War­wick Mas­ter­built Strea­mer Sta­ge II, E-bass

War­wick Mas­ter­built Strea­mer Sta­ge II Jus­tin Chan­cel­lor, die Bass- Macht von Tool, bringt man wie kaum ei­nen an­de­ren Bas­sis­ten mit Wal- Bäs­sen in Ver­bin­dung. Nach ei­nem Be­such in der War­wick- Fer­ti­gung muss­te je­doch drin­gend ein ei­ge­ner Strea­mer her, der

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Ste­fan Braun­schmidt

Jus­tin er­zähl­te uns be­reits im In­ter­view (Aus­ga­be 04/2017), dass er sei­ne WalBäs­se zwar ger­ne spielt, sie je­doch auf­grund ih­res sehr spe­zi­el­len Sounds längst nicht für je­den Zweck be­nutzt. Er sieht sie eher als ei­ne Art (Ach­tung, der kommt flach:) Werk­zeug, das im Tool-kon­text funk­tio­niert, und we­ni­ger als ein „wun­sch­los-glück­lich-in­stru­ment“für al­le Le­bens­la­gen. Da­heim spielt und pro­biert Jus­tin des­halb ei­ne gan­ze Rei­he ver­schie­de­ner Bäs­se, dar­un­ter auch di­ver­se Fen­der-vin­ta­ge-klas­si­ker. Schwer be­ein­druckt von sei­nem War­wick-werk­stattBe­such beim Bass­camp 2016 soll­te je­doch mal wie­der et­was Mo­der­ne­res her: Ein Strea­mer soll­te es sein, ein Bass der bei Be­darf rich­tig hea­vy klingt und trotz­dem noch fle­xi­bel ge­nug für al­les an­de­re ist. Wer mit dem Tool-bass-sound ver­traut ist, wird be­reits ah­nen, dass es für solch ei­nen of­fen­siv-na­ge­li­gen und gleich­zei­tig fet­ten, durch­weg kon­trol­lier­ten Bass-ham­mer ei­ne be­son­de­re Kon­struk­ti­on braucht, mit der die­ser Strea­mer zwei­fel­los auf­war­ten kann. Für al­le, die we­ni­ger mit Jus­tins Sound ver­traut sind, emp­feh­le ich als Hör­pro­be die iso­lier­te Bass-spur des Songs Vi­ca­rious vom letz­ten Tool- Al­bum ,10.000 Days‘, die sich hier fin­det: www.gi­tar­re­b­ass.de/tool-bass

mas­se und klas­se

Ein wich­ti­ges Haupt­merk­mal des kom­plett im deut­schen War­wick-cust­omshop ge­fer­tig­ten Edel- Teils ist sein Ge­wicht: Sat­te 5,4 kg bringt die­ser eher zier­li­che und äu­ßerst er­go­no­misch ge­form­te Tief­tö­ner auf die Waa­ge. Grund hier­für ist der Holz-mix: Für den Kor­pus hat Herr Chan­cel­lor sich wun­der­schö­nes und ul­tra- har­tes Bu­bin­ga Pom­melé ge­wünscht, das nun­mal sein Ge­wicht hat. Für den schlan­ken, durch­ge­hen­den Hals kommt au­ßer­dem War­wick-ty­pisch mit Af­ze­lia-strei­fen ge­sperr­te Wen­ge zum Ein­satz – eben­falls kein Leicht­ge­wicht un­ter den Höl­zern. Hat man wie Jus­tin ei­nen star­ken Rü­cken und – nicht we­ni­ger wich­tig – ei­nen gu­ten Gurt, ist so viel Mas­se gera­de noch so ver­kraft­bar; für stun­den­lan­ge Top-40Gigs gibt es je­doch si­cher­lich at­trak­ti­ve­re In­stru­men­te. Be­lohnt wird man von ei­ner solch stei­fen und mas­si­ven Kon­struk­ti­on meist mit ei­nem be­son­ders kon­trol­lier­ten, leicht kom­pri­mier­ten Ton, der sich mit star­ken Prä­sen­zen und kla­rer Ar­ti­ku­la­ti­on auch durch dich­te Gi­tar­ren-wän­de beißt. Die Ex­trap­fun­de ma­chen im ToolKon­text al­so durch­aus Sinn. In Sa­chen Hard­ware darf es in die­ser Preis­klas­se na­tür­lich nur das Bes­te sein: Der zwei­tei­li­ge, ver­gol­de­te War­wick-steg aus mas­si­vem Mes­sing ruht für ei­ne bes­se­re Schwin­gungs-über­tra­gung auf ei­nem in den Kor­pus ein­ge­las­se­nen Sustain-block, die haus­ei­ge­nen Tu­ner ha­ben ex­tra­leich­te Stimm­flü­gel, die aus dem glei­chen Holz wie der Kor­pus ge­fer­tigt sind und der hö­hen­ver­stell­ba­re Mes­sing-sat­tel lässt sich in Se­kun­den­schnel­le auf die rich­ti­ge Hö­he jus­tie­ren. 24 ex­tra­har­te Jum­boBün­de aus ei­ner spe­zi­el­len Bron­ze-le­gie­rung sit­zen per­fekt in dem glän­zend

po­lier­ten Ti­ger­stri­pe-Eb­o­ny- Griff­brett, des­sen Kan­ten mit lu­mi­nes­zen­ten Si­deDots ver­se­hen sind und beim Sä­gen der Bund­schlit­ze nicht durch­trennt wur­den. Das sieht nicht nur ele­gant aus, son­dern ver­stärkt auch den oh­ne­hin schon sehr stei­fen Hals. Bei der elek­tro­ni­schen Aus­stat­tung hat sich Jus­tin Chan­cel­lor für ein Pär­chen Nord­strand Big-bla­de­man-hum­bu­cker ent­schie­den, das zu­sam­men mit Nord­strands 3B-5b-elek­tro­nik und zwei Schal­tern, mit de­nen sich die Pick­ups se­ri­ell, par­al­lel und als Sing­le­coil be­trei­ben las­sen, ei­ne brei­te Sound­pa­let­te ver­spricht. Die Bla­de­man-ton­ab­neh­mer be­sit­zen ei­ne be­son­de­re Kon­struk­ti­on, bei der je­de Sai­te von zwei brei­ten StahlK­lin­gen ab­ge­nom­men wird, die von der Un­ter­sei­te ma­gne­ti­siert wer­den. Die Idee für die Se­rie kam Ca­rey Nord­strand – CEO von Nord­strand Pick­ups – tat­säch­lich bei ei­nem Ge­spräch mit Jus­tin Chan­cel­lor: Ziel war es, mit ei­nem et­was sim­ple­ren Auf­bau den mar­kan­ten Ton der sehr kom­ple­xen Wal-pick­ups ein­zu­fan­gen, und so wur­de der Pick­up Jus­tin qua­si auf den Leib ge­schnei­dert. Ca­rey be­schreibt den Ton des Big-bla­de­man-mo­dells als ex­trem laut, sprit­zig und kraft­voll – das klingt in der Tat wie für Tool ge­macht.

prä­zi­si­ons- ham­mer

Hat man sich erst mal an das Ge­wicht des Edel-bro­ckens ge­wöhnt, lernt man sei­ne Be­spiel­bar­keit schnell zu schät­zen: Der aus­ge­spro­chen schlan­ke Hals fühlt sich durch die of­fe­nen gro­ßen Po­ren des Wen­ge-hol­zes schön grif­fig an, der er­go­no­misch ge­wölb­te Kor­pus schmiegt sich au­ßer­dem per­fekt an den Kör­per. Dank der ge­sun­den Mas­se bleibt der Sta­ge II stets in ei­ner güns­ti­gen Spiel­po­si­ti­on – das gilt auch fürs Spie­len im Sit­zen. Schon un­ver­stärkt klingt die­ser Strea­mer auf­ge­räumt, bis­sig und leicht kom­pri­miert mit ei­nem dunk­len Growl und be­mer­kens­wer­tem Sustain. Die star­ken Nord­strand-pick­ups set­zen die­sen Ton mit reich­lich Out­put in Sze­ne und bie­ten in den un­ter­schied­li­chen Spu­len-kom­bi­na­tio­nen un­zäh­li­ge Fa­cet­ten des tro­cke­nen Po­wer-sounds. Be­son­ders die Se­ri­el­lSchal­tun­gen ge­ben ein er­bar­mungs­lo­ses Brett raus, mit ei­ner leicht dunk­len No­te und sa­gen­haft fet­ten Bäs­sen und Tief­mit­ten – ein biss­chen wie ein noch hei­ße­rer Thun­der­bird. Deut­lich zah­mer und mo­der­ner kom­men die Hum­bu­cker in ih­ren je­wei­li­gen Par­al­lel-schal­tun­gen, wo­bei der Steg-ton­ab­neh­mer mit et­was Hil­fe der Bass- und Hö­hen-reg­lern fast Mu­si­cMan-ar­ti­ge Tö­ne von sich gibt. Die Par­al­lel- Sounds eig­nen sich be­son­ders für per­kus­si­ve Slap- und Pick-tech­ni­ken und

punk­ten mit viel Klar­heit und De­teil­reich­tum. Ein ech­ter Cha­rak­ter- Ton er­war­tet uns au­ßer­dem beim Hals- Pick­up im Sing­le­coil- Mo­dus: Fast Pre­ci-mä­ßig bellt ei­nem der Strea­mer hier ent­ge­gen, mit sat­ten Mit­ten und viel Biss. Trotz der al­les an­de­re als old­schoo­li­gen Kon­struk­ti­on lässt sich hier er­staun­lich viel Vin­ta­ge-flair ab­ru­fen, wo­bei sich der Sta­ge II ei­ne ge­wis­se Por­ti­on Draht und Sustain nie ganz ver­knei­fen kann. Schal­tet man nun den Steg-pi­ckug als Sing­le­coil hin­zu, geht die Rei­se zwar ten­den­zi­ell in Rich­tung Jazz Bass, al­ler­dings bleibt der Ton deut­lich mo­der­ner und aus­ge­höhl­ter in den Mit­ten. Der äu­ßerst ef­fi­zi­en­te und er­freu­lich rau­scharme EQ er­wei­tert die oh­ne­hin schon über­wäl­ti­gen­de Sound- Pa­let­te und gibt dem Bass den über­zeu­gen­den letz­ten Schliff.

re­sü­mee

Bei Jus­tin Chan­cellors Strea­mer Sta­ge II tref­fen bes­te Kom­po­nen­ten und ei­ne per­fek­te Ver­ar­bei­tung auf ei­ne nicht en­den wol­len­de Soun­dViel­falt, die die­sen Bass für ab­so­lut je­des Gen­re qua­li­fi­zie­ren. Wer – wie Chan­cel­lor bei Tool – ei­ne Men­ge ver­schie­de­ner Sounds an­bie­ten muss, oder ein­fach nur ei­ne uni­ver­sel­le Stu­diound Live-waf­fe sucht und da­zu noch ei­nen ge­sun­den Rü­cken hat, ist mit die­sem In­stru­ment bes­tens be­ra­ten. Si­cher, der Preis ist def­tig, aber die­ser Strea­mer spielt nun­mal in der ab­so­lu­ten High-en­dLi­ga. n

PLUS

mar­kan­te Po­wer- Sounds erst­klas­si­ge Höl­zer & Ver­ar­bei­tung star­ke Pick­ups, bes­te Hard­ware Spiel­bar­keit Fle­xi­bi­li­tät, Soun­dviel­falt

MI­NUS

Ge­wicht ( Kun­den­wunsch)

FO­TOS Die­ter Stork

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