Electric Blues: Ga­te­mouth Brown II

Gitarre & Bass - - Inhalt -

Auch wenn Clarence „Ga­te­mouth“Brown bei Wei­tem nicht so be­kannt ist wie et­wa B.B. King oder Stevie Ray Vaug­han, ge­nießt er in Blues-in­si­der-krei­sen ei­nen le­gen­dä­ren Ruf. Zu sei­nen Fans ge­hör­ten John­ny „Gui­tar“Wat­son, Fred­die King, Al­bert Col­lins, Lon­nie Brooks und John­ny Co­pe­land. Und sein wohl pro­mi­nen­tes­ter Un­ter­stüt­zer war kein ge­rin­ge­rer als Car­los San­ta­na, der am 12. Ju­li 2004 mit ihm im Rah­men des le­gen­dä­ren Jazz-fes­ti­vals in Mon­treux auf der Büh­ne stand. Das Event wur­de auf der Triple-dvd ‚Car­los San­ta­na pres­ents Blues at Mon­treux 2004‘ do­ku­men­tiert. San­ta­na, des­sen wich­tigs­ter gi­tar­ris­ti­scher Ein­fluss im­mer der Blues war, zoll­te als Mu­si­cal Di­rec­tor die­ses vier­stün­di­gen Spek­ta­kels auch sei­nen Ido­len Bud­dy Guy und Bob­by Par­ker mit je­weils ei­nem kom­plet­ten Set sei­nen tie­fen Re­spekt. Und dem an Lun­gen­krebs er­krank­ten Clarence „Ga­te­mouth“Brown ließ er groß­zü­gig er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung zu­kom­men. Ga­te, wie ihn sei­ne Freun­de nann­ten, ver­dank­te sei­nen Spitz­na­men sei­ner lau­ten Stim­me und war ein her­aus­ra­gen­der Sän­ger. Trotz­dem er­schien schon 1953 auf dem Pe­a­cock-la­bel mit ‚Boo­gie Upro­ar‘ ein rein in­stru­men­ta­ler Track. 1954 folg­te, wie­der auf Pe­a­cock, mit ‚Okie Dokie Stomp‘ ein wei­te­rer Song, der Ga­tes Gi­tar­re in den Mit­tel­punkt stell­te. Be­glei­tet wur­de er vom Plu­ma Da­vis Orches­tra, ei­ner mit­rei­ßend groo­ven­den voll­be­setz­ten Big­band. Wenn es um die Ge­schich­te der Gui­tar- In­stru­men­tals geht, fal­len re­gel­mä­ßig Na­men wie Dua­ne Ed­dy, The Ven­tures, The Sha­dows oder Dick Da­le. Aber all die­se Mu­si­ker, die den Weg be­rei­te­ten für Fleet­wood Mac, The Allman Bro­thers Band, Car­los San­ta­na, Jeff Beck oder Steve Vai, ka­men nach Clarence „Ga­te­mouth“Brown. Und auch wenn es fast un­mög­lich scheint, ei­nen be­stimm­ten Song als den ers­ten E-gi­tar­ren-hit in der Ge­schich­te der Rock-mu­sik zu be­stim­men, kommt dem am 10. Sep­tem­ber 2005 in Oran­ge, Te­xas ver­stor­be­nen Aus­nah­me­mu­si­ker der Ver­dienst zu, die E-gi­tar­re als voll­wer­ti­ges Le­ad-in­stru­ment eta­bliert zu ha­ben, das Song-the­men tra­gen und die an­ge­stamm­te Rol­le ei­nes Sän­gers über­neh­men kann. Apro­pos The­ma: Es gibt ja al­te ElectricBlues-songs wie T-bo­ne Wal­kers ‚Me­an World‘ (Gi­tar­re & Bass 09/2016), die mit zwei Cho­rus­sen Gi­tar­ren-so­lo be­gin­nen, be­vor der Ge­sang ein­setzt. Beim ‚Okie Dokie Stomp‘ aber ist nichts im­pro­vi­siert, das The­ma ist aus­kom­po­niert. Ga­te spiel­te den Song in sei­ner lan­gen Kar­rie­re im­mer wie­der auf ver­schie­de­nen Gigs, und die Num­mer wur­de ei­ner sei­ner Si­gna­tu­re Tracks. Es gibt Ver­sio­nen, die noch er­heb­lich schnel­ler ge­spielt wur­den als die für uns maß­geb­li­che Sing­le-ver­si­on mit 181 bpm. Ga­te pass­te sich den wech­seln­den Ton­ar­ten sei­ner Songs mit ei­nem Ca­po an. ‚Okie

Eb- Dokie Stomp‘ ist in Dur ge­schrie­ben, und so mon­tier­te er sei­nen Ca­po kon­se­quent am 11. Bund. Nach­ma­chen emp­feh­le ich nur Hard­core-fans. Die Gi­tar­re so ver­nünf­tig zu stim­men, ist kein leich­tes Un­ter­fan­gen, und au­ßer­dem nimmt so die Sai­ten­span­nung enorm zu – das Spiel­ge­fühl ist sehr ge­wöh­nungs­be­dürf­tig. Des­halb ha­be ich in Bei­spiel 1 die ers­ten drei Cho­rus­se des Songs für ei­ne ganz nor­mal ge­stimm­te Gi­tar­re no­tiert. Für die Au­dio­da­tei ha­be ich au­ßer­dem ein

Plek­trum ver­wen­det und dem Gi­tar­ren­sound ei­nen Hauch Tweed-crunch ver­passt, der bei Ga­tes oben schon er­wähn­ter Auf­nah­me von ‚Boo­gie Upro­ar‘ schon 1953 zu hö­ren war. Die drei Cho­rus­se zu ler­nen lohnt sich, weil das The­ma aus lau- ter mit­sing­ba­ren, su­per swin­gen­den Mo­ti­ven be­steht, die ganz ne­ben­her das ei­ge­ne Vo­ka­bu­lar in Sa­chen Blues-licks enorm und mit Sub­stanz er­wei­tern. Bei­spiel 2 zeigt die Wal­king-bass-li­ni­en des Bas­sis­ten des Plu­ma Da­vis Orches­tra, eben­falls ein loh­nen­des Ob­jekt, jetzt für Blues-bas­sis­ten, die ihr Re­per­toire be­rei­chern wol­len. Kom­men­ta­re, Fra­gen, Lob oder Ta­del an wkeh­le@t-on­line.de oder an die Re­dak­ti­on. n

wolf­gang keh­le

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