Jil’s Jam! Ear­trai­ning

Gitarre & Bass - - Inhalt -

Hallo und herz­lich will­kom­men bei Jil’s Ear­trai­ning! In die­ser neu­en Rei­he möch­te ich ei­ni­ge Me­tho­den und Ide­en vor­stel­len, die dei­ne Oh­ren sys­te­ma­tisch trai­nie­ren sol­len, um ih­re Wahr­neh­mung zu er­wei­tern und zu ver­tie­fen. Mu­sik kann man als die Kunst des Hö­rens de­fi­nie­ren. Des­halb ist ein „gu­tes Ohr“die Vor­aus­set­zung für den Zu­gang zu al­len mu­si­ka­li­schen Si­tua­tio­nen. Un­ab­hän­gig von der Stil­rich­tung, sind wir im­mer mit den ein­zel­nen Bau­stei­nen der Mu­sik kon­fron­tiert: In­ter­val­le, Ak­kor­de, Ton­lei­tern, Ak­kord­fol­gen. Je ge­nau­er man die­se ein­zel­nen Tei­le wahr­neh­men kann, um­so bes­ser wird auch der ei­ge­ne Mu­sik­bei­trag und -ge­nuss. Die Übun­gen und Be­trach­tungs­wei­sen sind be­son­ders auf Gi­tar­re (bzw. auch Bass) ab­ge­stimmt. Der Schwer­punkt wird vor­wie­gend auf den Hör­übun­gen lie­gen. Ich möch­te die Se­rie mit den kleins­ten Mu­sik­bau­stei­nen be­gin­nen, den In­ter­val­len. Da­zu zu­nächst die De­fi­ni­ti­on des Be­griffs: In­ter­vall = Ab­stand zwei­er Tö­ne zu­ein­an­der. Um die­se Ab­stän­de ge­nau­er be­sp­re- chen zu kön­nen, ma­chen wir ei­nen kur­zen Aus­flug in die Mu­sik­theo­rie, wo­bei uns die C-dur-ton­lei­ter für die Her­lei­tung al­ler In­ter­val­le die­nen soll. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis ha­be ich auch ei­ne Kla­via­tur in­klu­si­ve al­ler Tö­ne ab­ge­bil­det. Be­trach- tet man auf die­ser nur die wei­ßen Tas­ten, er­ge­ben sich fol­gen­de In­ter­val­le (von C aus ge­se­hen): Im ers­ten In­ter­vall, von C nach C, brau­chen wir nur ei­ne wei­ße Tas­te (= nur ein Ton),

des­halb be­kommt die­ser Ton­ab­stand die Be­zeich­nung 1 und als la­tei­ni­schen Na­men Prim (= Ein­klang), ge­folgt von der Se­kun­de (= 2), bei der zwei Tas­ten be­nö­tigt wer­den, C und D, und von der Terz (= 3) mit drei wei­ßen Tas­ten (C,D, E), usw.. Die­se Vor­ge­hens­wei­se ist grund­le­gend und sehr wich­tig, um spä­ter bei der de­tail­lier­te­ren De­fi­ni­ti­on der In­ter­val­le nicht durch­ein­an­der­zu­kom­men. Heu­te wer­den wir zwei die­ser Ton­ab­stän­de ge­nau­er be­trach­ten, die rei­ne Quint und die rei­ne Ok­ta­ve. Ers­te­re fin­dest du in der Ta­bel­le als fünf­tes In­ter­vall dar­ge­stellt: C – G. Ab­ge­se­hen von den fünf wei­ßen Tas­ten, wel­che die­sen Ton­ab­stand grund­sätz­lich de­fi­nie­ren, brau­chen wir nun auch die An­zahl der Halb­ton­schrit­te, um tat­säch­lich ei­ne rei­ne Quin­te zu er­hal­ten. Da C-G be­reits ei­ne rei­ne Quin­te ist, kön­nen wir di­rekt in der Kla­via­tur nach­zäh­len. Da­bei kom­men zu­sätz­lich die schwar­zen Tas­ten zum Ein­satz, und es wer­den nur die Schrit­te ge­zählt, nicht aber der ers­te Ton: C- Cis, Cis- D, D- Dis etc... sind ins­ge­samt 7 Halb­ton­schrit­te. Zur end­gül­ti­gen Be­stim­mung ei­nes In­ter­valls müs­sen wir al­so im­mer zwei Din­ge tun: 1. das Grund­in­ter­vall fest­le­gen (wei­ße Tas­ten) und 2. die ge­naue An­zahl der Halb­ton­schrit­te be­stim­men. Lass uns nun zur Übung ei­ni­ge rei­ne Quin­ten von an­de­ren Tö­nen aus her­lei­ten _ z. B. von E: Fünf wei­ße Tas­ten auf­wärts sind E-F-G-A-H, al­so ist un­ser zwei­ter Ton H. Wenn wir die Halb­ton­schrit­te zäh­len, lan­den wir eben­falls beim Ton H, der nun fix be­stimmt ist. Jetzt die Quin­te von H: HC-D-E-F er­gibt fünf wei­ße Tas­ten auf­wärts. Un­ser zwei­ter Ton muss al­so et­was mit F sein, al­ler­dings kommt man hier nur auf sechs Halb­ton­schrit­te. Um ei­nen wei­te­ren hin­zu­zu­fü­gen, muss das F auf Fis er­höht wer­den, des­halb ist un­ser In­ter­vall H – Fis. Nun das Gan­ze ab­wärts von F aus: hier lan­den wir auf dem H (F-E-D-C-H), was wie­der nur sechs Halb­ton­schrit­te er­gibt. Dem­nach müs­sen wir das H auf Bb ver­min­dern, und wir er­hal­ten F – Bb. Nach die­ser theo­re­ti­schen Ex­kur­si­on wen­den wir uns nun dem Klang der Quin­te zu, prä­sen­tiert in der Hör­übung in Bei­spiel 1 (Au­dio­track auf: www.gi­tar­re­b­ass.de/ ak­tu­el­le­aus­ga­be), die in un­ter­schied­lichs­ten Sounds ge­spielt ist, um sich an ein brei­te­res Klang­spek­trum zu ge­wöh­nen. Falls dir die­se Ton­ab­stän­de all­zu be­kannt vor­kom­men, be­trach­te auch die Fo­tos der Quin­ten auf dem Gi­tar­ren-griff­brett: Ja, es ist tat­säch­lich der Po­wer­chord, der wohl häu­figs­te Ein­satz die­ses In­ter­valls! Soll­te es dir oh­ne­hin schon klar ge­we­sen sein, kannst du in der Übung in Bei­spiel 2 beim Spie­len und Mit­sin­gen in der „gro­ßen Run­de“die Quin­ten ver­tie­fen und da­bei das neue theo­re­ti­sche Wis­sen an­wen­den: Du be­ginnst am bes­ten beim F auf der tie­fen E-sai­te, spielst den Ton und singst ihn, eben­so wie an­schlie­ßend die Quin­te auf­wärts (C), wie­der­holst das Gan­ze und singst und spielst dann zwei Mal ab­wärts C-F. Da­nach gehst du ei­nen Bund hö­her und star­test von dort aus. Ge­he hin­auf bis zum 13. Bund (Ok­ta­ve), und wan­de­re dann wie­der chro­ma­tisch her­un­ter. Zur Ver­ein­fa­chung ist es auch mög­lich, an­stel­le der ein­zel­nen Ton-na­men et­was an­de­res zu sin­gen, oder die Run­de ab­zu­kür­zen. Um den Klang noch bes­ser ein­zu­prä­gen, su­che dir be­kann­te Songs, die mit Quin­ten be­gin­nen oder die­se auf mar­kan­ten Stel­len ent­hal­ten. Un­ten ei­ni­ge Bei­spie­le ... Ge­he bei den rei­nen Ok­ta­ven ge­nau­so vor wie bei den Quin­ten, wo­bei hier die Be- nen­nung ein­fach ist: C – bleibt C, ei­ne Ok­ta­ve hö­her (= 12 Halb­ton­schrit­te). Ei­ne Hör­übung da­zu mit ver­schie­dens­ten Sounds lie­fert das Bei­spiel 3, und wie die Ok­ta­ven auf dem Griff­brett aus­se­hen, zei­gen die bei­den Ok­ta­ven-fo­tos. Sin­ge auch hier ei­ne gro­ße Run­de und su­che dir be­kann­te Hör­bei­spie­le. Ok­ta­ven wer­den im So­lo oft zur Ver­di­ckung der Me­lo­die ver­wen­det, sehr häu­fig z. B. von Wes Mont­go­me­ry aber auch im­mer wie­der von Steve Vai. Au­ßer­dem wer­den sie ger­ne als Stil­mit­tel beim Bass ein­ge­setzt. Un­ten wie­der ei­ni­ge Bei­spie­le ... Zum Schluss gibt es noch ein Hör­bei­spiel mit Quin­ten und Ok­ta­ven ge­mischt ( Bei­spiel 4). Ver­su­che, je­des In­ter­vall mög­lichst schnell zu er­ken­nen. Die Lö­sung hörst du im­mer im dar­auf­fol­gen­den Takt. Ich wün­sche dir ei­ne span­nen­de akus­ti­sche Rei­se! MI­DI- und Sound­bei­spie­le da­zu gibt es auf www. gi­tar­re­b­ass. de/ ak­tu­el­le­aus­ga­be. Über Fra­gen und/oder An­re­gun­gen auf www.ji­ly­creek.com freue ich mich! n

Bild 1: Ok­ta­ven von D- und H-sai­te Bild 2: Ok­ta­ven von E- und D-sai­te

Bild 3: Rei­ne Quin­te von G-sai­te

Bild 4: Rei­ne Quin­te

jil y. creek

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