Ho­lo­gram Elec­tro­nics Dream Se­quence, Fx-pe­dal

Ho­lo­gram Elec­tro­nics Dream Se­quence

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Flo­ri­an von der Ohe FO­TOS Die­ter Stork

Se­quen­cer, En­ve­l­o­pe Sha­per, Pitch Shif­ter, Tre­mo­lo, Sam­pler ... Viel­leicht wä­re es ein­fa­cher auf­zu­zäh­len, was das Dream Se­quence nicht kann. Die Ma­cher hin­ter Ho­lo­gram Elec­tro­nics ha­ben sich zum Ziel ge­setzt, Mu­si­ker mit ganz neu­en Ef­fek­ten zu ver­sor­gen. So­weit die Idee, wie sieht die Um­set­zung nun aus?

Ja­son Camp­bell und Ryan Schae­fer bau­en je­des ein­zel­ne Pe­dal in Kn­oxvil­le per Hand. Sie wol­len da­bei Sounds, die zu­vor nur mit­tels gro­ßer Racks oder Com­pu­ter zu er­zeu­gen wa­ren, por­ta­bel als Bo­den­ef­fek­te auf den Markt brin­gen. Als ers­tes se­ri­en­rei­fes Pro­dukt ist nun das Dream Se­quence er­schie­nen und rich­tet sich an Gi­tar­ris­ten, Bas­sis­ten, aber auch Key­boar­der. Die er­zeug­ba­ren Sounds rei­chen vom sim­plen Tre­mo­lo über synth-ar­ti­ge Flä­chen bis hin zu ok­ta­vier­ter Dis­tor­ti­on.

op­tik ist nicht al­les

Von au­ßen wirkt das Dream Se­quence, als wä­re man in ei­nem Traum der 80er ge­fan­gen. Die Far­ben, die Schrift, ja selbst die klei­nen blin­ken­den Lich­ter – hat man al­les schon ge­se­hen, funk­tio­niert aber nach wie vor su­per. Ge­paart mit dem ro­bust wir­ken­den Ge­häu­se und den über­schau­ba­ren An­schluss­mög­lich­kei­ten, lässt ei­nen das Ge­rät auf ei­ne ein­fa­che Be­die­nung hof­fen. In­put, Out­put, Ex­pres­si­on-pe­dal-ein­gang und MIDI In und Out. Da­zu ein Togg­le, drei Fuß­schal­ter und sechs Po­tis; fast könn­te man mei­nen, man hät­te schon Kom­pli­zier­te­res auf we­ni­ger Raum ge­se­hen. Spä­tes­tens wenn man dann aber be­merkt, dass die An­lei­tung 40 Sei­ten hat, fragt man sich schon ein we­nig, auf was man sich da ein­ge­las­sen hat. Die Ant­wort steckt im Na­men: Ein Traum von ei­nem Syn­thie-pe­dal.

won’t get foo­led again

Kaum schal­te ich das Ge­rät an, be­schleicht mich das Ge­fühl, die Ent­wick­ler könn­ten Fans von The Who sein. Es scheint als ha­be je­mand ‚Won’t Get Foo­led Again’ als ers­tes Pre­set ge­spei­chert. Rich­tig gut! Ich ha­be noch gar nicht ver­stan­den, was das Ding al­les kann und bin schon ein we­nig ver­liebt. Erst­mal mit den Ba­sics be­schäf­ti­gen: Der Dry Mix er­klärt sich ei­gent­lich von selbst und ist hier sehr hilf­reich. Dri­ve und To­ne sind im An­schluss wohl die am ein­fachs­ten zu ver­ste­hen­den Reg­ler. Hier kann dem Si­gnal Dis­tor­ti­on und Fil­te­ring hin­zu­ge­fügt wer­den. Die Ver­zer­rung ist hier­bei rein ana­log er­zeugt und wird le­dig­lich di­gi­tal ge­steu­ert, so­dass sie als Teil von Pre­sets ge­spei­chert wer­den kann. Das Ge­rät kom­pen­siert au­to­ma­tisch die an­stei­gen­de Laut­stär­ke, so­dass hier kein Vo­lu­me-reg­ler not­wen­dig ist. Das funk­tio­niert auch er­staun­lich gut und re­gelt sich schnell ge­nug nach. Aber ganz ehr­lich: Hier klingt fast al­les bes­ser wenn et­was Dis­tor­ti­on ins Spiel kommt, von da­her in der Pra­xis wohl eher sel­ten ein Pro­blem. To­ne funk­tio­niert ge­nau wie ein Ton-po­ti an ei­ner Gi­tar­re: Es han­delt sich um ei­nen Roll­off der Hö­hen und wird so­mit bei vie­len weit auf­ge­dreht blei­ben. Aber selbst bei so ver­meint­lich sim­plen Din­gen wie Dri­ve und To­ne fängt der Spaß schon an: Die Be­we­gung der Knöp­fe kann di­gi­tal auf­ge­zeich­net und als Teil ei­ner „Se­quence“wie­der­ge­ge­ben wer­den. Du könn­test al­so bei­spiels­wei­se peu à peu im­mer mehr Ver­zer­rung in dein Si­gnal dre­hen und dies spä­ter als wie­der­keh­ren­den Ef­fekt nut­zen. Das glei­che gilt na­tür­lich auch für das Sha­pe-po­ti. Die­ses er­laubt dir, die Wel­len­form des Step Se­quen­cers zu än­dern und so von kur­zen, eher per­kus­si­ven Sounds hin zu schön wa­bern­den Ef­fek­ten, aber auch ei­nem Ramp Up zu ge­lan­gen. Ge­ra­de Letz­te­res klingt ger­ne mal ein we­nig nach Re­ver­se De­lay und kann deut­lich zum „cra­zy, se­xy, cool“-fak­tor bei­tra­gen. Der Sub­di­vi­si­on-reg­ler steu­ert, wie der Se­quen­cer die No­ten un­ter­teilt. Hal­be bis hin zu 32tel No­ten sind hier mög­lich. Zu­dem kann hier ein­ge­stellt wer­den, ob zu­sätz­li­che Ok­ta­ven nach oben und un­ten er­zeugt wer­den sol­len. Hier wird es auch et­was kom­pli­zier­ter. Wäh­rend Ran­dom noch zu­fäl­lig zwi­schen obe­rer und un­te­rer Ok­ta­ve wech­selt, hat man bei „No Shift“qua­si ein Pe­dal, wel­ches nur Dri­ve, To­ne und Sha­pe nutzt. Sha­pe je­doch kann nun ei­ne Art Tre­mo­lo er­zeu­gen, wenn man es au­to­ma­ti­siert. Nutzt man Up oder Down, so re­gelt Sha­pe die Laut­stär­ke des Ef­fekts. Da­für, dass es sich nicht um ei­nen rei­nen Pitch-shif­ter han­delt, ist der Ef­fekt – ge­ra­de in Kom­bi­na­ti­on mit den üb­ri­gen Mög­lich­kei­ten des Pe­dals – gut. Man soll­te hier aber kei­ne aus­ge­feil­ten, schnell tra­cken­den Pitch-sounds er­war­ten.

Wei­ter geht es mit dem Pre­set Reg­ler und dem zu­ge­hö­ri­gen Switch. In den UserBän­ken kann man ei­ge­ne Pre­sets spei­chern und die­se on-the-fly mit­tels Sha­pe und Sub­di­vi­si­on an­pas­sen. Die Fac­to­ry Pre­sets hin­ge­gen sind al­le kom­ple­xer und be­die­nen sich di­ver­ser Laut­stär­ke-au­to­ma­tio­nen für die drei Ok­ta­ven. Hier wird auch der MIDI-IN Port span­nend, denn mit die­sem kannst du ei­ge­ne Se­quen­zen in das Dream Se­quence über­tra­gen. Das 12. „Sa­ved-pre­set“er­laubt es dir, ei­ge­ne Pat­terns auf­zu­neh­men. Kom­men wir nun al­so lang­sam zur wirk­li­chen Ma­gie die­ses Pe­dals ...

knob- und pat­tern- re­cor­ding

Klar, mit Pre­sets kann man heu­te nie­man­den mehr be­geis­tern. Aber wie wä­re es mit der Auf­zeich­nung und Au­to­ma­ti­on von Ein­stel­lun­gen? Aus dem Stu­dio kennt man das schon län­ger, aber für die Büh­ne? Kaum denk­bar. Hält man den By­pass-schal­ter ge­drückt, kann man für vier Tak­te die Ein­stel­lung von Sha­pe, To­ne oder Dis­tor­ti­on auf­zeich­nen. Und da Sha­pe ja nicht nur die Wel­len­form, son­dern in den an­de­ren Mo­di ja auch die Ok­tav­laut­stär­ken re­geln kann, ist hier schon so ei­ni­ges mög­lich. Und da­zu kommt ja noch der Pat­ternRe­cor­der. Er ver­hält sich wie ein üb­li­cher Step-se­quen­cer und kann über 16 No­ten für je­de der drei Ok­ta­ven ge­son­dert ein­ge­stellt wer­den. Die ein­ge­ge­be­nen Tö­ne wer­den au­to­ma­tisch quan­ti­siert, so­dass man kaum da­ne­ben lie­gen kann. Das Gan­ze lässt sich al­ter­na­tiv na­tür­lich auch per MIDI steu­ern. So lang­sam wird auch klar, war­um man so vie­le LEDS braucht um das Ge­rät zu ver­ste­hen. Blei­ben nur noch die drei Fuß­schal­ter. Tap er­klärt sich von selbst und funk­tio­niert zum Glück auch, wenn sich das Ge­rät im By­pass be­fin­det. Der By­pass Switch schal­tet das Ge­rät in den Si­gnal­weg und kann zur Auf­zeich­nung der er­wähn­ten Po­tis ge­nutzt wer­den. Der Hold- Schal­ter wie­der­um er­laubt es, die ge­spiel­te No­te zu hal­ten bis dem Ge­rät der Strom ab­ge­dreht wird. Hier­bei sind die be­kann­ten Mo­di Togg­le, Latch und Mo­men­ta­ry ver­füg­bar.

nut­zung und sounds

Es soll­te mitt­ler­wei­le klar ge­wor­den sein, dass man hier ver­mut­lich mehr Spaß mit dem Ge­rät hat, wenn man vor­her zu­min­dest ein we­nig die An­lei­tung stu­diert. Das ha­be ich na­tür­lich zu­nächst nicht ge­tan ( hey, es ist ein Ef­fekt, wie kom­pli­ziert kann das sein ... ) und hat­te den­noch mei­ne hel­le Freu­de mit dem Dream Se­quence. Die­ses Pe­dal schafft ge­nau, was sich die Ent­wick­ler vor­ge­nom­men ha­ben – un­glaub­li­che Viel­falt und Kom­ple­xi­tät auf klei­nem Raum und im­mer da­bei für Li­ve­gigs. Viel wich­ti­ger viel­leicht: Durch das be­kann­te Bo­den­tre­ter-for­mat dürf­te die Kis­te vie­len die Be­rüh­rungs­angst neh­men, wel­che ja durch­aus ge­gen­über Soft­ware und PCS noch vor­han­den ist. Der Tre­ter fügt sich in je­des am­bi­tio­nier­te Pe­dal­board bes­tens ein und wird beim Be­sit­zer vie­le krea­ti­ve Ide­en her­vor­ru­fen. Spielt man Fla­geo­lett­tö­ne und nutzt die Ok­ta­ven, so er­gibt sich fast ein or­gel­ähn­li­cher Sound. Und wo wir vor­hin schon bei be­kann­ten Rock­bands mit Syn­thie-sounds wa­ren: Nach ein we­nig Her­um­ex­pe­ri­men­tie­ren lan­det man fast un­wei­ger­lich beim Ma­pOf-the-pro­ble­ma­tique-sound vom Mu­seAl­bum ‚Black Ho­les and Reve­la­ti­ons’. Hier lässt sich auch die Hold-funk­ti­on su­per nut­zen, um wei­te­re Sounds über den Irr­sinn, den der Ar­peg­gia­tor da treibt, zu le­gen. Hät­te es das Ge­rät bei den Auf­nah­men schon ge­ge­ben, hät­te es mich nicht ge­wun­dert, wenn die­se ge­nau so ent­stan­den wä­ren. Ein­zi­ges Man­ko: Beim Nut­zen der Hol­dFunk­ti­on spielt man da­nach oh­ne Ef­fekt wei­ter, nur der ge­hal­te­ne Sound wird ent­spre­chend ef­fek­tiert. Die Dis­tor­ti­on bleibt aber – da ja ana­log am Aus­gang an­lie­gend – durch­weg er­hal­ten.

re­sü­mee

Wow, ein Krea­tiv-tool wie es sie sel­ten gibt. Ich er­in­ne­re mich noch gut an mein Ro­ger Linn Ad­re­na­linn II. Ich ha­be es ge­liebt, lei­der ist es ir­gend­wann ka­putt ge­gan­gen und ein neu­er Chip war mir da­mals zu teu­er. Sol­che Ge­rä­te sind ab­so­lu­te Spe­zia­lis­ten. Sie kön­nen viel, sind aber nicht ge­ra­de selbst­er­klä­rend. Bei dem Dream Se­quence kommt glück­li­cher­wei­se der mil­dern­de Um­stand hin­zu, dass es schon oh­ne An­lei­tung so viel Spaß macht, dass man sich ge­ra­de­zu dar­auf freut, in das Hand­buch ein­zu­stei­gen, um noch mehr dar­über zu er­fah­ren, wie das Ge­rät funk­tio­niert. Die An­lei­tung ist zwar nur auf Eng­lisch er­hält­lich, da­für aber sehr gut ge­schrie­ben und ent­spre­chend op­tisch auf­be­rei­tet. Ist das Ge­rät die knapp € 550 Stra­ßen­preis wert? Ei­ne schwe­re Ent­schei­dung. Wenn man ent­spre­chen­de Sounds sucht, gibt es we­nig Al­ter­na­ti­ven (viel­leicht mal auf das Schu­mann Pll aus Ita­li­en schie­len?), wenn man nur mal aus­pro­bie­ren will, was es so an ver­rück­ten Sounds gibt, kann man viel­leicht auch mit güns­ti­ge­rem Equip­ment an­fan­gen. Das Dream Se­quence funk­tio­niert mit Gi­tar­re, Bass, Keys und ver­mut­lich al­lem an­de­ren ähn­lich gut, so­dass es auch als Uni­ver­sal­pe­dal für ex­pe­ri­men­tel­le Re­cor­ding-ses­si­ons be­trach­tet wer­den kann. Zu­dem klingt schon die Dis­tor­ti­on so gut, dass an­de­re Fir­men al­lei­ne dies für viel Geld ver­kau­fen wür­den. Hät­te ich das Pe­dal mal zu un­se­ren letz­ten Re­cor­ding-ses­si­ons be­kom­men – es hät­te si­cher sei­nen Platz ge­fun­den. In­ter­net: ho­lo­gra­melec­tro­nics.com Preis (Street): ca. € 549

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