GREU­TER- BON­BONS

Gitarre & Bass - - News -

Vor al­lem Mu­si­ker mei­ner Ge­ne­ra­ti­on ge­ra­ten beim An­hö­ren be­stimm­ter Over­dri­ve-sounds ge­ne­rell in Ver­zü­ckung. In der stil­prä­gen­den De­ka­de von et­wa 1967 bis 1977 hör­te man im­mer wie­der Gi­tar­ren­sounds, die es heu­te so nicht mehr zu ge­ben scheint. Bei mir sind das et­wa Jeff Beck auf sei­nen Al­ben ‚Blow By Blow‘ oder ‚Wi­red‘, ZZ Tops ‚Fan­dan­go‘ und manch­mal auch Led Zep­pe­lin, T.rex oder Je­thro Tull. Da sind die­se Sa­xo­phon-ar­ti­gen, brei­ten Over­dri­ve-sounds, die of­fen­bar aus ei­ner eher zu­fäl­li­gen Kom­bi­na­ti­on von Gi­tar­re, Amp, Pe­dal und der da­mals üb­li­chen Auf­nah­me-tech­nik her­rüh­ren. Wie ha­ben die das bloß ge­macht? Zwar gibt es heut­zu­ta­ge ge­fühl­te zwei Mil­lio­nen Over­dri­ve-pe­da­le, aber die­se al­ten Klän­ge schei­nen da nicht drin zu sein. Da­her ver­schlin­gen wir In­ter­views und Mu­sik-ma­ga­zi­ne, um den ver­meint­li­chen Ge­heim­nis­sen die­ser Klän­ge auf die Sch­li­che zu kom­men. Sa­scha Greu­ter scheint die­ses Fie­ber eben­falls in­fi­ziert zu ha­ben, denn sei­ne Pe­da­le las­sen sich al­le­samt klang­lich in die­ser Ära an­sie­deln. Da­her sind sein Ful­ler Dri­ve und Ger­ma­ni­um OD nicht et­wa nur ir­gend ei­ne wei­te­re Bou­tique-in­ter­pre­ta­ti­on an­ge­sag­ter Mo­de-pe­da­le, son­dern eher der Ver­such, das We­sen die­ser Klän­ge durch und durch zu ent­schlüs­seln. Nen­nen wir die­se Zeit ru­hig mal PräTu­be-screa­mer-ära, denn be­vor es die wohl meist ko­pier­te klei­ne, grü­ne Wun­der­kis­te gab, muss­ten die Gi­tar­ris­ten mit Fuz­zfaces, Treb­le­boos­tern und Tran­sis­torO­ver­dri­ves vor­lieb neh­men. Die be­rühm­tes­ten Pe­da­le ka­men von Dal­las Ar­bi­ter, So­la Sound, Mar­shall, MXR oder Elec­troHar­mo­nix, um nur ei­ni­ge zu nen­nen. Auch ich ha­be mit sol­chen klei­nen Hel­fern an­ge­fan­gen, im­mer ir­gend­wie mit ei­ner Hass­lie­be zu den rau­schen­den, meist mit Bat­te­rie-span­nung un­ter­ver­sorg­ten und fra­gi­len Blech­büch­sen. Die meis­ten da­von sind aber heu­te – ob zu Recht oder zu Un­recht – Le­gen­den und kos­ten meh­re­re Hun­dert Eu­ro. Vie­le da­von wer­den von den Her­stel­lern wie­der neu auf­ge­legt, bie­ten aber nur sel­ten die glei­che Ver­zü­ckung, die un­se­re Er­in­ne­rung an die gu­ten al­ten Zei­ten nährt.

Ful­ler Dri­ve with Boost

Der Ful­ler Dri­ve Boost schließt die Lü­cke ir­gend­wo zwi­schen Elec­tro-har­mo­nix Big Muff und So­la Sound Over­dri­ver. Es han­delt sich um ei­nen schlich­ten Auf­bau mit Vo­lu­me-, To­ne- und Dri­ve-reg­ler in der in et­was klei­ne­re Bau­form er­hält­li­chen Ba­sis-ver­si­on. Das ge­tes­te­te Pe­dal hat zu­sätz­lich ei­nen 20-db-boos­ter so­wie ei­nen Dri­ve-switch an Bo­ard. An der Front be­fin­den sich zwei klei­ne Schal­ter für den Pre-boost (An­he­bung der Dy­na­mik durch hö­he­re Span­nung) und ei­ne Bassab­sen­kung. So­weit nichts Be­son­de­res. Das Herz­stück der Elek­tro­nik ist hier ein FET­ge­trie­be­nes Mo­dul für in die­sem Fall wirk­lich „ alt“klin­gen­de Over­dri­veSounds. Die FETS wer­den von Sa­scha Greu­ter für je­des Ge­rät nach Klang se­lek­tiert. Sein An­spruch, dass je­des Pe­dal wie das an­de­re klingt, ist obers­tes Ge­bot.

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