Gi­tar­ren­mu­sik

Gitarre & Bass - - News -

• BLACK LA­BEL SOCIETY: GRIMMEST HITS. Auch wenn das skur­ri­le Kin­der­ge­burts­tags­vi­deo zu ,Room Of Night­ma­res‘ kurz­zei­tig ei­nen an­de­ren Ein­druck ver­mit­telt hat­te: Black La­bel Society neh­men auf ih­rem neu­en Stu­dio­al­bum ,Grimmest Hits‘ kei­ne Ge­fan­ge­nen, son­dern feu­ern ih­ren lo­dern­den Doom Me­tal ge­wohnt un­barm­her­zig aus der Hüf­te. Gleich­zei­tig scheint man bei Haupt­ge­sell­schaf­ter Zakk Wyl­de zu spü­ren, dass er durch sei­ne lan­ger­hoff­te Rück­kehr in die Band von Oz­zy Os­bourne end­lich Druck aus dem Kes­sel las­sen konn­te. Wie schon pha­sen­wei­se auf dem Vor­gän­ger ,Cat­a­combs Of The Black Va­ti­can‘ (2014) sind die frü­her zu ver­zeich­nen­den all­zu der­ben Pan­te­ra/hard­core-ein­flüs­se ei­ner ro­cki­ge­ren, me­lo­di­sche­ren Gan­gart ge­wi­chen. In ,Sea­sons Of Fal­ter‘ ver­ar­bei­tet Wyl­de un­ver­hoh­len Ein­flüs­se ei­nes stau­bi­gen 70erJah­re Hard­rock, Num­mern wie ,The Be­tra­y­al‘ oder ,All That On­ce Shi­ned‘ hät­ten auch aus sei­ner An­ge­bots­lis­te fürs nächs­te Oz­zyAl­bum stam­men kön­nen. Und mit der an sei­ne Kurz­zeit-trio-pri­de & Glo­ry-ära er­in­nern­den blue­si­gen Sou­thern-rock-bal­la­de ,The Day That Hea­ven Had Go­ne Away‘ dürf­te er sich ge­trost auch bei Ly­nyrd Sky­nyrd be­wer­ben. mm • MA­CHI­NE HE­AD: CATHARSIS. Die selbst für vie­le Fach­leu­te ziem­lich über­ra­schend lang­an­hal­ten­den Er­fol­ge von der­ben Me­tal-bands wie In Fla­mes oder Fi­ve Fin­ger De­ath Punch we­cken nicht nur Be­gehr­lich­kei­ten, son­dern ha­ben of­fen­bar auch so manch schla­fen­dem Lö­wen die Au­gen (und Oh­ren) ge­öff­net. Ma­chi­ne He­ad bei­spiels­wei­se ge­ben un­um­wun­den zu, dass ihr neu­es Al­bum ,Catharsis‘ nicht dem frü­her üb­li­chen Mot­to „här­ter, schnel­ler, bru­ta­ler“folgt, son­dern ei­nen eher ent­ge­gen­ge­setz­ten Weg ein­schlägt. Oh­ne rot zu wer­den ver­mel­det Front­mann Robb Flynn, dass er an­statt auf – wie er es nennt – „bru­tal poe­try“dies­mal stär­ker auf all­täg­li­che Ge­schich­ten ge­setzt und sei­nen Band­kol­le­gen in­stru­men­ta­le Zu­rück­hal­tung auf­er­legt hat. Wer nun be­fürch­tet, es hand­le sich hier um ei­nen kal­ku­liert vor­ge­nom­me­nen Weich­spül­gang, kann er­leich­tert au­f­at­men: ,Catharsis‘ ist und bleibt bein­har­ter Ma­chineHe­ad-me­tal bis an den ge­fühl­ten Rand der Na­cken­star­re. Selbst die ers­te aus­ge­kop­pel­te Sing­le ,Bey­ond The Pa­le‘ wird beim durch­schnitt­li­chen Ra­dio­pu­bli­kum eher ei­ne Über­säue­rung des Ma­gens als ei­nen Hauch von Wohl­ge­fühl aus­lö­sen. Die­ser Lö­we beißt noch im­mer! mm • LUMINOS W: PUNKT. Pe­ter Wölpl heißt der Gi­tar­rist die­ser Auf­nah­men, die er zur Hälf­te mit dem Schlag­zeu­ger Oli Ru­bow kom­po­niert hat – die bei­den sind näm­lich Luminos W. Der Mün­che­ner Ses­si­on-play­er und der Frank­fur­ter Drum­mer sind er­fah­re­ne Mu­si­ker, die u.a. mit Bil­ly Cob­ham, Wolf­gang Schmid, Hell­mut Hatt­ler, De Phazz, Deep Di­ve Corp. ar­bei­ten bzw. ge­ar­bei­tet ha­ben. Kom­men wir zum ,Punkt‘: Zu hö­ren sind sat­te Groo­ves, schö­ne Le­ad- und Space-gi­tar­ren, und je­de Men­ge Synths, Sound & Sam­ples. Zwi­schen klas­si­schem Fu­si­on, schwe­ben­dem, nor­di­schen Electro-jazz und nur ganz an­satz­wei­se be­währ­tem gi­tar­ris­ti­schem In­stru­men­ta­lis­mus à la Vai, Sa­tria­ni & Co. be­wegt sich die Mu­sik, wo­bei sie sich im­mer ganz schnell von Be­kann­tem ab­kop­pelt und dann wirk­lich ab­hebt. Ge­gen­über den bei­den Letzt­ge­nann­ten ha­ben Wölpl & Ru­bow den gro­ßen Vor­teil, im­mer wie­der über­ra­schen zu kön­nen, ihr Elec­tro­nic-ein­satz kommt au­ßer­dem et­was bo­den­stän­di­ger rü­ber als bei Ei­vind Aar­set – kurz: Ihr Mix aus in­stru­men­ta­lem Hand­werk und ab­ge­dreh­ten Sounds & Sphä­ren ist ein­fach über­ra­schend or­ga­nisch. Tol­les Al­bum – wirk­lich über­ra­schend gut. lt • NO LEGA: NO LEGA. Der Band-na­me lei­tet sich ab von de­nen der Mu­si­ker: Ma­thi­as No­wak (b), Martin Le­jeu­ne (g) und Va­len­tin Gar­vie (tp) – mit im Stu­dio war auch noch der all­ge­gen­wär­ti­ge Oli Ru­bow am Schlag­zeug. Ei­gen­kom­po­si­tio­nen der be­tei­lig­ten Mu­si­ker, zwei Du­ke-el­ling­ton-stan­dards und ei­ni­ge sehr in­ter­es­san­te Be­ar­bei­tun­gen von Gi­tar­rist Martin Le­jeu­ne prä­gen die­ses Al­bum. ,In A Mist‘ wur­de 1927 von Jazz-trom­pe­ter Bix Bei­der­be­cke kom­po­niert, und No Lega grei­fen die Mul­ti­li­nea­ri­tät des frü­hen Chi­ca­go-jazz auf, zer­le­gen die Kom­po­si­ti­on, bas­teln sie um und set­zen sie wie­der zu­sam­men. Noch spe­zi­el­ler ge­hen die vier Mu­si­ker im eben­falls von Bei­der­be­cke stam­men­den ,Da­ven­port Blues‘ an die Ar­beit, mit Te­le­fon-sound-in­tro, fun­ky groo­ven­der Jazz-gi­tar­re und ir­gend­wie quer durch die Sti­le mar­schie­rend um an­schlie­ßend kom­plett zwi­schen den Stüh­len zu sit­zen. Da kann auch die sub­til ein­ge­setz­te Elek­tro­nik in der Mu­sik nicht über­ra­schen: ein biss­chen De­lay, Raum, Wah, Zer­re, Live-sam­pling ... und dar­über die ein­sa­me Old­school-trom­pe­te des Ar­gen­ti­ni­ers Gar­vie. Span­nend und nicht ganz hu­mor­frei. Das Al­bum gibt’s als Down­load im itu­nesS­to­re und als li­mi­tier­te Cd-ver­si­on in ver­schie­de­nen, hand­ge­ar­bei­te­ten Co­ver-kunst­wer­ken im Lp-for­mat – die Uni­ka­te sind num­me­riert. Mehr In­fos: mar­tin­le­jeu­ne-jazz.de lt • JOE SA­TRIA­NI: WHAT HAP­PENS NEXT. Den Ti­tel des neu­en Sa­tria­ni-al­bums könn­te man durch­aus un­ter­schied­lich in­ter­pre­tie­ren, ei­ner­seits als rei­ne An­kün­di­gung, aber auch als Fra­ge zur Zu­kunft. Auf dem Co­ver von ,What Hap­pens Next‘ spart sich Joe ein auf­klä­ren­des Satz­zei­chen und lässt statt­des­sen Per­so­nal und Songs spre­chen. Mit Glenn Hug­hes (Deep Pur­p­le, Black Coun­try Com­mu­ni­on) hat er sich ei­nen ei­gen­wil­li­gen, bis­wei­len schwie­ri­gen Vo­gel ins Stu­dio ge­holt, aber auch ei­nen erst­klas­si­gen Bas­sis­ten, der pu­re Ener­gie lie­fert. Scha­de ei­gent­lich, dass Sa­tria­ni den als ego­ma­ni­sche Ro­ckDi­va ver­schrie­nen Hug­hes nicht auch gleich noch ei­ne oder zwei Num­mer hat sin­gen las­sen. Das wä­re dann zwar mög­lich­wei­se kon­zept­fremd ge­we­sen, aber oh­ne Zwei­fel hoch­span­nend. Oder ist da et­wa zu­künf­tig noch mehr im Busch? ,What Hap­pens Next?‘ Ge­trom­melt hat Chad Smith (Red Hot Chi­li Pep­pers), ein aus­ge­wie­se­ner Groo­ve-fach­mann mit der Ga­be, auch sim­ple Ar­ran­ge­ments un­ge­mein dy­na­misch zu trom­meln. Ist dies ein In­diz, dass die Sa­tria­ni/ha­gar/ant­ho­ny/smith-all­star­trup­pe Chi­cken­foot doch ei­ne Zu­kunft hat? ,What Hap­pens Next?‘ Er­go: Fra­gen über Fra­gen, aber auch die Er­kennt­nis, dass die neue Sa­tria­ni-schei­be über­wie­gend be­kann­ten Pfa­den folgt, im De­tail al­ler­dings et­was rau­er und wil­der als die bei­den Vor­gän­ger­wer­ke klingt. mm • AN­TI-FLAG: AME­RI­CAN FALL. An­ti-flag sind ir­gend­wie im­mer da, wenn man sie braucht. Und das schon seit 21 Jah­ren. In ih­ren An­fangs­jah­ren lie­fer­te die erst von Bill Cl­in­ton, dann von Ge­or­ge W. Bush ver­sem­mel­te Po­li­tik in den USA und das schi­zo­phre­ne Selbst­bild der Ame­ri­ka­ner ge­nü­gend An­lass zu mu­si­ka­li­schem Pro­test und lau­ter Auf­leh­nung. Mit der Oba­ma-re­gie­rung gin­gen das Feind­bild und da­mit die The­men für die Punk­ro­cker ein we­nig ver­lo­ren, was sich in ei­ner et­was schwä­che­ren Pha­se der Band äu­ßer­te. Nach den neu­es­ten Ent­wick­lun­gen war es je­doch fast schon er­wart­bar, dass An­ti-flag mit Ve­he­menz an al­te Stär­ken an­knüp­fen wür­den. Und so ist es auch. Auf ,Ame­ri­can Fall’ be­zieht die Band deut­lich Stel­lung, schreit ei­nem die Miss­stän­de ent­ge­gen, legt den Fin­ger in die Wun­de und wühlt da­rin her­um, bis es rich­tig weh­tut. Je­den­falls was die Tex­te an­geht. Mu­si­ka­lisch kommt das Al­bum ein we­nig ge­zähm­ter und pop­pi­ger da­her, be­dient je­doch im­mer noch al­les, was der selbst er­schaf­fe­ne Punk-kos­mos zu bie­ten hat:

Mitg­röhl-re­frains, schnel­le Ska-beats, di­cke Punk-riffs und schnör­kel­lo­ses Song­wri­ting. Sub­til wa­ren An­ti-flag noch nie und so hech­ten sie in nur 30 Mi­nu­ten durch die elf Songs. Doch das soll­te al­le­mal rei­chen, um den ei­nen oder an­de­ren wach­zu­rüt­teln. Ma­me • VOO­DOO CIRCLE: RAISED ON ROCK. Wä­re ich Da­vid Co­ver­da­le, ich hät­te längst Alex Bey­rodt zum neu­en Whi­tes­na­ke-gi­tar­ris­ten de­kla­riert. Kein an­de­rer Spit­zen­mu­si­ker hat so viel tra­di­tio­nel­les Whi­tes­na­ke-blut in sei­nen Adern wie der Saar­län­der, der of­fen­sicht­lich je­den Song der bri­ti­schen Rock-le­gen­de bis ins De­tail ana­ly­siert. Auch auf dem ak­tu­el­len Al­bum ,Raised On Rock‘ sei­ner Band Voo­doo Circle mit ih­rem Neu­zu­gang Her­bie Lang­hans (Avan­ta­sia, Sin­breed) zi­tiert Bey­rodt na­he­zu sämt­li­che Whi­te-

bluess­na­ke-pha­sen von ,Trou­ble‘ (1978) bis ,Fo­re­ver­mo­re‘ (2011), mopst un­ver­hoh­len, da­bei aber un­ge­mein char­mant Sounds und Hooks bei gro­ßen Hits wie ,Is This Lo­ve‘ (hier: ,Whe­re Is The World We Lo­ve‘ ), ,Cry­ing In The Rain‘ (,Walk The Li­ne‘ ) oder ,Don´t Break My He­art Again‘ (,Just Ta­ke My He­art‘ ), um so­gar ei­ne Art Ex­kurs der Co­ver­da­le/pa­ge-num­mer ,Sha­ke My Tree‘ (bei Voo­doo Circle heißt er ,You Pro­mi­sed Me Hea­ven‘ ) an­zu­bie­ten. Par­al­lel da­zu zupft er sei­ne Axt wie wei­land Mi­cky Moo­dy, Mel Gal­ley, Ber­nie Mars­den, Adrian Van­den­berg, Ste­ve Vai und John Sy­kes und zi­tiert auch so manch be­kann­tes Black­mo­re-, Led Zep­pe­lin- und Hen­d­ri­x­Lick. Wes­halb Co­ver­da­le den Mann noch im­mer nicht ver­pflich­tet hat? Man weiß es nicht. Falls das Pro­blem da­rin be­steht, dass Bey­rodt Deut­scher und so­mit kein eng­lish na­ti­ve speaker ist: Ich stel­le mich als Dol­met­scher zur Ver­fü­gung! mm n

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