Pawn Shop: Eg­mond Tem­pest

EG­MOND TEM­PEST

Gitarre & Bass - - Inhalt - CHRIS­TO­PHER KELL­NER

Wer die­se Ko­lum­ne auf­merk­sam ver­folgt, wird even­tu­ell ein ge­wis­ses Mus­ter er­ken­nen. Rich­tig – zum drit­ten Mal prä­sen­tie­ren wir ei­ne eu­ro­päi­sche Jazz­mas­ter/ja­gu­ar-ko­pie in Sun­burst aus den 60er- und 70er-jah­ren. Die Ähn­lich­kei­ten im De­sign sa­gen schon viel über den zeit­ge­nös­si­schen Ge­schmack aus, wie ich fin­de. Die­ses Mal sto­ßen wir wei­ter nach Wes­ten vor, und zwar in die Nie­der­lan­de. Dort, im be­schau­li­chen Val­kens­waard, grün­de­te ein ge­wis­ser Uil­ke Eg­mond im Jahr 1932 ei­nen Mu­si­ka­li­en­la­den und be­gann mit dem Im­port von Gei­gen aus Ost­eu­ro­pa. Bald sie­del­te das Ge­schäft nach Eind­ho­ven um, und Eg­monds Söh­ne stie­gen mit ein. Als wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs der Im­port ver­sieg­te, be­gann die Fa­mi­lie selbst mit der Pro­duk­ti­on von In­stru­men­ten. Bis in die 1960er-jah­re soll­te das Un­ter­neh­men auf 80 Mit­ar­bei­ter und ei­nen an­geb­li­chen Aus­stoß von 2000 Gi­tar­ren pro Wo­che an­wach­sen! Wie auch die Gi­tar­ren­fir­men in an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern, ge­riet Eg­mond in den frü­hen 70er-jah­ren in schwie­ri­ges Fahr­was­ser. Ob­wohl sehr viel bil­li­ger in der Pro­duk­ti­on als die ame­ri­ka­ni­schen Mar­ken, wur­den die Hol­län­der von den neu­en asia­ti­schen Her­stel­lern im Preis noch deut­lich un­ter­bo­ten – der Ab­satz, vor al­lem in die USA, brach ein. Bis 1983 hielt sich Eg­mond mit Auf­trags­ar­bei­ten, z. B. für C.F. Mar­tin (Ve­ga-se­rie) über Was­ser, doch dann war Schluss – ei­ne trau­ri­ge Ana­lo­gie zu den deut­schen Her­stel­lern der­sel­ben Ära. Heu­te lie­gen die Rech­te an der Mar­ke bei ei­ner ka­na­di­schen Fir­ma, doch ei­ne ge­plan­te Wie­der­auf­la­ge ei­ni­ger Mo­del­le wur­de nach dem Tod des De­si­gners 2011 ge­stoppt. Früh er­kann­te Eg­mond den gro­ßen Be­darf an Gi­tar­ren gera­de auf dem bri­ti­schen Markt, und so lan­de­ten (dort als „Ro­set­ti“ge­la­bel­te) Ex­em­pla­re in den Hän­den von Ge­or­ge Har­ri­son, Bri­an May und Paul Mc­cart­ney. Ob die uns vor­lie­gen­de Tem­pest von 1968 von ir­gend­wel­chen Ce­le­bri­ties ge­spielt wur­de, ist mir nicht be­kannt – ei­ne coo­le Gi­tar­re ist sie al­le­mal, und wir wol­len sie uns nä­her an­schau­en. Ober­fläch­lich be­trach­tet folgt die Tem­pest dem Vor­bild – in die­sem Fall der Ja­gu­ar, denn auch die Hol­län­de­rin weist ei­ne Men­sur von ca. 628 mm auf. Eg­mond be­gnüg­te sich aber nie mit der schnö­den Ko­pie der Us-mo­del­le, son­dern be­wies viel Ei­gen­stän­dig­keit. Auf dem ele­gant ge­schwun­ge­nen Schlag­brett pran­gen zwei su­per twan­gy Sing­le­coils, die über ei­nen Drei-we­ge-ro­ta­rySchal­ter be­dient wer­den. Da­zu Mas­ter-vo­lu­me und –To­ne, mehr braucht es hier nicht. Die Brü­cke äh­nelt un­ter dem Hand­schutz der des Ori­gi­nals, sitzt aber et­was hö­her, wes­halb die Sai­ten auch bei Ben­dings nicht so leicht aus den Rei­tern hüp­fen. Das liegt an dem sehr hoch in der Frä­sung sit­zen­den Hals – ei­nem ty­pi­schen Merk­mal, das sich aus dem Schlag­gi­tar­ren­bau her­lei­tet. Wie im­mer bei Eg­monds, zeig­ten die Hol­län­der beim Griff­brett – es sieht mir nach Pa­li­san­der aus – nicht so wirk­lich Mo­ti­va­ti­on am Schleif­ge­rät, denn die Ober­flä­che ist roh, was im deut­li­chen Kon­trast zur an­sons­ten doch sehr or­dent­li­chen Ver­ar­bei­tung der Gi­tar­re steht, die sich mit der west­deut­scher Mo­del­le die­ser Zeit (sie­he die Kli­ra Ken­tu­cky im letz­ten Heft) durch­aus mes­sen kann. Es gibt vie­le Eg­monds mit eher rus­ti­ka­ler Fer­ti­gung, denn die Fir­men­po­li­tik der 1960er war im­mer „Quan­ti­tät statt Qua­li­tät“. Nicht je­doch bei die­sem Mo­dell, was den Spaß­fak­tor beim Spie­len auf der Tem­pest enorm er­höht – zwar brem­sen die dün­nen und nied­ri­gen Vin­ta­ge­bün­de auf dem recht stark ge­run­de­ten Griff­brett den mo­der­nen Spiel­fluss, aber die Hol­län­de­rin ist auch nicht so wi­der­spens­tig wie so man­che zeit­ge­nös­si­sche Asia­tin. Wie so oft sind es vor al­lem die Pick­ups, die un­se­re Pawn­shop-pro­ban­din rich­tig brauch­bar ma­chen – keh­li­ger Twang im Gold-foil-stil ist hier Pro­gramm. Eg­mond-gi­tar­ren sind nicht so häu­fig auf den üb­li­chen On­li­neMärk­ten an­zu­tref­fen – da es in Deutsch­land ge­nü­gend ei­ge­ne An­bie­ter gab, ver­brei­te­ten sie sich hier­zu­lan­de nicht so stark. Al­ler­dings ist auch die Nach­fra­ge re­la­tiv ge­ring, wes­halb man für die Hol­län­de­rin­nen nur zwi­schen € 100 und € 300 be­rap­pen muss, für die qua­li­ta­tiv oft sehr mau­en Schlag­gi­tar­ren so­gar we­ni­ger (aus gu­tem Grund). Wer ei­ne Tem­pest oder ein Schwes­ter­mo­dell güns­tig er­gat­tern kann, soll­te aber zu­grei­fen – je län­ger ich sie an­schaue und auf ihr rum­nud­le, des­to mehr schwin­den mei­ne gu­ten Ver­kaufs­vor­sät­ze! n

Selt­sa­me Lo­goA­n­ord­nung Auch von hin­ten schnit­tig Der Ro­ta­ry-switch ist von Vo­lu­me- und Ton­e­po­ti nicht zu un­ter­schei­den. Twan­gy Pick­ups So ta­del­los er­hal­te­ne of­fe­ne Mecha­ni­ken sind sel­ten. Ele­gan­tes 60s Schlag­brett-de­sign

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