Amp Sta­ti­on! Cap-jobs, Teil 3

Gitarre & Bass - - Inhalt -

Im drit­ten und letz­ten Teil un­se­rer Kon­den­sa­tor-test­rei­he geht es um die ver­glei­chen­den Hör­tests der be­schrie­be­nen Klas­si­ker und ak­tu­el­ler Er­satz-ty­pen. Ich ha­be da­mit buch­stäb­lich Wo­chen ver­bracht, auch wenn mir die meis­ten Kon­den­sa­torTy­pen aus mei­ner Ar­beit schon be­kannt wa­ren. Die Vor­lie­ben kön­nen sich hier­bei täg­lich än­dern, da al­le Kon­den­sa­to­ren klang­li­che Stär­ken und Schwä­chen auf­wei­sen. Man weiß nie, wel­chen man dau­er­haft be­vor­zugt. Ich ha­be auch fest­ge­stellt, dass sich man­che Bau­ar­ten auf Dau­er klang­lich noch deut­lich ver­än­dern. Ob man nun da­von spre­chen kann, dass Kon­den­sa­to­ren ein­ge­spielt wer­den soll­ten, sei mal da­hin­ge­stellt. Auf je­den Fall spielt ein Amp, an dem län­ge­re Zeit nicht ge­lö­tet oder ge­klemmt wur­de, ir­gend­wann (bei mir wa­ren es im Durch­schnitt zwei Wo­chen) ho­mo­ge­ner und flüs­si­ger. Er scheint Ecken und Kan­ten zu ver­lie­ren und ein­fach an­ge­neh­mer zu klin­gen. Frisch aus­ge­packt und ein­ge­lö­tet er­zeu­gen man­che Kon­den­sa­to­ren ( hier vor al­lem die TAD Pa­per-in-oil- und Red Ju­pi­ter-mo­del­le) noch ei­nen et­was „ver­stopf­ten“Ton, der mit­un­ter zu matt und dun­kel ge­rät. Manch ei­ner könn­te da­von schnell ent­täuscht sein. Das än­dert sich aber auf wun­der­sa­me Wei­se, wenn man den Kon­den­sa­to­ren ei­ne län­ge­re Ein­spiel­zeit gönnt. Wie sich die Kon­den­sa­to­ren ver­än­der­ten, konn­te man leicht über­prü­fen, in­dem ich ein­ge­spiel­te ge­gen fri­sche glei­chen Typs ver­gli­chen ha­be. Nach ei­ni­ger Zeit bie­ten die ein­ge­spiel­ten Pro­ban­den ei­ne deut­lich grö­ße­re Klar­heit und Auf­lö­sung. Hi­fi-lieb­ha­ber spre­chen hier von ei­nem „frei­en“Ton, was es ganz gut trifft. Im­mer­hin ha­ben wir für Klän­ge in der deut­schen Spra­che im­mer noch kein Vo­ka­bu­lar. Be­gin­nen wir bei den Hör­tests gleich mit ei­nem Klas­si­ker, der auch für tech­nisch un­er­fah­re­ne Gi­tar­ris­ten viel­leicht schon ein Be­griff ist.

Spra­gue „ Oran­ge Drop“715

Als ich 1991 mei­nen ers­ten Fen­der-ver­stär­ker re­stau­rier­te, konn­te ich nur zwi­schen zwei axia­len Fo­li­en-kon­den­sa­to­ren wäh­len. Spra­gue 715, der we­gen sei­ner auf­fäl­lig oran­gen Fär­bung auch als „Oran­ge Drop“be­kannt ist und der gel­be ERO/ Ro­eder­stein, bei­de mit 600 Volt Span­nungs­fes­tig­keit, was für al­le Gi­tar­ren­ver­stär­ker mehr als ge­nug ist. Im Lau­fe der Zeit ent­schied ich mich im­mer häu­fi­ger für den Spra­gue-kon­den­sa­tor, da der Ero/ro­eder­stein zwar sehr sau­ber und dy­na­misch tön­te, ihm aber für ei­ne E-gi­tar­re der ge­wünsch­te bis­si­ge Cha­rak­ter fehl­te. Der Spra­gue sorg­te für ei­nen sehr sau­be­ren und fet­ten Ton, der je­dem re­pa­rier­ten Ver­stär­ker ei­nen Zu­ge­winn an Dy­na­mik und Laut­stär­ke bot. Das war schon mal nicht schlecht. Au­ßer­dem ver­bes­ser­ten die­se Kon­den­sa­to­ren das Mit­ten­spek­trum. Klar­heit mit Biss be­schreibt den Cha­rak­ter in Kürze recht tref­fend. Die­se Kon­den­sa­to­ren er­wie­sen sich als ide­al für al­le Black- und Sil­ver­face-fen­derAmps. Vie­le Dum­ble-ko­pi­en sind aus die­sem Grund im­mer noch da­mit be­stückt, ob­wohl Alex­an­der Dum­ble ur­sprüng­lich nicht die 715-Po­ly­pro­py­len-ty­pen ver­wen­de­te, son­dern die na­he ver­wand­ten 6PSP­o­ly­es­ter-ty­pen, die et­was fei­ner in den Hö­hen auf­lö­sen und da­her nicht ganz so bis­sig rü­ber­kom­men. Vor al­lem in Ver­stär­kern mit kräf­ti­gen Bäs­sen kön­nen sie da­für sor­gen, dass die un­te­ren Re­gis­ter nicht „ab­sau­fen“oder zu mul­mig da­her­kom­men. Da­her sind sie für mich im­mer noch ers­te Wahl, wenn ich et­wa ei­nen Bass-ver­stär­ker bau­en soll.

Mall­ory 150

Auf die­se Kon­den­sa­to­ren stieß ich zu­nächst in den be­kann­ten Tu­ning-bü­chern vom ame­ri­ka­ni­schen Amp-gu­ru Ge­rald We­ber. Sie wa­ren An­fang der Neun­zi­ger in Deutsch­land noch nicht er­hält­lich. Da­her be­stell­te ich ein paar da­von in den USA zur Re­stau­rie­rung mei­ner Tweed­Amps, da sie den Sound die­ser Amps laut We­ber per­fekt un­ter­stüt­zen soll­ten. Das stimm­te zwar nicht ganz, war aber den­noch ei­ne wun­der­ba­re Al­ter­na­ti­ve zum Oran­ge Drop. Die Mall­ories tö­nen zu­nächst wei­cher und of­fe­ner als die Spra­gues. Die Hö­hen schei­nen nach oben ver­scho­ben und die Mit­ten we­ni­ger kna­ckig. Die Po­ly­es­ter-ty­pen klin­gen rau­er und et­was kom­pri­mier­ter als die Spra­gues.

Ge­nau rich­tig für den ty­pi­schen Tweed­Cha­rak­ter. Die­se Amps klin­gen mit ih­rer meist re­du­zier­ten Leis­tung oh­ne­hin schon recht mit­tig und warm, wes­halb der Cha­rak­ter der Mall­ories hier ganz gut ins Bild passt. Auf­grund ih­rer Rau­heit tau­gen sie auch recht gut für bri­ti­sche Sounds. In Fen­der Black­face- oder Sil­ver­face-mo­del­len ge­fal­len sie mir nicht so gut, da sie das Mit­ten­spek­trum hier wei­ter zu­rück­neh­men und manch­mal schon zu weich klin­gen. Wünscht man sich be­son­ders kla­re Klan­g­er­geb­nis­se, sind sie meist fehl am Platz, da sie eher frü­her als spä­ter in den Crun­chBe­reich ge­hen als an­de­re Ty­pen. Wenn das ge­wünscht ist, kann man sie na­tür­lich gu­ten Ge­wis­sens neh­men. Ins­ge­samt tau­gen sie nach wie vor in Class-a- oder Ka­tho­den-bi­as-kon­struk­tio­nen auf­grund ih­rer rau­en ame­ri­ka­ni­schen No­te.

TAD Pa­per In Oil

Öl-pa­pier-kon­den­sa­to­ren ge­nie­ßen un­ter Hig­hend-fa­na­ti­kern ei­nen le­gen­dä­ren Ruf. Ih­re Auf­lö­sungs­ei­gen­schaf­ten und räum­li­che Darstel­lung sol­len un­schlag­bar sein. Ich bin die­sen Kon­den­sa­to­ren zum ers­ten Mal bei der dä­ni­schen Fir­ma Jen­sen be­geg­net, nicht zu ver­wech­seln mit dem gleich­na­mi­gen Laut­spre­cher-her­stel­ler. In In­ter­net-fo­ren wer­den sie meist mit dem Kür­zel „PIO“(Pa­per In Oil) ver­se­hen. Die Tad-kon­den­sa­to­ren ha­be ich lan­ge nicht so recht be­ach­tet, da ich mit den Spra­gue Oran­ge Drops und den Mall­ories recht zu­frie­den war. Vor cir­ca zehn Jah­ren ha­be ich die­se Kon­den­sa­to­ren al­ler­dings in ei­nen 1965 Fen­der Band­mas­ter ge­lö­tet. An­fangs ge­fiel mir das gar nicht so gut, da die PIO-KON­densto­ren auf An­hieb von al­lem et­was zu viel zu­ta­ge brach­ten. Viel Bass, vie­le Hö­hen, gro­ße Dy­na­mik, ho­he Laut­stär­ken und zu­nächst ein leicht ver­bo­ge­nes Mit­ten­spek­trum. Den be­sag­ten Amp be­kam ich in die­sem Jahr wie­der zu­rück, oh­ne mich frei­lich zu er­in­nern, wel­che Kon­den- sa­to­ren ich da­mals bei der Re­stau­rie­rung ver­wen­det hat­te. Die­ser Ver­stär­ker hat heu­te buch­stäb­lich so ei­ne Art „Mil­lionDol­lar-sound“. Ich konn­te kaum glau­ben, wie mu­si­ka­lisch und kon­tu­riert er klang. Als ich den Band­mas­ter öff­ne­te, ent­deck­te ich die TAD-PIOS wie­der und woll­te mich zu­nächst ver­ge­wis­sern, ob sie wirk­lich für die­sen ver­füh­re­ri­schen Sound ver­ant­wort­lich wa­ren. Ich tausch­te die Kop­pel­kon­den­sa­to­ren des ei­nen Ka­nals ge­gen Mall­ories und hör­te so­fort, dass gera­de die Klar­heit und Dy­na­mik des Amps ver­lo­ren ging. Sie klin­gen nicht so crun­chy und rau wie ein­ge­spiel­te Mall­ories oder Oran­ge Drops, bie­ten da­für je­doch ei­nen un­ver­gleich­lich sau­be­ren Cle­an-sound, der den­noch je­de Men­ge Cha­rak­ter be­sitzt und kei­nes­wegs ste­ril oder lang­wei­lig tönt. Man kann sie ei­gent­lich in je­dem Amp ver­wen­den und er­hält ein wun­der­bar fein auf­lö­sen­des Hoch­ton­s­pek­trum, vor­aus­ge­setzt man ist be­reit, ein bis zwei Mo­na­te zu war­ten, bis sie ih­re Klang­fül­le voll­ends ent­fal­tet ha­ben. Sie sind auch ei­ne her­vor­ra­gen­de Wahl als To­ne-kon­den­sa­tor in ei­ner Gi­tar­re. PIOS kos­ten zwar ein paar Eu­ro mehr als ih­re Mit­be­wer­ber, bie­ten aber ei­ne er­staun­lich ho­he Klang­gü­te.

TAD Mustard

Wie der Na­me schon ver­rät, ist die­se Ei­gen­krea­ti­on von TAD ei­ne An­leh­nung an die bri­ti­schen Mul­lard-mustard-kon­den­sa­to­ren und prä­des­ti­niert für den Ein­satz in bri­ti­schen Amps. Sie klin­gen auf An­hieb straf­fer und schlan­ker als an­de­re Pro­ban­den und lie­fern tat­säch­lich die­se tie­fen ag­gres­si­ven Mit­ten, für die Brit-amps nun mal be­rühmt sind. Im Ver­gleich zu den Phi­lips/ Mul­lard-Ori­gi­na­len bie­ten sie Sounds, die bei­na­he iden­tisch sind. Das ge­lingt sehr über­zeu­gend, zu­mal die al­ten Ori­gi­na­le kaum noch er­hält­lich sind und wenn, un­heim­lich teu­er ge­kauft wer­den müs­sen. Ich ver­wen­de die­se Kon­den­sa­to­ren seit je­her für Mar­shall-re­pli­ken oder zur Auf­wer­tung der Mar­shall Hand­wired-mo­del­le, die nach ei­nem Aus­tausch im­mer ir­gend­wie noch au­then­ti­scher klin­gen. Ei­ne Ein­spiel­pha­se schei­nen die­se Kon­den­sa­to­ren nicht zu be­nö­ti­gen. Sie tö­nen auf An­hieb per­fekt. Na­tür­lich liegt ihr Fo­kus in ih­ren star­ken Mit­ten, wes­halb sie für mich in Fen­derAmps nicht so gut funk­tio­nie­ren, es sei denn, man wünscht sich et­wa von ei­nem Ka­nal sei­nes Fen­ders ei­nen et­was bri­ti­sche­ren Cha­rak­ter.

Red Ju­pi­ter

Die ro­ten Ju­pi­ter-kon­den­sa­to­ren fand man in Fen­der-tweed-amps bis cir­ca 1956. Die­se Zinn­fo­li­en/my­lar-ty­pen wur­den be­rühmt we­gen ih­res war­men, run­den Grund­cha­rak­ters. Hat man schon mal an sol­chen Amps ge­ar­bei­tet, weiß man ge­nau, was ge­meint ist. Es gab bis­her kaum ver­gleich­ba­re Kon­den­sa­tor-mo­del­le. Seit ei­ni­gen Jah­ren wer­den sie je­doch wie­der nach al­ten Vor­ga­ben her­ge­stellt. Ich hat­te so­gar die Ge­le­gen­heit, die neu­en Re­pli­ken ge­gen ein paar Ori­gi­na­le aus mei­ner „Wühl­kis­te“zu ver­glei­chen, wo­bei stets die neu­en Kon­den­sa­to­ren die Na­se vor­ne hat­ten. Sie ha­ben ge­nau die­sel­ben Klang­ei­gen­schaf­ten wie ih­re al­ten Vor­bil­der, bie­ten aber mehr Dy­na­mik, Kon­tur und schö­ne­re Hö­hen. Erst recht dann, wenn sie ein paar Wo­chen ein­ge­spielt wur­den. Die Red Ju­pi­ters sind ei­ne sa­gen­haft gu­te Wahl für Tweed-amps, da sie von al­len Pro­ban­den den wärms­ten und flüs­sigs­ten Ton bie­ten. Der Sound scheint prak­tisch ein­zu­ras­ten. Man muss ih­nen al­ler­dings sehr viel Zeit ge­ben, um sich auch im Hoch­ton zu öff­nen. Sie klin­gen hier an­fangs et­was be­deckt und dumpf. Aber das gibt sich. Ich ha­be wäh­rend der Tests mei­nen Tweed De­lu­xe da­mit aus­ge­stat­tet, in dem bis­her ei­ne Mi­schung aus al­ten Blue-mol­ded­und Yel­low-as­tron-kon­den­sa­to­ren ver­baut war, und die Red Ju­pi­ters sind ge­blie­ben, weil sie ein­fach mehr Dy­na­mik und Fri­sche bo­ten. Ab­schlie­ßend kann man sa­gen, dass al­le Pro­ban­den für be­stimm­te Ge­schmä­cker ex­zel­len­te Klan­g­er­geb­nis­se lie­fer­ten. Es gibt mitt­ler­wei­le wie­der zahl­rei­che Al­ter­na­ti­ven im axia­len Hoch­volt-be­reich, wo­durch wir Gi­tar­ris­ten bei der Aus­wahl förm­lich aus dem Vol­len schöp­fen kön­nen. Na­tür­lich gibt es noch reich­lich Mit­be­wer­ber auf dem Markt, da­her ist mei­ne Über­sicht al­les an­de­re als voll­stän­dig. Sie re­prä­sen­tiert aber si­cher ei­ne Ori­en­tie­rung sei­tens der bei uns gän­gi­gen Ty­pen. Bis zum nächs­ten Mal... Udo Pip­per n [2052]

Spra­gue „Oran­ge Drop“715 Po­ly­pro­py­len

AMP- STA­TI­ON cap-jobs teil 3 udo pip­per

Mall­ory 150 Po­ly­es­ter Film TAD Pa­per In Oil

TAD Mustard ALU/PE Red Ju­pi­ter Zinn-fo­lie/my­lar

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