Moo­er Oce­an Ma­chi­ne, Mul­ti-fx

Moo­er Oce­an Ma­chi­ne Moo­er ist vie­len wohl eher als Her­stel­ler von güns­ti­gen und platz­spa­ren­den Ko­pi­en be­kann­ter Ef­fek­te ge­läu­fig. Nun ha­ben sich die Chi­ne­sen mit dem Pro­gres­si­ve­Zau­be­rer De­vin Town­send zu­sam­men­ge­tan und ver­öf­fent­li­chen die Oce­an Ma­chi­ne –

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Flo­ri­an von der Ohe

De­vin Town­send dürf­te vie­len Le­sern ent­we­der als Sän­ger von Steve Vai (auf ‚Sex and Re­li­gi­on‘), Me­ga­mind hin­ter Strap­ping Young Lad, oder durch ei­nes sei­ner zahl­rei­chen So­lo­pro­jek­te be­kannt sein. Ei­nes da­von war ‚Oce­an Ma­chi­ne‘. Un­ter die­sem Pseud­onym ver­öf­fent­lich­te De­vin das Al­bum ‚Bio­mech‘. Und wer schon ein­mal Mu­sik von Herrn Town­send ge­hört hat, dürf­te ho­he Er­war­tun­gen an das Pe­dal ha­ben. Hier soll­ten schon kom­ple­xe Sounds mög­lich sein.

Kon­zept und Be­die­nung

Mul­tief­fek­te sind ja bei­lei­be kei­ne neu­ar­ti­ge Er­fin­dung. Et­was sel­te­ner sind dann wie­der­um Pe­da­le, die zwar ver­schie­de­ne Ef­fek­te ver­ei­nen, aber nicht pro­bie­ren, gleich das gan­ze Spek­trum ab­zu­de­cken. Moo­er hat sich hier da­für ent­schie­den, zwei un­ab­hän­gig re­gel­ba­re De­lays, ein Re­verb und ei­nen Lo­oper in ein Ge­häu­se zu ver­frach­ten – Ef­fek­te die vom Typ her auch sehr gut zu­ein­an­der pas­sen und sich in der An­wen­dung ja oh­ne­hin zu Tei­len über­lap­pen. Be­mer­kens­wert ist die Kom­bi­na­ti­on aus di­gi­ta­ler und ana­lo­ger Be­dien­bar­keit. Al­les was man so an Ein­stell­mög­lich­kei­ten für „nor­ma­le“De­lay- und Re­ver­bPe­da­le er­war­ten wür­de, fin­det sich tat­säch­lich di­rekt als Po­ti auf der Ober­sei­te. Er­gänzt wird dies durch ei­ni­ge Mög­lich- kei­ten, wel­che nur über das klei­ne LC-DIS­play ein­zu­stel­len sind. Ins­ge­samt kommt man so auf 16 Po­tis und vier But­tons auf der Ober­sei­te. Wenn man be­denkt, dass hier auch noch das Dis­play, so­wie die drei Fuß­schal­ter Platz fin­den müs­sen, kann man Moo­er er­neut be­stä­ti­gen, sehr kom­pak­te Ge­rä­te bau­en zu kön­nen. Viel­leicht ist dies ja schon das Kri­te­ri­um für den ein oder an­de­ren, ge­nau die­ses Ge­rät für sein en­ges Bo­ard zu wäh­len. Für uns Mit­tel­eu­ro­pä­er ist es ver­meint­lich zu­nächst selt­sam, dass De­lay A rechts von De­lay B an­ge­ord­net ist. Al­ler­dings nut­zen wir nun schon seit Jahr­zehn­ten Ef­fekt­ge­rä­te bei de­nen der In­put ge­nau so an­ge­ord­net ist. In der Be­die­nung macht es auch kaum ei­nen Un­ter­schied; man kann auf Wunsch die Rei­hen­fol­ge, in der die Ef­fek­te durch­lau­fen wer­den, di­gi­tal än­dern. Die De­lays bie­ten ne­ben den Stan­dards wie Di­gi­tal, Ana­log und Tape auch Spe­zi­al­for­men wie Dy­na, Ga­la­xy, Rain­bow oder Fuz­zy, wel­che es dann auch je­weils nur bei De­lay A oder B gibt. Ins­ge­samt kommt die Oce­an Ma­chi­ne hier auf 15 ver­schie­de­ne De­lay-ar­ten. Den ge­wünsch­ten Typ stellt man be­quem am gro­ßen Po­ti ein, im An­schluss las­sen sich Feed­back, Ti­me, To­ne und Mix über de­di­zier­te, klei­ne­re Po­tis re­geln. Ähn­li­ches gilt für den Re­verb. Hier ste­hen neun Mo­del­le zur Aus­wahl, die meis­ten da­von eben­falls Klas­si­ker wie bei­spiels­wei­se Room, Pla­te oder Spring. Durch klei­ne Po­tis las­sen sich hier nun noch Shim­mer, De­cay, To­ne und Mix re­geln. Auf den Lo­oper greift man ein­fach über die Fuß­schal­ter zu. So­mit kann man das Moo­er auch als vier ge­trenn­te Ef­fekt­ge­rä­te be­trach­ten und nut­zen, die man je­weils über ei­nen der Fuß­schal­ter ein- und aus­schal­tet. Aber na­tür­lich gibt es hier auch ei­ne Pre­se­tFunk­ti­on, mit der man sei­ne Lieb­lings­ein­stel­lun­gen in acht Bän­ken zu je drei Pre­sets ab­spei­chern kann. Die­se kön­nen dann auch on-the-fly wie­der an­ge­passt wer­den, na­tür­lich zei­gen hier­bei die Hard­ware-po­tis dann zu­nächst nicht die ak­tu­ell ak­ti­ve Ein­stel­lung. Die drit­te Schalt­ebe­ne ist der Be­die­nung des Lo­o­pers vor­be­hal­ten. Die­ser kann bis zu 44 Se­kun­den auf­neh­men und ver­fügt über Op­tio­nen für ei­ne Half- Speed Wie­der­ga­be und ei­nen Re­ver­se-ef­fekt. Das Ge­rät ist so­wohl Ein­gangs- als auch Aus­gangs­sei­tig auf die Nut­zung in Ste­reo aus­ge­legt. Zu­dem kann ein Ex­pres­si­onPe­dal an­ge­schlos­sen wer­den. Über MIDIIn und -Th­ru kön­nen Schalt­si­gna­le emp­fan­gen oder die Firm­ware ak­tua­li­siert wer­den.

Pre­sets und Soft­ware

Moo­er macht es hier so, wie vie­le an­de­re Her­stel­ler auch: Klot­zen statt kle­ckern.

Die meis­ten der von Werk aus ein­ge­spei­cher­ten Pre­sets sind über­la­den mit Ef­fek­ten. So kann man na­tür­lich zei­gen, was das Ge­rät al­les leis­ten kann. Rea­lis­tisch ein­set­zen wird man dies wohl eher sel­ten. Aber wenn man auf den Pfa­den von De­vin Town­send un­ter­wegs ist, weiß man na­tür­lich nie, was man wo­mög­lich al­les brau­chen könn­te. So schön die di­rek­te Be­die­nung über die Po­tis auch ist, über ein paar klei­ne Tweaks „un­ter der Hau­be“soll­te man viel­leicht doch Be­scheid wis­sen. So emp­fand ich zu­nächst den An­teil des Ef­fekts auch bei ma­xi­ma­ler Ein­stel­lung des ent­spre­chen­den Po­tis als sehr ge­ring – bis ich ent­deck­te, dass es ei­nen glo­ba­len Ef­fekt­mix gibt. Das Ge­rät ist ei­gent­lich kom­plett selbst­er­klä­rend und ein­fach zu be­die­nen, ein an­fäng­li­cher Blick in die An­lei­tung scha­det aber zu­min­dest nicht. Die Soft­ware und die Darstel­lung sind in Ord­nung, mehr aber auch nicht. Wäh­rend der Nut­zung kam es ein paar Mal zu klei­nen Hän­gern in der Darstel­lung.

Sounds

Fan­gen wir doch mal beim Re­verb an. Zum Test durf­te das Pe­dal vor mei­nem Fen­der Champ platz­neh­men, der ja be­kann­ter­ma­ßen über kei­nen ein­ge­bau­ten Hall ver­fügt. Was liegt al­so nä­her, als ihm mit­tels Oce­an Ma­chi­ne ein Spring Re­verb zu ver­pas­sen? Und das klappt auch wirk­lich su­per. Dank des an­lo­gen Fee­lings durch die vie­len Po­tis im Di­rekt­zu­griff lan­det man sehr schnell beim ge­wünsch­ten Sound. Be­son­ders po­si­tiv tut sich hier das To­ne-po­ti des Re­verbs her­vor. Hier­mit kann man den Ef­fektan­teil von voll und rund hin zu hö­hen­reich und schep­pernd ein­stel­len. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass vie­le User mit­tel­fris­tig bei ei­nem oder zwei Ar­ten von Re­verbs lan­den und das Fein­tu­ning größ­ten­teils am To­ne-po­ti vor­neh­men. Ins­be­son­de­re beim ge­wähl­ten Sprin­gEf­fekt fällt nach kur­zer Spiel­zeit je­doch lei­der auf, dass das in­itia­le „Plo­ing“, be­zie­hungs­wei­se das „wob­beln“der di­gi­tal si­mu­lier­ten Spi­ra­le im­mer gleich klingt. Hier ent­steht kei­ne Dy­na­mik im Zu­sam­men­spiel mit der Gi­tar­re und dem­ent­spre­chend bin ich auch schnell zu Room oder Pla­te über­ge­gan­gen. Die­se wis­sen mehr zu über­zeu­gen. Stellt man den Re­verb-an­teil sehr hoch ein, so fällt auf, dass auch hier al­les et­was we­ni­ger drei­di­men­sio­nal klingt als es bei teu­re­ren

Ef­fek­ten der Fall wä­re – bei ei­ner de­zen­ten Un­ter­füt­te­rung des Si­gnals ist aber al­les un­kri­tisch. Ähn­lich ver­hält es sich mit dem Shim­mer-ef­fekt, wel­cher so­gar ein ei­ge­nes Po­ti spen­diert be­kom­men hat. Man kann den An­teil al­so di­rekt dem Re­verb bei­mi­schen. Als in­ter­es­san­te Sound-idee legt der Dis­tVerb ei­nen Dis­tor­ti­on-ef­fekt auf die Hall­fah­ne. Eben­so wie bei den Mod und FLVerb Mo­del­len, ist mir das per­sön­lich ein we­nig zu viel des Gu­ten, es las­sen sich aber de­fi­ni­tiv in­ter­es­san­te High­lights in Songs set­zen. Die De­lays sind ähn­lich auf­ge­stellt. Die Klas­si­ker wie Di­gi­tal- und Ana­log-de­lay klin­gen wie er­war­tet. Gera­de bei Di­gi­talDe­lays hat ein di­gi­ta­les Pe­dal na­tür­lich kei­ner­lei Schwie­rig­kei­ten. Bei der Ana­log-ein­stel­lung wird das Si­gnal bei je­der Wie­der­ho­lung ein we­nig mehr de­gra­diert – auch dies klingt hier durch­aus glaub­wür­dig. Ins­be­son­de­re das Ta­peMo­de­ling hat mir viel Spaß ge­macht. Hier wird noch ein leich­ter Ef­fekt auf die Wie­der­ho­lun­gen ge­legt. Je nach Wunsch des Users tritt dies mehr oder we­ni­ger stark in den Vor­der­grund. Bei de­zen­ter Ein­stel­lung ver­leiht die­ser Ef­fekt dem Si­gnal ei­ne an­ge­neh­me Rä­um­lich­keit und ei­nen Hauch der al­ten Ta­ge. Nutzt man nun noch die Mög­lich­keit bei­de De­lays zeit­gleich aber mit an­de­ren De­lay-zei­ten lau­fen zu las­sen, er­ge­ben sich wun­der­bar schwe­ben­de Sounds. Auch ein Ping-pong Ef­fekt ist oh­ne Wei­te­res di­rekt im Ge­rät an­wähl­bar. Hier spielt das Moo­er sei­ne Vor­zü­ge voll aus. Ei­ne in­ter­es­san­te Idee ist ge­ne­rell im­mer die Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner De­lays die in­ein­an­der lau­fen. Lässt man bei­spiels­wei­se ein Ana­log-de­lay in ein di­gi­ta­les lau­fen, so wer­den die lang­sam dump­fer wer­den­den Wie­der­ho­lun­gen wie­der­um klar wie­der­holt. Oder man setzt ein De­lay für ei­ne de­zen­te Rä­um­lich­keit des Si­gnals ein und das an­de­re für ei­nen deut­li­chen, zu­sätz­li­chen Ef­fekt bei So­li. Die wei­te­ren De­lay-mo­di wie Ga­la­xy, Rain­bow, Crys­tal, Low-bit oder Fuz­zy le­gen Ef­fek­te auf das Si­gnal. Oft sind dies Pitch-shif­ter durch die das Si­gnal stu­fen­wei­se tie­fer oder hö­her wird. Ziem­lich cool und so auch schon auf di­ver­sen Pro­duk­tio­nen zu hö­ren. Mein An­spiel­tipp für den ers­ten Test wä­re hier der Rain­bow-ef­fekt. Ob es ge­wollt und Style ist, oder nicht: Die Ef­fek­te klin­gen zu je­der Zeit di­gi­tal. Gera­de Low-bit, bei dem ein Bit­crus­her hin­zu­kommt und Fuz­zy, wo das zu wie­der­ho­len­de Si­gnal ver­zerrt wird, ka­men mir beim ers­ten Test sehr in­ter­es­sant vor und kön­nen schnell be­ein­dru­cken. Je­doch merkt man nach kur­zer Zeit, dass die Sound­qua­li­tät nicht sehr hoch ist, es klingt ein­fach nach ei­nem güns­ti­gen di­gi­ta­len Fuzz. Auch das kann als Ef­fekt zwi­schen­durch sehr span­nend sein, man soll­te je­doch nicht zu viel er­war­ten. Auch beim De­lay könn­te ich mir gut vor­stel­len, dass der To­ne- Reg­ler für vie­le Nut­zer sehr span­nend wer­den könn­te. Die­ser re­gelt – wie schon beim Re­verb – den Sound des Ef­fek­tes und kann so das i-tüp­fel­chen der Sound­for­mung sein. In den Ein­stel­lun­gen der Oce­an Ma­chi­ne lässt sich un­ter an­de­rem wäh­len, ob „ Trails“an oder aus sein sol­len. Sprich: Soll der Hall nach­klin­gen, wenn ich ihn aus­schal­te. Die­ser Ef­fekt setzt sich lei­der nicht über ver­schie­de­ne Pre­sets hin­weg fort. Dies wür­de aber auch glei­che Hall­ef­fek­te in den Pre­sets (wie bei­spiels­wei­se beim Axe-fx II mög­lich) oder de­di­zier­te Pro­zes­so­ren (wie bei Di­gi­tech Rack-ef­fek­ten) er­for­dern und ist dem­ent­spre­chend sel­ten an­zu­tref­fen. Der Lo­oper funk­tio­niert ge­nau wie man es er­war­tet. Er klingt über­zeu­gend und bie­tet die not­wen­di­gen Ein­stell­mög­lich­kei­ten für fast al­le Le­bens­la­gen.

re­sü­mee

Moo­er hat hier in Zu­sam­men­ar­beit mit De­vin Town­send ein sehr in­ter­es­san­tes Pe­dal ge­schaf­fen. Auf klei­nem Raum wer­den dem Nut­zer vier un­ab­hän­gig nutz­ba­re Ef­fek­te dar­ge­bo­ten. Be­son­de­rer Spaß ent­steht na­tür­lich bei der Kom­bi­na­ti­on der Mög­lich­kei­ten. Hier sind so­wohl de­zen­te Ein­stel­lun­gen, als auch völ­lig ab­ge­dreh­te, os­zil­lie­ren­de Sounds mit Fuzz, Pitch-shif­ter und Shim­mer mög­lich. Kein Wun­der, dass der Pro­zes­sor da ir­gend­wann in die Knie geht. Und das ist auch die Krux bei die­sem Ge­rä­tes. Die Ef­fek­te, die ei­nem ge­bo­ten wer­den, funk­tio­nie­ren ein­wand­frei, man soll­te sich aber be­wusst sein, dass der Markt – zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen für mehr Geld – hoch­wer­ti­ge­re An­ge­bo­te be­reit­hält. Aber das ist Me­ckern auf ho­hem Ni­veau. Her­un­ter­ge­rech­net lan­det man bei ei­nem zwei­stel­li­gen Be­trag pro Ef­fekt­typ. Ein Stry­mon Ge­rät, wel­ches dann „nur“Re­verb kann kos­tet ger­ne schon das Dop­pel­te des Moo­er. Und mit mehr Ein­ze­lef­fek­ten muss man auch wie­der mehr Ka­bel ver­le­gen und ist dann in der Rei­hen­fol­ge wie­der be­schränkt. Die Oce­an Ma­chi­ne wird so­mit zwei­fels­oh­ne ih­ren Platz in der Ef­fekt­welt fin­den. n [2048]

FO­TOS Die­ter Stork

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