Tim­bre Na­tu­ral TEXT Dirk Groll FO­TOS Die­ter Stork

Der wird durch die Fer­ti­gung in Chi­na mög­lich, aber aus­ge­dacht wur­de das In­stru­ment in Stuart Spec­tors Work­shop in Brook­lyn. Im Sinn hat­te er da­bei ei­ne dy­na­mi­sche und cha­rak­ter­star­ke Al­ter­na­ti­ve zu sei­nen an­er­kennt su­per­ben So­lid­bo­dy-bäs­sen, und tat­säch­lich hat der Tim­bre Na­tu­ral ganz spe­zi­el­le Stär­ken zu bie­ten.

fi­li­gra­ner bo­dy

Be­reits beim ers­ten An­pack merkt man, dass es ein Spec­tor ist. Kunst­stück – denn der Tim­bre be­sitzt ei­nen auf­ge­schraub­ten Hals mit dem cha­rak­te­ris­ti­schen Spec­tor-pro­fil, der auch auf ei­nem So­lid­bo­dy sit­zen könn­te. Statt der sonst üb­li­chen 24 Jum­bo­b­ün­de sit­zen beim Akus­tik­bass al­ler­dings nur 20 im Pa­li­san­der­griff­brett, blitz­blank po­liert. Auf­grund der Schraub­hals-kon­struk­ti­on fin­det sich im Tim­breBo­dy ein mäch­ti­ger Block als Hals­fuß. Ei­ne De­cke aus mas­si­ver Fich­te ist das Klang­ka­pi­tal des Akus­tik­in­stru­ments, und um die Schwing­fä­hig­keit mög­lichst we­nig zu dämp­fen, be­sitzt die Tim­breDe­cke ei­ne re­la­tiv spar­sa­me, aber sta­bi­le Längs­ver­bal­kung mit ei­ner Qu­er­stre­be un­ter dem Steg. Da das ova­le, klei­ne Schall­loch in der obe­ren Ecke in Ohr­nä­he plat­ziert wur­de, bil­det beim oh­ne­hin reich­lich di­men­sio­nier­ten Kor­pus die nur we­ni­ger als drei­ein­halb Mil­li­me­ter dün­ne Fich­ten­de­cke ei­ne gro­ße, ge­schlos­se­ne Flä­che für sen­si­ble Ab­strah­lung bis in tie­fe Fre­quen­zen hin­ab. Zar­ge und Bo­den sind aus dün­nem Schicht­holz mit Ma­ha­go­ni- Sicht­flä­chen ge­baut, der Bo­den durch fünf Qu­er­bal­ken ver­steift. Die matt­ver­sie­gel­te Holz­kon­struk­ti­on ist sicht­bar mit al­ler­höchs­ter Prä­zi­si­on ge­baut. Für die elek­tri­sche Ver­stär­kung setzt Spec­tor auf ein Fish­man-so­ni­co­re-pie­zo­ele­ment un­ter der Ste­gein­la­ge, wel­ches mit dem Pre­sys-plus-preamp kom­bi­niert ist. Mit ins­ge­samt fünf Klan­g­reg­lern hat man fein­füh­li­ge Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten auf das Er­geb­nis, wo­bei das durch­stimm­ba­re Notch-fil­ter spe­zi­ell auf die Un­ter­drü­ckung von Rück­kopp­lun­gen aus­ge­legt ist. Auch ein au­to­ch­ro­ma­ti­scher Tu­ner ist an Bord. Prak­tisch, vor al­lem bei gleich­zei­ti­ger Ab­nah­me per Mi­kro­fon, ist die vor­han­de­ne Pha­seTas­te, mit der sich das elek­tri­sche Aus­gangs­si­gnal um 180 Grad dre­hen lässt, um Aus­lö­schun­gen zu ver­mei­den. Ge­speist wird der Preamp durch ei­nen kon­ven­tio­nel­len 9-Volt-block, der durch Auf­klap­pen des Be­di­en­felds zu­gäng­lich ist.

sen­si­ble an­spra­che

Mit ei­ner ma­xi­ma­len Zar­gen­tie­fe von 125 mm lässt sich der gro­ße Kor­pus noch be­quem un­ter den Arm klem­men, für das Spie­len mit Gurt ist ei­ne End­pin-buch­se am Kor­pus­rund vor­han­den. Ei­nen zwei­ten Gurthal­ter sucht man ver­ge­bens, of­fen­bar geht der Her­stel­ler da­von aus,

dass man das an­de­re En­de des Tra­ge­gurts mit ei­nem Bänd­chen an der Kopf­plat­te be­fes­tigt. Ei­ne ele­gan­te Lö­sung wä­re, den zwei­ten Gurthal­ter mit ei­ner der Hals­be­fes­ti­gungs­schrau­ben zu fi­xie­ren oder ihn we­nigs­tens als Zu­be­hör bei­zu­le­gen. Voll­kom­men pro­blem­los liegt der Spec­tor-hals in der Hand, hier fühlt man sich (bis auf die na­tur­ge­mäß et­was hö­he­re Akus­tik-sai­ten­la­ge) auch als kom­fort­ver­wöhn­ter E-bas­sist so­fort zu Hau­se. Was al­ler­dings beim Arm­auf­le­gen auf­fällt, sind die sehr schar­fen Kor­pus­kan­ten; durch leich­tes Abrun­den des schö­nen Na­tur­holz-bin­dings wür­de sich be­reits ein an­ge­neh­me­res Spiel­ge­fühl ein­stel­len. Im rein akus­ti­schen Ein­satz macht sich der vo­lu­mi­nö­se Re­so­nanz­kör­per po­si­tiv be­merk­bar, der Tim­bre spricht sen­si­bel an und bringt auch fei­ne Klang­de­tails mit so­no­rer Laut­stär­ke zur Gel­tung. Die­ser Akus­tik­bass klingt no­bler, als es sei­ne Preis­la­ge ver­mu­ten lie­ße! Elek­trisch über­trägt er sei­ne Stär­ken eben­falls über­zeu­gend, wo­bei die fein­füh­li­gen Re­gel­mög­lich­kei­ten am Preamp ex­akt dort ein­grei­fen, wo man er­fah­rungs­ge­mäß in der Pra­xis Kor­rek­tu­ren brau­chen kann. Über­mä­ßi­ge Pie­zo-bril­lanz lässt sich de­zent mit dem Bril­li­an­ce-reg­ler ab­mil­dern, und wenn es ins­ge­samt noch mol­li­ger wer­den soll, hilft das Treb­le-po­ti. Wuch­ti­gen Bass­schub für ein tie­fes Fun­da­ment darf man sorg­los am Bass­reg­ler hin­zu­dre­hen, denn mit dem schmal­ban­di­gen Notch-fil­ter lässt sich ge­ge­be­nen­falls ein­set­zen­des Feed­back wirk­sam un­ter Kon­trol­le brin­gen. Auch der Mit­ten­reg­ler ist bass­ge­recht ab­ge­stimmt und packt an­ge­nehm tief beim Growl zu, der dar­über ent­schei­det, ob der Bass­ton sich of­fen­siv in den Vor­der­grund spielt oder zu­rück­hal­tend ei­ne un­auf­fäl­li­ge­re Be­gleit­rol­le ein­nimmt. Nur in ei­nem Punkt merkt man dem Spec­tor sei­nen ver­gleichs­wei­se güns­ti­gen Preis an, und da­bei han­delt es sich um die Fein­ab­stim­mung der Sai­ten­pe­gel. Wäh­rend das Tes­t­in­stru­ment akus­tisch über al­le vier Sai­ten aus­ge­wo­gen rü­ber­kommt, fällt die E-sai­te im Elek­tro­pe­gel leicht ab – die­ses Pro­blem ist all­ge­mein bei ein­tei­li­gen Pie­zo- Ste­gein­la­gen be­kannt. Die gu­te Nach­richt: Durch fein­füh­li­ges Jus­tie­ren mit ent­spre­chen­den Un­ter­la­gen lässt es sich lö­sen, aber das macht eben den Un­ter­schied zwi­schen ei­nem güns­ti­gen Se­ri­en­pro­dukt und dem hand­ge­bau­ten Ein­zel­stück aus.

re­sü­mee

Die­ser Akus­tik­bass ist wirk­lich ein ech­ter Spec­tor, das merkt man ihm nicht nur beim ver­trau­ten Spiel­ge­fühl auf dem EBass-mä­ßig ge­form­ten Hals an, son­dern vor al­lem in den fi­li­gra­nen, prä­sen­ten Ton­de­tails, die er sehr dif­fe­ren­ziert rü­ber­bringt. Die­ser Feingeist im Ton hebt ihn von ver­gleich­bar güns­ti­gen Akus­tik­bäs­sen ab.

Der Tim­bre be­sitzt ei­nen auf­ge­schraub­ten Hals mit ty­pi­schem Spec­tor E-bass-pro­fil.

Al­le Ein­stell­mög­lich­kei­ten am Fish­man-preamp sind pra­xis­ge­recht ab­ge­stimmt.

Für den Schraub­hals steht im Kor­pus ein mas­si­ver Be­fes­ti­gungs­block be­reit.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.