The Art Of Bass! Ant­ho­ny Jack­son

Gitarre & Bass - - Inhalt -

Über den Ein­satz des Plek­trums beim EBass kann man ge­teil­ter Mei­nung sein. Die ei­nen kön­nen nichts da­mit an­fan­gen, die an­de­ren lie­ben es. Auch wenn man kein Ver­fech­ter die­ses Sounds bzw. die­ser Tech­nik ist, muss man ein­fach ak­zep­tie­ren, dass es zu die­sem In­stru­ment da­zu ge­hört. Das Pick-spiel be­glei­tet den E-bass schon seit sei­nen frü­hen An­fän­gen, als ihn noch vie­le auf­grund der Nä­he zur E-gi­tar­re ganz selbst­ver­ständ­lich mit dem Plek­trum spiel­ten. Spä­ter ent­wi­ckel­te sich je­doch im­mer mehr ein Be­wusst­sein da­für, dass dies nicht nur ei­ne grö­ße­re Gi­tar­re mit di­cken Sai­ten, son­dern ein voll­wer­ti­ges, ei­gen­stän­di­ges In­stru­ment ist. Da man den Kon­tra­bass schon da­mals mit den Fin­gern spiel­te, setz­te sich der Fin­ger­style bei den E-bas­sis­ten im­mer mehr durch. Heu­te sind Plek­trum-spie­ler eher in der Min­der­heit. Häu­fig fin­det man sie im Ro­ckKon­text, weil hier der här­te­re Plek­trum-sound durch­aus ge­fragt ist. Die Auf- und Ab­wärts­be­we­gun­gen des Picks er­lau­ben Spiel­wei­sen, die mit den Fin­gern nicht so ein­fach zu rea­li­sie­ren sind – na­tür­lich gibt es aber auch Ein­schrän­kun­gen. Um prä­zi­se zu spie­len, muss die­se Tech­nik ge­nau­so ge­übt wer­den wie der Fin­ger- oder Slap-style. Ant­ho­ny Jack­son ist ein 1952 ge­bo­re­ner Pro­fi-bas­sist aus New York Ci­ty. Sein Stil, der aka­de­mi­sche Stren­ge mit fun­da­men­ta­lem Groo­ve ver­eint, ist fas­zi­nie­rend und für vie­le Bas­sis­ten stil­prä­gend. Wenn man ihn live er­lebt, sieht man ei­nen Mann, der je­den ein­zel­nen Ton mit gan­zem Ein­satz und höchs­ter Kon­zen­tra­ti­on spielt – man hat fast das Ge­fühl, er spie­le um sein Le­ben. Aber ge­nau das macht auch die gro­ße In­ten­si­tät sei­nes Spiels aus. Ei­ne Zeit­lang be­nutz­te er das Plek­trum nur mit ei­nem zu­sätz­li­chen Flan­ger-pe­dal, dann spiel­te er wie­der nur mit den Fin­gern und oh­ne Ef­fek­te. Er war ei­ner der ers­ten Bas­sis­ten, die ei­nen Fünf­sai­ter ein­setz­ten (na­tür­lich mit tie­fer H-sai­te), da­nach führ­te er den Sechs­sai­ter mit zu­sätz­li­cher ho­her C-sai­te ein, den er bis heu­te spielt. Er be­stritt un­zäh­li­ge Ses­si­ons, zu­letzt war er Mit­glied in der Band der ja­pa­ni­schen Aus­nah­me­pia­nis­tin Hi­ro­mi. Den Song ‚For The Lo­ve Of Mo­ney‘ des Ge­s­angs­tri­os The O’jays, er­schie­nen 1973 auf dem Al­bum ,Ship Ahoy‘, spiel­te er im zar­ten Al­ter von 21 Jah­ren auf ei­nem Fen­der Pre­ci­si­on Bass ein. Das Kom­po­nis­ten-duo Ken­neth Gam­ble und Le­on Huff be­tei­lig­ten Ant­ho­ny Jack­son auf­grund sei­ner mar­kan­ten Bass­li­ne an den Rech­ten. Die Li­nie ist so ein­fach wie ge­ni­al, der gan­ze Song hängt buch­stäb­lich an ihr.

Die Bass­li­nie lei­tet den Song ein und be­steht im We­sent­li­chen aus ei­nem vier­tak­ti­gen Riff mit zwei ver­schie­de­nen En­dings. Man be­gann da­mals gera­de, mit neu­en Ef­fek­ten zu ex­pe­ri­men­tie­ren und so kam es, dass so­wohl auf dem Bass, als auch auf dem Schlag­zeug ein Pha­ser-ef­fekt liegt. Die Fi­gur selbst spielt sich nur zwi­schen Grund­ton, Ok­ta­ve und klei­ner Sep­ti­me ab. Mit den Auf- und Ab­wärts­schlä­gen mit­tels Plek­trum ist es recht ein­fach, De­ad- No­tes zu er­zeu­gen – und ge­nau die­ses Stil­mit­tel macht den Cha­rak­ter der Li­nie aus. Durch den Ein­stieg der an­de­ren In­stru­men­te ent­steht ei­ne sehr in­ter­es­san­te rhyth­mi­sche Ver­zah­nung. Im Ori­gi­nal wird die Li­nie mit et­li­chen Va­ria­tio­nen ge­spielt, wo­für in die­sem Work­shop je­doch nicht ge­nü­gend Platz ist. Beim Üben ra­te ich ein­fach, ver­schie­de­ne rhyth­mi­sche Va­ria­tio­nen die­ses Riffs aus­zu­pro­bie­ren. Der Song ist im Grun­de auf­ge­baut wie ein mo­der­ner Hou­se-track. Das fast mo­no­to­ne Bass-riff läuft durch, wäh­rend im­mer mehr an­de­re In­stru­men­te da­zu­kom­men. Ei­ne klei­ne, aber sehr wir­kungs­vol­le, chro­ma­ti­sche Va­ria­ti­on macht klar, dass nun der Vers be­ginnt. Hier wird das zwei­tak­ti­ge Riff auf nur noch ei­nen Takt re­du­ziert. Am En­de be­kommt der un­ge­wöhn­li­che Bass-sound durch ei­ne klei­ne Se­quenz, in der er ganz al­lei­ne steht, wie­der et­was Raum. Der zwei­te und drit­te Vers schließt mit ei­ner klei­nen har­mo­ni­schen Wen­dung ab. Er­staun­lich spät kommt schließ­lich die Bridge, wel­che in ty­pi­scher Ant­ho­ny-jack­son-ma­nier klar struk­tu­riert ist: Über die gro­ße Terz, Quin­te, Sext und Ok­ta­ve ent­steht ein flüs­si­ges, trei­ben­des Riff, wel­ches fast wie ein Per­pe­tu­um Mo­bi­le läuft, bis es end­lich von Grund­ton-ach­teln über Asus4 zum Ste­hen kommt. Die Haupt­bass­li­nie be­ginnt nun von Neu­em. Der Song er­reich­te im­mer­hin Platz 3 der ame­ri­ka­ni­schen Bill­board-r&b-charts. Die po­li­ti­sche und geis­ti­ge Bot­schaft dar­in hat­te da­mals noch Be­deu­tung, wur­de je­doch schon bald von an­de­ren Ent­wick­lun­gen über­rollt. Wenn man die­ses Stück spie­len kann, hat man die Plek­trum-tech­nik schon fast ge­meis­tert. Es geht wie beim Wech­sel­schlag im Fin­ger­style auch ein­fach nur um die sau­be­re Auf- und Ab­wärts­be­we­gung des Plek­trums. Viel Spaß beim Spie­len! n

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