Wal­rus Au­dio Ju­lia & Lu­mi­na­ry, Ef­fekt-pe­da­le

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Chris­ti­an Braunschmidt FO­TOS Die­ter Stork

Wal­rus Au­dio ist fast schon Kult. Und das, ob­wohl die­se Fir­ma ei­gent­lich noch ziem­lich jung ist. Trotz­dem ha­ben die Jungs aus Okla­ho­ma/ USA es ge­schafft, mit ih­ren wirk­lich ex­trem gu­ten De­signs, ei­nen ei­gen­stän­di­gen Look zu kre­ieren. Wir schau­en uns im Test den Lu­mi­na­ry Oc­ta­ve Ge­ne­ra­tor und den Ju­lia Cho­rus an. wirk­lich hübsch

Ich sa­ge es ja im­mer wie­der: das Au­ge isst (oder hört?) mit. Wer auf die Op­tik sei­ner Pe­da­le wert legt, kommt bei Wal­rus Au­dio voll auf sei­ne Kos­ten. Die Ge­häu­se sind pul­ver­be­schich­tet und ha­ben ei­ne recht raue Ober­flä­che, wäh­rend der auf­ge­brach­te Sieb­druck ei­nen ro­bus­ten und sau­be­ren Ein­druck macht. Beim Ju­lia Cho­rus han­delt es sich um ei­nen recht über­sicht­lich ge­stal­te­tes Pe­dal, wel­ches ne­ben den üb­li­chen Ra­te-, Depth-, und Mix-po­tis über ei­nen Lag-reg­ler (der die De­lay-zeit des Cho­rus-si­gnals be­ein­flusst) so­wie ei­nen Mi­niSwitch, der zwi­schen zwei ver­schie­de­nen Lfo-wel­len­for­men wäh­len lässt, ver­fügt. Ne­ben dem üb­li­chen On/off-schal­ter und der LED gibt es ei­ne wei­te­re Leuch­te, wel­che die Mo­du­la­ti­ons­ge­schwin­dig­keit an­zeigt. Die Auf­ma­chung des Ju­lia Cho­rus ge­fällt mir ex­trem gut. Die Gra­phik zeigt die Il­lus­tra­ti­on ei­nes Frau­en­ge­sichts, das ei­nen ge­wis­sen Si­ence-fic­tion-look ver­passt be­kom­men hat. Sehr schön ge­macht! Beim Lu­mi­na­ry Ok­ta­ver ha­ben wir es dann schon mit ei­nem et­was um­fang­rei­cher aus­ge­stat­te­ten Tre­ter zu tun – im­mer­hin kann der Bur­sche zwei Su­bOk­ta­ven so­wie zwei ho­he Stim­men zum Ori­gi­nal-si­gnal ad­die­ren. Je­des Ok­ta­vBand hat ei­nen ei­ge­nen Laut­stär­ke-reg­ler – da­zu ge­sellt sich noch ein Mix-po­ti, das zwi­schen dem clea­nen und dem Ef­fekt-si­gnal blen­den kann. Au­ßer­dem gibt es die Mög­lich­keit, das Ef­fekt-si­gnal mit Hil­fe der Attack-, Fil­ter- und Flut­terReg­ler zu be­ar­bei­ten (da­zu spä­ter mehr). Als wä­re das nicht schon viel­sei­tig ge­nug, hat Wal­rus Au­dio dem Pe­dal zu­sätz­lich die Mög­lich­keit spen­diert, drei Pre­sets auf ei­nem zwei­ten Fuss­schal­ter ab­spei­chern zu kön­nen. Zu den ob­li­ga­to­ri­schen In- und Out­put-buch­sen – wel­che beim Lu­mi­na­ry auf der Stirn­sei­te des Pe­dals mon­tiert sind – ge­sellt sich noch ei­ne Buch­se für ein Ex­pres­si­on-pe­dal. Bei­de Test­ge­rä­te sind glei­cher­ma­ßen gut ver­ar­bei­tet, das In­nen­le­ben der Pe­da­le ist über je­den Zwei­fel er­ha­ben – die Pla­ti­nen ma­chen ei­nen ro­bus­ten Ein­druck und sind in sau­bers­ter Löt­ar­beit be­stückt wor­den. Be­son­ders gut ge­fal­len mir die CNC­ge­fräs­ten Po­ti­kap­pen aus Alu­mi­ni­um – selbst der här­tes­te Live-all­tag dürf­te die­sen Tei­len we­nig an­ha­ben kön­nen.

gro­ße klang­wel­ten

Sind wir doch ehr­lich: mit kaum ei­nem Ef­fekt wur­de in den 80er-jah­ren mehr Schind­lu­der ge­trie­ben, als mit den fie­sen und un­ter­kühl­ten Ste­reo-cho­rus-sounds der 19“-Ära. Nicht, dass es nicht auch ei­ne Rei­he tol­ler und groß­ar­ti­ger Cho­rusSounds ge­ge­ben hät­te – man den­ke nur mal an Me­tal­li­cas , Sa­ni­ta­ri­um’ vom Mas­ter-Of- Pup­pets- Al­bum oder auch

an An­dy Sum­mers tol­len Gi­tar­ren­sound auf den ers­ten Po­li­ce Al­ben. Trotz­dem scheint mir die­ser Ef­fekt bis heu­te Pro­ble­me zu ha­ben, sich nach die­ser dunk­len Gi­tar­ren-sound-ära zu re­ha­bi­li­tie­ren. Wal­rus Au­dio dürf­te mit dem Ju­lia Cho­rus si­cher­lich da­zu bei­tra­gen, dass sich dies zeit­nah än­dern mö­ge. Für den Test ha­be ich mir zu­nächst ei­nen sau­be­ren und of­fe­nen Sound am Ver­stär­ker ein­ge­stellt und star­te mit al­len Reg­lern in der 12-Uhr-po­si­ti­on. Ich bin so­fort über­rascht, wie an­ge­nehm warm und den­noch klar der Klang un­se­rer Ju­lia ist. Wo ich per­sön­lich vie­le Cho­rus-pe­da­le als recht ste­ril emp­fin­de, an­de­re je­doch als ein we­nig mat­schig in den Mit­ten, lie­fert un­se­re Test­kan­di­da­tin ei­nen per­fek­ten Spa­gat. Durch den Mix-reg­ler reicht die klang­li­che Band­brei­te von ganz de­zen­tem Cho­rus bis hin zu ex­tre­men Vi­bra­to-sounds, bei de­nen man nur noch das be­ar­bei­te­te Si­gnal hört. Als ex­trem in­ter­es­sant er­wies sich im Test der Lag-reg­ler. Durch die Re­gu­lie­rung der De­lay-zeit kann dem Ef­fekt noch ei­ne an­de­re Tie­fe ge­ge­ben wer­den, als es über das Depth-po­ti mög­lich ist. Ich ha­be das Ge­fühl, dass der Sound beim auf­dre­hen ein we­nig in­di­rek­ter, da­für aber im Pan­ora­ma deut­lich brei­ter wird. Auch span­nend ist der klei­ne Mi­niSwitch, der die Wel­len­form des LFO von ei­ner wei­chen Halb­wel­le zu ei­nem Sä­ge­zahn ver­än­dert. Bei­de Set­tings ha­ben ab­so­lut ih­ren Reiz, wo­bei der Un­ter­schied recht sub­til ist und eher der Fein­ab­stim­mung die­nen dürf­te. Ein wei­te­res Merk­mal des Ju­lia Cho­rus ist die Tat­sa­che, dass das Pe­dal so­wohl im clea­nen Be­trieb als auch vor ei­nem zer­ren­den Amp zu über­zeu­gen weiß – von ul­tra-cle­an bis hin zu sat­ten Over­dri­ve-sounds hat mir der Ef­fekt aus­nahms­los gut ge­fal­len. Ich wür­de sa­gen, dass ich sel­ten ein so viel­sei­ti­ges und gut­klin­gen­des Cho­rus-pe­dal in den Hän­den ge­hal­ten ha­be. Mit dem Lu­mi­na­ry Ok­ta­ver schi­cken Wal­rus Au­dio die zwei­te Tret­mi­ne aufs Schlacht­feld (aka Pe­dal­board). Di­rekt sei ge­sagt: ein Pe­dal für Lan­ge­wei­ler ist die­ses Teil ganz si­cher nicht. Al­lei­ne die vier Ok­ta­ven wür­den schon rei­chen, um zu­sam­men mit dem Blend-reg­ler für al­ler­lei ver­rück­te Sounds zu sor­gen. Doch so rich­tig span­nend wird das Gan­ze erst mit den fol­gen­den drei Po­tis: Attack be­stimmt, wie schnell die je­wei­li­gen Ok­ta­ven dem Ori­gi­nalSi­gnal bei­ge­mischt wer­den sol­len. Dreht man das Po­ti weit auf, las­sen sich toll an­schwel­len­de Ef­fekt-sounds er­zeu­gen, die man mit dem Fil­ter-reg­ler und dem da­mit ver­bun­de­nen Low-pass-fil­ter wun­der­bar ab­stim­men kann. Dreht man hier be­herzt Rich­tung Rechts­an­schlag, sind so­gar En­ve­l­o­pe- Fil­ter und Fi­xed-Wah- ähn­li­che Sounds mög­lich. Zu gu­ter Letzt ha­ben wir dann noch den Flut­ter-reg­ler, wel­cher ei­ne Art Cho­rus auf das Ef­fekt-si­gnal gibt, der bei Be­darf ziem­lich wab­be­lig und aus­ge­lei­ert klin­gen kann. Mit die­sen drei Po­tis hat man die Mög­lich­keit, das Si­gnal prak­tisch be­lie­big zu ver­for­men und letzt­end­lich Sounds zu kre­ieren, die eher an ei­ne Dreh­or­gel als an ei­ne Gi­tar­re er­in­nern (na­tür­lich ar­bei­tet der Lu­mi­na­ry dank sei­ner di­gi­ta­len Schal­tung voll­kom­men po­ly­phon). Obacht al­ler­dings mit der zwei­ten Sub-ok­ta­ve – ab ei­ner ge­wis­sen Laut­stär­ke könn­te die­ser Fre­quenz­be­reich für den ein oder an­de­ren Laut­spre­cher durch­aus ein Pro­blem dar­stel­len. Ob nun ein Re­tro-ok­ta­ver-sound oder völ­lig durch­ge­dreh­te, viel­stim­mi­ge Es­ka­pa­den – Wal­rus Au­dio lie­fert hier ein Pe­dal, was sich in al­len nur er­denk­li­chen Dis­zi­pli­nen ei­nes Ok­ta­ver-pe­dals mü­he­los be­haup­ten kann. Da­bei ist der Lu­mi­na­ry al­lei­ne durch sei­ne acht Po­tis schon ei­ne wirk­lich viel­sei­ti­ge Kis­te. Ein wei­te­res in­ter­es­san­tes Fea­tu­re ist der zwei­te Fuß­schal­ter, auf dem sich drei Pre­sets mit je­weils ei­ge­ner Led-far­be ab­le­gen las­sen. Ein­fach den ge­wünsch­ten Sound ein­stel­len, den Pre­set-schal­ter ei­nen kur­zen Mo­ment ge­drückt hal­ten und schon sind die Set­tings ge­spei­chert. Rech­net man den Live-mo­dus da­zu, er­ge­ben sich ins­ge- samt vier ver­schie­de­ne Klang-va­ri­an­ten, die kin­der­leicht ab­ruf­bar sind. Zu­sam­men mit dem Ex­pres­si­on-pe­dal-an­schluss be­kommt man hier wirk­lich die ma­xi­ma­le Viel­sei­tig­keit auf kleins­tem Raum, oh­ne dass das Pe­dal in der Be­dien­bar­keit um­ständ­lich wird.

al­ter­na­ti­ven

Klar, in Sa­chen Op­tik macht den Jungs von Wal­rus Au­dio im Mo­ment kei­ner et­was vor. Trotz­dem se­he ich am Markt zu­min­dest klang­lich schon die ein oder an­de­re Al­ter­na­ti­ve zum Lu­mi­na­ry Ok­ta­ver und zum Ju­lia Cho­rus. Da wä­re na­tür­lich der Pog von EHX in sei­nen un­ter­schied­lichs­ten Aus­füh­run­gen – hier ist es dann letzt­end­lich die Fra­ge nach dem Preis und der be­nö­tig­ten Aus­stat­tung. Al­ter­na­tiv zum Ju­lia Cho­rus könn­te man auf je­den Fall den eben­falls ex­trem gut klin­gen­den aber nicht ganz so fle­xi­blen Hip­po Cho­rus von Way Hu­ge in Be­tracht zie­hen. Auch der eben­falls sehr hübsch ge­stal­te­te Re­flek­tor Cho­rus von Old Blood Noi­se En­dea­vors könn­te als Al­ter­na­ti­ve in Fra­ge kom­men.

re­sü­mee

Kein Zwei­fel – Wal­rus Au­dio ist ei­ne der hei­ßes­ten Fir­men, die die Welt der Bou­tique-pe­da­le der­zeit zu bie­ten hat. Mit dem un­heim­lich gut klin­gen­den Ju­lia Cho­rus hat es die jun­ge Fir­ma ge­schafft, ei­nem an sich et­was aus der Zeit ge­fal­le­nen Ef­fekt fri­schen Wind ein­zu­hau­chen, oh­ne aber den Pfad des klas­si­schen Cho­rus-sounds gänz­lich zu ver­las­sen. Auch der Lu­mi­na­ry Ok­ta­ver weiß voll­kom­men zu über­zeu­gen. Wer sau­be­res, po­ly­pho­nes Tracking mit ei­ner fle­xi­blen Aus­stat­tung und wirk­lich ab­ge­fah­re­nen Sounds sucht, ist hier ge­nau rich­tig. In­ter­net: www.wal­ru­s­au­dio.com Preis (Street): Ju­lia € 209 Lu­mi­na­ry 339

Die schö­ne Ju­lia

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