... and Chor­ds! Gra­vi­ty von John May­er

Gitarre & Bass - - Inhalt -

John May­er ist ein Phä­no­men: Auf der ei­nen Sei­te ist er ein Grahls­hü­ter der Blues­gi­tar­re und ei­ner der viel­sei­tigs­ten, ver­sier­tes­ten und tra­di­ti­ons­be­wuss­tes­ten Gi­tar­ris­ten der letz­ten 15 Jah­re, der schon längst in ei­nem Atem­zug mit Le­gen­den wie Clap­ton oder den di­ver­sen Kings ge­nannt wer­den kann. Auf der an­de­ren Sei­te ist er aber auch ein er­folg­rei­cher Charts-stür­mer, der es stan­des­ge­mäß im­mer mal wie­der in die Re­gen­bo­gen­pres­se schafft. Zu­letzt – und so­viel Tri­via darf bei sei­nem Le­bens­lauf schon sein – fiel sein Na­me in ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Talk­show in ei­nem Kon­text, der es auch den hie­si­gen Me­di­en­ver­tre­tern wert war, be­rich­tet zu wer­den: Ka­ty Per­ry, das ak­tu­el­le, ame­ri­ka­ni­sche Blüm­chen-pen­dant, muss­te ein Ran­king ih­rer drei Ex-lo­ver – al­le­samt Mit­tel­klas­se-pro­mis – er­stel­len. Platz 3 und 2 des „Sex-ran­kings“(Ex­press)... ge­schenkt. Aber Platz 1 be­legt eben die­ser ge­wis­se John May­er. Na­ja, auch egal. Schließ­lich geht es hier um Mu­sik. Trotz­dem – oder gera­de des­we­gen eben nicht – über­rascht sei­ne Aus­sa­ge zum Ge­gen­stand des vor­lie­gen­den Work­shops, dem Song ,Gra­vi­ty‘, dass die­se doch eher schwer­mü­ti­ge, an sich selbst zwei­feln­de Num­mer die wich­tigs­te sei, die er je ge­schrie­ben ha­be und dass es ihm im An­ge­sicht sei­nes Kamp­fes mit der ei­ge­nen Ver­sa­gens­angst schwer­fal­le, sei­ne Tä­tig­keit als Mu­si­ker als Full­time-job an­zu­er­ken­nen. Denn das blo­ße Meis­tern des Le­bens an sich ver­lan­ge ihm viel mehr ab. So ver­wun­dert es nicht, dass May­er die Ly­rics zu die­sem Song in ei­ne blue­si­ge, ein­fach ge­strick­te 6/ 8- Bal­la­de pack­te, die mit Or­gel, Bass, Schlag­zeug und Gi­tar­re nur spär­lich in­stru­men­tiert ist. Was man aus ei­ner so sim­plen aber ein­dring­li­chen Num­mer her­aus­ho­len kann, soll in die­sem Work­shop ver­an­schau­licht wer­den, wes­halb es dies­mal zwei Leads­heets zu ein und der­sel­ben Num­mer gibt. Bei­spiel 1 zeigt den Ablauf der Stu­dio-ver­si­on von ,Gra­vi­ty‘, 2006 er­schie­nen auf ,Con­ti­nu­um‘. In die­ser Va­ri­an­te ist die Form des Songs recht über­sicht­lich: Ein­ge­rahmt von In­tro und Ou­tro, die je­weils auf den Vers-har­mo­ni­en (G und C) ba­sie­ren, wech­seln sich drei­mal Ver­se und Cho­rus ab (acht Tak­te lang). Im drit­ten Durch­lauf der Stro­phe wird der Ge­sang durch ein Gi­tar­ren­so­lo er­setzt. In­ter­es­sant sind die Ak­kor­de des Re­frains, da May­er hier ge­schmack­voll ei­ne recht jaz­zi­ge Har­mo­nie­fol­ge in­klu­si­ve Ton­art­wech­sel ver­wen­det, oh­ne da­bei den Pop aus den Au­gen zu ver­lie­ren: In den ers­ten zwei Tak­ten ist mit den Ak­kor­den Am7 und D7 ei­ne Ii-v-ver­bin­dung in G-dur zu hö­ren, die sich

Eb­maj7 in der Fol­ge al­ler­dings nach Gm auf­löst, ehe über und D7 schließ­lich zur Aus­gangs­ton­art G-dur zu­rück­ge­fun­den wird. Die Live-ver­si­on, wie sie 2008 auf ,Whe­re The Light Is: John May­er Live In Los An­ge­les‘ ver­öf­fent­licht wur­de, folgt in ih­rer Struk­tur na­tür­lich dem Ori­gi­nal, ist von ih­rer Form her je­doch um ei­ni­ges kom­ple­xer (und mehr als fünf Mi­nu­ten län­ger). Da­mit zeigt der 39-Jäh­ri­ge, wie leicht man ei­ne „Pop“-num­mer mit we­ni­gen Hand­grif­fen zu ei­nem be­ein­dru­cken­den Live-er­leb­nis aus­bau­en kann. Na­tür­lich hat vor al­lem sein So­lo-spiel er­heb­li­chen An­teil dar­an, dass die­se neun­ein­halb Mi­nu­ten bei je­dem Gi­tar­ris­ten Spu­ren hin­ter­las­sen, aber um ei­ne sol­che Zeit­span­ne kurz­wei­lig zu ge­stal­ten, braucht es auch die rich­ti­ge Form ( Bei­spiel 2). Und so be­ginnt May­er nach ei­nem kur­zen So­lo-in­tro mit ei­ner Co­ver-ver­si­on der Otis-red­ding-num­mer ,I’ve Got Dreams To Re­mem­ber‘, die auf den­sel­ben Ak­kor­den wie die Stro­phe von ,Gra­vi­ty‘ ba­siert. Dar­auf folgt zu­nächst die aus der Stu­dio-ver­si­on be­kann­te Ab­fol­ge von In­tro, Vers und Cho­rus, wo­bei May­er zwei­mal die ers­te Stro­phe singt und sich schon nach zwei Durch­gän­gen die Frei­heit ei­nes 16-tak­ti­gen So­los nimmt. An­schlie­ßend kommt ei­ne drit­te Stro­phe (mit dem Text der zwei­ten aus dem Ori­gi­nal), aus der die Band in ein In­ter­lu­de zum Schluss-so­lo über­geht. In der zwei­ten Hälf­te die­ses In­ter­lu­des wird ei­ne Va­ria­ti­on der Ak­kor­de im Vers ein­ge­führt, die bis zum En­de des Songs ge­hal­ten wird: Die vier­tak­ti­ge Form be­ginnt zu­nächst auf zwei Tak­ten G-dur, um an­schlie­ßend das ei­gent­li­che C-dur durch die halb­tak­tig wech­seln­den Har­mo­ni­en DM-C-G-AM zu er­set­zen (der Bass bleibt da­bei beim Grund­ton C). Viel Spaß beim Er­kun­den und Er­fah­ren der Schwer­kraft! n

John May­er 2006

Die Sing­le Gra­vi­ty

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