MXR Car­bon Co­py De­lu­xe Ana­log De­lay

Gitarre & Bass - - News -

Das MXR Car­bon Co­py De­lu­xe Ana­log De­lay ba­siert auf dem be­lieb­ten Car­bon Co­py, bie­tet je­doch er­wei­ter­te Fea­tu­res: Die ma­xi­ma­le Ver­zö­ge­rungs­zeit be­trägt 1,2 Se­kun­den und es ver­fügt über Tap-tem­pound Tap-di­vi­si­on-funk­tio­nen (punk­tier­te Ach­tel, Ach­tel, Trio­len und Sech­zehn­tel No­ten). Au­ßer­dem lässt sich zwi­schen den ori­gi­na­len, dunk­len, ge­schmei­di­gen Wie­der­ho­lun­gen und den hel­len Re­peats der Bright-ver­si­on wäh­len. Der Mod-schal­ter mo­du­liert die Wie­der­ho­lun­gen mit ei­ge­nen Speed­und -Width-reg­lern. Au­ßer­dem gibt es ei­nen An­schluss für ein op­tio­na­les Ex­pres­si­on-pe­dal, zwei pro­gram­mier­ba­re Pre­sets, True By­pass, Reg­ler für Mix, Re­gen, De­lay, Speed und Width, in­ter­ner Li­ne Le­vel/in­stru­ment-le­vel-di­pSchal­ter, in­ter­ner Reg­ler für Gui­tar/li­ne-le­vel-in­put, in­ter­ner Dry-kill-schal­ter für „Wet on­ly“-out­put, Sta­tus-led, Tap-di­vi­si­on-led-dis­play, Me­tall­ge­häu­se und Mo­no-klin­ken-ein-und Aus­gän­ge. Lie­fer­bar ab ca. Mit­te De­zem­ber 2017. UVP: € 305 n www.jim­dun­lop.com

• TER­RY HOAX: THRILL! OK, das knallt vom ers­ten Ton an! ,In­bet­ween‘ geht stramm nach vor­ne, zeigt Sto­nes-ein­flüs­se und mün­det in ei­nem schar­fen Re­frain. Und die­se Ener­gie, die­ses „Wir ken­nen nur ei­ne Rich­tung: Ge­ra­de­aus“zieht sich durch‘s ge­sam­te Al­bum, was auch schon mal an Schwe­den-ro­cker der Mar­ke The Hi­ves er­in­nert. Die an­ge­zerr­ten Gi­tar­ren-riffs tra­gen hier ganz gro­ßes Pa­thos von Front­mann Oli­ver Perau, et­wa im hym­ni­schen ,1970‘ oder ,The Best Is Yet To Co­me‘. Schließ­lich geht‘s mit dem bom­bas­ti­schen ,Try To Ma­ke It Slow‘ noch mal in Rich­tung The Who und Da­vid Bo­wie. Die Gi­tar­ren-band aus Han­no­ver ist in den al­ter­na­ti­ven 80ern und 90ern ver­wur­zelt – eben je­ner Zeit, als Ter­ry Hoax u. a. mit ih­rem De­pe­che-mo­de-co­ver von ,Po­li­cy of Truth‘ Er­fol­ge fei­er­ten. 1995 trenn­te man sich, um dann zehn Jah­re spä­ter zu­rück­zu­keh­ren um im­mer wie­der Kon­zer­te zu spie­len und Al­ben zu ver­öf­fent­li­chen. Im Mo­ment sind die In­die-ro­cker mit al­ten Hits und neu­em Ham­mer-al­bum auf Tour durch Ger­ma­ny. am • ALVVAYS: ANTISOCIALITES Clea­nes Gi­tar­ren­S­trumming mit viel Hall, alt­mo­di­sche Key­boar­dKlän­ge plus mi­ni­ma­le Drums und Bäs­se er­gän­zen sich zu or­ga­ni­schen Pop-songs. Zwi­schen all der Ein­gän­gig­keit er­zeu­gen auch har­sche Gi­tar­ren­Feed­backs, Elec­tro­ni­ca-sounds und le­ben­di­ge Drums vie­le Kontraste. Mol­ly Ran­kin do­mi­niert mit sanf­ter Stim­me, die oft in ho­he La­gen ab­hebt und da­bei öf­ters dis­tan­ziert un­ter­kühlt wirkt, ähn­lich wie et­wa El­lie Row­sell von der Uk-band Wolf Ali­ce. Mol­lys Ge­sang schwebt da­bei ge­ra­de­zu durch ei­ne Wol­ke aus Re­verb. Das zwei­te Al­bum der Ka­na­di­er ist ein schö­ner me­lan­cho­li­scher In­die-trip zwi­schen Lo-fi, Surf­mu­sic und 90erMad­ches­ter/brit­pop. am • GIZMODROME: GIZMODROME Das neue Pro­jekt von Ste­wart Co­pe­land (dr), Adri­an Be­lew (g), Mark King (b) und Vit­to­rio Cos­ma (kb) spie­gelt die le­gen­dä­re Ver­gan­gen­heit der Be­tei­lig­ten wie­der. The Po­li­ce, King Crim­son und Da­vid Bo­wie so­wie Le­vel 42 as­so­zi­iert man mit den ers­ten drei­en, Letz­te­rer ist fes­ter Be­stand­teil der ita­lie­ni­schen PopSze­ne. Ge­mein­sam kre­ieren sie ei­nen dy­na­mi­schen Mix mit vie­len schrä­gen Über­ra­schun­gen. Mr. Co­pe­land agiert ge­wohnt vir­tu­os, be­wegt sich ger­ne in Reg­gae-groo­ves, setzt mit den Be­cken vie­le Ak­zen­te, bricht oft aus und rockt dann strai­ght nach vor­ne. King hält mit tra­gen­den Bass-li­ni­en und kna­cki­gen Slap-ein­la­gen da­ge­gen. Und die Key­boards fül­len mit flä­chi­gen und pro­gres­si­ven Sounds im 80er-feel. Adri­an Be­lew pro­du­ziert mit sat­ter Ver­zer­rung und Vi­bra­to­he­bel fet­te No­ten, teils ähn­lich wie Jeff Beck. In die­ser Hin­sicht kann man ,Ami­ka Pi­pa‘ fast schon als Tri­bu­te an den Mas­ter­ben­der ver­ste­hen. Aber Be­lew ge­hört de­fi­ni­tiv sel­ber zu den im­puls­ge­ben­den Gi­tar­ris­ten und be­ein­druckt mit aus­la­den­den Hall-/mo­du­la­ti­ons-ef­fek­ten, lang aus­ge­hal­te­nen No­ten, drückt schnel­le Li­ni­en ab oder rockt mit sat­ten Riffs, spielt clea­ne Pi­ckings – der Mann ist ein­fach ein At­mo­sphä­ren-meis­ter. Sehr cool kommt der zwi­schen Me­lo­die und über­zo­ge­ner Künst­lich­keit wech­seln­de Ge­sang von Co­pe­land und King. Gizmodrome ist fri­sche Mu­sik, zwi­schen Pop und Fu­si­on-rock für of­fe­ne Oh­ren und Geis­ter. am • STEVE WINWOOD: WINWOOD – GREATEST HITS LIVE Der le­gen­dä­re Sän­ger, Gi­tar­rist und Ham­mond-b3-or­gel-play­er aus Bir­ming­ham prä­sen­tiert auf zwei CDS Klas­si­ker aus un­ter­schied­li­chen Kon­zert­mit­schnit­ten. U. a. gibt‘ s hier ,Can‘t Find My Way Ho­me‘, ,Gim­me So­me Lo­vin‘ oder ,Them Chan­ges‘ in le­ben­di­gen Ver­sio­nen mit vie­len Jam- Parts. Winwood ist an den Tas­ten ein Vir­tuo­se – ein­fach gut, die­ser sat­te Or­gel- Sound. Und mit sei­ner kla­ren, den­noch war­men Stim­me und sei­nen blue­si­gen Gi­tar­ren-licks könn­te man ihn stel­len­wei­se mit Eric Clap­ton ver­wech­seln. Ein schö­nes Al­bum, das ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Kar­rie­re mit Sta­tio­nen wie The Spen­cer Da­vis Group, Traf­fic, Blind Faith bis hin zu den So­lo-wer­ken re­flek­tiert. Und es ver­deut­licht, dass Steve Winwood stets ein Grenz­gän­ger war, der vor­ur­teils­los und lo­cker pro­gres­si­ven Rock, Blues, Funk und Jazz mit­ein­an­der ver­band. Gu­te Mu­sik! am • CHRIS REA: ROAD SONGS FOR LOVERS Der Sän­ger und Gi­tar­rist pen­delt in sei­nen ru­hi­gen Songs zwi­schen Pop, Rock und Blues. Die­se kla­ren Ar­ran­ge­ments und ein­gän­gi­gen Me­lo­di­en wir­ken erst mal so gar nicht spek­ta­ku­lär, ent­fal­ten aber nach und nach ei­ne Lang­zeit­wir­kung. Der Mu­si­ker aus dem eng­li­schen Midd­les­bo­rough er­zählt mit rau­er und hei­se­rer Stim­me vom Un­ter­wegs­sein, der Lie­be, Aus­weg­lo­sig­keit und dem Wei­ter­ma­chen. In sei­ner dun­kel­blau­en Me­lan­cho­lie schwingt je­doch im­mer Hoff­nung mit. Ein­fach nur groß­ar­tig, wie Rea die­se Stim­mung mit sei­nem Bott­len­eck-spiel auf­greift und mit we­ni­gen No­ten viel sagt. Die­ses fan­tas­ti­sche Al­bum er­scheint En­de Sep­tem­ber, im Ok­to­ber ist Rea dann in Deutsch­land un­ter­wegs. am • GREGG ALLMAN: SOU­THERN BLOOD Am 27. Mai 2017 starb Sän­ger/gi­tar­rist/key­boar­der Gregg Allman. Mit der von ihm und sei­nem Bru­der Dua­ne ge­grün­de­ten Allman Bro­thers Band und als So­lo­künst­ler hat er Maß­stä­be ge­setzt in Sa­chen Us-süd­staa­ten-rock. Noch vor sei­nem To­de hat er mit sei­ner Band ein neu­es Al­bum auf­ge­nom­men, das Coun­try, Folk, Blues und Rock ver­eint. Pas­send da­zu die Co­ver­Songs u. a. von Bob Dy­lan, Wil­lie Di­xon oder Jack­son Brow­ne, der in sei­ner Bal­la­de ,Song for Adam‘ auch gleich mit­singt. Apro­pos Bal­la­den: Litt­le Feats ,Wil­lin‘ zählt zu den wei­te­ren Hö­he­punk­ten. Rich­tig gut kom­men zwei hyp­no­ti­sche Blues­ro­cker mit ul­trak­na­cki­gen Gi­tar­ren-licks. Ei­ne ganz star­ke Num­mer ist auch das er­öff­nen­de ,My On­ly True Fri­end‘ mit tol­len zwei­stim­mi­gen Gi­tar­ren­li­ni­en, die von Scott Shar­rard ko­im­men. Üb­ri­gens, un­ter www.scotts­har­rard.com kann man ei­nen stil­vol­len Gi­tar­ris­ten mit ei­nem sat­ten Sound und ei­nem eher zu­rück­hal­ten­den Stil ent­de­cken. Und der ist nur ein stim­mungs­vol­les De­tail auf die­sem pa­cken­den und star­ken Sou­thern-rock-al­bum, dem Ab­schieds-werk des groß­ar­ti­gen Gre­go­ry Le­noir „Gregg“Allman. am • VAN MORRISON: ROLL WITH THE PUNCHES Der Sän­ger aus dem nord­iri­schen Bel­fast spiel­te mit Them In den 60ern für die Zeit har­ten und rau­en Rhythm & Blues, mit ,Blo­win‘ Your Mind!‘ er­schien 1967 sein ers­tes So­lo­al­bum. Ei­ne mu­si­ka­li­sche Kon­stan­te die­ser bis heu­te an­dau­er­den Kar­rie­re ist der Blues. Der in­zwi­schen 72-jäh­ri­gen Mu­si­ker in­ter­pre­tiert hier Gen­re-klas­si­ker u. a. von T-bo­ne Wal­ker, Sis­ter Ro­set­ta Thar­pe, Bo Didd­ley, Mo­se All­ison und Light­nin’ Hop­kins. Da­zu kom­men ei­ge­ne Songs wie das shuf­flen­de Ti­tel­stück mit schar­fen Bott­len­eck-ein­la­gen. Und in der schö­nen Soul-num­mer ,Trans­for­ma­ti­on‘ wird schnell klar, wer hier Gi­tar­re spielt. Jeff Beck zieht die Sai­ten stil­voll, schlägt kna­ckig an und in­to­niert vir­tu­os mit dem Vi­bra­to­he­bel. Wei­te­re Gast­mu­si­ker sind Ja­son Re­bel­lo, Chris Far­lo­we, Ge­or­gie Fa­me und Paul Jo­nes. Und mit de­nen plus groo­ven­der Stamm­be­set­zung ist Van ein wirk­lich be­seel­tes Al­bum ge­lun­gen. Toll! am • MOTÖRHEAD: UN­DER CÖVER Die bri­ti­schen Speed- Röck-‘ n‘Röl­ler ha­ben im­mer wie­der mal Co­ver-songs auf­ge­nom­men, sei es für die ei­ge­nen oder di­ver­se Tri­bu­te-al­ben. Und ihr bra­chia­ler Sound funk­tio­niert auch, wenn Motörhead ,Jum­pin‘ Jack Flash‘

und ,Sym­pa­thy For The De­vil‘ von den Rol­ling Sto­nes spie­len. Punk-hits wie ,God Sa­ve The Queen‘ (Sex Pis­tols) und ,Ro­cka­way Beach‘ (Ra­mo­nes) sind na­tür­lich wie ge­macht für Lem­my Kil­mis­ter, Phil Camp­bell und Mik­key Dee. Ei­ne der schärfs­ten Num­mern ist Ted Nu­gents ,Cat Scratch Fe­ver‘, mit ei­nem un­glaub­lich schie­ben­den Riff im Down­tu­ning. ,Hell­rai­ser‘ kennt man von Oz­zy Os­bourne, stammt al­ler­dings von Lem­my, hier gibt‘s al­so das kan­ti­ge­re und viel­leicht coo­le­re Ori­gi­nal. Tja, und wenn Motörhead Me­tal­li­cas ,Whi­plash‘ zo­cken, dann muss man sich wirk­lich an­schnal­len, ein­fach nur un­fass­bar. Die größ­te Über­ra­schung hin­ge­gen ist dann die „ru­higs­te“Num­mer des Al­bums. ,He­roes‘ ist wirk­lich ein Er­eig­nis, bei dem die Gi­tar­ren ge­nau so schön rück­kop­peln wie bei Da­vid Bo­wie. am • MONOLORD: RUST Ab­so­lut ge­wal­tig! Das Al­bum be­ginnt mit dem fie­ses­ten und düs­ters­ten Me­tal-riff seit Black Sab­baths ,Iron Man‘. Lang­sam walzt die Gi­tar­re nach vor­ne, und in den Sinn kommt wahl­wei­se ein über­aus häss­li­cher knol­len­na­si­ger Rie­sen-troll, ein To­des-cy­borg aus der Zu­kunft oder ein ir­re ki­chern­der klei­ner Bö­se­wicht mit schwar­zem Um­hang, ro­ten Au­gen und te­le­pa­thi­schen Kräf­ten, der die bei­den Au­to­wracks des Al­bum-co­vers senk­recht in den Bo­den rammt. Und auch im in den wei­te­ren Songs geht das schwe­di­sche Trio so lang­sam und un­auf­halt­sam an ihr un­hei­li­ges Werk wie ein Seil­bag­ger mit ei­ner Ab­riss­bir­ne. Das ist schon ei­ne Kunst für sich, wie die Band bei die­sen lang­sa­men Tem­pi nicht den Beat oder bes­ser ge­sagt den Druck ver­schleppt. Und be­ein­dru­ckend ist da­bei na­tür­lich die­ser ul­trab­rei­te, fast schon mat­schi­ge Gi­tar­ren-sound mit vie­len Bas­san­tei­len und Ton­nen von Ver­zer­rung. Al­ler­dings: Bei den Bas­sAn­tei­len bin ich mir nicht im­mer si­cher, ob es sich nicht schon um den ech­ten Bass han­delt, der sich uni­so­no in die Riffs ein­klinkt. Ir­gend­wo von hin­ten drängt die stark ver­hall­te Stim­me nach vor­ne. Die­ses psy­che­de­li­sche Sludge- und Sto­ner-spek­ta­kel fin­det mit dem über 15-mi­nü­ti­gen ,At Niceae‘ – inkl. über­ra­schen­der De­lay-ex­pe­ri­men­te, Feed­back-or­gi­en und so­gar ei­ner Akus­tik-gi­tar­re – sei­nen ci­ne­as­ti­schen Hö­he­punkt. Ki­no­start ist am 29. Sep­tem­ber. am • VOODOO SIX: MA­KE WAY FOR THE KING So un­ter­schied­lich kann Hea­vy-mu­cke sein. Wäh­rend die ei­nen, sie­he oben, dar­un­ter bra­chia­le Ton­kunst aus Über­zeu­gung ver­ste­hen, spie­len die an­de­ren kna­cki­ge Songs mit Main­stream-po­ten­ti­al. Rich­tig gut kom­men die Riffs der Gi­tar­ren­ab­tei­lung Matt Pe­ar­ce und Craig Pri­ce. Drums und Bass schie­ben ger­ne in lang­sam trei­ben­den bis mit­tel­schnel­len Groo­ves nach vor­ne. Der neue Front­mann Nik Tay­lor-stoa­kes steigt mit me­lo­di­schem Ge­sang ein und bricht im­mer wie­der ag­gres­siv aus. Das al­les geht dann schon mal in Rich­tung Tes­la oder Thun­der und ihr groß­ar­ti­ges ‘91er Al­bum ,Laug­hing On Jud­ge­ment Day‘, at­met dann aber plötz­lich auch mal den Grun­ge­rock-geist von Ali­ce In Chains. Ge­nug der Ver­glei­che, die zwölf Songs sind bes­te klas­si­sche Hea­vyUn­ter­hal­tung aus Lon­don, En­g­land. am • RO­BERT PLANT: CARRY FI­RE Wer wis­sen will, wie weit die Vor­lie­ben von Ro­bert Plant für folk­lo­ris­ti­sche und nord­afri­ka­ni­sche Spiel­wei­sen rei­chen, muss sich nur ein­mal LED ZEP­PE­LIN III an­hö­ren. Das Al­bum war da­mals in der Pres­se zwar nicht un­um­strit­ten, deu­te­te aber be­reits an, wo­zu der bri­ti­sche Sän­ger mit der cha­ris­ma­ti­schen Stim­me so al­les fä­hig ist. Fast 50 Jah­re spä­ter be­fin­det sich Plant wei­ter­hin auf Eth­no-kurs, hat mit sei­ner Band The Sen­sa­tio­nal Space Shif­ters das ge­eig­ne­te Um­feld in­stal­liert und zeigt sich auf sei­nem neu­en Werk ,Carry Fi­re‘ als Rock­scha­ma­ne mit fei­nem Ge­spür für Welt­mu­sik. Da wer­den me­lan­cho­li­sche Me­lo­di­en über hyp­no­ti­sche Groo­ves in­to­niert, klin­gen so­wohl Rock als auch Folk und ara­bi­sche Ein­flüs­se an und ver­ei­nen sich zu ei­nem gro­ßen Sound­kom­plex, ei­nem Trip durch un­ter­schied­li­che Zei­ten und Kul­tu­ren. Ein­zi­ge Aus­nah­me: Ei­ne er­mü­dend schlep­pen­de Co­ver­ver­si­on von ,Blu­e­birds Over The Moun­tain‘ (be­kannt un­ter an­de­rem von den Beach Boys) mit Pre­ten­ders-front­frau Ch­ris­sie Hyn­de als Du­ett­part­ne­rin, die das von Pa­ti­na be­fal­le­ne Stück aber auch nicht auf Tou­ren brin­gen kann. An­sons­ten gilt für ,Carry Fi­re`: eben­so span­nend wie be­rüh­rend. mam • DA­VID GIL­MOUR: LIVE AT POMPEII Da kommt si­cher­lich so manch weh­mü­ti­ge Er­in­ne­run­gen an ei­ne Ära der Rock­ge­schich­te hoch, in der es noch Ge­heim­nis­se zu ent­de­cken gab: 45 Jah­re nach der spek­ta­ku­lä­ren Per­for­mance im rö­mi­schen Am­phi­thea­ter von Pom­peij kehr­te Da­vid Gil­mour im Som­mer 2016 zum zwei­ten Mal an den his­to­ri­schen Ort im ita­lie­ni­schen Kam­pa­ni­en zu­rück, dies­mal al­ler­dings nicht mit Pink Floyd son­dern un­ter ei­ge­nem Na­men. Den­noch: Der Floyd-geist schweb­te auch dies­mal über (fast) al­lem, was der 71jäh­ri­ge Bri­te dar­bot. Zu­mal Gil­mour als Re­mi­nis­zenz an sei­ne ers­te le­gen­dä­re Pom­pe­ji-ses­si­on ein wei­te­res Mal ,One Of The­se Days‘ an­stimm­te, ei­nes der wich­tigs­ten Stü­cke der le­gen­dä­ren Per­for­mance vom Ok­to­ber 1971. An­sons­ten gab es das, was Gil­mourFans seit Jah­ren in Kon­zer­ten er­war­tet: ei­nen lang­ge­zo­ge­nen Span­nungs­bo­gen durch die na­he­zu ge­sam­te Floyd-his­to­rie mit klei­nen, fei­nen Per­len aus Gil­mours So­lo­schei­ben. Die ak­tu­el­le nennt sich ‚Ratt­le That Lock‘ und be­weist auf schmerz­li­che Wei­se, dass oh­ne den ver­stor­be­nen Floyd-key­boar­der Rick Wright ei­ni­gen Gil­mour-kom­po­si­tio­nen die letz­ten zehn Pro­zent zur Ge­nia­li­tät feh­len. Doch auch so ist ,Live At Pompeii‘ für je­den Fan ein ab­so­lu­tes Muss, und zwar nicht nur we­gen der sa­gen­um­wo­be­nen Lo­ca­ti­on. mam • RE­VO­LU­TI­ON SAINTS: LIGHT IN THE DARK Man neh­me ei­nen der re­nom­mier­tes­ten Me­talGi­tar­ris­ten der Ge­gen­wart, da­zu ei­nen mit al­len Jour­ney/oz­zy/-vai-was­sern ge­wa­sche­nen Sän­ger/schlag­zeu­ger und ei­nen Bas­sis­ten, der weiß, wie Aor-songs funk­tio­nie­ren: Doug Ald­rich, De­en Cas­tro­no­vo und Jack Bla­des sind Re­vo­lu­ti­on Saints, ei­ne Art Hard­rock-af­fi­ne Main­stream-for­ma­ti­on mit un­ver­kenn­ba­rer USRa­dio­song-dna. Die­se Band ist im bes­ten Sin­ne alt­mo­disch, zi­tiert auf fu­rio­se Wei­se die Spiel­ar­ten der Acht­zi­ger und Neun­zi­ger, um gleich­zei­tig ih­rem Gen­re neu­es Le­ben ein­zu­hau­chen. Na­tür­lich klingt so man­ches nach Jour­ney, an­de­res nach Whi­tes­na­ke oder To­to, im­mer aber be­son­ders schnei­dig in­to­niert und mit be­ein­dru­cken­der Wucht vor­ge­tra­gen. Zum Glück spürt man nicht, dass es sich bei die­sem Trio um ein Re­tor­ten­pro­dukt han­delt, das vom Chef ih­rer ita­lie­ni­schen Plat­ten­fir­ma am Reiß­brett ent­wor­fen wur­de und ver­mut­lich kaum ein­mal auf der Büh­ne an­zu­tref­fen sein wird. Denn auch so ist ihr zwei­tes Al­bum ,Light In The Dark` ein Oh­ren­schmaus, bei dem sich die erst­klas­si­ge Be­set­zung gott­lob nicht zu ei­nem rei­nen Tech­nik-ge­prot­ze hat hin­rei­ßen las­sen. mam • MARILYN MANSON: HEA­VEN UPSIDE DOWN In ei­ner Welt, die zu­neh­mend stär­ker zu ba­na­lem Schla­ger und künst­le­ri­schem Fast­food ten­diert, soll­te man sich über ei­nen Künst­ler wie Marilyn Manson freu­en. Der cha­ris­ma­ti­sche Ami hat das, was vie­len an­de­ren Mu­si­kern ab­geht: Mut und ei­ne Vi­si­on. Die­se Kom­bi­na­ti­on mag auch auf sei­nem neu­es­ten Al­bum ,Hea­ven Upside Down‘ mit­un­ter ziem­lich ver­stö­rend wir­ken, wenn Manson mit ver­frem­de­ter Stim­me zu har­schen Ak­kord­fol­gen brüllt, die oh­ne ihn wohl als tra­di­tio­nel­ler Hard­rock klas­si-

fi­ziert wer­den könn­ten. In der Sum­me er­gibt dies In­dus­tri­al Me­tal à la Ni­ne Inch Nails, der be­wusst mit Kon­ven­tio­nen bricht und das Schau­dern über tra­dier­te Hör­ge­wohn­hei­ten stellt. Na­tür­lich sind auch die Tex­te des schil­lern­den Ex­zen­tri­kers kein Rin­gel­piez mit An­fas­sen, son­dern wü­ten­de Stand­ort­be­schrei­bun­gen ei­ner aus sei­ner Sicht voll­ends aus den Fu­gen ge­ra­te­nen Welt. Und ge­nau da­mit sieht sich das Phä­no­men „MM“in der Tra­di­ti­on die­ser Mu­sik­rich­tung: als Fin­ger in der Wun­de (bes­tes Bei­spiel: der Song ,JE$US CRI$I$‘), der sich mit Wirt­schaft und Po­li­tik eben­so an­legt, wie mit Re­li­gi­on und west­li­cher Zi­vi­li­sa­ti­on. mam • NOCTURNAL RITES: PHO­ENIX Die ei­gent­li­che Sen­sa­ti­on fand bei Nocturnal Rites na­he­zu im Ver­bor­ge­nen statt: Die schwe­di­schen Po­wer­me­tal­ler ha­ben mit Flit­ze­fin­ger Per Nils­son (Scar Sym­me­try, Meshug­gah) ei­nen der bes­ten Le­ad­gi­tar­ris­ten Eu­ro­pas ver­pflich­tet und neh­men da­mit ein Bad im Jung­brun­nen. Denn Nils­son bringt Me­lo­die und Vir­tuo­si­tät in ei­ne Band, die ih­re Fans zehn Jah­re lang auf ei­nen Nach­fol­ger ih­res ge­lun­ge­nen Stu­dio­al­bums ,The 8th Sin‘ hat war­ten las­sen. ,Pho­enix‘ heißt das neue Werk, auf dem vor al­lem Front­mann Jon­ny Lind­qvist ker­ni­ge Duft­mar­ken hin­ter­lässt und sei­ne Band noch ein Stück wei­ter auf ein – vor al­lem rhyth­misch –pro­gres­si­ve­res Ter­rain führt. Wer mit ei­nem ad­äqua­ten Nach­fol­ger von Wer­ken wie ,Af­ter­li­fe‘ (2000) oder ,New World Mes­siah‘ (2004) ge­rech­net hat­te, sieht sich an­no 2017 al­ler­dings stär­ker als je­mals zu­vor auch mit sper­ri­gen Riffs und un­ge­wöhn­li­chen Har­mo­nie­fol­gen kon­fron­tiert. Den stärks­ten mu­si­ka­li­schen An­ker in die Ver­gan­gen­heit bil­det aus­ge­rech­net Neu­zu­gang Nils­son mit sei­ner So­lo­gi­tar­re. mam • ROL­LING STO­NES: THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST 50TH AN­NI­VERS­A­RY LI­MI­TED EDI­TI­ON Was für die Beat­les ,Sgt. Pep­per’s Lo­nely Hearts Club Band` war, ist für die Rol­ling Sto­nes ,Their Satanic Majesties Request`: ein ein­ma­li­ger Aus­flug in die Welt psy­che­de­li­scher Rock­mu­sik. An­läss­lich des 50. Jah­res­tags die­ser bahn­bre­chen­den Schei­be gibt es nun ei­ne Ju­bi­lä­ums­aus­ga­be mit Ste­reo- und Mo­no­ver­sio­nen al­ler Songs, ei­ner ori­gi­nal­ge­treu­en Re­pro­duk­ti­on des 3D-co­ver­fo­tos und ei­nem 20-sei­ti­gen Buch mit bis­lang un­ver­öf­fent­lich­ten Bil­dern der da­ma­li­gen Fo­to­ses­si­on. In­klu­si­ve sei­ner­zeit in­no­va­ti­ver In­stru­men­te wie Mel­lo­tron oder The­re­min, Strei­chern und psy­che­de­li­scher Klang­spie­le­rei­en zwei­fels­oh­ne das un­ge­wöhn­lichs­te Sto­nes-al­bum und für vie­le Fans der krea­ti­ve Hö­he­punkt der Bri­an-jo­nes-ära. mam

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