Pawn Shop: Kli­ra Ken­tu­cky

Gitarre & Bass - - Inhalt - CHRIS­TO­PHER KELL­NER

End­lich, mag sich der re­gel­mä­ßi­ge Le­ser der Pawn­shop-ko­lum­ne den­ken, end­lich kom­men wir in be­kann­te­re Fahr­was­ser! Die­ses Mal ha­ben wir ei­ne Ver­tre­te­rin des west­deut­schen E-gi­tar­ren­baus der 1970er-jah­re her­aus­ge­pickt – die Kli­ra Ken­tu­cky. Wer sich an die letz­te Pawn­shop-fol­ge er­in­nert, der er­kennt in der Aus­wahl viel­leicht ein Mus­ter – und liegt rich­tig: Es han­delt sich um ei­ne un­ge­fähr zeit­gleich zu ih­rer ost­deut­schen Schwes­ter, der Mu­si­ma Eter­na de Lu­xe 25, her­ge­stell­te Ko­pie der Jazz­mas­ter in Sun­burst! Im Be­kannt­heits­grad stand Kli­ra im­mer ein biss­chen im Schat­ten der bei­den Aus­hän­ge­schil­der des deut­schen E-gi­tar­ren­baus, al­so Fra­mus und Höf­ner. Das mag viel­leicht dar­an lie­gen, dass Kli­raGi­tar­ren nie in den Hän­den be­rühm­ter Mu­si­ker lan­de­ten – ob­wohl die Fir­ma in den 1960er-jah­ren jähr­lich 40.000 Gi­tar­ren her­stell­te und 110 An­ge­stell­te be­schäf­tig­te. Ge­grün­det wur­de Kli­ra be­reits 1887 von Jo­han­nes Klier in Schön­bach (heu­te Lu­by in Tsche­chi­en) und mach­te sich zu­nächst ei­nen Na­men im Gei­gen­bau. Nach der Ver­trei­bung 1945/46 sie­del­te sich die Fir­ma, wie auch Höf­ner, Fra­mus und an­de­re, 1950 in Bu­ben­reuth an, im neu­en Zen­trum des Mu­sik­in­stru­men­ten­baus in West­deutsch­land. Es folg­ten er­folg­rei­che Jah­re im Ge­schäft mit Schlag­gi­tar­ren, be­vor Kli­ra in den frü­hen 1960ern mit dem Bau von E-gi­tar­ren be­gann; und die Mo­dell­pa­let­te wur­de bald un­über­schau­bar. Am be­kann­tes­ten sind die mit To­lex be­zo­ge­nen Tri­um­pha­tor-mo­del­le für den Ver­trieb im Wa­ren­haus Qu­el­le. Die­se wa­ren aber ab den spä­ten 1960er-jah­ren nicht mehr ge­fragt, und an­ge­sichts der Flut an ja­pa­ni­schen Ko­pi­en der Us-mo­del­le muss­ten die deut­schen E-gi­tar­ren­her­stel­ler nach­zie­hen. So auch Kli­ra, wo­mit wir bei der Ken­tu­cky an­ge­kom­men wä­ren. Ja­gu­ar und Jazz­mas­ter ver­bin­den wir ja eher mit den Strän­den Ka­li­for­ni­ens und ent­spre­chen­den sport­li­chen Be­tä­ti­gun­gen; war­um man bei Kli­ra aus­ge­rech­net ei­nen doch recht weit vom Meer ent- fern­ten Us-bun­des­staat als Mo­dell­na­men ge­wählt hat, wer­den wir wohl nie er­fah­ren. Die Auf­zeich­nun­gen sind oh­ne­hin spär­lich, Jazz­mas­ter-ar­ti­ge Gi­tar­ren wer­den so­wohl un­ter der Be­zeich­nung „Ken­tu­cky“als auch SM8 ge­führt, mit leicht un­ter­schied­li­chen Fea­tu­res. Die Gi­tar­re ist leicht, der Kor­pus aus wei­chem Holz – ver­mut­lich Lin­de – mit ei­nem Hals aus Ahorn und Pa­li­san­der­griff­brett. Wie beim Ori­gi­nal er­gibt die Vi­bra­to-kon­struk­ti­on ei­nen sehr nied­ri­gen Sai­ten­druck, wes­halb die Sai­ten bei Ben­dings ger­ne mal aus den Slots der Brü­cke sprin­gen. Die­ses Pro­blem kann man mit (meh­re­ren...) Shims in der Hal­s­ta­sche lö­sen. Die Brü­cke ist ein chro­mier­ter Bal­ken aus Stahl, an dem sich die In­to­na­ti­on der Sai­ten nicht ein­zeln ein­stel­len lässt. Auf der rund­li­chen Kon­struk­ti­on lie­gen die Sai­ten groß­flä­chig und nicht be­son­ders sau­ber auf, was de­ren Schwin­gungs­ver­hal­ten be­ein­träch­tigt. Die An­brin­gung des vor­de­ren Gurt­pins er­scheint recht sinn­be­freit, aber da­ma­li­ge Gur­te wa­ren noch et­was an­ders de­signt. Im Spiel­ge­fühl steckt we­gen der dün­nen und nied­ri­gen Bün­de, wie bei al­len da­ma­li­gen Kli­ra-gi­tar­ren, viel vin­ta­ge – wer mo­der­ne Flit­ze­fin­ger-be­spiel­bar­keit er­war­tet, wird ent­täuscht, aber von der Sper­rig­keit so man­cher „Her­tie­cas­ter“ist die Ken­tu­cky dann doch weit ent­fernt. Und: Auch die­se Pawn­shop-gi­tar­re glänzt wie­der mal mit den Pick­ups! Die Sing­le­coils mit den ne­cki­schen Kli­raKrön­chen ha­ben mit ca. 5,5 kohm ei­nen recht nied­ri­gen Out­put, sind fast im­mer leicht mi­kro­fo­nisch, aber ent­wi­ckeln da­durch ei­nen ganz ei­ge­nen Charme, nicht un­ähn­lich dem ja­pa­ni­scher Gold­foils – das ist aber nichts für High-gain-an­wen­dun­gen und lär­mi­ge Rigs! Lei­der kommt au­ßer mi­kro­fo­ni­scher Ge­räusch­auf­nah­me oft auch gar nichts mehr raus – das ha­ben die Pick­ups mit de­nen auf zeit­ge­nös­si­schen Höf­ner-gi­tar­ren ge­mein. Un­be­dingt vor dem Kauf prü­fen, denn so man­cher Ver­käu­fer „ver­wech­selt“rei­ne Mi­kro­fo­nie mit „die Pick­ups funk­tio­nie­ren ta­del­los“.

Die Preis­schlacht ge­gen Fer­n­ost konn­ten die deut­schen Gi­tar­ren­her­stel­ler in den 1970er Jah­ren nicht ge­win­nen, wes­halb Kli­ra 1982 die Pro­duk­ti­on auf­gab; an­ders als Fra­mus er­stand die Mar­ke nicht wie­der auf. Die coo­len Kli­ra-e-gi­tar­ren der 60er- und 70er-jah­re kann man für 150 bis 300 Eu­ro er­gat­tern – da­für be­kommt der Vin­ta­ge-freund ein Stück deut­scher Mu­sik­ge­schich­te mit viel Charme!

Recht sinn­be­freit in­stal­lier­ter vor­de­rer Gurt­pin

Al­te Ma­de in West Ger­ma­ny Hals­plat­te Tre­mo­lo-bridge Kon­struk­ti­on mit dem glei­chen Pro­blem wie beim Ori­gi­nal Ty­pi­sche Kli­ra Krön­chen Pick­ups mit viel Twang Ty­pi­scher Bal­ken-sai­ten­nie­der­hal­ter mit Krön­chen-k auf dem Truss­rod­co­ver

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