Greu­ter Ful­ler Dri­ve/ger­ma­ni­um OD, Fx-pe­da­le

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Udo Pip­per y FO­TOS Die­ter Stork

Sa­scha Greu­ter gilt nicht nur im Al­pen­land als Ton- Freak mit Ge­fühl für klas­si­sche Gi­tar­ren­sounds. Die von Hand ge­fer­tig­ten Pe­da­le mit er­le­se­nen Zu­ta­ten er­obern mitt­ler­wei­le ganz Eu­ro­pa.

Und wer sich mit Fet-bau­stei­nen aus­kennt, weiß, dass das ein zeit­rau­ben­des Un­ter­fan­gen sein kann. Da­her er­klärt sich auch der re­la­tiv ho­he Preis die­ser Pe­da­le. Ich konn­te mich wäh­rend der Tests selbst da­von über­zeu­gen, dass es Greu­ter da­mit ernst ist, denn ich hat­te ins­ge­samt drei Ful­ler- Dri­ve- Pe­da­le, die al­le auf den Punkt ab­ge­stimmt wa­ren. Und da­mit sind wir di­rekt bei den Klan­g­er­geb­nis­sen. Fast gleich­gül­tig, wel­che Ein­stel­lung man für die­ses Pe­dal wählt: Man hört so­fort die­se für heu­ti­ge Fuß­tre­ter meist un­ty­pi­sche ver­rauch­te Klang­no­te. Der Ton ist breit, saf­tig und fett. Mit ei­ner gu­ten Les Paul er­in­nert der Sound so­fort an ZZ Tops le­gen­dä­ren Rock­pa­las­tAuf­tritt von 1980 oder an Marc Bolans pop­pi­ge Po­wer-chor­ds. Der Ton kom­pri­miert an­ge­nehm, wird aber nie mat­schig oder ver­wa­schen, auch nicht, wenn man die Over­dri­ve-re­ser­ven mit­tels Mi­niSwitch noch­mals deut­lich stei­gert. Man kann da­mit über­steu­ern oh­ne En­de, er­reicht aber nie den von den al­ten Pe­da­len be­kann­ten Over­kill-be­reich, ab dem al­les nur noch ein­bricht und ver­wäscht. Das ist sehr ge­lun­gen. Die Boost-op­ti­on ist da nur noch ein klei­nes Sah­ne­häub­chen, denn an klei­ne­ren Amps reicht die­se meist schon aus, um für ein Po­wer-riff die Vor­stu­fe an­zu­kit­zeln. Das macht das Pe­dal noch et­was fle­xi­bler. Mit ei­ner Stra­to­cas­ter be­wegt man sich ein­deu­tig in Jeff-beck-ge­fil­den. Als ewi­ger Beck-fan ha­be ich hier end­lich ein Pe­dal ge­fun­den, dass die­se fet­ten, gei­gen­ar­ti­gen Klän­ge mü­he­los her­vor­zau­bert. Ähn­lich wie Beck es tat, kann man den Ful­ler Dri­ve stets ein­ge­schal­tet las­sen und den Over­dri­ve mit­tels Vo­lu­me-po­ti wun­der­bar von Cle­an bis Hea­vy steu­ern. Das ist ein wei­te­rer Vor­teil der Greu­terSchal­tung. Auch wenn man für die­ses Pe­dal sat­te € 390 hin­blät­tern muss, soll­ten sich Fans der be­schrie­be­nen Sounds ei­nen Test un­be­dingt gön­nen. Es ist er­staun­lich, wie kom­plett der Ful­ler Dri­ve die be­rühm­ter Sieb­zi­ger-klän­ge ab­deckt.

Ger­ma­ni­um OD

Die­ses Ge­rät ist ei­ne rein­ras­si­ge Neu­auf­la­ge der mit dem be­rühm­ten Ger­ma­ni­um-tran­sis­tor aus­ge­stat­te­ten Pe­da­le von der bri­ti­schen In­sel. Wie­der ein­mal den­ken wir da­bei so­fort an die frü­hen To­ne-ben­der- oder Fuz­zface-sounds von Jeff Beck, Jim­my Pa­ge, Ji­mi Hen­d­rix oder Da­vid Gil­mour. Na­tür­lich ha­be auch ich mich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten im­mer wie­der an sol­che Klas­si­ker her­an­ge­wagt, aber meist schnell wie­der da­von Ab­stand ge­nom­men, denn ent­we­der wa­ren die wirk­lich al­ten Ex­em­pla­re, die ich fin­den konn­te, fürch­ter­lich noi­sy und ver­rauscht, oder sie wa­ren ein­fach zu schrill, zu dumpf oder über­mä­ßig kom­pri­miert. Vor ein paar Jah­ren traf ich den Ger­ma­ni­um-fuz­zface-fan Phi­lip Say­ce in Ber­lin. Er er­zähl­te mir, dass er sa­ge und schrei­be 19 al­te Dal­las Ar­bi­ter Fuz­zfaces sein ei­gen nennt, aber mit al­len nicht zu­frie­den sei. Da­her spiel­te er in Ber­lin ei­nes, das er von ei­nem Freund ge­lie­hen hat­te und das sei­nen An­sprü­chen ei­ni­ger­ma­ßen ge­nüg­te. Soll hei­ßen: Es ist ein­fach wahn­sin­nig schwie­rig, ein Ger­ma­ni­um-ge­rät zu fin­den, das wirk­lich auf den Punkt funk­tio­niert. Die Tran­sis­to­ren ha­ben rie­si­ge Streu­un­gen und sind zu­dem ex­trem wär­me­emp­find­lich. Sa­scha Greu­ter ver­sucht dem wie­der­um mit sei­nem ho­hen Se­lek­ti­ons-auf­wand ent­ge­gen­zu­wir­ken. Und dar­in liegt der un­über­seh­ba­re Un­ter­schied der Greu­terTech­nik zu den Mit­be­wer­bern. Das Ger­ma­ni­um OD ist auf­fal­lend rau­sch­arm und agiert we­sent­lich dy­na­mi­scher als die mir be­kann­ten Pe­da­le. Der Ton bleibt kon­tu­riert und klar, auch bei ex­tre­men Ein­stel­lun­gen. Man kann den Sa­tu­ra­ti­on-reg­ler oh­ne Wei­te­res bis fast auf Rechts­an­schlag be­we­gen, be­vor sich der Tran­sis­tor wie üb­lich „ver­schluckt“. So­mit hat man reich­lich Re­ser­ven und Dy­na­mik, um sein Spiel zu ge­stal­ten. Die Gi­tar­re wird trotz ein­ge­schal­te­ten Pe­dals bei zu­rück­ge­dreh­tem Vo­lu­me-reg­ler wun­der­bar cle­an und durch­sich­tig. Das be­rühm­te ‚Litt­le Wing‘-in­tro ge­lingt so noch viel über­zeu­gen­der als ein­fach an ei­nem sehr klar ein­ge­stell­ten Amp. Mit ei­nem klei­nen Schal­tungs­trick ist es Sa­scha Greu­ter zu­dem ge­lun­gen, die Span­nungs­po­la­ri­tät um­zu­dre­hen, denn Ger­ma­ni­um be­trie­be­ne Pe­da­le sind oft mit Netz­tei­len nicht kom­pa­ti­bel, da der Plus­pol in der Re­gel auf Mas­se liegt. Auch die­ses Pe­dal rauscht ein klein we­nig. Das lässt sich bei die­ser Tech­nik nicht ganz aus­schlie­ßen. Der Ge­räusch­pe­gel ist aber weit­aus ge­rin­ger als bei man­chem Kon­kur­ren­ten. Ins­ge­samt re­agiert das Pe­dal so kom­pakt und dy­na­misch, dass auch ein Po­wer-riff im­mer kna­ckig und kon­tu­riert ge­lingt. Gro­ße Klas­se!

re­sü­mee

Bei­de Greu­ter-pe­da­le zei­gen ein­drucks­voll, dass der Kon­struk­ti­ons­auf­wand der Schwei­zer Schmie­de ent­spre­chen­de Blü­ten trägt. Die Pe­da­le klin­gen in den meis­ten Fäl­len nicht nur über­zeu­gen­der als die al­ten Vor­bil­der, son­dern spie­len ih­re Über­le­gen­heit auch in punc­to Qua­li­tät und tech­ni­scher Fi­nes­se in je­der Hin­sicht aus. Mei­ne un­be­ding­te Emp­feh­lung! n

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