Lick Of The Month! John May­er: Gra­vi­ty

Gitarre & Bass - - Inhalt -

Die Kar­rie­re von Sän­ger und Gi­tar­rist John May­er (* 10.10.1977, Bridge­port, Con­nec­ti­cut) lief von Be­ginn an wie ge­schmiert. Und er wuss­te wohl im­mer ge­nau, was er woll­te. John zeig­te schon früh Ta­lent fürs Gi­tar­re­spie­len und mit An­fang 20 stu­dier­te er an dem re­nom­mier­ten Ber­klee Col­le­ge Of Mu­sic. Al­ler­dings nur zwei Se­mes­ter, da­nach dreh­te er sein ei­ge­nes Ding und über­rasch­te im Lau­fe der Jah­re im­mer wie­der mit klei­ne­ren Stil­wech­seln. Mit sei­nem De­büt­al­bum ,Room for Squa­res‘ (2001) konn­te er sich als sen­si­bler Sin­ger/song­wri­ter eta­blie­ren, der sei­ne Hö­rer mit pa­the­ti­scher Stim­me so­fort ein­nimmt. An­fangs eher im Pop zu Hau­se, füg­te er sei­ner Mu­sik zu­neh­mend Ele­men­te aus Blues und Rock hin­zu. Und die­se Sei­te sei­ner mu­si­ka­li­schen Per­sön­lich­keit pfleg­te May­er dann auch mit Gast­auf­trit­ten auf Al­ben von Bud­dy Guy (,Bring ‘Em In‘), Eric Clap­ton (,The Bree­ze: An App­re­cia­ti­on Of JJ Ca­le‘) und B.B. King (,80‘). 2006 er­schien mit ,Con­ti­nu­um‘ ein Al­bum, das Pop-me­lo­di­en mit Soul und Funk ver­schmolz. Für die schar­fen Groo­ves wa­ren Pi­no Pal­la­di­no (Bass) und Steve Jor­dan (Drums) ver­ant­wort­lich, zu­dem färb­te hier und da auch mal ei­ne Ham­mon­dOr­gel die ru­hi­ge­ren Mo­men­te. Herr May­er sang un­glaub­lich be­seelt, und sein Gi­tar­ren­spiel war tief im Blues ver­wur­zelt. Zu­dem würz­te er sei­ne So­li auch im­mer wie­der mit span­nen­den jaz­zi­gen Wen­dun­gen. Und dies al­les in ei­nem weit­ge­hend un­ver­zerr­ten und den­noch prä- sen­ten Gi­tar­ren-sound ( s. Kas­ten). Und in die­sem eher ru­di­men­tä­ren Stil prä­sen­tier­te er auch ei­ne im bes­ten Sin­ne stim­mungs­vol­le wie vir­tuo­se In­ter­pre­ta­ti­on von Ji­mi Hen­d­rix‘ ,Axis Bold As Lo­ve‘ – mit Gän­se­haut-so­li und ei­ner Phra­sie­rung ähn­lich der von Stevie Ray Vaug­han. Über­haupt sind es die Bal­la­den, die zu den Hö­he­punk­ten von ,Con­ti­nu­um‘ ge­hö­ren. ,Gra­vi­ty‘ war ein klei­ner Hit des Al­bums, und sein lang­sa­mer 6/ 8- Beat zieht den Hö­rer hin­ein in ei­ne schö­ne Soul-num­mer, in der ge­gen En­de auch Ali­cia Keys im Back­groun­dGe­sang zu hö­ren ist. Über Drums, Bass und Ham­mond-or­gel-flä­chen ent­fal­tet sich May­ers un­auf­dring­li­ches wie tief ge- hen­des Spiel. Nach stim­mungs­vol­lem Be­ginn setzt die Gi­tar­re in Takt 4 mit ei­nem ge­ra­de­zu weich ge­spiel­ten Lick ei­nen me­lo­di­schen Ak­zent. Das Lick wird dann ins­ge­samt vier mal wie­der­holt, beim zwei­ten und vier­ten Ma­le je­doch de­zent ver­än­dert. Im Kern be­steht das Dur-lick aus der Kom­bi­na­ti­on des Grund­tons g mit der gro­ßen Sex­te e und dem Ganz­tonBend a- b, al­so von der Se­kun­de zur gro­ßen Terz. In der fol­gen­den Va­ria­ti­on wird statt des Bends mit Fin­ger­vi­bra­to jetzt das dop­pel­te a mit Fin­ger­vi­bra­to ge­setzt. Kei­ne gro­ße Sa­che, die je­doch den fei­nen Un­ter­schied aus­macht. Im Vi­deo zu die­sem Work­shop wird de­mons­triert, wie das Bei­spiel ge­spielt wird. Und da­mit soll­te es kein Pro­blem sein, sich selbst den

Rest des In­tros zu er­schlie­ßen. Ei­ne ers­te wie wich­ti­ge An­mer­kung zum Sound (s. Kas­ten): Die oben an­ge­spro­che­ne sanf­te Spiel­wei­se er­klärt sich auch durch den An­schlag mit den Fin­gern, wie man ihn auch in ver­schie­de­nen Live-mit­schnit­ten von ,Gra­vi­ty‘ sieht. Letzt­lich dreht es sich in die­sen we­ni­gen No­ten gleich um ei­ne gan­ze Rei­he The­men: In­to­na­ti­on, Phra­sie­rung und wie man durch nur klei­ne Ver­zie­run­gen ein Lick in der Wie­der­ho­lung le­ben­dig hal­ten kann. Es lohnt sich al­so ab­so­lut, ins schö­ne Ori­gi­nal rein­hö­ren. Und viel­leicht fällt dann dem ein oder an­de­ren auch auf, dass der An­satz an ,Won­der­ful To­night‘ von Eric Clap­ton er­in­nert. Auch hier wie­der­holt Clap­ton vier­mal ein recht ähn­li­ches Mo­tiv inkl. Ganz­ton-ben­ding, das zwar in der Stu­dio­ver­si­on noch iden­tisch ge­spielt, live je­doch im­mer ganz leicht ab­ge­wan­delt wird. Apro­pos Clap­ton: In den Li­ner No­tes sei­nes Al­bums be­merkt John un­ter „Din­ge die du wis­sen soll­test“: „Eric Clap­ton weiß, dass ich von ihm stehle, und er sieht es im­mer noch lo­cker.“Macht ja nix, letzt­lich steht May­er da­mit in ei­ner lan­gen Tra­di­ti­on, die von den Blues-iko­nen wie Fred­die King oder B.B. King bis hin zu Slow­hand und wei­ter reicht. B. B. hin, Eric her, hört man sich durch den ge­sam­ten Song bzw. ,Con­ti­nu­um‘, wird May­ers ei­ge­ner Stil of­fen­sicht­lich. Er würzt sein Spiel und sei­ne Songs ger­ne mit Jazz-ele­men­ten. Und sei­ne Phra­sie­rung und In­to­na­ti­on sind un­glaub­lich pa­ckend, je­de No­te lebt und trans­por­tiert oft schar­fe blue­si­ge Rei­bung. Kann man so nicht ler­nen, muss man auch nicht. Schließ­lich geht‘ s auch in die­ser Fol­ge ums Zu­hö­ren, sich in­spi­rie­ren las­sen und Aus­pro­bie­ren. Und dies hat den Zweck, am En­de schließ­lich sein ei­ge­nes Ding zu ma­chen! Viel Spaß mit dem Lick des Mo­nats. n

John May­er 2017

2006: Con­ti­nu­um

arnd mül­ler

John May­ers „Black One“

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