Black Coun­try Communion: All­star Po­wer Rock

BLACK COUN­TRY COMMUNION

Gitarre & Bass - - Inhalt -

All­star-Bands hat es in der Ge­schich­te der Rock­mu­sik mehr als ge­nug ge­ge­ben. Die meis­ten von ih­nen konn­ten zwar mit nam­haf­ter Be­set­zung glän­zen, an­schlie­ßend den rie­si­gen Hy­pe durch ent­spre­chend gleich­wer­ti­ge Ta­ten je­doch kaum ein­mal recht­fer­ti­gen. Bei Black Coun­try Communion ist das an­ders. Als Glenn Hug­hes und Joe Bo­na­mas­sa im Herbst 2009 die Su­per­group for­mier­ten, er­füll­ten sie in­ner­halb kür­zes­ter Zeit ih­re kla­re Vi­si­on: „ Ich woll­te ei­ne Band, mit der ich für mich und für vie­le Fans wie­der die Tür zum Rock’n‘roll auf­sto­ße“, er­klär­te Hug­hes da­mals. „Ei­ne Band, bei der je­der Ton, je­des Ar­ran­ge­ment durch und durch or­ga­nisch klingt, die für die Büh­ne ge­ra­de­zu prä­des­ti­niert ist und da­bei mü­he­los auf ei­nem tech­nisch ho­hen Ni­veau spie­len kann.“Mit Ja­son Bon­ham (Schlag­zeug, Led Zep­pe­lin) und De­rek Sher­i­ni­an (Key- bo­ards, Dream Thea­ter, Kiss, Ali­ce Co­oper) fan­den Hug­hes und Bo­na­mas­sa die ge­eig­ne­te Ver­stär­kung für ihr Vor­ha­ben. Dass es hin­ter den Ku­lis­sen den­noch zu­nächst mäch­tig schep­per­te, be­vor aus der Idee Black Coun­try Communion tat­säch­lich ei­ne ak­ti­ve Band wer­den konn­te, hing mit ju­ris­ti­schen Un­ge­reimt­hei­ten um die Na­mens­rech­te zu­sam­men. Doch das al­les war ver­ges­sen, als das De­büt­al­bum ,Black Coun­try Communion‘ im Sep­tem­ber 2010 un­ter laut ver­nehm­ba­rem Blät­ter­rau­schen ver­öf­fent­licht wur­de und die in­ter­na­tio­na­le Rock­welt rest­los be­geis­ter­te. Sän­ger/bas­sist Glenn Hug­hes ge­hör­te in den Sieb­zi­gern zu den fa­bel­haf­ten Mar­kIII- & Mark-iv-be­set­zun­gen von Deep Pur­p­le, er war an den Klas­si­kern ,Burn‘ (1974), ,Storm­brin­ger‘ (1974) und ,Co­me Tas­te The Band‘ (1975) be­tei­ligt und ver­öf­fent­lich­te an­schlie­ßend ne­ben zahl­lo­sen So­lo- wer­ken wei­te­re erst­klas­si­ge Schei­ben un­ter an­de­rem mit Black Sab­bath, Ga­ry Moo­re oder Keith Emer­son. Sein pro­gram­ma­ti­scher Spitz­na­me: The Voice Of Rock. Doch Hug­hes ex­zen­tri­sches Na­tu­rell sorg­te schon früh im­mer wie­der für Tra­gik, Streit und Ir­ri­ta­tio­nen. Nach dem un­wür­di­gen En­de von Deep Pur­p­le, an dem er und der ver­stor­be­ne Gi­tar­rist Tom­my Bo­lin ei­ne er­heb­li­che Mit­schuld tru­gen, fiel der eben­falls Dro­gen-af­fi­ne Hug­hes in ei­ne tie­fe Kri­se. An­schlie­ßend sah man den ge­fal­le­nen En­gel sturz­be­trun­ken und bar jeg­li­cher Selbst­ach­tung auf Af­ter­show-par­tys ‚Smo­ke On The Wa­ter‘ auf dem Kla­vier spie­len und sein Geld für Un­sin­nig­kei­ten ver­pul­vern: 50.000 Dol­lar gab er al­lein da­für aus, dass sein Rolls Roy­ce das L. A.- Kenn­zei­chen „ GH1“be­kam.

Ob­wohl der 1951 im bri­ti­schen Can­nock ge­bo­re­ne Mu­si­ker be­reits seit vie­len Jah­ren kom­plett ab­sti­nent lebt und kör­per­lich in glän­zen­der Ver­fas­sung ist, scheint ihm auch heu­te noch sein über­gro­ßes Ego mit­un­ter selbst im Weg zu ste­hen. Denn dass ein bo­den­stän­di­ger und be­schei­de­ner Mu­si­ker wie Bo­na­mas­sa ihm öf­fent­lich die Freund­schaft auf­kün­digt und die Zu­sam­men­ar­beit für be­en­det er­klärt ( O- Ton Bo­na­mas­sa im Fe­bru­ar 2014: „War­um soll­te ich mei­ne So­lo­kar­rie­re hin­ten an­stel­len, nur um mit ei­nem 63jäh­ri­gen Mann zu spie­len, der sich für ei­nen ver­damm­ten Rock­star hält? Ich ken­ne nie­man­den, au­ßer den Ty­pen in ,Jack And The Be­anstalk Be­ans‘, der ei­nen sol­chen De­al ak­zep­tie­ren wür­de“), lässt tief bli­cken. Na­he­zu vier Jah­re herrsch­te Funk­stil­le zwi­schen den bei­den Band­lea­dern, an ei­ne Fort­set­zung von Black Coun­try Communion war lan­ge nicht zu den­ken. Bis plötz­lich im Ja­nu­ar 2017 ein Foto im In­ter- net auf­tauch­te, das Hug­hes, Bo­na­mas­sa, Bon­ham und Sher­i­ni­an wie­der ge­mein­sam im Stu­dio zeig­te. Und sie­he da: Am 22. Sep­tem­ber 2017 er­scheint ,BCC IV‘, ein wah­res Ro­ck­ju­wel ka­pi­ta­len Aus­ma­ßes. Wir ha­ben Glenn Hug­hes zu die­ser über­aus er­freu­li­chen Ent­wick­lung be­fragt.

in­ter­view

Glenn, un­ter wel­cher Prä­mis­se hast du dich im Ja­nu­ar 2017 erst­mals wie­der mit Joe Bo­na­mas­sa zum Song­wri­ting ge­trof­fen? Das er­klär­te Ziel war, die Di­rek­ti­ven der drei ers­ten Black-coun­try-com­mu­ni­onAl­ben fort­zu­set­zen. Wir woll­ten kei­nen an­de­ren Sound, kein ge­än­der­tes Song­wri­ting, des­we­gen nennt sich die Schei­be auch schlicht ,BCC IV‘. Es ging dar­um, den En­thu­si­as­mus und die Ener­gie der ers­ten Wer­ke fort­zu­set­zen. Der von dir er­wähn­te En­thu­si­as­mus be­kam zwi­schen­zeit­lich ei­ne er­heb-

li­che Del­le. Konn­tet ihr eu­re Dif­fe­ren­zen im Vor­feld auf­ar­bei­ten? Die Si­tua­ti­on war Fol­gen­de: Black Coun­try Communion hat­ten in nur drei Jah­ren drei Stu­dio­al­ben und ei­ne Live-schei­be auf­ge­nom­men. Ei­ne mords­mä­ßi­ge An­stren­gung mit mas­sen­haft Ar­beit! Hin­zu ka­men die Tour­ne­en, die eben­falls viel Kraft ge­kos­tet ha­ben. Da­her gab es da­nach zu­nächst kei­ne wei­te­ren Plä­ne. Für mich stand da­mit fest, dass ich mich erst ein­mal um mei­ne ei­ge­nen Sa­chen küm­mern muss­te, und auch Joe hat sei­ne ei­ge­ne Kar­rie­re. Ich nahm Al­ben mit Ca­li­for­nia Breed und den Kings Of Cha­os auf und pro­du­zier­te mei­ne So­lo­schei­be , Re­so­na­te‘, um im Ge­schäft zu blei­ben. Aber ich wuss­te im­mer, dass Joe und ich uns ir­gend-

BLACK COUN­TRY COMMUNION BCC IV Mas­cot/rough Tra­de

Das Kriegs­beil ist be­gra­ben, die al­ten Streit­häh­ne ha­ben ei­nen Waf­fen­still­stand ver­ein­bart: Joe Bo­na­mas­sa und Glenn Hug­hes ro­cken wie­der ge­mein­sam, das Ka­pi­tel ‚Black Coun­try Communion‘ geht al­so in sei­ne vier­te Pha­se. Am Hea­vy-rock-kon­zept der All­star-trup­pe hat sich nichts ge­än­dert, wei­ter­hin re­gie­ren Bo­na­mas­sas feu­ri­ge Axt, der in bes­ter Paul-koss­off (Free)-ma­nier mehr oder min­der blue­si­ge Riffs und Licks ent­lockt wer­den, so­wie die bis zum Bers­ten ge­spann­ten Stimm­bän­der des ex­zen­tri­schen Hug­hes. Die bei­den Mit­strei­ter Ja­son Bon­ham und De­rek Sher­i­ni­an, die erst un­mit­tel­bar vor Pro­duk­ti­ons­be­ginn mit ins Boot ge­holt wur­den, als rei­ne Staf­fa­ge zu de­gra­die­ren, birgt si­cher­lich ein ge­wis­ses Ri­si­ko, hat auf ,BCC IV‘ aber funk­tio­niert: Bon­ham und Sher­i­ni­an beu­gen sich dem Dik­tat ih­rer bei­den Füh­rungs­köp­fe und steu­ern den Songs das bei, was ih­nen sonst ge­fehlt hät­te: rhyth­mi­sche Wucht und klang­li­che Tie­fe. So schließt das neue Al­bum ge­nau da an, wo die Band vor ih­rem Streit auf­ge­hört hat­te: in ei­nem sti­lis­ti­schen Hy­brid aus Deep Pur­p­le und Led Zep­pe­lin mit ei­ner kräf­ti­gen Pri­se Free/bad Com­pa­ny und au­ßer­ge­wöhn­li­chen spie­le­ri­schen Leis­tun­gen al­ler Be­tei­lig­ten. Hof­fen wir, dass der Burg­frie­den zwi­schen „Smo­kin‘ Joe“und „The Voice Of Rock“hält. n wann wie­der tref­fen und an ei­nem neu­en BCCAl­bum ar­bei­ten wür­den, da wir eng mit­ein­an­der be­freun­det sind. Ei­ne Freund­schaft mit Miss­ver­ständ­nis­sen, die of­fen­bar vor al­lem auf Tour­nee zu­ta­ge tra­ten. Das Ein­zi­ge, was ich da­zu sa­gen möch­te, ist Fol­gen­des: Wir ma­chen Al­ben, um un­se­re See­le zu füt­tern. Wenn man dann mit die­ser Band auch noch auf die Büh­ne ge­hen kann, ist das ein Bo­nus. Das Haupt­au­gen­merk von Black Coun­try Communion liegt aber deut­lich auf den Al­bum­pro­duk­tio­nen. Er­in­ne­re dich nur mal an die letz­ten Jah­re der Beat­les: Auch sie ha­ben Plat­ten auf­ge­nom­men, aber nicht mehr live ge­spielt. Willst du da­mit an­deu­ten, dass es die­se Band nie wie­der auf der Büh­ne ge­ben wird? Nein, das will ich da­mit nicht sa­gen. Aber es ist ei­ne Fra­ge des Ter­min­ka­len­ders. Lei­der bin ich der Ein­zi­ge, der mo­men­tan Zeit hat, In­ter­views zum neu­en Al­bum zu ge­ben. Aber das zeigt be­reits, wie schwie­rig es ist, al­le vier Band­mit­glie­der ter­min­lich un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. Es wä­re ei­ne Schan­de, wenn wir nie wie­der auf­tre­ten wür­den, denn Black Coun­try Communion sind die ul­ti­ma­ti­ve Live-band. Ist der frü­he Geist von Black Coun­try Communion zu­rück­ge­kehrt? Die Al­ben 1 und 2 wa­ren wie aus ei­nem Guss, weil sie in kur­zem Ab­stand von­ein­an­der ent­stan­den sind. Beim drit­ten Al­bum ,Af­ter­glow‘ lag der Fall et­was an­ders, denn die Schei­be war ur­sprüng­lich als mein So­lo­al­bum ge­plant und wur­de dann zu ,BCC III‘ um­funk­tio­niert. Da­nach gab es ei­ne län­ge­re Pau­se. Wir ha­ben uns zwar nicht of­fi­zi­ell auf­ge­löst, aber ich ver­öf­fent­lich­te zu­nächst ei­ni­ge an­de­re Al­ben. Dann tra­fen Joe und ich uns wie­der in mei­nem Haus in Los An­ge­les, um an der neu­en Schei­be zu ar­bei­ten. Wir woll­ten mit der glei­chen Geis­tes­hal­tung, den glei­chen Sound er­ar­bei­ten und die bei­den ers­ten Al­ben fort­set­zen. Bit­te be­schrei­be die Ar­bei­ten in dei­nem Haus. Al­le Songs ent­stan­den in di­rek­ter Ko­ope­ra­ti­on, die Tex­te stam­men mit Aus­nah­me von ,The Last Song For My Res­ting Place‘ al­le­samt von mir. Joe tauch­te je­den Mor­gen um elf Uhr bei mir auf, wir setz­ten uns di­rekt vor­ein­an­der hin und schrie­ben die Songs. Zwi­schen uns herrscht ei­ne rie­si­ge Ge­mein­sam­keit, als Kom­po­nis­ten und Freun­de. Wenn Joe und ich un­se­re In­stru­men­te in die Hand neh­men und uns in die Au­gen schau­en, ent­steht ein wun­der­vol­les Ge­fühl. Du kennst Joe, er ist ein tol­ler Mensch und sa­gen­haf­ter Mu­si­ker, und au­ßer­dem mein Freund. Wenn wir zu­sam­men­sit­zen, schlägt nur ein ge­mein­sa­mes Herz und wir füh­len ex­akt das Glei­che. Die Songs schrei­ben sich dann von ganz al­lei­ne. Wie du weißt, kom­po­nie­re ich so­wie­so per­ma­nent, aber mit Joe ist es die na­tür­lichs­te Sa­che der Welt. Wo wür­dest du die neue Schei­be in dei­ner lan­gen Kar­rie­re ein­ord­nen? Ich ha­be über 100 Al­ben auf­ge­nom­men und zahl­lo­se Aus­zeich­nun­gen er­hal­ten. Seit vie­len Jah­ren bin ich tro­cken und kann mich so­mit kom­plett auf mei­ne Mu­sik kon­zen­trie­ren. Für mich ist ,BCC IV‘ den­noch ab­so­lut au­ßer­ge­wöhn­lich, weil ich zu­vor noch nie vier Al­ben mit der­sel­ben Band auf­ge­nom­men ha­be. Joe und ich woll­ten die­se Schei­be un­be­dingt zu zweit schrei­ben, und auch wenn es ein Black-coun­try­Com­mu­ni­on-al­bum ge­wor­den ist, ste­hen Joe und ich im Mit­tel­punkt des Ge­sche­hens. Dar­auf ha­ben sich Ja­son Bon­ham und De­rek Sher­i­ni­an frei­wil­lig ein­ge­las­sen? Nun, du musst dir Fol­gen­des vor Au­gen füh­ren: Ein sol­ches Al­bum ist im­mer auch ei­ne Fra­ge des Ter­min­ka­len­ders. Joe und ich hat­ten Zeit uns zu tref­fen. Wir le­ben in der glei­chen Stadt, in­so­fern war ein Zu­sam­men­tref­fen kein gro­ßes or­ga­ni­sa­to­ri-

sches Pro­blem. Des­halb tra­fen wir die Ent­schei­dung, die Songs nur zu zweit zu schrei­ben. Aber sei dir si­cher: Als wir Ja­son und De­rek das Ma­te­ri­al vor­stell­ten, wa­ren sie so­fort rest­los be­geis­tert. Sie lieb­ten die Ide­en, die Ar­ran­ge­ments, den Klang der Stü­cke, die Tem­pi, ein­fach al­les. Ja­son hat na­tür­lich bei den Groo­ves ge­hol­fen, De­rek hat Orches­tra­tio­nen und Mel­lo­trons bei­ge­steu­ert, bei­de ha­ben dem Al­bum sehr ge­hol­fen. Black Coun­try Communion sind ein Team, dar­an be­steht kein Zwei­fel. Habt ihr das Ma­te­ri­al auf elek­tri­schen In­stru­men­ten oder auf Akus­tik-gi­tar­ren kom­po­niert? Hast du beim Schrei­ben auch Bass ge­spielt? Al­les: elek­tri­sche und akus­ti­sche Gi­tar­ren, und auch Bass. Je­der Tag be­gann da­mit, dass ich Joe et­was auf der Gi­tar­re ge­zeigt ha­be, und um­ge­kehrt. Im­mer wenn Joe bei mir zu Hau­se auf­tauch­te, hat­ten wir schon wie­der neue Ide­en im Hin­ter­kopf. Meis­tens spiel­te ich zu Be­ginn des Ta­ges auch Gi­tar­re, um mir dann re­la­tiv schnell den Bass um­zu­hän­gen. Wie stell­te sich die Si­tua­ti­on im Stu­dio dar? Ich hör­te, dass ihr die ge­sam­te Schei­be in gera­de ein­mal vier Ta­gen auf­ge­nom­men habt. Ja, das stimmt. Das kom­plet­te Al­bum wur­de na­tür­lich wie­der live ein­ge­spielt, so wie im­mer bei die­ser Band. Wir ha­ben je­den Song zwei­mal auf­ge­nom­men und dann die je­weils bes­se­re Ver­si­on aus­ge­wählt. Nach vier Ta­gen war al­les im Kas­ten. Klingt nach ei­ner in­ten­si­ven Vor­be­rei­tungs­pha­se. Über­haupt nicht! De­rek und Ja­son hat­ten kei­nen ein­zi­gen Ton ge­hört, be­vor wir uns im Stu­dio tra­fen. Wir ka­men am 2. Ja­nu­ar 2017 mor­gens ums elf in den ,East West Stu­di­os‘ in Hol­ly­wood an und spiel­ten ih­nen dort zum ers­ten Mal un­se­re De­mos vor. Bis da­hin kann­ten sie noch kei­nen ein­zi­gen Ton. Ei­ne tol­le Leis­tung, nicht wahr? Ab­so­lut! Lief al­les pro­blem­los? Oder gab es auf­grund des en­gen Zeit­fens­ters auch Schwie­rig­kei­ten? Nein, es gab über­haupt kei­ne Pro­ble­me. Was soll ich sa­gen? Die­ses war das ein­fachs­te Al­bum mei­ner ge­sam­ten Kar­rie­re. Joe und ich hat­ten al­le Songs ar­ran­giert, Ja­son steu­er­te tol­le Groo­ve-ide­en bei, spe­zi­ell in der Num­mer ,Sway`. Das Ein­zi­ge, was es noch zu tun gab, war die rich­ti­gen Key­board­sounds fest­zu­le­gen. Wir woll­ten mehr or­ga­ni­sche Keys, al­so Mel­lo­tron, Grand Pia­no und Or­gel an­statt Syn­the­si­zer. Im Mit­tel­punkt der Schei­be steht wie ge­wohnt dei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Stim­me. Wie kon­kret wur­den die Ge­s­angs­me­lo­di­en be­reits im De­mo­sta­di­um fest­ge­legt, und wie viel da­von ent­stand im Stu­dio bei den fi­na­len Auf­nah­men? Ich bin ge­ne­rell ein spon­ta­ner Song­schrei­ber. Meis­tens fing Joe mit ir­gend­ei­ner Ak­kord­fol­ge an und ich sang da­zu spon­tan, was mir gera­de ein­fiel. So et­was pas­sier­te im­mer aus der je­wei­li­gen Si­tua­ti­on her­aus. Wir ha­ben al­les so­fort auf­ge­nom­men, je­de Idee, je­de Me­lo­die. Als es im Stu­dio dann an die Auf­nah­men ging, ha­ben wir teil­wei­se ein­fach die Ge­sän­ge von den De­mos ge­nom­men. Siehst du dei­ne Be­deu­tung als Bas­sist der Band ei­gent­lich ähn­lich wich­tig wie die als Sän­ger? Oder spielt für dich der Bass nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le? Die Kunst be­steht ja dar­in, zu sin­gen und gleich­zei­tig ei­ni­ger­ma­ßen pas­sa­bel Bass zu spie­len. Die­sen Spa­gat ha­be ich im­mer im Hin­ter­kopf, wenn ich mei­ne Bass­parts aus­ar­bei­te. Ich schrei­be die Bass-li­nes al­so im­mer so, dass ich sie gleich­zei­tig mit mei­nem Ge­sang spie­len kann. Zu­mal ich so­wie­so der Mei­nung bin, und die­se auch of­fen ver­tre­te, dass we­ni­ger oft mehr ist, dass der Frei­raum, den man lässt, ei­nen Song erst rich­tig at­men und le­ben lässt. Paul Mc­cart­ney hat das auch so ge­macht, eben­so wie die groß­ar­ti­gen ame­ri­ka­ni­schen R’n‘ B- Bas­sis­ten. Ich bin kein Ham­mer- On- Bas­sist und ich spie­le den Bass nicht wie ei­ne E-gi­tar­re, son­dern mag vor al­lem Groo­ves. Dei­ne größ­te Stär­ke ist ja so­wie­so dein gran­dio­ser Bass-ton. Dan­ke, dass du das sagst. Na­tür­lich ha­be ich ei­ne ge­wis­se Stel­lung als Bas­sist, ei­nen Ruf, und der be­grün­det sich vor al­lem auf der ag­gres­si­ven Art, mit der ich den Bass spie­le. Ist Ag­gres­si­vi­tät dei­ne ge­ne­rel­le Hal­tung in ei­nem Bu­si­ness, das im­mer un­be­re­chen­ba­rer und schwie­ri­ger wird, vor al­lem für Rock­mu­si­ker? Nein. Ich ma­che Mu­sik, um mei­ne See­le zu füt­tern, um ein bes­se­rer Mensch zu wer­den. Ein Leh­rer, der Men­schen zu­sam­men­bringt, die krank sind, denn Mu­sik be­deu­tet Hei­lung. Ich ma­che Mu­sik, um mich selbst aus mei­ner men­ta­len Not zu be­frei­en, nicht um mög­lichst viel Geld da­mit zu ver­die­nen. Ich ha­be das gro­ße Glück, ein Le­ben in Wohl­stand zu ge­nie­ßen, des­we­gen tue ich nur Din­ge, die mich als Mensch glück­lich ma­chen. Letz­te Fra­ge: Hast du dich mitt­ler­wei­le da­zu ent­schie­den, ei­nen ei­ge­nen Si­gna­tu­re Bass zu ent­wi­ckeln? Du hast das The­ma ja vor ei­ni­gen Jah­ren mal auf den Tisch ge­bracht. Ich ha­be erst heu­te Mor­gen wie­der dar­über nach­ge­dacht, denn Ya­ma­ha baut mir zur­zeit ei­nen Glenn-hug­hes-si­gna­tu­reBass. Wir wer­den ihn noch in die­sem Jahr fer­tig­stel­len und dann der Öf­fent­lich­keit prä­sen­tie­ren. Es wird ei­ne Art Hy­brid zwi­schen P- und Jazz-bass, mit ei­nem dün­nen Hals und klei­nem Kor­pus. Ya­ma­ha ist ja be­kannt für Bäs­se mit schma­lem Kor­pus. Es ist ein Re­lic, viel mehr kann ich da­zu noch nicht sa­gen, weil er sich noch mit­ten im Ent­ste­hungs­pro­zess be­fin­det. Ich ver­mu­te, in ei­nem Jahr sind wir al­le schlau­er und kön­nen den Bass der Öf­fent­lich­keit prä­sen­tie­ren. Dan­ke für das Ge­spräch, Glenn, und al­les Gu­te mit Black Coun­try Communion! n [2035]

Joe Bo­na­mas­sa in Ac­tion! Ja­son Bon­ham, Sohn des ver­stor­be­nen Led-zep­pe­lin-drum­mers John Bon­ham

Sto­ry: Mat­thi­as Mi­n­eur, Fo­tos: Mi­n­eur, Oran­ge, Archiv

Fast fünf Jah­re lang herrsch­te bei Black Coun­try Communion Hän­gen im Schacht. Nach drei gran­dio­sen Stu­di­o­schei­ben und ei­ner se­hens/ hö­rens­wer­ten Live- CD/ DVD der 2011er- Tour, auf der es zwi­schen den Be­tei­lig­ten of­fen­bar hin­ter den Ku­lis­sen mäch­tig ge­kracht hat­te, schie­nen sich Star­gi­tar­rist Joe Bo­na­mas­sa und Bas­sist Glenn Hug­hes ( Deep Pur­p­le) nichts mehr zu sa­gen zu ha­ben. Schlim­mer noch: Nach al­ler­lei öf­fent­li­chen Schuld­zu­wei­sun­gen über das En­de der Band rück­te selbst für no­to­ri­sche Op­ti­mis­ten ei­ne Reuni­on in wei­te Fer­ne. Doch jetzt sind BCC wie­der zu­sam­men – in Ori­gi­nal­be­set­zung! Wir be­leuch­ten die zu­rück­lie­gen­den Jah­re und las­sen Glenn Hug­hes über die Ak­tua­li­tät sei­ner wie­der­ver­ei­nig­ten Band zu Wort kom­men.

De­rek Sher­i­ni­an (Kiss, Dream Thea­ter, Bil­ly Idol, Yng­wie Malmsteen, Ali­ce Co­oper)

Glenn Hug­hes mit sei­nem Ya­ma­ha Pro­to­ty­pen

Hug­hes mit sei­ner Oran­ge-an­la­ge, be­ste­hend aus dem Ad200b-mk3-topteil und der OBC-810-BOX.

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